Niederzwehren

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Die Matthäuskirche in Niederzwehren -
(Foto: Böhm)

Niederzwehren ist mit mehr als 11.000 Einwohnern einer der größten Stadtteile von Kassel.

Die Bezirke des Stadtteils (Leuschnerstraße, Rosengarten und Niederzwehren) sind geprägt durch Ein- und Mehrfamilienhäusern sowie genossenschaftlichem Mietwohnungsbau.

Zahlreiche Fachwerkbauten sind noch im Ortskern des ehemaligen Bauern- und Handwerkerdorfs Niederzwehren rund um die Matthäuskirche im Märchenviertel erhalten.

Bevölkerung

(Stand: 31. Dezember)

  • 2010: 11632 Einwohner (Ausländeranteil: 1041 Einwohner = 9,2 Prozent)

Geschichte

Aus der Ortsgeschichte

Niederzwehren, Am Grummelbach mit der Matthäuskirche im Jahr 19??.
Zeichnung von "ERLiCH" aus dem Jahr 1987.
Niederzwehren, Dorothea Viehmann Str. im Jahr 1909.
Zeichnung von "ERLiCH" aus dem Jahr 1987.

Das einstige Bauern- und Handwerkerdorf Niederzwehren blickt auf eine lange Siedlungsgeschichte zurück und gehört zu den ältesten Stadtteilen Kassels. Im Jahre 1074 wird der Ort als Tuueron (Bestandsverzeichnis des Klosters Hasungen), 1207 dann als Tweren urkundlich erwähnt und 1224 wird die villa Tweren inferior zur Unterscheidung zum benachbarten Oberzwehren genannt. 1322 heißt der Ort dann Nederntwern. Das zur benachbarten Stadt Kassel gelegene Tor (1269 valva tendit Tuern) wird heute noch Zwehrentor genannt[1].

Im Laufe seiner Geschichte wurde das Dorf mehrmals zerstört, so im Jahre 1402 bei kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Erzbistum Mainz und den hessischen Landgrafen. Auch unter den Folgen des Dreißigjährigen Kriegs hat der Ort sehr gelitten.

In der Zeit des Königreichs Westphalen (1807-1813) war Niederzwehren Verwaltungssitz des Kantons Zwehren.

Im 20. Jahrhundert entwickelte sich der Ort auch zu einem Industriestandort. Unter anderem stand die Waggonfabrik der Gebrüder Credé an der Stelle eines heutigen großen Einkaufszentrums.

Im Jahre 1913 wurde Niederzwehren an das Kasseler Straßenbahnnetz angeschlossen und es bestand bis zur Stilllegung zwischen 1880 und 1985 ein eigener "Bahnhof Niederzwehren".

"De Bratwirschte"

„De Bratwirschte“ (die Bratwürste) lautet bis heute der Spitzname der Niederzwehrener und danach wurde auch selbstironisch ihr Heimatfest benannt, die Bratwurstkirmes.

Deren Tradition reicht in die Zeit weit vor der Eingemeindung zur Stadt Kassel im Jahr 1936 zurück. Bis dahin war Niederzwehren noch ein eigenständiges Dorf.

Die Matthäuskirche

Der Wehrturm der Matthäuskirche
(Foto: Böhm)

Der Wehrturm der Matthäuskirche - ein spätgotisches Bauwerk - stammt aus dem Jahre 1472. Die ursprüngliche Kirche in Niederzwehren wurde bereits in den Jahren 1414 bis 1458 erbaut. Bei Ausgrabungen fand man jedoch Überreste, die auf eine frühere Kapelle bzw. Vorgängerkirche aus dem Jahr 1235 schließen lassen.

Als Patronin der "Matthäuskirche" erscheint im ersten Drittel des 15. Jahrhunderts St. Agatha. Ein Steinaltar aus dieser Zeit befindet sich heute auf dem Kirchhof.

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erfolgte ein Neubau des in den Kriegen wiederholt beschädigten Gotteshauses unter dem hessischen Landgraf Ludwig I. ("dem Friedfertigen"), von dem nur der spätgotische Wehrturm erhalten ist.

Nachdem 1788 in der alten baufälligen Kirche ein Teil der Bühne eingestürzt war, riss man den Rest völlig ab und errichtete, unter Berücksichtigung der alten Fundamente, 1789 ein neues Gotteshaus, welches in seiner Form bis 1913 bestand.

Im Jahr 1915 wurde die Kirche dann abermals grundlegend umgebaut und zu einer Garnisionskirche erweitert. Der Taufstein aus dieser Zeit befindet sich noch heute im Turmraum der Kirche.

Zwar gab es bereits im Jahr 1956 Bestrebungen mehr Platz für Gemeinderäume zu schaffen, doch zuvor wurde die alte Kirche noch einmal renoviert und trägt seitdem den Namen "Matthäuskirche". Im selben Jahr wurde auch der (1552 abgebrannte) Turmhelm neu errichtet. Seine Höhe beträgt seither allerdings nur noch 14,40 Meter.

Im Jahr 1984 kam es dann zu einem weiteren Umbau, der die Kirche von Grund auf veränderte.

Am Fronhof 1
(Foto: Böhm)

Fachwerkhaus "Am Fronhof 1"

Das Fachwerkhaus "Am Fronhof 1" ist ein Stück Alt-Zwehren und gehört, wie auch die Matthäuskirche mit Wehrturm, Kirchhof und Wehrmauer zum Kirchberg dazu. Errichtet wurde das unter Denkmalschutz stehende Fachwerkhaus im Jahr 1836. Bis 1974 befand sich der Bau unter städtischem Besitz und diente als Bezirksstelle sowie als Polizeirevier.

Anschließend stand das Haus von 1974 bis 1987 leer. Doch bereits 1978 hatte die Kirche das alte Fachwerkhaus in die Planung des gesamten Gemeindezentrums der Matthäuskirche miteinbezogen, um den Kirchhügel am Fronhof zu einer Einheit abzurunden sowie weitere Räume für die Kinder- und Jugendarbeit zu schaffen. Die kirchlichen Pläne wurden zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht verwirklicht.

Im April 1986 nahm sich die Kirche dem Projekt schließlich doch an. "Am Fronhof 1" wurde vollständig restauriert und ausgebaut. Heute befindet sich der Hort der evangelischen Kirchgemeinde in dem einstigen Polizeirevier.

Dorothea Viehmann - Gedenkstein
(Foto: Böhm)

Dorothea Viehmann Gedenkstein

Ebenfalls am Fronhof zu finden, ist ein Gedenkstein für Dorothea Viehmann geb. Pierson. Etliche Märchen der Brüder Grimm entstammen den Erzählungen der Viehmännin. Zwar wurde die Märchenfrau einst auf dem alten Kirchfriedhof begraben, doch wo sich das Grab heute befindet, ist nicht bekannt.

An die Märchenfrau, die einst in Niederzwehren lebte, erinnert auch das renovierte Fachwerkhaus im historischen Märchenviertel am Grunnelbach mit seinem romantischen Bachlauf.

Als „arme Bäuerin aus wohlhabendem Hause“ wird Dorthea Viehmann in einem 2012 von Holger Ehrhardt (Grimm-Stiftungsprofessor an der Universität Kassel) herausgegebenen Buch beschrieben. Denn sie war nicht nur die „Bäuerin aus dem nah bei Cassel gelegenen Dorfe Zwehrn“, die „einen ansehnlichen Theil der hier mitgetheilten, darum ächt hessischen, Märchen“ beigetragen hat, wie es im 2. Band der Märchensammlung der Brüder Grimm hieß. Doch als die Brüder Grimm die Viehmännin als Märchenerzählerin entdeckten, lebte sie bereits in ärmlichen Verhältnissen und hatte den Gasthof Knallhütte, auf dem sie aufgewachsen war, längst verlassen. [2]

Elisabeth Selbert - Haus

Elisabeth Selbert - Haus in Niederzwehren

Das Bürgerhaus in Niederzwehren wurde im Jahre 1979 eröffnet. Am 22. September 1986 wurde es nach der bekannten Kasseler Politikerin Elisabeth Selbert benannt.

Graf-Haeseler-Kaserne

Die ehemalige Graf-Haeseler-Kaserne in Niederzwehren wurde 1913/1914 erbaut und erhielt den Namen "Fußartilleriekaserne". Denn sie war als Standort für das thüringische Fußartillerieregiment 18 vorgesehen, wurede aber bedingt durch den Kriegsausbruch im Jahr 1914 von diesem Truppenteil nicht mehr bezogen.

Bis zur Umbenennung in Graf-Haeseler-Kaserne im Jahre 1937 diente sie dann verschiedenen militärischen Zwecken, bevor die militärische Nutzung der Kaserne am 1. April 1994 endete.

Seit 2004 erinnert ein Gedenkstein an der Graf-Haeseler-Straße an die ehemalige Kaserne.

Stadtteil-Chronik

Kirchen

Hauptportal der Herz Jesu - Kirche

Politik

Oberbürgermeister und Magistrat

Oberbürgermeister der Stadt Kassel von 2005 bis 2017 ist Bertram Hilgen, SPD.

Der Oberbürgermeister hat den Vorsitz im Magistrat, der Verwaltungsbehörde der Stadt. Der Kasseler Magistrat setzt sich zurzeit aus fünf hauptamtlichen und 13 ehrenamtlichen Magistratsmitgliedern zusammen, die die Bezeichnung Stadträtin bzw. Stadtrat führen.

Außer dem Oberbürgermeister werden alle Mitglieder des Magistrats von der Stadtverordnetenversammlung gewählt.

Am 5.3.2017 wurde Christian Geselle, SPD zum neuen Oberbürgermeister der Stadt Kassel gewählt; er erhielt im ersten Wahlgang 56,6 Prozent der abgegebenen Stimmen. Damit wird Geselle Nachfolger des langjährigen SPD-Oberbürgermeisters Bertram Hilgen, der seinen Platz im Juli offziell räumen wird.

Persönlichkeiten

Politik

Ortsvorsteher

Ortsvorsteher von Niederzwehren ist Harald Böttger.

Parteien

Schulen

Straßen in Niederzwehren

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siehe auch

Graf-Haeseler-Kaserne in Kassel-Niederzwehren in 1993
Luftbild Quelle: www.die-blauen-aus-zwehren.de (Klaus Drubel)

Vereine

Geh- und Radwegebrücke „Neue Mühle“ zwischen Kassel-Niederzwehren und Fuldabrück-Bergshausen über die Fulda.

Weblinks und Quellen

Die Soldatenfriedhöfe auf dem Keilsberg im Kasseler Stadtteil Niederzwehren. Grafik: HNA

Quellen

  1. Aus der Chornik von Niederzwehren auf www.kassel-niederzwehren.de
  2. W. Schwerdt, Rezension: Dorothea Viehmann, 16. März 2013

Weblinks



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