Oberneustädter Rathaus

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Kassels französisches Rathaus

Das Rathaus der Oberneustadt: der 1669 von Simon Louis du Ry für die Hugenottengemeinde von Kassel errichtete Bau in der Oberen Karlsstraße diente von 1837 bis 1909 als Rathaus der ganzen Stadt. Im Vordergrund verläuft die Fünffensterstraße, auf der Freifläche links im Bild war der Messeplatz. Heute steht dort Kassels neues Rathaus.
/>Foto: Stadtarchiv

Die Obere Karlsstraße war die Keimzelle der hugenottischen Oberneustadt

An der Oberen Karlsstraße, da wo heute bis zum Steinweg und zur Fünffensterstraße ein Kino-Koloss auf dem früheren Parkdeck thront, stand einst Kassels Rathaus. Zuvor war das ab 1408 errichtete Altstädter Rathaus am Altmarkt anno 1837 abgerissen worden. Seine Rolle übernahm das ab 1769 eigens für die französische Hugenottengemeinde in der Karlsstraße errichtete Oberneustädter Rathaus. Bis 1909 war es das Rathaus der ganzen Stadt.

Doch der Reihe nach: Vor rund 320 Jahren fiel der Startschuss zum Bau der Oberneustadt. Sie sollte auf Wunsch von Landgraf Karl von Hessen (1654-1730) das neue Zuhause für französische Glaubensflüchtlinge in Kassel werden. Denn nach der Schleifung der alten Befestigungsanlagen um die Altstadt konnte Kassel endlich wachsen. Den Entwurf für die Oberneustadt und den Beginn der Arbeiten leitete Baumeister Paul du Ry, selbst Hugenotte und einer der ersten Bewohner des neuen Stadtteils. Sein Sohn Charles setzte das Werk fort, Enkel Simon Louis vollendete es.

Und der Landgraf stellte nicht nur den Baugrund für den neuen Stadtteil „auf den Weinbergen vor den westlichen Thoren der Stadt” kostenfrei zur Verfügung, sondern auch „freies Bauholz, Steine und Sand, frei angefahren durch die Baupferde”. Plus eine mindestens zehnjährige Abgabenfreiheit für die Neusiedler. Das erste Haus entstand 1688. Und schon Anfang des 18. Jahrhunderts bevölkerten so schillernde Persönlichkeiten wie der Marquis de Langallery nebst seiner attraktiven, aber wohl auch hochmütigen und intriganten Gattin Marguerite die großzügigen Häuserblöcke in der Karlsstraße und am Karlsplatz.

Hier gaben sich nach Adels-Witwen, Freiherren und Justizräten aber auch Brauereien und Gastwirte die Klinke in die Hand. Ab 1834 verzeichnen Kassels Adressbücher jede Menge „Bierschänker” in der Karlsstraße.


Aber am Karlsplatz entstand bald auch eine barocke Oberneustädter Kirche. In der zwischen 1689 und 1710 erbauten Karlskirche wurden die Gottesdienste noch bis 1867 in Französisch gehalten. Gegenüber dem Oberneustädter Rathaus öffnete sich bis zur Oberen Königsstraße hin der Messeplatz. Mit regem Markttreiben und allerlei Amüsement.

Damit war Schluss, als 1905 auf diesem Platz das neue und unser heutiges Rathaus entstand.

Das Oberneustädter Rathaus wurde 1809 geräumt. In die ehemaligen Amtsstuben zog das erste Mädchengymnasium der Stadt ein, das Lyceum mit Studieranstalt, das seinerseits zur Keimzelle für die spätere Malvida-von-Meysenbug-Schule - und heutige Heinrich-Schütz-Schule - wurde.

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