Ottoneum

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Ottoneum

Das Ottoneum steht am Steinweg im Zentrum Kassels, gegenüber dem mit dem Fridericianum baulich verbundenem Zwehrenturm, in der Nähe des Staatstheaters und des Friedrichsplatzes. Es wurde in den Jahren zwischen 1603 und 1606 unter Landgraf Moritz errichtet und nach den Plänen des Architekten Wilhelm Vernukken erbaut. Benannt wurde das Ottoneum nach dem Sohn von Landgraf Moritz, der Otto hieß.

Als ältester und erster feststehender Theaterbau Europas, das auch schon Ausstellungsort der documenta war, beherbergt das Ottoneum heute das Kasseler Naturkundemuseum.

Geschichte

  • Für die Aufführung von Komödien ließ Landgraf Moritz in den Jahren 1604 bis 1606 ein Theatergebäude errichten, das er nach seinem Lieblingssohn Otto benannte. Architekt war Wilhelm Vernuken. Es war der erste feststehende Theaterbau in Deutschland.
  • Im 30-jährigen Krieg u.a. auch zum Gießen von Kanonen, um 1696 wurde es zum Kunsthaus umgebaut. Hier fanden die landgräflichen Kunstsammlungen (siehe auch unter Geschichte der Sammlungen) und das Collegium Carolinum (ab 1709, eine Art technische Hochschule) ihre Unterkunft. Die Rückseite zum Friedrichsplatz und die seitlichen Giebel stammen aus jenem Umbau; das Gebäude - besonders in seiner Erscheinung - zeigt sowohl Stilelemente des Barock, aber auch der Renaissance.
  • Landgraf Karl ließ das Ottoneum 1696 umgestalten. In dem Gebäude sollten Kunst- und Naturaliensammlungen untergebracht werden. Dafür gliederte der Architekt Simon Louis du Ry das Ottoneum in zwei Hauptgeschosse, ein Obergeschoss und ein Dachgeschoss. Im Sockel der Kuppel war das „anatomische Theater“ untergebracht, in dem anatomische Kuriositäten und Instrumente aufbewahrt wurden. Dort fanden auch Sektionen von Tieren und Menschen statt.
Zwehrenturm mit Ottoneum
  • 1767 ließ Landgraf Friedrich II. das Kunsthaus für das neu gegründete Carolinum und das Collegium Medico-Chirurgicum erneut umgestalten. Aus einer Vorschule für die Universität wurde eine Hochschule mit Wohnheim für auswärtige Studenten.
  • 1779 zogen die Sammlungen in das neu erbaute Fridericianum um, und Friedrich II. machte das Ottoneum zum Kadettenhaus. Die Kadettenanstalt blieb bis 1806.
  • In den nächsten 80 Jahren hatte das Gebäude sehr unterschiedliche Funktionen: Es war vorübergehend Sitz des Steuerkollegiums, Sitz der Akademie der bildenden Künste, Schwurgericht und Lazarett. Mit der Einverleibung Hessens 1866 in den Staat Preußen wurde es auch Sitz des Katasteramtes.
Ottoneum
  • Die Geschichte des Naturkundemuseums - so wie wir es heute kennen - begann Ende des Jahres 1884 mit dem Umzug der Naturaliensammlungen aus dem Museum Fridericianum zurück in das Ottoneum. Es gibt keinen genauen Eröffnungstermin, doch mehrere Quellen belegen, dass das Naturkundemuseum im Juni 1885 wieder der Öffentlichkeit zugänglich war.
  • 1928 übernahm die Stadt Kassel das Ottoneum vom Land Preußen und renovierte es von Grund auf. Erst jetzt erhielt der Bau durch das Einreißen der Zwischenwände die Gestalt eines Hallenmuseums. In der Nacht vom 22. auf den 23. Oktober 1943 zerstörten Brand- und Sprengbomben das zweite Obergeschoss und das Dachgeschoss des Ottoneums. Der Wiederaufbau des Museumsgebäudes begann relativ rasch nach dem Krieg im Jahre 1949. 1954 öffnete das Naturkundemuseum erneut.
  • Heute beherbergt das nach dem Krieg wieder aufgebaute Ottoneum mit dem Naturkundemuseum auch Deutschlands ältestes Herbarium. Angelegt anno 1556 von Kaspar Ratzenberger. Es ist die älteste systematische Pflanzensammlung Europas.

Das Kunsthaus

Das Kunsthaus war um 1696 durch den Umbau des Ottoneums entstanden, eines 1603-06 errichteten Theatergebäudes. Es war zur Aufnahme der landgräflichen Kunst- und Wunderkammer aus dem Obergeschoss des Marstalls bestimmt und diente seit 1709 als Sitz des Collegium Carolinum, einer neugegründeten Lehranstalt mit technischem Schwerpunkt; die ausgestellten naturwissenschaftlichen und technischen Sammlungen konnten unmittelbar als Anschauungsobjekte für den Unterricht und für wissenschaftliche Versuche verwendet werden. Die Kuppel enthielt im unteren Teil einen Anatomiesaal, im oberen eine Sternwarte, die durch ein kleines Treppentürmchen zugänglich war. Der Giebel der neuen Rückfront sollte anscheinend über die Festungswälle hinweg sichtbar sein; möglicherweise stellte sich die erhoffte Fernwirkung aber nicht ein, so dass auf den geplanten Skuplturenschmuck verzichtet wurde.

Unter Landgraf Friedrich II. wurden die Sammlungen erweitert und 1779 im neuen Museum Fridericianum aufgestellt; die Sternwarte verlegte er auf den Zwehrener Turm. Außerdem Collegium Carolinum wurden im Kunsthaus Wohnungen für ausländische Studenten und ein Kadettenhaus zur Offiziersausbildung eingerichtet. Wilhelm IX. schloss nach seinem Regierungsantritt das Collegium Carolinum und versetzte die meisten Professoren nach Marburg; das Kadettenhaus ergänzte er um die Ausbildung der Pagen und um eine Kriegsschule. Seit der westphälischen Zeit gab es wechselnde Nutzungen, und 1884 nahm das Gebäude die naturkundlichen Sammlungen des Museum Fridericianum auf. Die Aufbauten für die Sternwarte wurden im frühen 19. Jahrhundert entfernt, der Unterbau mit dem Anatomiesaal 1943 zerstört.

Papin-Brunnen

  • Vor dem Ottoneum steht auf seiner Nord-, der Eingangsseite, der nach dem Physiker und Erfinder Denis Papin benannte Papin-Brunnen; hier soll Papin seine Erfindung einer Pumpe im Jahre 1706 vorgeführt haben.
  • Nach mehrjähriger Entwicklungsarbeit hatte Papin seinerzeit eine Hochdruck-Dampfpumpe gebaut, die Wasser 24 Meter hoch fördern konnte. Die Konstruktion wurde Landgraf Karl dort vorgeführt, wo heute der Papin-Brunnen an den genialen Physiker erinnert. Die Metallverarbeitung konnte zu jener Zeit aber noch nicht der anspruchsvollen Technik genügen und das Wasser spritzte aus den undichten Verbindungsstellen der Metallrohre.

siehe auch

Weblinks und Quellen

Quellen

Weblinks


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