Nordhessische Anekdoten

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Das Sarglager von Fettenbrot´s Karle sinnem Onkel

Ich kam gerade aus dem Schlosspark, da erblickte ich Fettenbrot´s Karle alleine auf einer Bank auf dem Schlosshof sitzen. Seine Augen waren auf die „Straßenmeisterschule“ gerichtet. Weil ich Zeit und Muße hatte, setzte ich mich dazu und schon bald begann er zu erzählen: „Als ich noch`n kleener Schuljunge war, da war dort dribben der Marstall. Und da drinne hatte minn Onkel Hans sinn Sarchlager. Fürher hat hä ja`n Möbelhaus gehabt, aber das mußte hä bald schließen: Hä war ja dem Alkohol nit abgeneigt, nee hä hott gerne gesoffen. Nit jeden Daach, aber wenn hä dranne war, dann drei Daache lang. Und den vierten Daach bruchte hä dann zur Regeneration. Also hat er das Sarglager und Glaserei uffgemacht. Vorne war das Schaufenster und da waren dann zwei oder drei von den Kisten ussgestellt. Dann war do noch`n kleenes Dischchen und`n paar Stüll für`n Papierkram. Dahinter war dann noch Lager und Glaserei. Angestellte hatte hä kinne, aber einen Lehrjungen.

Ich honn´en ja gerne gehabt. Hä war immer lustig und gutgelaunt. Und clever war er: Jetzt iss hier ja Parkplatz, aber früher honn hier die ganzen Kinner Schlagball oder Fußball oder Verstecken oder ich wiss gar nit mehr, was noch alles gespeelt. Wenn dann lange Zitt kinner mehr gestorben war und es au nix zu verglasen gab, dann is der Onkel Hans in s Speelwarengeschäft und hat `n Arm voll Zwillen gekööft. Die hat er dann unner den Wänsten hier verteilt. Schon bald konnt hä de erschte Schiebe neu einsetzen. Das mit den Särjen fand er au besser als Möbel verquanzen. Hä hat immer gesacht, bei den Dingern gibt`s kinne Reklamationen. Sinn bester Kumpel war immer nur im Winter in Rotenburch. Den Sommer übber hat der beim Zerkus geschafft. Nit als Artist oder so. Zelt uffbauen, Viecher versorjen, so genau wiss ich es nit. Uff jeden Fall, an jenem glorreichen Daach im November wollt minn Onkel grad widder nach der Mittachspause in sinnen Laden, als sein Freund und Saufkumpan vor der Deere von der Werkstatt stand. Nu freudiges Begrüssen und dann mußte das Wiedersehen natürlich gefeiert werden. Kurzerhand hat hä dem Lehrjungen frei gegeben. Ich war vor der Deere am Speelen. Hä hat mir `nen Zehnmachkschein und de Deichsel von sinnem Handwagen in die Hand gedrückt: „Mach dich ma schnell uffn Marktplatz ins Konsum und hol uns ne Kiste Bier und vom Restgeld kannste dir ne kleene Dafel Schokelade mitbringen!“ - Da war ich schnell dabei. „Aber wenn dich de Dante Martha sieht, kein Wort!“ Das kannte ich natürlich au schon! Die Wiedersehensfeier konnte beginnen. Der Kumpel vom Cerkus holte noch `ne Flasche Kadschidi uss sinner Maanteldasche.“

Hier konnte ich dem Karle nicht ganz folgen und wollte ihn schon unterbrechen, aber er ahnte das: „Kadschidi iss Cerkussprache und heißt Schnaps! Man kann ja das Bier nit so trocken runterwürjen. - Jedenfalls zwei Stunden später waren die beiden reif und es wurde ihnen auf den Stühlen zu ungemütlich. `S war au so ´ne gewisse Müdigkeit eingetreten und da honn sich die zwei Strategen in die geöffneten Särje gelegt. Ab und zu bewegte sich dann ein Arm in Richtung Bierflasche, ansonsten honn se geruht.

Das Schauspiel blieb natürlich den Passanten nit verborjen und schon bahle hatte sich eine kleene Menschentraube vor dem Fenster gebildet. So´n Spektakel hat die Stadt noch nit gesehen, bis dann minne Dante kam und die Fete lautstark beendet hat.“ Ich wollte jetzt noch wissen, was aus seinem Onkel Hans geworden ist, und Fettenbrot schloß: „Na ja! Eines morjens im Februar hat er sinnem Lehrjungen eröffnet: „Morjen mach`mer Konkurs, damit de das au ma lernst.“ Kurzum hä war pleite, minne Dante hat sich scheiden lassen und hä is mit sinnen Kumpel abgehauen zum Cerkus. Da isser dann geblibben, bis er gestorben iss. Aber von den Schnapsleichen in den Särjen hat ´mer noch jahrelang gesprochen.

Maiausflug uffn Alheimer

Nach Mittagessen und Mittagsschläfchen besuchte Schnibbelbohn`s Henner seinen Freund und Kupferstecher Fettenbrot`s Karle -wie fast jeden Tag – in seinem Garten. Nach einiger Zeit die beide schweigend und mit geöffneter Bierflasche auf der Gartenbank verbrachten, brach Henner die bedrückende Stille: „ In zwei Wochen ist 1. Mai!“ - was Karle einsilbig mit „Hm!“ bestätigte. „Früher simmer jedes Jahr ruff uffn Alheimer gewandert und honn schön ohne unsre Wieber die Natur genossen!“ - „De Natur un Schnaps und Bier!“ bestätigte Karle.

„Jo das war schön: Erst `n Berch hoch gequält dann oben „Ahle Wurscht“ mit Brot und Gurke gefressen.“ „Jo und das ganze dann mit einigen Bier und Korn runnergespült und dann gings an de Schießbude.“ - „Hassl´s Wilde Jagd uss Beber!“ warf der Henner ein. „Nach zähn Schuß hott uns der Chef von der Bude aber die Knarren widder uss der Hand gerissen, weil du den Teddybären de Augen russgeschossen host.“ "Hör uff“, entgegnete Henner,„das Zielwasser hott bei dir au nit geholfen: Du host den armen Teddies innèn Buch geschossen, dass de ganze Holzwolle russkohm.“ - „Also simmer widder zur Bierbude und honn de Konjunktur angetrieben.“ erzählte Karle weiter, was Henner mit einem „Reichlich!“bestätigte.

Später haben sich beide auf einer der Bierbänke niedergelassen und mit Bier und Korn und anderen dargebrachten Spirituosen die Freuden der schönen Natur genossen. Das Gespräch wurde jetzt von einer längeren Pause unterbrochen, wobei beide selig und mit verklärten Augen die Vergangenheit zurückriefen. „Nammitags honn dann de Jungs de ersten Kloppereien angefangen. Mäh konnten da aber nit mitmachen.“ unterbrach Henner die Stille. „Mäh waren jo au stille und friedliche Zecher“, meinte Karle, „und usserdem konnt` `mer kaum grade stehen, von wejen au noch hinnelööfen un kloppen.“ „Mäh honn uns dann gesammelt und sinn mit vereinigten Kräften und „Arm in Arm“ uffn Heimweg“, berichtete der Karle. Und der Henner vervollständigte: „Kurz vor Guddels simmer dann müde gewochden und honn uns am Wejesrand hingelecht und den Schlaf des Gerechten genossen.“

„Da würd` `mer heute noch liechen, wenn unsre Zimmerlinden namens Hilde und Käthe `sElend nit geahnt hätten,“ meinte Karle. „Die honn sich den Handwagen geschnappt und sinn uns entgegen gekommen. Dann honn se uns uffgeladen und heime geschaukelt.“ ergänze Henner die Geschichte. Jo und weil sich de Stadtkapelle mittlerweile au uff den Heimmarsch gemacht hat, simmer mit Pauke und Trompeten in de Stadt ingezochen. Un übberall sinn de Fenster uffgegangen und honn uns uff der Karre liejend und scharchend gesehen.“ erzählte der Karle. „Hör uff!“ beendete der Henner den Dialog und machte sich heime zu seiner „Zimmerlinde“ Käthe. Aus der Ferne rief er dem Karle zu: „Aber schön war`s doch!“

Ribbelditzchen`s Erna und der Schlüpperstürmer

Am Nachmittag kam Schnibbelbohn`s Henner – wie eigentlich jeden Nachmittag – zu Fettenbrot`s Karle in den „Gachden“, griff sich die obligatorische Bierflasche, öffnete sie mit dem Feuerzeug und platzierte sich neben Karle auf die Gartenbank. „Du warst ja gestern abend gar nicht beim Stammtisch!“ begrüßte ihn der Karle. „Nee, ich mußte mich gestern ma bei der Käthe inkratzen von wejen vergessenem Hochzittstach. Und da honn ich sä zum Essen und nachher in de Cocktail bar ingeladen.“ „Watt mutt dat mutt!“ stimmte ihm der Karle – diesesmal auf norddeutsch - zu.

Dann saßen die zwei alten Kameraden einige Minuten stumm da. Jeder suchte nach einem geeigneten Gesprächsstoff, bis der Karle das Schweigen brach: „Wisste noch, wie unser Wirt den „Schlüpperstürmer“ eingeführt hat?“ „Na klor, den kann kinner vergessen, , “ antwortete Henner.

Zur Erläuterung: Vor etlichen Jahren eröffnete ein hiesiges Hotel eine Cocktailbar, und dort gab es dieses ominöse Getränk. Nachdem etliche Gäste von ihm und der überraschenden Wirkung des eigentlich „Schlüpfer- stürmer“ bezeichneten Getränkes geschwärmt hatten, besorgte sich der geschäftstüchtige Wirt das Rezept und einen Cocktailshaker und bewarb diesen Artikel von zweifelhafter Wirkung. In den wenigen Wochen, in denen das Getränk in der Stammkneipe für Furore sorgte, hat es kein gestandener Mann geschafft, mehr als vier Gläser davon zu verzehren. Ab dem dritten Glas litten alle an vollständigem Verlust der Muttersprache. Henner fand sich eines Abends nach dem Genuss von drei Gläsern dieses Zaubertranks auf der Wiese vor der Pinte wieder – grasfressend wie eine Kuh. Jedenfalls wurde das Gesöff nach einiger Zeit von der Karte genommen, einmal weil durch den Genuss der Bierabsatz stagnierte und zum Zweiten, weil Minna, die Wirtsfrau, keine Lust mehr hatte, die Sauereien auf den Toiletten zu beseitigen.

Eines Abends ging es in der Kneipe hoch her, als Ribbelditzchen`s Erna das Lokal betrat. Die dralle Erna war der wildeste Feger der Stadt und die Jungen an der Theke bestellten ihr natürlich einen „Schlüpferstürmer“. In der Eckkneipe ging es sozusagen rund und als vor der Erna der zweite „Schlüpferstürmer“ stand, tönte sie: „Wenn ich noch so `nen Schlüpperstürmer trinke, dann stürmt mein Schlüpper von ganz alleene.“ Nach einiger Zeit bemerkte die Minna, dass das mannstolle Ribbelditzchen verschwunden war - und mit ihr einer von den Kerlen. Intuitiv ging Minna auf die Damentoilette. Aus einer der Kabinen vernahm sie eindeutige Geräusche: In der Toilette war ein Techtelmechtel zugange. Die Toiletten waren durch oben offene Trennwände unterteilt. Besorgt um den Ruf ihres Gasthauses musste sie jetzt was unternehmen.

Karle erzählte weiter: „Und da hott de Minna sich angeschlichen und die beiden Turteltäubchen mit `nem iesekahlen Eimer Wasser getrennt. Wie begoss`ne Pudel honn se dann -begleitet vom Gegröle von den Jungens – de Lokalität verlassen.“ - „Coitus interruptus!“ konstatierte der speziell auf diesem Gebiet bewanderte Henner.

Es entstand eine Pause im Gespräch. Dann eröffnete Schnibbelbohn´s Henner: „Wisste noch, als ich noch nit mit der Käthe zusammen war, do war ich ja au ma spitz uffs Ditzchen. Und an Strandfest-Sonntag honn ich sä abgepaßt. Als sä nach`m Feuerwerk heime ging, bin ich hingerhär. Ich honn dann ne Vertelstunde an ihre Deere gekloppt...“ - „Aber sä hott dich nit russgelassen.“ ergänzte Fettenbrot`s Karle.

Fettenbrot und Schnibbelbohn in Sachsenhausen

Schweigend saßen Fettenbrot`s Karle und Schnibbelbohn`s Henner vor der Laube auf der Gartenbank bis der Henner eröffnete: „Wisste noch, uffn Dach genau vor 20 Jahren honn mer Zweie unsern Ussflug nach Sachenhausen gemacht?“ - „Jo, das war vielleicht ne Story!“

Schnibbelbohn berichtete weiter: "Weil an dem Dach so`n Sauwetter war simmer gleich in de erste Äppelweinkneipe rinn und honn uns „Handkäs` mit Musik“ und nen schönen großen Bembel mit derer Brüh`bestellt.“ - „Und wisste noch, wie am Nachbartisch sich ein Gast übber`s Essen beschwert hott?“ - „Na klar“, antwortete Henner: „Dos hott den Ober aber gar nicht berührt. Der hott den Deller weggeräumt und lapidar in sinnem Frankfurter Dialekt verkündet: „Ich ess hier aah nix.“

„Jo, freundlich sinn sä da in Sachsenhausen!“ meinte Fettenbrot. Dann resümmierte er weiter: „Mäh als Biertrinker kannten jo das Zusammenspiel von Handkäs`, Zwibbeln und Äppelwein im Magen- und Darmtrakt noch nit, aber das honn `mer dann zu spüren gekricht.“ Schnibbelbohn fuhr fort: „Jo, noch `ne Portion Handkäs`und noch so nen großen Krug von dem Gesöff und dann simmer Richtung Bahnhof marschiert. Bis dahin ging`s ja noch gut, aber als `mer im Zug einstiegen, da pressierte es gewaltig.“

„Clever, wie `mer sinn, honn `mer uns das Abteil gleich beim Klo gesichert: Und dann simmer zur Erleichterung immer abwechselnd uff de Schüssel. Bis Herschfeld war das ja alles noch schön, aber als ich grad widder ruff wollte hott sich doch disse Frau dazwischengedrängelt. Ich stand dann mit zusammengekniffener Kimme vor der Deere und honn zu unserm Schöpfer gebetet. Aber bis die Ahle sich ussgemährt hatte, war`s bei mir zu spät. Ich hott ja `ne langärmliche Unnerhose an: Es lief an beiden Beinen bis zu den Strümpen runner.“

„Geschtunken hasste wie`n Wiedehopf!“ bestätigte Henner.

„Dann honn ich mich untenrum widder schön gemacht. Die Unnerhose honn ich der „Deutschen Bundesbahn“ geschenkt“, beendete Karle den Dialog.

Schnibbelbohn`s Henner und de Butterkremdochde

Wie schon an so vielen Nachmittagen betrat Schnibbelbohn`s Henner an diesem Tag den „Gachden“ seines Freundes, griff sich die obligatorische Bierpulle und setzte sich stöhnend neben Fettenbrot`s Karle auf die Bank. „Was hasste dann?“ fragte Karle und Henner begann zu erzählen: „Seit gestern honn ich Krieg mit minner Käthe wejen der Butterkremdochde. Gestern war doch widder Kaffeekränzchen vom Frauenkreis und dissesma war mein Kätchen mit`m Dochdebacken dran. Du wisst ja, das kannse supper. Und mittachs spricht sä zu mir, ich soll doch schomma de Dochte ins Dorfgemeinschaftshaus fahren und beim Hausmeister abgeben. Ich soll aber vorsichtig sinn und nit widder so rasen. Also honn ich de Dochdenplatte mit der Butterkrem geschnappt und honn se uffm Beifahrersitz platziert und honn mich uffn Wech gemacht. Im Radio honn sä so schöne Musik gespeelt und ich honn mitgesungen und do is doch von rechts aus der Seitenstraße so`n Clobes mit`m Fahrrad russ. Natürlich war ich widder `n bisschen zu schnell – du kennst ja minnen Fahrstil – und da musste ich natürlich voll in de Eisen. Ist au alles gutgegangen, nur de gute Dochde lief de Windschutzscheibe runner. Do honn ich dann erschtema simuliert was ich machen soll. Die Käthe is doch so eitel mit ihren Kuchen und wenn ich ihr das beichte, massakriert sä mich.

Ich bin dann zur Tankstelle und hab erstma`s Auto poliert. Zwei Stückchen von der Dochde honn ich noch gerettet und mit dem Tankwart geteilt. Danach bin ich innen Suppermarkt und honn ne Tiefkühldochde gekauft und die honn ich dann im Dorfgemeinschaftshaus abgegeben. Daheime angekommen hab ich mich dann gleich im Hobbykeller verkrochen. `s Käthe is dann onne und ich hab die ganze Zitt bis sä um Sibbene zurück war, wie uff heißen Kohlen gesessen.“ „Du hättest ihr gleich reinen Wein einschenken müssen!“ warf Fettenbrot`s Karle ein.

„Jo, hingerher iss mer immer klüger“, antwortete Henner und fuhr mit seinem Bericht fort: „Als Es dann heim kam hattse mich gleich strack gestellt: Was ich mit der schönen Dochde gemacht hätte, sä hätt sich mit der halbgefrorenen Fabrikdochde bei den Wiebern blamiert, ihre Mutter hättse schon vor drissig Jahren vor mir gewarnt, warum ich sä angelogen hätte und überhaupt... Ich honn ihr dann alles gestanden und seitdem hattse kinn Wochd mä mit mir gesprochen - das Schweigen wie bei Ingemar Bergmann. Ich mußte heut Nacht uffm Schässelong pennen, weil sä de Schlafstubbendeere verrammelt hatte.“

„Das hasste dir aber au redlich verdient!“ bemerkte Karle, da kannste jetzt aber lange Zitt Süßholzraspeln.“ Schnibbelbohn`s Henner leerte seine Bierflasche, deponierte diese im hinter der Bank stehenden Kasten und eröffnete: „Ich muß jetzt fort innen Suppermarkt!“ - „Willste schon widder ne Doche kööfen? - „Nee, so `nen Dochdentransportbehälter uss Plastik, vielleicht redd`sä dann widder mit mir!“

„Kööf au gleich noch `nen schönen großen Blumenstrauß!“ rief ihm Fettenbrot`s Karle hinterher.

Schnibbelbohn´s Henner sinn Uppa

Als Schnibbelbohn´s Henner den „Gachden“ von seinem Kumpan Karle Fettenbrot betrat, konnte man ihm ansehen, daß er geschafft war. Stöhnend ließ er sich auf der Gartenbank nieder und öffnete instinktiv die Bierflasche. Nach einem langen Zug aus ebendieser fühlte er sich schon viel besser und nachdem der Karle nach dem Ursprung seines Abgekämpftseins fragte, begann er zu erzählen: „Ich war den gaanzen Vormittag uffm Friedhof und honn minnem Uppa sinn Grab weggemacht, weil die Liechezitt abgelööfen war.“

„Ich kann mich noch gut an dinnen Uppa erinnern.“ gab Fettenbrot´s Karle dazu. „Hä war ja `n guter Kerl,“ fuhr Henner fort, „und bis zum Achtzigsten körperlich und geistig voll da. De Umma Frieda is ja schon`n paar Jahre fürher gestorben.

Aber dann is hä senil wochden oder Alzheimer. Das fing ja harmlos an: Erscht hat er übberall de Lichter brennen lassen und de Namen verwechselt, aber dann hat er de Herdplatten angelassen und de Kerzen nit gelöscht und de Dischblatte hat gekokelt. Da wurd`s gefährlich. Und als er dann im Winter nur in Dappchen und Unnerhose inkööfen wollte, da mußt `mern dann ins Pfläjeheim bringen. Und da is hä schnell bettlägerich gewochden. Und hä wuchde zum Schrecken vumm Personal. Hä hat ja nüchts mä gekonnt und nüchts mä gerafft, aber eines, das wusst´ hä noch: Die Altenpfläjerinnen mußten alszus uffpassen, denn wenn se in sinne Reichweite kamen, da hat hä se entweder in´n Hinnerschten geknibbt oder hä hott se sogar noch ans Ditzchen gepackt. Aber das war dann bahle au vorbei. Hä iss dann ins Koma gefallen und der Dokter hat gesprochen, daß es zu Ende geht. Und ich honn dann am letzten Daach bei emme am Bette gesessen und de Hand gehalten. Plötzlich hat er nochema de Auchen uffgemacht, und ich wiss nit, ob er gedräumt hat oder schon bei der Umma war, jedenfalls hat er geruffen: „Frieda, kumm ins Bett, mä wollen ma widder ´ne Runde gedangeln.“ - das waren sinne letzte Woche, kurze Zitt später isser für immer ingeschloffen.“

„Da hat hä jo wenigstens noch`n schönen Draum gehabt.“ tröstete Fettenbrot´s Karle.

siehe auch