Nieste

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Nieste
Nieste-Kirche.jpg
Die ev. Kirche in Nieste
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Kassel
Höhe: 364 m
Fläche: 405 ha
Einwohner: 1.784 (31. Dezember 2011)
Postleitzahl: 34329
Vorwahl: 05605
Kfz-Kennzeichen: KS
Adresse der
Stadtverwaltung:
Wilh. Heitmann-Platz 3
34329 Nieste
Website: www.nieste.de
Bürgermeister: Edgar Paul (SPD)

Nieste ist ein staatlich anerkannter Erholungsort im Landkreis Kassel in Nordhessen mit etwa 1.900 Einwohnern und die kleinste selbständige Gemeinde in Hessen.

Geografie

Das Gemeindegebiet liegt im Tal der Nieste am Kaufunger Wald nahe der Stadt Kassel.

Geschichte

Aus der Ortsgeschichte

Erste Hinweise auf den Ort gibt es bereits im Zusammenhang mit der Begründung der Kaufunger Reichsabtei um 1120. Anfang des 14. Jahrhunderts begegnet man in geschichtlichen Quellen dann dem Geschlecht von Nyste, das offenbar den Herkunftsort als Namen führt; Hermann von Nyste ist im Jahre 1301 Ratsherr in Hann. Münden, sein Bruder Conrad im Jahre 1323.

Der Ort lag am sogenannten Sälzer-Pfad, auf dem Salz von Allendorf nach Kaufungen gebracht wurde.

Als Grenzdorf gehörte Nieste lange Zeit zu Braunschweig (später: Königreich Hannover) und zu gleichen Teilen zur Landgrafschaft Hessen, wodurch es Jahrhunderte lang zu Grenzstreitigkeiten kam.

Es gab sehr lange keine klare Grenze, sondern ein Grenzgebiet in dem Nieste lag. Das jährlich in Nieste tagende „Gesamtgericht“ setzte sich je zur Hälße aus Hessischen und Braunschweigischen Richtern zusammen.

Besonders wichtig war im Staatsvertrag von 1536, dass Nieste als „Freidorf“ keine Soldaten zu stellen brauchte; in der Zeit von 1536-1831 gab es hier keine Militärpflicht.

Erst Ende des Jahres 1831 wurde Nieste durch Staatsvertrag zwischen dem Kurfürstentum Hessen und dem Königreich Hannover hessisch.

Während des Zweiten Weltkriegs erlitt der Ort nahe der Stadt Kassel bei Fliegerangriffen schwere Schäden.

siehe dazu auch:

  • Nieste, das Dorf an der Grenze [1]

Der Hirsch in der Nieste

aus: HNA-online vom 19.06.2009

Lothar Rommel hat den ewigen Zwist um den Grenzverlauf bei Nieste beschrieben
von Thomas Stier

Nieste. Seit Jahren versuchen das niedersächsische Staufenberg und das hessische Nieste den Verlauf ihrer Gemeindegrenzen neu zu ordnen. Damit setzen sie eine Tradition fort, die seit Jahrhunderten für teilweise handfesten Streit an der Landesgrenze sorgte.

Der Niester Heimathistoriker Lothar Rommel hat die Geschichte dieses ewigen Zwistes erforscht und in seiner neuesten Broschüre auf 29 Seiten beschrieben. "Als Nieste hessisch wurde", ist der Titel der Fleißarbeit, die den langen Weg zum Staatsvertrag zwischen dem Kurfürstentum Hessen und dem Königreich Hannover am 23. Dezember 1831 anschaulich nachzeichnet. Damals kam das "Freidorf" Nieste endgültig ins Hessenland, die Enklave Laubach, heute ein Stadtteil von Hann. Münden, wechselte dafür ins Niedersächsische.

Bei den vielen Streitfällen ging es meist um das Jagdrecht der adligen Herren oder das wertvolle Holz im Kaufunger Wald. Im Februar 1544 etwa pfänden die Hessen drei Pferde, als die Braunschweiger Holz für die neue Kanzlei aus dem Kaufunger Forst holen wollen. Im Gegenzug pfänden die Braunschweiger 1556 das Holz, das von den hessischen Untertanen aus Heiligenrode gefällt worden ist.

So geht es immer hübsch hin und her. Als 1559 ein Vogelfänger am Sensenstein eine Holzspange schneidet, nehmen ihm die Braunschweiger die Axt weg. 1560 wird ein braunschweigischer Förster handgreiflich, schlägt den hessischen Förster Jost Schwalbach, konfisziert fünf Wagenketten. Wenig später zerstören die Hessen Schweineställe des Feindes. Hundert Jahre später, am 20. Juli 1660, schießt der hessische Förster einen Hirsch, der in der Nieste und damit genau auf der Landesgrenze liegen bleibt. Beide Seiten erheben Anspruch auf das Wildbret.

Als 1713 der Niester Müller Daniel Christmann ein Mühle bauen will, kommen einhundert braunschweigische Bauern mit 20 Wagen und klauen das Baumaterial. Begründung: Der Standort der Mühle läge in Escherode. Das Gezerre endet mit dem Staatsvertrag im Jahr 1831. Das Dorf mit rund 500 Menschen und 99 Häusern wird hessisch.

Doch für Nieste bringt die neu Klarheit nicht nur Vorteile: Als Freidorf nämlich war Nieste seit 1536 vom Militärdienst befreit, musste keine Soldaten stellen.

Jetzt holt sich der hessische Kurfürst junge Männer als Soldaten. Auch alle Steuern und Abgaben gehen jetzt an das Kasseler Rentamt. Das tut den Niestern richtig weh. Rommel: "Das waren ja meist traurig arme Leute." Viele Wochen hat der 80-Jährige im Staatsarchiv von Marburg recherchiert und dann seine Erkenntnisse am Computer niedergeschrieben. Als kritische Lektorin übte sich seine Ehefrau Ruth (72).

Die neue Broschüre hat Lothar Rommel in einer Auflage von 40 Stück ausgedruckt, verkauft wird sie zum Preis von 7 Euro in Anjas Dorfstübchen am Wilhelm-Heitmann-Platz, Telefon 0 56 05/92 76 44, oder beim Autor unter 0 56 05/2318, Vor der Warte 1, Nieste.

Zeitreise im Kaufunger Wald

aus: HNA-online vom 23.06.2009

Am Freitagnachmittag wurde in Nieste der Eco-Pfad Archäologie Gläsnertal eingeweiht

von Tina Hartung

Nieste. Wie wird eigentlich Glas hergestellt? Heißt Waldglas so, weil es grün ist? Diese und viele andere Fragen zum Thema Gläsnerei beantwortet der Eco-Pfad Archäologie Gläsnertal. "Als elften Eco Pfad kann man nun auch in Nieste eine Wanderung mit einer Zeitreise verbinden", freut sich Landrat Dr. Udo Schlitzberger. Zusammen mit Niestes Bürgermeister Edgar Paul weihte er am Freitagnachmittag den Eco-Pfad Archäologie Gläsnertal ein. Der Kaufunger Wald war im Mittelalter eines der wichtigsten Gebiete der Waldglasherstellung in Deutschland. Der neun Kilometer lange Pfad umfasst fünf Stationen, die Wanderern die Tradition der Waldglasherstellung in Erinnerung rufen sollen.

Vor der Einweihung des Eco-Pfads wird natürlich ein Stück des Weges zu Fuß zurückgelegt. Am Wanderparkplatz Bunte Bock kurz hinter dem Ortsausgang von Nieste in Richtung Witzenhausen beginnt die spannende Entdeckungsreise. Neben Schlitzberger und Paul waren auch 30 Wanderfreunde gekommen. Darunter Dr. Thilo Warneke. Er ist für die wissenschaftliche Bearbeitung sowie die Textinhalte und Bilder auf den Tafeln verantwortlich.

Interessiert versammeln sich die Wanderer vor der ersten Tafel und hören zu, was Warneke über die Bedeutung des Kaufunger Waldes für die Gläsnerei berichtet. "Besonders die letzte Station möchte ich Ihnen ans Herz legen", sagt er. Dort sei mit 70 Metern Durchmesser der größte Schutthügel einer Waldglashütte in Europa zu sehen. Roland Petrowsky, Gesamtvorsitzender des Hessisch-Waldeckischen Gebirgs- und Heimatvereins, befindet den Pfad für gut. Der Lohn: das Siegel "geprüfter Wanderweg".

Hintergrund: Das Gebiet bei Nieste war einst Grenzgebiet, was alte Grenzsteine von 1838 belegen: auf der einen Seite haben die Steinmetze "KFH" für Kurfürstentum Hessen eingeschlagen, auf der anderen Seite "KH" für Königreich Hannover. Streitigkeiten im Grenzgebiet waren an der Tagesordnung und die Niester hatten an beide Landesherren den Zehnten zu entrichten. Dafür mussten sie weder für den König noch für den Kurfürsten in den Krieg ziehen.

Kirche

Nieste und Niestetal

Auf ihrem Weg zur Mündung in die Fulda bei Niestetal-Sandershausen durchfliest die Nieste das Niestetal, die gleichnamige Gemeinde Nieste und die Ortsteile von Niestetal, Heiligenrode und Sandershausen.

Politik

Bürgermeister

Bei der Direktwahl zum Bürgermeister von Nieste wurde Edgar Paul mit 649 Stimmen (das entspricht 91,2 % der abgegebenen Stimmen) wiedergewählt.

Gemeindevertretung

Am 6. März 2016 haben die letzten allgemeinen Kommunalwahlen in Hessen stattgefunden. Die Wahlperiode dauert fünf Jahre.

Wahlergebnisse:

Landrat

Landrat im Landkreis Kassel ist Uwe Schmidt, SPD.

Wahlkreise

Timon Gremmels, MdL

Timon Gremmels  (SPD) Mitglied im Hessischen Landtag

Timon Gremmels (SPD) ist Abgeordneter des Hessischen Landtags für den Landtagswahlkreis Kassel-Land II
Der Wahlkreis zählt ca. 123.000 EinwohnerInnen, wovon wiederum ca. 98.000 wahlberechtigt sind.

  • Kontakte: Humboldtstr. 8A, 34117 Kassel
  • Telefon: 0561 / 7001052
  • Telefax: 0561 / 7001053
  • Internetseite


Ulrike Gottschalck, MdB

Ulrike Gottschalck

Sehenswürdigkeiten

Sehenswürdigkeiten am Ort

  • Zu erreichen ist die Burgruine Sichelnstein über die Ausfahrt Staufenberg/ Lutterberg der Bundesautobahn 7 in Richtung Sichelnstein oder von Hann. Münden aus kommend über die Bundesstraße 496. Der Zugang zur Ruine befindet sich in der Burgstraße gegenüber der Straße Am Borngraben. Hier gibt es einige wenige Parkmöglichkeiten.
  • Etwa 5 km nördlich von Nieste im Dorf Nienhagen ist ein Dorfmuseum im Gollong-Haus zu besichtigen. Ebenso ist ein Barfußpfad in Nienhagen auf einer Länge von 2,8 km eingerichtet.
  • Im Jahre 2009 fertiggestellt wurde der Eco-Pfad Gläsnertal bei Nieste am historischen Standort der Großen Niestehütte. Weiden-Iglus stehen symbolisch für große Glasöfen. Der Eco-Pfad erinnert den Wanderer in einer heute stimmungsvollen Waldwiesen-Landschaft daran, dass der Kaufunger Wald seit dem späten Mittelalter ein Zentrum der deutschen Glasproduktion war.

Sehenswürdigkeiten in der Umgebung

siehe auch

Burgruine Sichelnstein

Wandern

Bei Nieste stoßen zwei Naturparks aneinander: der Geo-Naturpark Frau-Holle-Land und der Naturpark Münden und viele Kilometer Wanderwege verlaufen rund um den Ort.

(eine Auswahl)

siehe dazu:

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. Nieste, das Dorf an der Grenze - www.obergericht.de

Weblinks


Städte und Gemeinden im Landkreis Kassel
WappenLkKassel.jpg

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