Palais Bellevue

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Palais Bellevue

Das barocke Palais Bellevue liegt in Kassel an der Schönen Aussicht, oberhalb der Karlsaue und gegenüber der Neuen Galerie. Es gehört unter anderem zu den Ausstellungsorten der documenta.

Bauwerk und Geschichte

Im Jahr 1714 wurde das Palais (Volksmund: Schlösschen) als Sternwarte für den hessischen Landgrafen Karl erbaut. Das von Paul du Ry errichtete Palais Bellevue zeugt von der untergegangenen Kasseler Oberneustadt, die Landgraf Karl vor 300 Jahren für die Hugenotten erbauen ließ.

Unter Landgraf Wilhelm IX. wurde das Palais später (um 1790) nach den Plänen von Simon Louis du Ry umgebaut. Das Palais Bellevue an der Schönen Aussicht (Nr. 2) ist das einzige Kasseler Stadtpalais aus dem frühen 18. Jahrhundert und stand fast 250 Jahre – wenn auch mit einigen Unterbrechungen – im Besitz des hessischen Fürstenhauses.

Das schlichte dreigeschossige, fast quadratische Bauwerk präsentiert sich mit zwei Seitenflügeln an der rückwärtigen Gartenfront (zur Frankfurter Straße) und einem Portal mit Balkon und klassizistischem Gitter an der Straßenfront (zur Schönen Aussicht). Der ursprünglich kreuzförmige Dachaufbau für die Sternwarte wurde durch ein Mansarddach mit Giebelausbauten ersetzt.

Bemerkenswert ist im Innern besonders das erhaltene klassizistische Treppenhaus, der große Mittelraum im Erdgeschoß sowie die Rokoko-Stuckdecke im ersten Obergeschoß.

1959 war das Gebäude neben dem Fridericianum und der Orangerie dritter documenta-Ausstellungsort. Dort wurden Grafik und Buchillustrationen gezeigt.

Seit 1972 ist hier das Brüder Grimm-Museum zu Hause. Ein Ort, an dem sich Touristen, aber auch Germanisten aus aller Welt einfinden, die sich vor allem für die Grimmschen Märchen interessieren.

Brüder Grimm - Museum

100.000 Gegenstände aller Art beherbergt das Museum, die allerdings nicht alle gleichzeitig gezeigt werden können. Die ständige Ausstellung über Leben und Werk der Brüder Grimm im zweiten Obergeschoss dokumentiert in chronologischer Folge ihre wichtigsten Lebensstationen und ihr wissenschaftliches und politisches Wirken. Die Räume mit Möbeln sowie Glas, Porzellan, Silber und anderen Zeugnissen lassen die Atmosphäre jener Zeit lebendig werden, auch wenn sie meist keine authentischen Grimm-Zeugnisse darstellen.

Die Autografensammlung des Museums ist zwar nicht international bedeutend, jedoch reklamiert es einige Handexemplare und Erstdrucke der Werke der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm als seinen Besitz. Der größte Schatz des Museums sind die Handexemplare der „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm, einer Leihgabe der Universitätsbibliothek Kassel, die seit 2005 zum Weltdokumentenerbe gehören.

Ganz dem Thema Märchen ist das dritte Obergeschoss gewidmet. Hier finden Kinder und Erwachsene eine Erlebniswelt samt Märchenwald und Märchenschloss vor. Das Museum verfügt ferner über die weltweit größte Sammlung zu Märchen und Sagen aller Erdteile. Bedeutend sind auch die Zeichnungen und Gemälde von Ludwig Emil Grimm, der das Leben seiner Brüder Jacob und Wilhelm in gewissen Phasen zeichnerisch begleitet hat.

Im Zeitalter der Globalisierung wird auch die Internationalisierung immer wichtiger: Das Museum pflegt Kontakte in mehr als 30 Länder bis nach China und Japan. Material zu den Grimms, vor allem zu den Märchen, liegt in mehr als 100 Sprachen vor. Die Wissenschaft und auch das Ausstellungsgeschäft sind zunehmend international ausgerichtet.

siehe auch

Schöne Aussicht nach einer Ansichtskarte

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