Philipp Nicolai

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Philipp Nicolai - Pfarrer und Liedermacher aus Mengeringhausen
Philipp Nicolai war ein Pfarrer und Liedermacher aus Mengeringhausen im Landkreis Waldeck-Frankenberg.

Leben und Wirken

Es ist eine schwere Zeit, in die Philipp Nicolai am 10. August 1556 hineingeboren wird. Krieg erschüttert das Land, marodierende Truppen der Spanier, Niederländer und Bayern suchen die Menschen heim, dann bricht die Pest aus. Nicolais Vater, ein Pfarrer, war zunächst katholisch, hatte 1543 in Herdecke an der Ruhr die Reformation eingeführt und war später, als seine Landesherren wieder den katholischen Glauben verordneten, nach Mengeringhausen gegangen. Dort wird Philipp als dritter Sohn geboren. Er hat vier Brüder und drei Schwestern. Die Geschwister lauschen den Predigten ihres Vaters, Philipp kann viele von ihnen beinahe auswendig.

1568 zieht Nicolai nach Kassel, es folgen Stationen in Hildesheim, Dortmund, Wittenberg, bis er 1576 schließlich nach Korbach zieht. Im Alter von 20 Jahren hält Philipp Nicolai als Theologiestudent seine erste Predigt in Mengeringhausen. 1583 übernimmt er seine erste Pfarrstelle in Herdecke.

Sein weiteres Leben ist geprägt vom Kampf für die Lehren Martin Luthers und von Vertreibung. Nicolai fühlt sich dem Reformator verpflichtet. Mit einer derben und bisweilen beleidigenden Sprache schreibt er gegen den Katholizismus und den Calvinismus an. Damit macht er sich nicht überall Freunde. Mehrfach muss Nicolai fliehen, weil katholische Spanier die Stadt übernehmen, in der Nicolai gerade lebt und predigt.

Sein zweiter Kampf galt der Pest. Als Nicolai in Unna lebte, starb dort ein Drittel der Einwohner an der Pest, darunter zwei seiner Schwestern. Nicolai pflegte die Kranken, war Seelsorger und Leichenbestatter. Und er dichtet Lieder: Wachet auf, ruft uns die Stimme und Wie schön leuchtet der Morgenstern sind noch heute im evangelischen Gesangbuch enthalten. Nicolai will mit diesen Chorälen die unter der Pest leidenden Menschen wieder aufrichten, sie trösten und ihnen Mut machen. Seine Botschaft lautet: Wer nicht in der Düsternis versinken will, der blickt auf die Verheißung Gottes.

1598 flieht Philipp Nicolai vor den Spaniern nach Hamburg. Dort stirbt er am 26. Oktober 1608. Einem Gerücht zufolge sollen Jesuiten den kämpferischen Luther-Prediger vergiftet haben.

Kirche Altwildungen

Die Kirche in Altwildungen

Nicolai wurde 1587 als Pfarrer nach Nieder-Wildungen berufen. Ein Jahr später wechselte er nach Alt-Wildungen als Hofprediger und Prinzenerzieher. Die gewaltige Pest 1597 in Unna mit 1300 Beerdigungen überlebte er und schrieb dabei den „Freudenspiegel des ewigen Lebens“ mit den beiden dem Grafen zu Waldeck gewidmeten Liedern. Zum dreihundertsten Todestag im Jahr 1908 erhielt die Alt-Wildunger Kirche seinen Namen.

Im Mai 1732 wurde die Evangelische Kirche nach elfjähriger Bauzeit eingeweiht.

Bereits Fürst Friedrich von Waldeck und Pyrmont hatte den Abbruch des vorher hier gestandenen, baufälligen Gebäudes befohlen. Sein Barock-Baumeister Julius Rothweil aus Arolsen wurde beauftragt, ein zum benachbarten Schloss Friedrichstein passendes Gotteshaus zu bauen.

Der Besucher gelangt über die beiden Treppenaufgänge zu einer kleinen zweiläufigen Treppe in den Turmeingang. Von dort, wie auch durch die beiden Nord- und Südseiteneingänge in das rechteckige Schiff mit dreiseitigem Chorabschluss. Im Innern fällt auf den ersten Blick die als bemalter Himmel gestaltete Holztonnenwölbung auf. Reich verziert mit Engelsköpfen und Fruchtgehängen die Kanzel, ebenso betont in Farbe gehalten der Altar darunter vom Korbacher Künstler Wolrad Brützel.

Noch aus der alten Vorgängerkirche stammen der barocke Crucifikus und die vier Evangelisten aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, die den Altar schmücken.

Weblinks und Quellen

  • Artikel aus der HNA - Waldeckische Allgemeine aus der "Serie: Kirchen im Waldecker Land"
  • Artikel aus der HNA - Waldeckische Allgemeine vom 18. Februar 2004 aus der Serie "Die besten Waldecker"