Ostland

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Kasseler Automobilisten auf der Ostland Treuefahrt 1933

Vom 23. August bis 2. September 1933 wurde eine reichsweite Sternfahrt zum Tannenberg-Denkmal in Ostpreußen anläßlich des 19. Jahrestages der Tannenbergschlacht veranstaltet. Hieran nahmen 1045 Automobile und 483 Motorräder von den NS-Formationen und den Automobilclubs aus ganz Deutschland teil. Die 500 Mitglieder umfassende Ortsgruppe Kassel des ADAC entsandte ebenfalls Teilnehmer.

Sternfahrt

Die Sternfahrt wurde von Goebbels zu einem großen Medienereignis aufgepumpt und als „Ostland Treuefahrt“ vermarktet. Damit konnten zwei Ziele verknüpft werden: Die Förderung der Motorisierung, die auch an den zu dieser Fahrt angebotenen verbilligten Benzingutscheinen ablesbar ist und zweitens die politische Propaganda. Am 27. August 1933 trat Hitler gemeinsam mit dem greisen Reichspräsidenten Hindenburg am Tannberg-Denkmal auf, um an dessen Prestige als siegreicher Heerführer der Tannenbergschlacht von 1914 teilhaben zu können. Eine Reisegruppe vom Verkehrsverband Hessen und Waldeck unter der Führung des Kasseler Verkehrsdirektors Dr. Rehorn nahm als „Sendboten“ an dieser Reise teil.

Henschel-Omnibuss

Einen Henschel-Omnibuss mit 250PS 12-Zylindermotor und Hochganggetriebe, in den Farben der Post lackiert, stellte die Reichspost der Gruppe zur Verfügung. Die Abbildung zeigt den mit Hakenkreuzen geschmückten Bus der Gruppe.

Autobus des Fabrikats Henschel 1933. Aus: Die Autobahn, Heft 1, 1934, S.17

Die Gruppe legte insgesamt 2300km zurück, fuhr am ersten Reisetag bis Weimar, am zweiten bis Leipzig, erreichte am dritten nach einer zwölfstündigen Fahrt über 430 km Deutsch-Krone in Posen-Westpreußen. Die Fahrtdauer von 12 Stunden gibt einen Anhaltspunkt für die auf dieser Reise erzielten Durchschnittsgeschwindigkeit. Die Gruppe gelangte am vierten Tag über Jastrow durch den polnischen Korridor nach Allenstein in Ostpreußen, wobei ein Umweg über den Landsitz des Reichspräsidenten, Gut Neudeck, eingelegt wurde. Dort überreichten drei Schwalmer Mädchen in Tracht Hitler Blumen (nach „Kasseler Post“ vom 15. bis 29.8.1933).

Siehe auch Motorisierung Kassel und Autobahnbau in Nordhessen.

Literatur: Richard Vahrenkamp: Die Zentrallage Kassels - Verkehrspolitik und Autobahnbau in Nordhessen 1920 bis 2000, in: Hildebrand Ptak (Hersg.): Betriebswirtschaftlicher Wandel in Deutschland, Hamburg 2006, S. 121-174

[Working Papers in the History of Mobility No. 10/2006]