Nordshausen

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Klosterkirche Nordshausen

Nordshausen ist ein Stadtteil von Kassel (eingemeindet im Jahre 1936) am Südrand der Stadt.

Geografie

Bevölkerung

(Stand: 31. Dezember)

  • 2005: 2132 Einwohner
  • 2010: 2053 Einwohner (Ausländeranteil: 70 Einwohner = 3,4 Prozent)

Lage

Der Stadtteil liegt im Süden der Stadt, westlich von Ober- und Niederzwehren.

Geschichte

Aus der Ortsgeschichte

Wann tatsächlich die Geburtsstunde Nordshausens schlug, dieses Wissen verliert sich in den Tiefen der Geschichte. Besiedlungsspuren gibt es bereits aus der älteren Steinzeit vor rund 50000 Jahren. Sicher indessen ist, das Nordradeshusun im 11. Jahrhundert erstmals in einer Urkunde des Klosters Hasungen auftaucht wie so viele Dörfer dieser Region. Und deshalb haben sich die Historiker auf das Jahr 1076 verständigt.

Mit der Himmelsrichtung hat der Name Nordshausen mutmaßlich wenig zu tun. Eher schon war ein Grundbesitzer Taufpate. Oder eine Ortsbezeichnung wie Hof eines Nordländers.

Wappen von Nordshausen

Das Dorf jedenfalls macht Geschichte. Zunächst durch das Kloster Nordshausen, das Graf Adalbert, einer derer von Schauenburg, 1257 gründet. Romanisches Mauerwerk am Kirchenbau kündet noch heute von dieser Zeit, allerdings drücken später gotische Baumeister dem Gotteshaus ihren Stempel auf. Bis 1526, als das Kloster aufgehoben wird, wirken Nonnen des Zisterzienserinnen-Ordens am Fuße des Brasselsbergs. Die Einkünfte aus dem Landbesitz des Klosters übrigens fließen, so hat Landgraf Philipp der Großmütige verfügt, der Marburger Uni zu. Bis ins 19. Jahrhundert.

Bis in unser Jahrhundert künden Kirche und Zehntscheune von der klösterlichen Vergangenheit.

Lange zerplatzt indessen ist der Traum vom Weltbad Nordshausen. Beziehungsweise vom kleinen nordhessischen Lourdes. Denn in der Umgebung des Ortes sprudeln Heilquellen. Schon Mitte des 16. Jahrhunderts geht die Kunde von wundersamen Genesungen um. Als gar in der Osterzeit 1609 der Nordshäuser Bauer Tilmann Sigbert, dessen ganzer Körper von Räude befallen war, sich im Wasser des Brunnens gewaschen hatte und zwei Tage später völlig geheilt war, strömten die Kranken auch aus der Ferne, und man berichtete von großartigen Heilerfolgen, so ist in einer Chronik zu lesen. Der Andrang ist so groß, dass ihn Landgraf Moritz der Gelehrte kanalisieren muss. Er lässt die Quelle fassen und vereidigt Brunnenwärter. Das Nordshäuser Wasser wird übrigens mit seiner Kalklösung, verschiedenen Salzen und Vitriol zur Heilung von Aussatz, Podagra, Schlag, Wassersucht, Lahmheit, Blindheit etc. empfohlen.

Als 1615 sogar Landgräfin Juliane, Moritz Gattin, zur Kur nach Nordshausen kommt, scheint der Aufstieg zum Gesellschaftsbad in der Nähe der Residenzstadt Cassel vorgezeichnet. Doch der Dreißigjährige Krieg, der das Land mit Verwüstung und Not überzieht, setzt den Blütenträumen ein Ende.

Radballer aus Nordshausen, Von links Mauermann, Hempel, Holzhauer ,unbekannt ,Foto: unbekannt , unbekannt,
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Im 19. Jahrhundert, als Wasserheilverfahren in Mode kommen, wird das Nordshäuser Nass nochmals begutachtet. Aber mit unbefriedigendem Ergebnis. Und später gräbt sozusagen Wilhelmshöhe das Wasser ab. Die Thermalsole dort dürfte dieselbe sein, die seinerzeit nördlich der Korbacher Straße auf der Dönche getrunken wurde. Aus den zweieinhalb Jahrhunderten nach dem Dreißigjährigen Krieg gibt es wenige geschichtliche Zeugnisse.

Belegt ist jedoch der Weg zum modernen Stadtteil: Bau einer Wasserleitung und der ersten Schule 1890 (damals hat Nordshausen 75 Häuser und 518 Einwohner), Anschluss an die Kleinbahn Kassel-Naumburg 1903, Anbindung an das Elektrizitätsnetz 1914, Bau des Bürgermeisterhauses mit Wannen- und Brausebad im Keller 1928. Und dann 1936 die Eingemeindung nach Kassel, damals betrifft das 1836 Einwohner. Zusammen mit Nordshausen wurden 1936 auch Harleshausen, Niederzwehren, Oberzwehren, Waldau und Wolfsanger nach Kassel eingemeindet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wohnen in Nordshausen nur noch 1100 Menschen. 87 Männer sind gefallen oder bis heute vermisst, 86 Gebäude beschädigt, zehn vollkommen zerstört. 400 Bombentrichter auf der Dönche und Trümmerschutt im Ort müssen beseitigt werden.

Die Nordshäuser packen kräftig an, und so entstehen Sport- und Kulturhalle, Rollschuhbahn, Bolz- und Spielplatz, Grillanlage mit Gemeinschaftshaus. Und das Bürgerhaus wird in Eigenregie betrieben.

In den Jahren 1952, 1971 und 1974 entstanden die Wohnsiedlungen Grubenrain, Dornländerweg und Krümmershof.

Literatur

  • Zahlreiche weitere Informationen zur Geschichte von Nordshausen finden sich in der überarbeiteten Chronik, die der Kulturverein Nordshausen aus Anlass des 925-jährigen Ortsjubiläums herausgegeben hat (eine Übersicht findet sich unter: www.kulturverein.nordshausen).

Kirche

Baualtersplan

Im 13. Jahrhundert befand sich Nordshausen im Besitz der Grafen von Wallenstein, die dem Grafengeschlecht der Schauenburger entstammte. Als Albert II. von Wallenstein mit seiner Gattin Adelheid von Elben kinderlos blieb, schenkte er im Jahre 1257 den Klosterfrauen des Zisterzienser-Ordens die Kirche in Oberzwehren und die dazugehörige Kapelle in Nordshausen (1207 erstmals erwähnt) samt den dazugehörigen Patronatsrechten.

Nach der Reformation in Hessen gingen das gesamte Klostergut sowie die weitgestreuten Einkünfte nach der Auflösung des Nordshäuser Konvents in den Besitz der ersten evangelischen Universität der Welt über, der Philipps-Universität zu Marburg, die 1527 von Landgraf Philipp I. errichtet wurde. Die Universität besoldete zur Erhebung der Nordshäuser Einkünfte einen „Universitätsfruchtmesser“ in Nordshausen. Ein später von der Universität Marburg eingesetzter Klostervogt verwaltete das Klostervermögen bis ins 19. Jahrhundert.

Zahlreiche weitere Informationen finden sich unter:

Politik

Oberbürgermeister und Magistrat

Oberbürgermeister der Stadt Kassel von 2005 bis 2017 ist Bertram Hilgen, SPD.

Der Oberbürgermeister hat den Vorsitz im Magistrat, der Verwaltungsbehörde der Stadt. Der Kasseler Magistrat setzt sich zurzeit aus fünf hauptamtlichen und 13 ehrenamtlichen Magistratsmitgliedern zusammen, die die Bezeichnung Stadträtin bzw. Stadtrat führen.

Außer dem Oberbürgermeister werden alle Mitglieder des Magistrats von der Stadtverordnetenversammlung gewählt.

Am 5.3.2017 wurde Christian Geselle, SPD zum neuen Oberbürgermeister der Stadt Kassel gewählt; er erhielt im ersten Wahlgang 56,6 Prozent der abgegebenen Stimmen. Damit wird Geselle Nachfolger des langjährigen SPD-Oberbürgermeisters Bertram Hilgen, der seinen Platz im Juli offziell räumen wird.

Nordshausen heute

Heute wohnen gut 2000 Menschen im Stadtteil. Ein paar mehr sollen es noch werden durch Abrundung der Bebauung, aber eine großflächige Besiedlung der Dönche lehnt die Mehrheit ab.

Damit, so ein Zitat aus der Chronik, im Kern Nordshausens, wo noch allerhand Fachwerk steht, die Atmosphäre und Ausstrahlung eines nordhessischen Dorfes erhalten bleibt das Kleinod innerhalb Kassels, wie an anderer Stelle selbstbewusst formuliert.

Ein Kleinod mit ein paar Flecken, die sich die Nordshäuser aufpoliert wünschen. Diese Schönheitsfehler, das sind Lärm, Gefahren und schlechte Luft durch die viel befahrene Korbacher Straße und die Geräuschkulisse der Autobahn A 44.

siehe auch

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Vereine und Parteien

Parteien

Vereine

Der Gesangsverein wurde als ältester Verein am Ort im Jahre 1887 gegründet, damals noch als Männergesangsverein, der Sportverein folgte im Jahre 1890. Das Gründungsjahr der Freiwilligen Feuerwehr ist 1926. Der bereits erwähnte "Männer-Gesangsverein 1887", bis zur Auflösung im Jahre 1933 war es der "Arbeitergesangsverein", gab sich bei der Neugründung 1946/47 den heutigen Namen "Gesangsverein 1887 e.V. Kassel-Nordshausen". Die Jugendfeuerwehr wurde 1988 gegründet, der Kulturverein 1991, die erste Kinderfeuerwehr Kassels 2008.

Weblinks



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