Palais von Jungken

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Auf dem Bild (mit Blick über die Nordseite des Friedrichsplatzes) von links: das Weiße Palais, daneben das Rote Palais, das Museum Fridericianum und das Hofverwaltungsgebäude, dahinter der Turm der damaligen Elisabethkirche.

Das ehemalige Kasseler Residenzpalais war ab 1814 schrittweise durch die Erweiterung eines älteren Adelspalais (links im Bild) entstanden, das 1767-69 nach den Plänen von Simon Louis du Ry erbaut worden war.

Mit dem Bau des Palais von Jungken war ab 1769 für den hessischen Kriegsminister und Kammerherrn Oberst Friedrich von Jungken-Münzer (1732-1806) begonnen worden.

Der Minister war vom Landgrafen als Bauherr gewonnen worden, hatte aber angesichts der hohen Baukosten frühzeitig um Unterstützung gebeten: So erhielt er einen hohen Zuschuss, und das Steinmaterial wurde aus dem Abbruch der Festungswerke zur Verfügung gestellt.

Dennoch reichten von Jungkens Mittel nicht mehr für den Innenausbau; so verkaufte er das Palais 1772 nach längeren Verhandlungen als Mietshaus an die hessischen Landstände und bewohnte bis 1794 den Hauptflügel.

Im Königreich Westphalen (1807-13) war in dem Palais das Justizministerium untergebracht, anschließend wurden hier Freiwillige für die Befreiungskriege angeworben.

Da das alte Stadtschloss an der Fulda 1811 abgebrannt war, musste die kurfürstliche Familie nach ihrer Rückkehr 1813 auf verschiedene Provisorien zurückgreifen. Deshalb überließen die Landstände das Haus 1814 dem Kurprinzen Wilhelm, der erste Um- und Anbauten in Auftrag gab und es nach seinem Regierungsantritt 1821 zum „Residenzpalais“ erweiterte. Den großen, von seinem Vater begonnenen Schlossneubau an der Stelle des abgebrannten Stammsitzes ließ Wilhelm als Bauruine liegen; dieser „Chattenburg“ genannte Palast wäre viermal so groß wie das alte Schloss geworden. Das neue Residenzpalais, zwischen den Bürgerhäusern der Oberneustadt gelegen, nahm sich dagegen geradezu bescheiden aus.

Das ältere „Weiße Palais“ enthielt die privaten Wohn- und Arbeitsräume sowie einzelne Audienzräume; Höhepunkt war ein 1816-21 angebauter, über 9 m hoher Tanzsaal.

Das angrenzende, 1821 begonnene „Rote Palais“ mit Fassaden aus rotem und gelblichem Sandstein nahm die prächtigen staatlichen Empfangs- und Festsäle auf. Bemerkenswert waren die Parkettböden im Tanzsaal und im Roten Palais sowie die großen Bergkristall-Leuchter im Tanzsaal, deren größter fast 3 m im Durchmesser aufwies.

siehe auch