Opernplatz

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Opernplatz mit Spohr-Denkmal
Sommer 2006

Der Opernplatz, vielfach auch als Spohrplatz bezeichnet, befindet sich an der Opernstraße im Stadtzentrum Kassels und grenzt etwa in Höhe des Friedrichsplatzes an die Königsstraße an.

Hier finden sich heute Geschäfte, Gastronomie und seit 1883 das Denkmal für Louis Spohr, Hofkapellmeister und Komponist an der Kasseler Oper in den 1820er bis 1850er Jahren.

Geschichte

... oder: Wo ist die Oper?

Tatsächlich gab es hier an der Königsstraße/ Ecke Opernplatz ehemals, d.h. von den 1760-er Jahren bis in die 1900-er Jahre die Oper, da, wo sich heute das Kaufhofgebäude befindet und die Opernstraße entlangführt.

Im Jahre 1905 bildete sich in Kassel und Berlin ein Konsortium für die Vermarktung des alten Theatergrundstücks. Die letzte Vorstellung im alten Theater fand am 14. Juni 1909 statt: Spohrs Oper Jessonda erinnerte ein letztes Mal an die große Glanzzeit des Kasseler Hauses.

Das alte Casseler Hoftheater wurde abgerissen, nachdem ein neuer Theaterbau am unteren Ende des Friedrichsplatzes errichtet worden war und das Areal vertragsgemäß aufgeteilt und verkauft. Die Opernstraße wurde zur Erschließung der neuen Grundstücke angelegt und durch die Architekten des neuen Theaters, Anton Karst und Hans Fanghänel, bebaut. Diese errichteten auch das neue Warenhaus, um es an die Kölner Leonhard Tietz AG weiter zu verkaufen.

Tietz hatte 1879 ein Textilgeschäft in Stralsund eröffnet. 1882 folgte eine Filiale in Elberfeld (heute Teil Wuppertals, ein altes Zentrum deutscher Textilherstellung), und 1885 bildete sie den Grundstock für ein großes Warenhaus nach französischem Vorbild. 1891 wurde der Unternehmenssitz von Elberfeld nach Köln verlegt, 1905 die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Nach der „Arisierung“ 1933 änderte man den Namen in „Westdeutsche Kaufhof AG (vorm. Leonhard Tietz AG)“, bis 1936 auch der Namenszusatz entfiel.

Das Kasseler Warenhaus brannte beim Großangriff 1943 vollständig aus, konnte auf Grund seiner soliden Bauweise aber bald wieder nutzbar gemacht werden. Schon 1945 richtete Georg Reiß eine große Gaststätte in dem Gebäude ein, in der sogar das Orchester des Staatstheaters auftreten konnte. 1955 erfolgte schließlich der Abbruch zugunsten eines Neubaus.

Der frühere Kasseler Opernplatz

Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel auf dem Opernplatz, vor 1883. Das Palais Waitz von Eschen (Königsstraße 33-35) wird flankiert von den Seitenflügeln des Hoftheaters (links) und des Hauses Königsstraße 37 (rechts); an der Stelle des rechten Flügels mündet seit 1897 die Theaterstraße in den Platz, an der Stelle des linken Flügels steht seit 1910 das Haus Opernstraße 2
Der Opernplatz bildete den westlichen Auftakt der 1767 begonnenen Stadterweiterung, welche die Oberneustadt mit der Kasseler Kernstadt verband. Auf der linken Platzseite erhob sich damals bereits das Opernhaus (vgl. Rundgang 3, Station 8-9), und als Gegenstück entstand ab 1772 das Haus Königsstraße 37 (vgl. Station 4). Für das mittlere Gebäude konnte Landgraf Friedrich II. seinen Staatsminister Waitz von Eschen (1698-1776) als Bauherrn gewinnen, der zu jener Zeit das große Anwesen Obere Karlsstraße 17 besaß.

Der Palais Waitz von Eschen

Das Palais war im Inneren in ungewöhnlicher Weise aufgeteilt, indem die Eingangshalle in zwei getrennte Treppenhäuser führte. Zu den Bewohnern des Palais zählten neben der Eigentümerfamilie im 19. Jahrhundert der preußische Gesandte von Canitz und der Reichsgerichtsrat Otto Bähr, der in Kassel durch seine Erinnerungen „Eine deutsche Stadt vor 60 Jahren“ populär wurde. Aus dem September 1813, als das napoleonische Königreich Westphalen seinem Ende entgegen ging, ist folgende Episode überliefert: Die russischen Truppen unter General Tschernitscheff hatten Stellung auf dem Forst zwischen Bettenhausen und Waldau bezogen und richteten gerade ihre Kanonen aus. Da traten die Damen des Hauses auf den Altan des Palais, um das Geschehen zu beobachten, als auf einmal ein Kanonenschuss zu hören war und eine Kugel dicht über ihre Köpfe hinweg flog.

Sofort zogen sie sich in das Gebäude zurück, und bald darauf begann die Kanonade, bei der auch zwei Kugeln in das Palais einschlugen. Nachdem die Russen Kassel besetzt hatten, meldete sich ein junger baltischer Offizier bei der Familie und erklärte, dass er den ersten Schuss abgegeben habe. Er habe durch das Fernrohr die helle Kleidung der Damen gesehen und zu ihrer Warnung jene Kugel abgefeuert.

Der Brunnen auf dem Opernplatz

In der Stützmauer vor dem Palais befand sich ein Laufbrunnen, der von der Wilhelmshöher Prinzenquelle gespeist wurde. Da die Druselleitung außer der historischen Kernstadt inzwischen auch die Oberneustadt mitversorgen musste, glich man 1733/34 den erhöhten Bedarf durch jene zusätzliche Leitung aus. Sie versorgte vor allem die herrschaftlichen Gebäude der Stadt, durfte auch von Staatsbediensteten genutzt werden und hatte mehrere Ausläufe im Stadtgebiet. Angesichts der geschlossenen Rohrleitung war ihre Qualität besser als die der Druselleitung, die vor der Stadt in einem offenen Graben geführt wurde. Der Brunnen auf dem Opernplatz wurde um 1900 neu gestaltet und erhielt eine Bronzefigur des Kasseler Bildhauers Heinrich Gerhardt (1823-1915), das sogenannte Entenmännchen.

Der junge Gerhardt hatte die Kasseler Kunstakademie besucht, war von Werner Henschel gefördert worden und diesem 1844 nach Rom gefolgt. Nach jahrzehntelangem Aufenthalt in der Ewigen Stadt – 1886 war er sogar zum Präsidenten des dortigen deutschen Künstlervereins gewählt worden – kehrte er in seine Heimat zurück und ließ sich 1905 ein Atelierhaus auf dem Rammelsberg errichten (das sogenannte „Mausoleum“), in dem er zugleich einige seiner Kunstwerke aufstellte. Das bronzene Entenmännchen fiel nach dem Zweiten Weltkrieg – wie vieles andere auch – Metalldieben zum Opfer; der Brunnen wurde zusammen mit der Balustrade um 1958 zerstört.

Der Opernplatz im 19. und 20. Jahrhundert

Seit 1883 steht auf dem Opernplatz ein Denkmal für den Kasseler Hofkapellmeister Louis Spohr; seine Umgebung wurde wenige Jahre später gärtnerisch gestaltet, mit zwei Trauerweiden vor der Stützmauer.

Denkmälerinventar Cassel-Stadt, 1923, Tafel 384,2 - Standort: am Opernplatz, mit Blick auf das Haus Königsstraße 37, um 1910

Zwischen dem Palais und dem Seitenflügel der Kommandantur begann seit der Mitte des 19. Jahrhunderts das sogenannte „Gnadengässchen“, welches den Opernplatz mit der Wolfsschlucht verband; im Hintergrund erkennt man das Haus Wolfsschlucht 19. 1897 verbreiterte man den schmalen Fußweg zur Theaterstraße und brach zu diesem Zweck den Seitenflügel ganz ab. Als ab 1909 auch das Hoftheater abgebrochen und die Opernstraße angelegt wurde, trat der Neubau Opernstraße 2 an die Stelle des Theater-Seitenflügels und erhielt im Volksmund wegen seiner Form den Spottnamen „Lokomotive“.

Die Symmetrie der einst harmonischen Platzanlage war nun vollständig zerstört. Da in der Innenstadt bereits wiederholt überdimensionale Neubauten die Maßstäbe der Oberneustadt gesprengt hatten, und da mehrfach wichtige historische Bauten geopfert oder durch Umbauten entstellt worden waren, regte sich zu jener Zeit verstärkt öffentlicher Unmut. Tatsächlich leitete drei Jahre später der neue Oberbürgermeister Erich Koch-Weser eine grundlegende Wende in der Kasseler Baupolitik ein, trieb ein Statut gegen Verunstaltung voran, das 1915 auch verabschiedet wurde, und richtete eine städtische Bauberatungsstelle ein. Planungen der späten 20er Jahre, die Bausünden am Opernplatz zu lindern, kamen angesichts der Weltwirtschaftskrise jedoch nicht zur Ausführung.

Das Palais brannte beim Großangriff 1943 aus; das Grundstück wurde nach 1952 durch die Neue Fahrt zerteilt, und die Stadt Kassel beanspruchte den Standort des Palais für ein Parkhaus. 1955 wurde die gesamte Rampenanlage mit einer Behelfsbaracke überbaut; sie enthielt außer einem provisorischen Postamt während der Bundesgartenschau auch eine Verkaufsstelle des benachbarten Kaufhofs, solange der benachbarte Neubau des Warenhauses errichtet wurde. Seit 1959 steht an der Stelle der Baracke ein Modehaus.

siehe auch

Verlorene Stadt

Hoftheater 1910
Viel Grün: Das Spohrdenkmal am Opernplatz.

Der historische Blick über den Opernplatz lässt gut den Gebäudeaufbau erkennen: Der linke Teil mit Treppenhaus, Gesellschafts- und Vorräumen war vom Palais des Prinzen Maximilian übernommen worden; er hatte ursprünglich dem Nachbarhaus Nr. 31 entsprochen, war 1821/22 aber erheblich verändert worden. Daran schloss der höhere Zuschauerraum an, gefolgt vom Bühnenhaus (rechts).

Vor den Publikumseingängen am Opernplatz dienten Vorbauten als Windfänge; sie stammten ebenso wie die Kutschenunterfahrt vor dem Hauptportal aus dem Umbau von 1821/22. Damals zog man außerdem den hinteren Teil des Gartens von Königsstraße 29 zum Grundstück dazu und errichtete ein eigenes Lagerhaus für Theaterkulissen, Requisiten, Malersaal und Kleidermagazin.

Aus der späteren Zeit als preußisches Hoftheater (ab 1866) ist vor allem Gustav Mahler zu nennen, der hier 1883-85 als Chor- und Musikdirektor angestellt war. Doch schon damals genügte das Hoftheater nicht mehr den zeitgemäßen Anforderungen. 1894 verbesserte man noch den Brandschutz, baute äußere Fluchttreppen an und erhöhte die Zahl der Plätze von 1177 auf 1278, stieß dabei aber an die engen Grenzen der Bausubstanz. Der Theaterintendant Adolph Freiherr von und zu Gilsa griff daher 1902 einen Vorschlag von 1888 auf, das Grundstück zu verkaufen und aus dem Erlös einen Neubau an anderer Stelle zu finanzieren. Als Standort schlug er den Auehang am Friedrichsplatz vor.

Kaiser Wilhelm II. und Oberbürger¬meister Müller befürworteten den Plan, und 500 Bürger unterstützten das Projekt durch eine direkte Eingabe an den Kaiser. Dagegen lehnte das Ministerium einen Neubau unter Hinweis auf den gerade erst erfolgten Umbau ab, und in der Öffentlichkeit wurde der Standort am Auehang kontrovers diskutiert. Man verbesserte weiterhin den Brandschutz, doch das Regierungspräsidium erklärte 1905 auch die neusten Maßnahmen für unzureichend: Besucher der obersten Ränge könnten sich im Ernstfall nur durch einen Sprung auf den Opernplatz retten.

Weblinks