Oberste Gasse

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Steinweg, Ecke Oberste Gasse, um 1892-1896: rechts das Elisabeth-Hospital, im Hintergrund die Türme der Martinskirche.

Das nebenstehende historische Bilddokument entstand in Kassel auf dem Steinweg, mit Blick in die Oberste Gasse, um 1892-1896.

Rechts am Anfang der Straße steht das Elisabeth-Hospital, im Hintergrund sind die Türme der Martinskirche zu erkennen. In vielen Häusern in der Obersten Gasse befanden sich einst Geschäfte.

Die Oberste Gasse hat heute die doppelte Breite und verläuft über das linke Eckgrundstück.

Geschichte

Die Hauptgeschäftsstraße der Freiheit

Die Oberste Gasse war vor 1943 die Hauptgeschäftsstraße der Freiheit.

Die drei Kasseler Stadtteile Altstadt, Unterneustadt und Freiheit blieben bis in das Jahr 1384 eigenständig mit eigener Verwaltung und eigenem Bürgermeister.

Die 1330 gegründete Stadterweiterung Freiheit ging auf Landgraf Heinrich II. zurück und bildete zunächst ein eigenes Gemeinwesen mit eigenem Rat und Siegel.

Das bisherige Stadtgebiet Kassels wurde dadurch mehr als verdoppelt. Die Bewohner kamen größtenteils wohl aus den älteren Stadtteilen und aus der Umgebung.

In der Anfangszeit förderten befristete Privilegien wie Dienst- und Abgabenfreiheit die Ansiedlung, weshalb die „Obere Neustadt Kassel“ bald auch als „Freiheit“ bezeichnet wurde.

Vor dem Elisabeth-Hospital, mit Blick durch die Oberste Gasse zur Martinskirche, 1935

Damit entstand zwischen den Kasseler Städten aber auch eine gespannte wirtschaftliche Konkurrenz, die mehrfach durch Verordnungen geregelt werden musste. Spätestens 1378, als sich Altstadt, Unterneustadt und Freiheit zu einem Gemeinwesen zusammenschlossen, werden die Verhältnisse aber angeglichen gewesen sein.

Für Planung und Vermessung der Freiheit könnte der landgräfliche Zimmermeister Hermann Fürstenstein zuständig gewesen sein (†1353).

Die Oberste Gasse ist dabei ein gutes Beispiel für spätmittelalterliche Stadtplanung: Der lange und breite Straßenzug mit den Kirchtürmen als Blickpunkt animierte den Fremden dazu, die Oberste Gasse zu nutzen – und nicht den viel kürzeren, aber ehemals schmalen und gewundenen Steinweg; am Martinsplatz schuf dann die Marktgasse eine ebenso unmissverständliche Verbindung zum Altmarkt.

So profitierten auch die Händler und Handwerker der Freiheit vom Durchgangsverkehr aus südlicher Richtung.

Außerdem fällt die S-förmige Biegung der Obersten Gasse auf: Dadurch war es möglich, die Gasse zunächst in gerader Linie auf die Kirchtürme auszurichten, dann aber westlich an der Kirche vorbeizuführen.

Außerdem ließ sich das wellige Gelände damit gut überspielen. Und im ersten, geraden Straßenabschnitt variierte zudem die Straßenbreite: Durch die wechselnde Verengung und Aufweitung sowie durch die Biegungen der Gasse traten die seitlichen Häuserzeilen stärker in den Blick, das Straßenbild erschien lebhaft und abwechslungsreich.

Die Querstraßen

Oberste Gasse und Graben wurden zwischen Steinweg und Martinsplatz durch drei enge Querstraßen miteinander verbunden: Ziegengasse, Entengasse und Druselgasse.

Die Grundstücke in den engen Querstraßen waren in der Regel deutlich kleiner als in den Hauptstraßen, so dass schon früh eine Differenzierung zwischen den wohlhabenderen, repräsentativeren Häusern der breiten Verkehrsstraßen und den einfachen, kleinen Bauten der Nebenstraßen festzustellen ist.

Im 17. und 18. Jahrhundert sind in der Ziegengasse vor allem Handwerker zu finden: Bäcker, Schneider, Schreiner, Schmiede, Böttcher, Goldschmiede, Köche, Gürtler, allerdings auch niedere Hofbedienstete sowie ein Arzt und Professor. Im unteren Abschnitt befand sich auch das Zunfthaus der Schmiede.

Artikel in HNA-online vom 17.04.2012

Fotoausstellung: Das alte Kassel lebt noch

Kassel. Einige wenige Gebäude gibt es noch, die den Feuersturm in Kassels Altstadt im Oktober 1943 überdauert haben. Die Martinskirche gehört zu diesen Relikten, auch wenn die beiden Türme beim Wiederaufbau eine andere Form bekamen.

Die Häuser um die Martinskirche gibt es zum größten Teil nicht mehr.

Der Vergleich zwischen damals und der aktuellen Bebauung fällt für einige Wochen leicht. Ab heute ist die historische Aufnahme aus der Obersten Gasse mit der Martinskirche großformatig im Schaufenster des Optikergeschäfts Filia 76 zu sehen. Neben dem Druselturm hat man die gleiche Perspektive wie der Fotograf damals. Das gehört zum Konzept der Ausstellung. Die Aufnahmen aus dem alten Kassel werden an Originalschauplätzen präsentiert. Der Historiker Christian Presche hat die informativen Texte zu den Bildern recherchiert. Für die Gestaltung ist die Grafikerin Andrea Obijou verantwortlich.

Direkt neben dem Druselturm befindet sich die neunte von zehn Stationen der Ausstellung „Bilder unserer verlorenen Stadt“. Die geht bereits in die vierte Runde. Erstmals sind neben den Bildern in Schaufenstern auch große Plakate zu sehen.

An der Außenmauer des Dock 4, der ehemaligen Gerhart-Hauptmann-Schule, sind zwei historische Aufnahmen mit Blicken in die Oberste Gasse und das Elisabethhospital angebracht. Eine Station weiter, im Schaufenster des Porzellanhauses Hornschu, kann man die frühere Garnisonkirche sehen. Die ist im Krieg ausgebrannt und stand als Ruine lange leer. In dem sanierten Gebäude kann man heute italienisch essen.

Ein weiterer markanter Punkt ist der Druselturm. Über dem Eingang zum Brautmodengeschäft direkt gegenüber an der Obersten Gasse kann man ihn auf einem Foto von 1913 sehen. Ebenso wie die Martinskirche hat sich der Druselturm verändert. Die historischen Fotos machen den Wandel deutlich.

Der Druselturm war übrigens bereits vor dem Krieg in Gefahr. Bei einem Feuer im Jahr 1905 wurde der Turm erheblich beschädigt. Mit nur einer Stimme Mehrheit entschied damals die Stadtverwaltung, den Turm nicht abzureißen und ihn wieder aufzubauen. Nach dem Krieg hatte hier der als Trümmerfotograf bekannt gewordene Walter Thieme sein - noch provisorisches - Geschäft.

von Thomas Siemon

Rundgang 4: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"

siehe auch

Verlorene Stadt

Ausstellung: Verlorene Stadt

Rundgang 3: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 1: Karl Bernhardi Straße | Station 2: Dock 4 auf der Seite Oberste Gasse | Station 3: Porzellanhaus Hornschu in der Obersten Gasse 5 - Teil 1 | Station 4: Porzellanhaus Hornschu in der Obersten Gasse 5 - Teil 2 | Station 5: Fingerz Kleidung & Accessoires Entenanger 2 | Station 6: Jugendbücherei Oberste Gasse 24 - Teil 1 | Station 7: Jugendbücherei Oberste Gasse 24 - Teil 2 | Station 8: Hochzeitsatelier Oberste Gasse 30 | Station 9: Druselplatz 3 | Station 10: Reformhaus Kräuterhilde Martinsplatz 1

Weblinks