Peter Scholl-Latour

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Peter Scholl-Latour

Dr. Peter Scholl-Latour war ein bekannter deutsch-französischer Autor, Reporter und Journalist. Auch als Gast zahlreicher TV-Talksendungen ist er für viele Menschen ein bekanntes Gesicht geworden. Geboren wurde er am 9. März 1924 in Bochum. Er starb am 16. August 2014 im Alter von 90 Jahren in Rhöndorf. Mit Nordhessen verband ihn die Schule. Als "jüdischer Mischling" legte er trotz anderslautender Vorschriften im Jahr 1943 die Reifeprüfung am Wilhelmsgymnasium in Kassel ab. [1]

Leben

Der Sohn eines im Saarland geborenen und in Lothringen aufgewachsenen Arztes war früh politisch interessiert. Seine elsässische Mutter entkam als Jüdin nur knapp der Deportation. Scholl-Latour ging im schweizerischen Fribourg in ein Jesuitenkolleg. 1943 machte er am Wilhelmsgymnasium in Kassel sein Abitur. Weil seine Mutter Jüdin war, galt er laut der der Nürnberger Rassegesetze als "Mischling 1. Grades".

Ein Jahr nach dem Abitur in Kassel - nach der Befreiung Frankreichs im Jahr 1944 - scheiterte Scholl-Latour bei dem Versuch, sich der französischen Armee anzuschließen. Sein Leben lang bewunderte er den Präsidenten Charles de Gaulle. Auch zu den Partisanen im späteren Jugoslawien unter Tito kam er nicht. Auf dem Weg dahin nahmen ihn die Deutschen fest. Er kam in Gestapo-Haft in den Städten Graz, Wien und Prag. Während seiner Gefangenschaft erkrankte er an Fleckfieber.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges und seiner Genesung meldete er sich zwischen 1945 und 1946 bei einer französischen Elite-Einheit. Die Soldatenausbildung bei den Fallschirmjägern des Commando Ponchardier habe ihm sehr geholfen - auch die Erfahrung als Fallschirmspringer in Indochina (eine französische Kolonie, die Japan an Frankreich zurückgegeben hatte).

Nach dem Abitur am Wilhelmsgymnasium studierte er ab 1948 Philologie und Politologie in Mainz, später in Paris und Beirut (Islamkunde und Arabistik).

Wirken

Nach sener Zeit bei der französischen Armee besuchte er seine Freunde in der sowjetischen Besatzungszone und bot der berühmten französischen Zeitung Le Monde eine Reportage an. Das ebnete seinen Weg in den Journalismus.[2] Offiziell war er ab 1950 als Journalist tätig. Als Reisekorrespondent für diverse Zeitungen begann er seine Karriere in diesem Jahr. Schnell machte er sich einen Namen als Nahost-Experte.

Scholl-Latour war dafür bekannt, sich den Krisengebieten der Welt zu stellen und über diese zu berichten. Allein im Propyläen-Verlag hat er 32 Bücher veröffentlicht. Scholl-Latour verband in seinen Werken die Beschreibung historischer Entwicklungslinien mit journalistischen Schilderungen und persönlichen Erfahrungen - eine Arbeitsweise, die ihm auch Kritik und den Vorwurf der Vereinfachung eintrug. In seinem Ausweis hatte er etwa 200 Stempel verschiedener Länder angesammelt, die er alle bereist hatte. Zu seinen Haupteinsatzgebieten zählte unter anderem Afrika.

Das Buch Der Tod im Reisfeld war mit 1,3 Millionen Exemplaren zum Zeitpunkt seines Todes das meistverkaufte Sachbuch Deutschlands seit dem Jahr 1945.

Karriere-Stationen

  • Sprecher der Regierung des Saarlandes (1954-1955)
  • Ständiger Afrika-Korrespondent für den ARD-Hörfunk (1960)
  • Aufbau des ARD-Fernseh-Studios in Paris (1963-1969)
  • Direktor des WDR-Fernsehens für die ARD (1969-1971)
  • Wechsel zum ZDF als Chefkorrespondent in Paris (1971)
  • Leitung des Pariser ZDF-Studios in Paris (1975-1983)
  • Sein erfolgreichstes Buch Der Tod im Reisfeld erschien 1979 (das Werk beschäftigt sich mit den Grundzügen des 30-jährigen Krieges in Indochina)
  • Chefredakteur des Magazins Stern (1983)
  • Vorstandsmitglied des Verlagshauses Gruner + Jahr (1983-1987)
  • Beiratsmitglied der UFA-Film- und Fernseh-GmbH und Beteiligung an der Gründung des Privatsenders RTLplus, der heute als RTL bekannt ist (ab 1984)
  • Freier Autor (ab 1988) [3]

siehe auch

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. HNA-online vom 20.8.2014: Auf Peter Scholl-Latours Spuren in Kassel
  2. Aus bild.de vom 2. März 2014: „Ohne Arbeit wäre ich tot oder doof“
  3. Aus tagesschau.de vom 16. August 2014: Journalist Scholl-Latour gestorben

Weblinks