Osanna-Glocke

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Die Osanna-Glocke in Sankt Martin hat eine wechselvolle Geschichte. Sie ist eine von sieben Glocken der Kirche in Kassel.

Osanna heißt: „Herr hilf.“ Früher wurde sie bei Feuern geläutet, heute erklingt sie an hohen kirchlichen Feiertagen. Nur an Karfreitag zur Todesstunde Jesu und am 22. Oktober zum Gedenkgottesdienst an die Zerstörung Kassels erklingt ihr tiefer Ton allein.

Das funktioniert heute voll elektronisch: Wenn der Küster den Knopf drückt, setzen sich im Südturm der Kirche 5300 Kilogramm in Bewegung. Zwei Meter Durchmesser hat die Osanna. Wer sich von den gigantischen Ausmaßen überzeugen will, muss sich schnaufend 159 Stufen hochquälen.

Für den Küstner ist der richtige Zeitpunkt für das Geläut nicht ganz einfach zu bestimmen: Bei Gegenwind etwa muss der Knopf einige Sekunden früher gedrückt werden, damit die Glocke pünktlich klingt. Bis die Glocke Ruhe gibt, dauert es eine Minute und zwanzig Sekunden.

Die Osanna hat auch eine Vorgängerin, die alte Osanna. Diese liegt beschädigt im Vorraum der Kirche. Im 14. Jahrhundert wanderte sie von der Cyriakuskirche nahe dem Marstall nach St. Martin. Als die Glocke 1818 ihren Ton, das G, nicht mehr traf, schmolz Henschel sie ein und goss sie neu. Ihr Ende kam am 22. Oktober 1943: In der Bombennacht brannte St. Martin nieder, die Glocke stürzte in die Tiefe und zersprang.


Quelle

  • HNA vom 19. März 2008, Artikel: "Läuten schlug Reporter in die Flucht", Autor: Göran Gehlen