Nord-Holland (Kassel)

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Blick Richtung Martinskirche und Universität

Der Kasseler Stadtteil Nord-Holland heisst im Sprachgebrauch auch Nordstadt.

Als sogenannte Nordstadt wird der Stadtteil bezeichnet, der seit der Wende zum 19. Jahrhundert entlang der nach Norden führenden Ausfallstraße, der Holländischen Strasse entstanden ist und den bis heute die hohe Konzentration an Industriebetrieben prägen.

Geografie

Bevölkerung

(Stand: 31. Dezember)

  • 2005: 13830 Einwohner
  • 2010: 14080 Einwohner (Ausländeranteil: 4566 Einwohner = 32,4 Prozent)

Lage

Der Stadtteil Nord-Holland liegt nördlich des Stadtteils Mitte und grenzt an die Stadtteile Philippinenhof-Warteberg, Fasanenhof, Wesertor, Mitte, Rothenditmold und Jungfernkopf.

Durch den Stadtteil verläuft in Nord-Süd Richtung die Holländische Straße (jeweils Teil der B 7 und B 83).

Geschichte

Aus der Ortsgeschichte

Während des Industriezeitalters entstand der Stadtteil als innenstadtnaher Industrie- und Arbeiterwohnbezirk seit Anfang des 19. Jahrhunderts entlang der Holländischen Strasse nach Norden, entscheidend geprägt von den Henschel-Werken und dem Bau von Wohnungen für die dortigen Arbeiter und Angestellten.

Kein anderer Stadtteil in Kassel hat in den vergangenen 30 Jahren so sehr sein Gesicht verändert wie Nord-Holland. Der Grund: Die Universität entstand auf dem früheren Henschel-Gelände am Holländischen Platz.

Nord-Holland ist ein sehr vielschichtiger Stadtteil mit hohem Ausländeranteil: hier ein lebendiges Studenten- und Kneipenviertel, dort Brennpunkte wie die Fichtner-Oestmann- oder die Friedrich-Wöhler-Siedlung, und der gut bürgerliche Hegelsberg.

Das Schillerviertel, Zentrum der beruflichen Weiterbildung Nordhessen, entwickelt sich trotz Drogen- und Prostituiertenszene langsam zu einem lebendigen Quartier für Kunstschaffende.

Rund um die Holländische Strasse

Am Anfang war es noch ganz nett an der Holländischen. Wer um 1735 nordwärts aus Kassel raus wollte, hatte zwei Möglichkeiten: den alten holländischen Postkurs, später „Fahrender Lippstädter Kurs“ auf der heutigen Wolfhager Straße. Und – auf der Holländischen Straße – den „Neuen Holländischen Kurs“ über Westuffeln (dort war der erste Pferdewechsel). Über die Straße floss die Mombach. Stadtbaumeister Klocke veranlasste 1749, dass die Holländische Straße ausgebaut und die Mombach-Furt durch eine Brücke ersetzt wurde. Immerhin war die Straße Teil eines großen, alten Verkehrswegs zum Niederrhein und bis nach Holland.

1967 - Das Verwaltungsgebäude der Fa.Henschel (heute Uni)

Unsere große breite Holländische Straße hat klein angefangen. Als sie noch Müllergasse hieß, führte sie gerade mal vom Pferdemarkt bis zum Müllertor. Das fiel, als die Kasseler Festungsanlage 1767 geschleift wurde. Das Holländische Tor entstand, mitten auf dem heutigen Holländischen Platz. Wahrscheinlich war es für die Henschel-Arbeiter keine Freude, die riesigen neuen Loks mit einem 60 Pferde starken Gespann auf dem Weg zum Oberstadtbahnhof durch das Tor zu fädeln. 1866 wurde es abgerissen.

Vor der Industrialisierung muss es längs der Holländischen Straße idyllisch gewesen sein: große Obst- und Gemüsegärten und Gärtnereien. Erst nach und nach entstanden Häuser außerhalb des Altstadtrings. Das Haus mit der Hausnummer 1 – so steht es auch im Kasseler Adressbuch von 1828 – war das „Oestreich“, die sehr beliebte Gastwirtschaft von D. Oestreich. Im Saal des spielte ein „Liebhabertheater“, am liebsten Lustspiele. Im Sommer gab es im großen, schattigen Laubengarten „vortrefflichen Kaffee und bestes Bier“ – so Notizen eines Zeitzeugen. Damals, also um 1850, war die Holländische Straße eine Pappelallee. Der Hauptfriedhof war noch ganz neu.

Die Zerstörung der Idylle begann schleichend. 1810 errichtete Henschel die erste kleine Fabrik in der Nordstadt. 1837 war der Fabrik-Neubau am Möncheberg fertig. Auch andere Betriebe siedelten sich an: Gottschalk, Kolbenseeger, die Waggonfabrik von Thielemann, Eggena, die Kasseler Gasbereitungsanstalt, der Schlachthof.

Viele Betriebe, viele Arbeiter – 1837 arbeiteten allein bei Henschel 200 Leute, um 1900 waren es schon 2200. Für all die Arbeiter musste Wohnraum her, praktischerweise in Werksnähe. Die Altstadt war zu eng. Die neu entstehenden Wohnungen im Vorderen Westen für Arbeiter nicht bezahlbar. Im Gebiet an der Holländischen Straße schossen Mietskasernen aus dem Boden. Vierstöckig, aus Ziegelstein. Da haben wir die Nordstadt. Das neue Wohngebiet war schnell völlig zugebaut.

Kunst und Kultur

Literatur

  • Annette Ulbricht (Hrsg.): Von der Henschelei zur Hochschule. Der Campus der Universität Kassel am Holländischen Platz und seine Geschichte. Kassel, 2004; ISBN 3-89958-099-0

Öffentliche Einrichtungen

Außer dem großen Campus der Universität Kassel entstand seit den späten 1960er- bis Mitte der 1970er- Jahre eine Anzahl von berufsbildenden Schulen - vor allem entlang der Schillerstraße - so die Walter-Hecker-Schule, die Martin-Luther-King-Schule und die Paul-Julius-von-Reuter-Schule. Eine weitere Berufsschule, die Elisabeth-Knipping-Schule, befindet sich an der Mombachstraße auf dem Gelände des ehemaligen Kasseler Schlachthofs. Im benachbarten Stadtteil Wesertor finden sich zwei weitere Berufsschulen.

An der Holländischen Straße liegen die Carl Anton Henschel-Schule (Grund- und Hauptschule der Nordstadt) sowie das Philipp-Scheidemann-Haus, das neben der Volkshochschule auch die Funktion eines Stadtteilzentrums hat.

Das Kulturzentrum Schlachthof in direkter Nachbarschaft bietet ebenfalls Veranstaltungsräume für kulturelle und soziale Initiativen an und das Jugendzentrum der Nordstadt befindet sich in den Torhäusern.

siehe auch

Blick in die Vergangenheit: Das Tal der Schenkebier Stanne, gesehen von der Holländischen Straße mit Blick auf Bahndamm und Stellwerksgebäude. Rechts die Ziegelei Zulehner (später Richter). Das Foto entstand im Jahr 1905. FOTO: STADTARCHIV/NH

Straße und Plätze

Vereine und Parteien

Parteien

Vereine

Weblinks



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