Obermeiser – evangelische Kirche

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Die Kirche in Obermeiser

Die spätbarocke Dorfkirche in Obermeiser wurde in einschiffiger Bauweise in den Jahren 1771 - 1775 errichtet.

Bauwerk und Geschichte

In der Chronik von Obermeiser aus dem Jahre 1979 (Rolf Geilert (Hrsg.), Historisches von Minor Meischere 1019-1994 - 975 Jahre Obermeiser, Kassel 1994) findet sich der Hinweis auf die Ersterwähnung von Meiskere in pago Hassi in einer Kaiserurkunde von 1019. Im Mittelalter gehörte Obermeiser danach zur Herrschaft Schartenberg.

Schon früh war Obermeiser ein Pfarrort. Nach einer Darstellung bei Rolf Schmidt und Marianne Wolf (Rolf Schmidt, Marianne Wolff, Kirche und Kirchengemeinde von Obermeiser - von den Anfängen bis 2009, Zierenberg 2010) wird im Jahre 1296 im Urkundenarchiv des Klosters Hasungen ein „Pleban von Meiser“ genannt. Ein Pleban war in der Regel ein Weltgeistlicher, der im Gegensatz zu Geistlichen, die einem Kloster oder einer Herrschaft dienten, dem Bischof unterstellt war. Und 1357 wird als Pleban in Obirmezere (Obermeiser) Albert von Herste genannt, der in einer Urkunde des Klosters Ahnaberg bezeugt wird.

Im Subsidienregister des Archidiakonates Fritzlar im Jahr 1464 wird auch Obermeiser aufgeführt. Seinerzeit umfasste das Fritzlarer Archidiakonat auch die Probstei Hofgeismar.

Das Patronat der Kirchengemeinde in Obermeiser hatten die Herren von der Malsburg inne. Von den Herren von Schartenberg war der Ort Obermeiser mit seinen Besitzungen an die Herren von der Malsburg übergegangen, „sei es nun durch Erbschaft, durch Kauf oder durch Gewalt“, wie der langjährige Obermeiser Pfarrer Johann Konrad Fülling (Pfarrer in den Jahren 1815 – 1846) in seiner Kirchenchronik Obermeiser vermutete.

Im Zuge der Reformation in Hessen wurde dann aus der Kirche in Obermeiser ein evangelisches Gotteshaus. Hessen gehörte neben Sachsen und Württemberg zu den mächtigen Vorkämpfern der Reformation im Deutschen Reich. Vollständig erhalten geblieben sind die Namen der Pfarrer von Obermeiser ab dem Jahr 1527, ein Jahr nach der Homberger Synode.

Die heutige Kirche entstand an Stelle einer Vorgängerkirche, die im 30-jährigen Krieg erhebliche Brandschäden davontrug. Unter dem Dreißigjährigen Krieg hat der Ort - wie andere Dörfer im Warmetal - stark gelitten. Auch die alte Kirche, das Pfarrhaus und nebenstehende Gebäude wurden stark mitgenommen; im Kirchenbuch vom Jahre 1653 werden sie als Brandstätte bezeichnet.

Auch von dem Siebenjährigen Krieg wurde das Dorf stark in Mitleidenschaft gezogen, etwa im Dezember 1757, als französische Truppen von Westfalen nach Kassel zogen. In einer Notiz im Kirchenbuch ist vermerkt, dass der Pfarrer Wagner am 14. Juli 1761 sogar als (unschuldiger) Spion gefangen genommen und zwischen zwei Reitern nach Marburg geführt wurde, wo man ihn neun Tage gefangen hielt.

Zuvor berichtet die Dorfchronik von den Jahren 1771 und 1772 und über eine Anweisung von Holz zum Bau der neuen Kirche in Obermeiser. Es entstand eine spätbarocke Saalkirche mit Dachreiter im Osten, im Innern mit einer einfachen Westempore auf Holzstützen und einer Ostempore (mit Orgel) auf gemauerten Pfeilern. Die Kanzel - auf Holzfuß mit Schalldeckel - weist reiche Drechsel- und Schnitzarbeiten auf.

Die weit mehr als 200 Jahre alte Heeren-Orgel aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde in den 1960-er Jahren von der Orgelbauwerkstatt Euler aus Hofgeismar restauriert.

Literatur/ Quellen

siehe auch

Weblinks