Northeimer Seenplatte

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Dieses Luftbild der Northeimer Seenplatte entstand im Jahr 2008. Foto: Gödecke
Dieses Luftbild der Northeimer Seenplatte entstand 2005. Foto: Gödecke

Die Northeimer Seenplatte ist das herausragende Beispiel einer integrierten Entwicklung. Hier werden mit Beendigung des Kiesabbaus, auf der Basis freiwilliger Landaufgaben, schrittweise umfangreiche Grundwasserseen von höchster Wasserqualität gestaltet. Mit der Northeimer Seenplatte wird bewiesen, dass der Mensch die Natur nicht nur ausbeutet, sondern ein „Paradies aus zweiter Hand” schaffen kann, in dem Ökonomie, Ökologie und Erholung einander nicht ausschließen, sondern sinnvoll ergänzen. In den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts ergab sich mit dem Wiederaufbau ein ständig wachsender Kiesbedarf. Im Raum Northeim, im Bereich der Flüsse Leine und Rhume, lagern bis zu den Randbereichen der Talaue hin große Kiesvorräte. Daher entstanden hier nach und nach vier Kiesgruben, die drohten, das Gesicht dieser Gegend völlig unkenntlich zu machen. Um diese Entwicklung in eine positive Richtung zu wenden, veröffentlichte nach langjährigen Vorarbeiten und Bestandsaufnahmen Landtagsvizepräsident Winfrid Hedergott am 8. August 1958 eine Aufsehen erregende Denkschrift mit dem Titel „Die Northeimer Seenplatte” und bereitete damit das Feld für die heutige Entwicklung vor. Der Rat der Stadt Northeim stimmte den Vorschlägen aus der Denkschrift im Grundsatz zu, eine „Arbeitsgemeinschaft Northeimer Seenplatte” entstand unter dem Vorsitz von Prof. Hedergott, und es gelang, Ministerien und öffentliche Planungsträger von dieser Idee zu überzeugen. Die Northeimer Seenplatte wurde ein fester Bestandteil der Niedersächsischen Landesplanung. Im Jahre 1976 ließ die Stadt Northeim von den Hannoveraner Ingenieuren Dorle und Holger Haag den Entwurf eines Landschaftsrahmenplanes auf der Grundlage des Ratsbeschlusses von 1958 erarbeiten. Vier Jahre später wurde ein Plan zur Landschaftsgestaltung und ein Bebauungsplan für den südwestlichen Bereich des Gebiets aufgestellt und vom Rat der Stadt beschlossen. Die Verabschiedung des Bebauungsplan Nr. 90 durch den Rat der Stadt Northeim am 17. März 1980 sowie dessen Genehmigung durch die Bezirksregierung Braunschweig stellt den entscheidenden Schritt zur Realisierung des wichtigsten Bereiches der Northeimer Seenplatte dar.

Segeln und Surfen

Der Große See ist der umfangreichste der Northeimer Seen. Die Wasserfläche ist vornehmlich für das Segeln und Surfen vorgesehen, es befinden sich hier aber auch - vorwiegend an seinem West- und Nordufer - ruhige Wanderwege, Liegewiesen und Angelplätze. Bereits jetzt bieten sich hier vielseitige Möglichkeiten des Wassersports. Zwei Northeimer Segelsportvereine sind seit Jahren aktiv, ebenso zwei Windsurfingclubs. Ein spezieller Windsurfingstrand ist ausgewiesen, der vom Parkplatz Nordhafen sehr gut erreichbar ist. Der Sommer an der Northeimer Seenplatte ist die ideale Gelegenheit, eine Wassersportart zu erlernen. Die Wassersportschule hält verschiedene Angebote zum Erwerb eines Segel- oder Surfscheines bereit. Wer bereits einen Segelschein besitzt, kann mit einer Segelkarte die attraktive Umgebung des Großen Sees vom Boot aus erleben. Auch eine Strecke für Ruderregatten soll eingerichtet werden. Wenn man den See einmal aus einer ganz anderen Perspektive erleben möchte, bietet eine gesicherte Tauchstelle die Möglichkeit dazu. Tauchkurse können bei der Tauchschule gebucht werden. Der Nordhafen (unweit der BAB-Ausfahrt Northeim-Nord) verfügt bereits über alle notwendigen Einrichtungen für den Wassersport. Ein Clubhaus, Bootsliege- und -winterplätze, Kran- und Slip-Anlagen sowie ein Kiosk sind vorhanden. Das Restaurant Seeterrassen, mit allen erforderlichen Clubräumen und öffentlichen sanitären Anlagen, ist seit Jahren ein beliebtes Ausflugsziel für Gäste aus Nah und Fern. Für Badegäste stehen am Großen See eine großflächige Liegewiese und eine speziell ausgewiesene Badestelle zur Verfügung. Bei schönem Wetter übernimmt die DLRG die Badeaufsicht für diesen Bereich.

Viele Aktivitäten möglich

Hier können die Badegäste nicht nur schwimmen oder in der Sonne liegen, es bietet sich ihnen noch eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten, ihre Freizeit zu genießen. Für sportliche Aktivitäten wie Federball ist genügend Platz vorhanden. Auf dem Badesteg kann man sich wunderbar erholen und mit den Beinen im Wasser die reizvolle Umgebung genießen. Eis am Stiel, kühle Getränke, Kaffee und sogar warme Snacks machen den Nachmittag am See besonders schmackhaft. Ein Höhepunkt ist das jährliche Seefest, das mit vielen Attraktionen zu einem besonderen Spaß am Wasser einlädt. Nach Beendigung des Kiesabbaus sollen am östlich gelegenen, kleineren Strandsee Einrichtungen baulicher und sportlicher Art angelegt werden. Dieser See ist mit großen Liege- und Spielwiesen ausschließlich für die Bade- und Schwimmfreunde vorgesehen und wird in dieser Hinsicht den Großen See ergänzen. Außerdem sind Wetterschutzvorrichtungen, Grillplätze, Rettungsstationen sowie eine Schwimmplattform geplant. Dann wird das Baden an der Northeimer Seenplatte noch attraktiver sein. Der Schutz der Vogelwelt ist nicht nur das Anliegen von Ornithologen und Behörden, sondern auch einer wachsenden Öffentlichkeit.

Brut- und Rastgebiet für Vögel

Die Leineaue zwischen Northeim und Salzderhelden war schon, bevor der Mensch die Flusslandschaft durch Siedlungs- und Bewirtschaftungsmaßnahmen tief greifend veränderte, ein bedeutsames Brut- und Rastgebiet für Wasser und Watvögel. Das Gebiet hat sich im Laufe der Jahre - während und nach der Kiesgewinnung - wieder zu einer bedeutenden Lebensstätte feuchtland- und wassergebundener Tier- und Pflanzenart entwickelt. Auch zahlreiche Amphibien und seltene Insekten sind hier heute heimisch. Um zu verhindern, dass der Wasservogelzug durch den weiteren Verlust großflächiger Rastplätze stark beeinträchtigt wird, ist im Sommer 1977 die förmliche Ausweisung eines Naturschutzgebietes von 80 Hektar Größe begonnen und mit Verordnung vom 15. Februar 1984 vollendet worden. Die infolge sorgfältig durchgeführter Rekultivierung entstandenen Wasserflächen und Uferzonen bieten rastenden Vogelarten Fische als Hauptnahrung. Flachwasserzonen sind sehr ausgeprägt und erhöhen in vielfacher Hinsicht die Wertigkeit dieses Gebietes. Außerdem finden viele Vogel- und Amphibienarten auf Kiesflächen, Kiesbänken und in Tümpeln in Wassernähe Brut-, Laich- und Nahrungsbiotope.

Fünfundzwanzig Vogelarten

Heute brüten auf den Seen oder in unmittelbarer Nähe etwa 25 verschiedene Vogelarten, davon sind etwa die Hälfte Arten der „Roten Liste”. Hierzu gehören Flussuferläufer, Flussregenpfeifer, Uferschwalbe ebenso wie Braunkehlchen, Teichrohrsänger, Eisvogel, Haubentaucher und viele andere. Auch die im Frühjahr und Herbst durchziehenden Vogelarten sind bedeutsam. Die Vogelkundler haben im Laufe der Jahre unter anderem folgende Vögel beobachtet: Pfeifente, Krickente, Gänsesäger und Blässralle, aber auch immer wieder seltene Arten wie Kormoran, Silberreiher, Seidenreiher, Brandgans, Singschwan, Fischadler und Trauerseeschwalbe. Insgesamt kommen im Naturschutzgebiet 172 Vogelarten vor. Davon gelten 131 Arten als besonders geschützt. Die Northeimer Seenplatte bietet die seltene Gelegenheit, die Entwicklung neuer Lebensräume zu ermöglichen und mitzuverfolgen.

Aussichtsplattform

Die Vogelwelt im Naturschutzgebiet kann von einer Aussichtsplattform am Weißen Budenweg aus beobachtet werden. Diese ist auch mit dem Bus oder dem Pkw zu erreichen. Ein vorübergehendes Parken ist erlaubt. Das Naturschutzgebiet darf mit Motorfahrzeugen nur auf dem Weißen Budenweg durchfahren werden. Radfahren und Betreten sind aber auch auf den vorhandenen Wirtschaftswegen gestattet. Im Bereich des Pfingstangers ist nahe Hollenstedt im Leineschlauch ein See zum Auffangen des Geschiebes bei Hochwässern entstanden. Weitere Seen können im Bereich der Polder im Rückhaltebecken Salzderhelden entstehen. Hierbei ist sowohl an Wasserflächen ohne jede Rekultivierung zur wissenschaftlichen Erforschung wie auch an eine Ausweitung des Wasservogelreservates nach Norden zu denken. Die Entwicklung bleibt der Zukunft überlassen: bereits seit 1983 gehört das Wasservogelreservat durch Meldung des Landes Niedersachsen an die Europäische Union zu einem „besonderen Schutzgebiet”. Es soll mit einer Erweiterung die Leineaue zwischen der Bundesautobahn A 7 im Süden und dem Abschlussdeich des Polders I des Hochwasserrückhaltebeckens bei Salzderhelden umfassen. Nach entsprechender Gebietsfestlegung durch die Europäische Kommission wird dieses Gebiet ein Bestandteil des Naturschutzes zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume.