Oberbürgermeister der Stadt Kassel

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Vier Oberbürgermeister der Stadt Kassel
von links: Hans Eichel, Karl Branner, Willi Seidel und Lauritz Lauritzen

Als in kurhessischer Zeit die hessische Gemeindeordnung in Kraft trat, hatte Kassel einen Oberbürgermeister und einen Bürgermeister als leitenden und vollziehenden Beamten neben der Stadtverordnetenversammlung als mitverwaltender Instanz.Im Jahre 1952 beschloss der Hessische Landtag die Hessische Gemeindeordnung (HGO), die in ihren Grundzügen bis heute gilt, auch wenn sie inzwischen manche Veränderungen erfahren hat. So wurde unter anderem die Direktwahl des Oberbürgermeisters eingeführt.Als Verwaltungsbehörde ist heute der Magistrat der Stadt Kassel für die laufende Verwaltung verantwortlich. Er handelt nach den Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlung, die er vorbereitet und durchführt. Den Vorsitz im Magistrat hat der Oberbürgermeister. Außer ihm werden alle Mitglieder des Magistrats von der Stadtverordnetenversammlung gewählt, die die Bezeichnung Stadträtin bzw. Stadtrat führen. Zu den Kasseler Oberbürgermeistern gehörten seit Carl Schomburg zahlreiche Persönlichkeiten, die weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt waren.

Geschichte

Carl Schomburg - erster Oberbürgermeister von Cassel

Kassels erster Oberbürgermeister Carl Schomburg setzte in den 20 Jahren seiner Amtszeit als Kasseler Stadtoberhaupt Zeichen und Marken, die ihm einen wichtigen Platz in der Stadtgeschichte sicherten.

Am 1. Januar 1822 wurde der in Grebenstein wurde der am 11. Oktober 1791 geborene Carl Friedrich August Wilhelm Christian Schomburg als Bürgermeister der Stadt vereidigt. Kassels Schuldenberg war schon damals immens. König Jérôme hatte 300 000 Taler Verbindlichkeiten hinterlassen. Als Schomburg Bürgermeister wurde, waren davon immerhin noch 222 000 Taler übrig. In nur sieben Jahren brachte Carl Schomburg das Kunststück fertig, davon 82 000 Taler zu tilgen.

Dies war keine einfache Aufgabe. Schomburg hatte bei der Sanierung der Stadtkassen auch gegen den Kurfürsten Wilhelm II. selbst zu kämpfen. Dieser versuchte, seine militärischen Kosten auf die Stadt abzuwälzen. Sieben Jahre lang stellte sich Schomburg stur, pochte auf einen Vertrag des Landgrafen Karl, in dem die Kosten für die Soldaten eindeutig dem Hof zugewiesen waren. Trotz Intrigen und Rachespielchen seitens des Kurfürsten - so wurden die Einrichtung einer Mädchenschule und die Gründung einer Stadtsparkasse immer wieder vom Hof abgelehnt - siegte Schomburg schließlich.

Schomburg gab mit einer Aufsehen erregenden Rede vor dem Kurfürsten am 15. September 1830 den Anstoß für die kurhessische Verfassung. Er ordnete auch die Armenfürsorge neu, bemühte sich um die Gründung eines Hebammeninstituts, renovierte Trinkwasserleitungen und Brunnen und gründete eine Reihe von Bürgerschulen, um allen eine Schulausbildung zu garantieren. Die Bürger liebten ihn, schenkten ihm einen prächtigen Schreibtisch, die Stadt machte ihn 1835 zum Ehrenbürger und Oberbürgermeister.

Die Oberbürgermeister der Stadt Kassel bis 1920

Oberbürgermeister der Stadt Kassel ab 1920

Philipp Scheidemann 1920 bis 1925

Philipp Scheidemann (* 26. Juli 1865, † 29.11.1939) wurde in der Kasseler Michelsgasse Nr. 7 geboren. 1905 wurde er Chefredakteur des Kasseler Volksblattes. Am 9. November 1918 rief er die Weimarer Republik aus und wurde am 19. Dezember 1919 zum Oberbürgermeister der Stadt Kassel gewählt. Von Kommunisten und Rechten angefeindet, trat er wegen eines Darmleidens zurück.

Dr. Hans Herbert Stadler 1925 bis 1933

Dr. Hans Herbert Stadler (* 30. April 1880, † 17. Februar 1943) wurde am 13. Juli 1925 mit großer Mehrheit zum Oberbürgermeister gewählt. Auf Druck der Nazis trat er am 24. März 1933 zurück.

Gustav Lahmeyer 1933 bis 1945

Gustav Lahmeyer (* 7. Juli 1889, † 20. April 1968), war zuvor Bürgermeister der Stadt Kassel, wurde am 26. April 1933 gewählt. Nach seiner Verhaftung 1945 klagte er erfolgreich vor dem Kasseler Verwaltungsgericht auf Auszahlung seiner Pension als Oberbürgermeister.

Willi Seidel

Willi Seidel 1945 bis 1954

Willi Seidel (geb. 1. November 1885, † 9. März 1976). In seiner Amtszeit wurden die Treppenstraße, das Auestadion und das erste Hochhaus an der Sophienstraße eingeweiht. Der Oberbürgermeister scheiterte damit, Kassel als Bundeshauptstadt zu etablieren. Seidel sagte 1953 als Zeuge für Lahmeyer aus.

Dr. Lauritz Lauritzen

Dr. Lauritz Lauritzen 1954 bis 1963

Dr. Lauritz Lauritzen (* 20. Januar 1910, † 5. Juni 1980). Geboren wurde Lauritzen in Plön. Nach dem Jurastudium arbeitete er in Berlin, Kiel und Hannover bevor er 1954 Oberbürgermeister der Stadt Kassel wurde. 1960 wurde er wieder gewählt, wechselte aber 1963 als Justizminister nach Wiesbaden. Sein Traum, Kassel solle 1972 etwa 300.000 Einwohner haben, erfüllte sich nicht.

Dr. Karl Branner

Dr. Karl Branner 1963 bis 1975

Dr. Karl Branner (* 11. September 1910, † 17. Oktober 1997). Im strengen Jahrhundertwinter 1963 wurde Branner am 1. Februar gewählt. "D'r Karle", wie er in Kassel genannt wurde, schlug ein Angebot als Finanzminister nach Wiesbaden zu gehen aus: "Mein Platz ist und bleibt in Kassel."

Hans Eichel 1975 bis 1991

Hans Eichel (* 24. Dezember 1941) übernahm am 7. Oktober 1975 als jüngster Oberbürgermeister der Republik das Amt. Er führte Parkgebühren und Tempo-30-Zonen ein, wurde 1989 SPD-Landesvorsitzender, 1991 hessischer Ministerpräsident und 1999 Bundesfinanzminister.

Wolfram Bremeier 1991 bis 1993

Wolfram Bremeier (geb. 15. Dezember 1939); der Ex-Kämmerer unterlag 1993 bei der ersten Oberbürgermeister-Direktwahl Georg Lewandowski. Die ungeliebte Treppe auf dem Königsplatz und die Verkehrspolitik wurden ihm angelastet.

Georg Lewandowski 1993 bis 2005

Georg Lewandowski (geb. 19. August 1944), CDU, war von 1993 bis 2005 Oberbürgermeister der Stadt Kassel.

Besonderes Aufsehen erregte die Wahl im Jahr 1993, weil Lewandowski der erste CDU-Mann in diesem Amt in Kassel war. Die Stadt galt bis dahin als Hochburg der SPD.

Im Volksmund wurde Lewandowski "Schoppenschorsche" genannt.

Bertram Hilgen 2005 bis 2017

Bertram Hilgen (geb. 9. Februar 1954), SPD, studierte in Marburg Rechts- und Politikwissenschaften. Nach der zweiten juristischen Staatsprüfung begann Hilgen seine berufliche Laufbahn 1980 in Kassel als Referent des damaligen Oberbürgermeisters Hans Eichel. 1986 übernahm er die Leitung des Rechtsamtes der Stadt. 1991 folgte Hilgen dem damals frischgewählten Ministerpräsidenten Hans Eichel nach Wiesbaden. Er war in der Staatskanzlei Abteilungsleiter. 1996 kehrte er nach Kassel zurück und wurde Regierungspräsident. Von 1999 bis 2005 leitete Hilgen das Kommunale Gebietsrechenzentrum (KGRZ) in Kassel. Darüber hinaus war er einer von zwei Geschäftsführern des IT-Unternehmens ekom21. Seit dem 22. Juli 2005 ist Bertram Hilgen Oberbürgermeister der documenta-Stadt Kassel.

Christian Geselle

Am 5.3.2017 wurde Christian Geselle, SPD zum neuen Oberbürgermeister der Stadt Kassel gewählt; er erhielt im ersten Wahlgang 56,6 Prozent der abgegebenen Stimmen. Damit wird Geselle Nachfolger des langjährigen SPD-Oberbürgermeisters Bertram Hilgen, der seinen Platz im Juli offziell räumen wird.

Ehemalige Oberbürgermeister: Wie hielten sie es mit der NS-Ideologie?

Anne Belke-Herwig und Barbara Orth haben für die Veröffentlichung des Buches „Kassel in der Moderne“ in Zusammenarbeit mit dem Kasseler Historiker Dietfrid Krause-Vilmar Belege herausgesucht, die keine Zweifel lassen. „Dass die Doktorarbeit Branners von nationalsozialistischen Gedanken geprägt ist, darüber lässt sich ebenso wenig streiten, wie dass er in der NSDAP war“, wird Belke-Herwig in HNA-online vom 3.10.2013 zitiert. [1]

Auch Willi Seidel, 1945 von den Alliierten zum kommissarischen Oberbürgermeister ernannt und 1946 im Amt bestätigt, hatte 1937 einen NSDAP-Aufnahmeantrag gestellt. Ob er aufgenommen wurde, ist unklar, weil die entsprechenden Akten fehlen. Seidel selbst bestritt dies in späteren Jahren.

Lauritz Lauritzen schließlich war in der NS-Zeit von 1934 bis 1938 Mitglied der Reiter-SA und gehörte dem NS-Rechtswahrerbund an.

siehe auch

Holger Börner (re.) beim Treffen mit dem damaligen französischen Staatspräsidenten Giscard d'Estaing auf der Treppe des Kasseler Rathauses
Bild: Ines Wolter - 08.07.1980

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. HNA-online vom 3.10.2013: Ehemalige Oberbürgermeister: Wie hielten sie es mit der NS-Ideologie?

Weblinks