Orangerie

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Orangerie mit Marmorbad, Küchenpavillon und Bowlinggreen


Die Orangerie ist ein schlossähnliches Gebäude aus der Barockzeit in der Karlsaue in Kassel nahe der Innenstadt. Sie liegt am nördlichen Ende der Karlsaue und wurde 1703 bis 1711 von Johann Conrad Giesler als Sommerresidenz der Landgrafen von Hessen-Kassel nach französischem Vorbild erbaut.

Sie bildet den nordöstlichen, räumlichen Querabschluss der Karlsaue, die - von ihrer Anlage her - auf die Orangerie hin ausgerichtet ist. Somit bereichert sie die gesamte Parkanlage zu einer einmaligen Komposition von Bau- und Gartenkunst; vermutlich gilt dies nicht nur für Nordhessen.

Geschichte

Voraue nach einer Postkarte von 1898
Die noch nicht wiederhergestellte Orangerie Anfang der 1960er Jahren nach einer Postkarte
Boccia-Spieler vor der Orangerie in der Karlsaue Kassel
Foto: Günther Pöpperl

Bereits 1570 hatte Landgraf Wilhelm IV. auf dem heutigen Gelände einen Lustgarten mit Lustschloss anlegen lassen.

1680 ließ schließlich Landgraf Karl den Park ausbauen und an der Stelle früherer Gewächs- und Pomeranzenhäuser von 1703 bis 1710 zunächst die Orangerie als Gewächs- und Wohnhaus und bis etwa Mitte des 18. Jahrhunderts die separat links und rechts von ihr stehenden Gebäude Küchenpavillon und Marmorbad errichten. Die beiden an die langgestreckten niedrigeren Zwischenbauten angrenzenden höheren Eckgebäude dienten als Wohnräume für den Landgrafen.

Die Orangerie in der Karlsaue wurde als Gewächshaus und Sommerresidenz für den Landgrafen und dessen Gemahlin Maria Amelia erbaut. Ursprünglich wurden hier auch Orangenbäumchen gezüchtet und Pflanzen aus südlichen Ländern überwinterten.

Das heutige barocke Schloss wurde etwa ab 1702 nach französischen Vorbildern errichtet, offenbar nach Plänen des landgräflichen Hofbaumeisters Johann Conrad Giesler. Zu Lebzeiten von Landgraf Karl wurde das Marmorbad am westlichen Ende der Orangerie ausgeführt (1722), ein Prunkgemach, das zur Präsentation zahlreicher Marmorbildwerke von Pierre-Étienne Monnot diente. Erst im Jahre 1765 wurde durch den Bau des Küchenpavillons, der dem Marmorbad östlich gegenüber steht, durch Simon Louis du Ry die Symmetrie der Anlage hergestellt.

Der höhere zweigeschossige ehemals reich ausgestattete Mittelbau bildete im Erdgeschoß ein weites offenes Tor und damit eine Verbindung zwischen der Voraue (jetzt Hessenkampfbahn) und dem Park (Karlsaue). Ab dem Ende des 18. Jahrhunderts begann mit der Beseitigung einzelner barocker Elemente die Umgestaltung des Parks in einen Landschaftsgarten, den Landgraf Friedrich II. einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machte.

Im 19. Jahrhundert und danach diente die Orangerie im wesentlichen als Ausstellungsgebäude.

Die Orangerie wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. Während der Bundesgartenschau im Jahre 1955 war in die damals noch zerstörte Orangerie in überzeugender Form die zentrale Ausstellungshalle eingebaut worden.

Nachdem die Ruine zuerst nur gesichert worden war, erfolgte dann zur Bundesgartenschau 1981 der Wiederaufbau. Während das Innere vollkommen neu ausgebaut wurde, bemühte man sich, das Äußere originalgetreu wiederherzustellen, was mit Ausnahme einiger Fehler an der Südseite auch gelang. Der Karlsaue wurde damit ihr Herzstück wieder zurückzugeben.

Heutige Nutzung

In der Orangerie befindet sich seit 1992 das Astronomisch-Physikalische Kabinett. Es beherbergt die ehemals landgräfliche Sammlung wissenschaftlicher Instrumente. Mit Astronomie, Uhren, Geodäsie, Physik und Mathematik/Informationstechnik gibt es fünf Ausstellungsbereiche.

Daneben gibt es ein Planetarium für fünfzig Personen, welches zu einer Reise durch die moderne Kosmologie und Astronomie einlädt. Am Eingang der Orangerie befindet sich die "Sonne" des Planetenweges in der Karlsaue.

Daneben beherbergt die Orangerie seit der documenta II regelmäßig Kunstwerke sowie ein Restaurant.

Video: Schäden an der Orangerie

Karlswiese

Die Karlswiese ist die ebene große Rasenfläche - unmittelbar vor der Orangerie, gelegen in südsüdwestlicher Richtung, der weitläufigen Parkanlage Karlsaue. Die Karlswiese endet vor dem Bereich von Küchengraben und Hirschgraben. Auf der mehrere Hektar großen Freifläche der Karlswiese waren bei den Bundesgartenschauen kunstvolle Großbeete zu bestaunen und bei den weltweit bekannten Kunstausstellungen der Moderne, den documenten wurden hier spektakuläre Großobjekte installiert und arrangiert.

Marmorbad

Marmorbad

Im heutigen Staatspark Karlsaue im Zentrum Kassels, ließ Landgraf Karl auf der Westseite der Orangerie (erbaut 1702 bis 1710) in den Jahren 1722 - 1728 den ersten von zwei Pavillons, das Marmorbad errichten. (Auf der östlichen Seite wurde später nach den Plänen von Simon Louis du Ry 1765 - 70 der Küchenpavillon erbaut.)

Der Begriff "-bad" ist irreführend, da das Gebäude von Anfang an nicht als Bad, sondern für repräsentative Zwecke als üppiger Rahmen für Reliefs und Statuen gedacht war.

Das mit seiner prunkvollen Ausstattung vollständig restaurierte Marmorbad - quadratischer Grundriss, achteckig ausgestaltet, im Zentrum durch Treppenstufen als Becken vertieft - ist ein herausragendes Werk spät-barocker Raumkunst und Meisterwerk des seinerzeit bedeutenden Bildhauers Pierre Etienne Monnot (1657-1733), der die Bildwerke zuerst in Rom (1692-1720) und danach direkt in Kassel (1722-28) schuf.

Nach der totalen Zerstörung des Orangerieschlosses im Zweiten Weltkrieg ist das Marmorbad der einzige Gebäudeteil auf diesem Areal mit einer originalen Einrichtung aus der Frühzeit des 18. Jahrhunderts.

Parkanlage Karlsaue

Orangerie mit Marmorbad, Küchenpavillon, Bowlinggreen - Foto: Günther Pöpperl
siehe auch: Hessischer Verband für Schafzucht und –haltung e.V.

Die Parkanlage, die auf dem flachen Gelände einer ehemaligen Fuldainsel zwischen der "kleinen Fulda" und der Fulda angelegt wurde, beinhaltet künstlich angelegte Gewässer, wie Teiche, Seen und Gräben, die die barocke Grundkonzeption der Anlage heute noch veranschaulichen.

Den östlichen Abschluß der Karlsaue bildet die Orangerie mit den Seitengebäuden Küchenpavillon und Marmorbad, von der aus die Mittelachse über die Karlswiese zum Aueteich mit Schwaneninsel und klassizistischem Tempelchen bis über die Blumeninsel Siebenbergen führt. Diese wartet im Sommer mit reichhaltiger Blumenpracht auf.

Küchengraben und Hirschgraben sind "stehende Gewässer" und enden vor der Karlswiese, die sich bis zur Terrasse der Orangerie hin ausdehnt. Die beiden "Gräben" sind in einem sich verengenden Winkel von Südwesten auf die Orangerie hin ausgerichtet. Auf chaussierten Wegen kann man die Aue durchwandern.

siehe auch

Orangerie

Weblinks



Burgen und Schlösser in Kassel

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