Ochsenallee

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Ochsenallee (Kirchditmold)

Von Haustieren und Hausfrauen

Die Ochsenallee in Kirchditmold hatte Freunde und Feinde

Es war im Jahr 1937, als die Ochsenallee ihren stärksten Fürsprecher hatte. Der uns unbekannte Autor wandte sich damals in einem geradezu flammenden Plädoyer gegen eine Umbenennung der 1,84 Kilometer langen Strecke von der Schanzenstraße bis in den Schlosspark Wilhelmshöhe. Ochsenallee war den Machthabern der Stadt wohl nicht fein genug.

Prinzenallee sollte die westlich von Kirchditmold bis fast zum Schloss verlaufende Straße heißen. Weil sie schließlich auch auf die Prinzenquelle zuläuft.

Doch da hatte die Stadt die Rechnung ohne unseren mutigen Autor gemacht. Er geißelte den Zeitgeist, weil diese Namensänderung für die Ochsenallee außerhalb ihrer Eigenart, ihres Ursprungs und ihrer Geschichte lag. Lobte dafür die lebendigen Namen in der Altstadt und forderte für die Straße am Stadtrand die gleichen historischen Rechte wie für Ziegengasse, Fliegengasse oder Pferdemarkt.

Zumal der Ochse ein braves und brauchbares Haustier sei, mit dessen Name die Allee nichts von ihrer Schönheit verliere. Und außerdem bliebe der „Saurasen“ ja auch „Saurasen“, weil sich dort die Tiere einer Schweinezucht gesuhlt hätten.

Die Ochsenallee blieb Ochsenallee. Doch schon 1967 kam der nächste Antrag auf Umbenennung - diesmal in Sebastian-Kneipp-Straße. Auch dieser Versuch schlug fehl. Der Verwaltungsausschuss lehnte ihn mit der Begründung ab, dass die Ochsenallee schon seit über 100 Jahren bestehe und es keinen sachlichen Grund für eine Namensänderung gebe.

Der Flurname geht auf die Ochsen und Kühe zurück, die auf diesem Weg von den Bauern zur Mast getrieben wurden. Später lösten Spaziergänger die Ochsen ab. Und so kam es, dass ein Bebauungsplan für die Ochsenallee in den 1960er-Jahren für heftige Proteste sorgte. Die Stadt witterte kostbares und teures Land, weil sie hier mit einer bevorzugten Wohnlage an einem leichten Südhang und am Fuße des Habichtswalds wuchern konnte.

Die Frauen aus Kirchditmold, die hier täglich in den Nachmittagsstunden spazieren gingen, wollten das Feld- und Wiesengelände zwischen dem Neuen Wasserfallgraben, der Ochsenallee und der Straße Am Juliusstein zur Naherholung in freier Natur erhalten wissen.

Dafür sammelten sie 1967 weit über 1000 Unterschriften. Doch schon 1968 nahmen die Erschließung der Baugrundstücke und der Ausbau der Straße ihren Lauf.