Neukirchen (Knüll)

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Neukirchen
Ansicht-Neukirchen.jpg
Neukirchen
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Schwalm-Eder-Kreis
Einwohner: 7.125 (31. Dezember 2011)
Postleitzahl: 34626
Vorwahl: 06694
Kfz-Kennzeichen: HR
Gemeindeverwaltung: Am Rathaus 10
Website: www.neukirchen.de
Bürgermeister: Klemens Olbrich (CDU)

Neukirchen ist eine Stadt im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis.

Die Stadt ist Kneippheilbad und Luftkurort.

Geografie

Lage und Verkehr

Die Stadt Neukirchen liegt an der Einmündung des Urbachs in die Grenff. Die Neukirchener Altstadt mit nahezu kreisrundem Umriss befindet sich am rechten Ufer der Grenff.

Neukirchen lag von jeher an der alten Messestraße von Köln nach Leipzig, heute die Bundesstraße 454. Über Nausis, Immichenhain und Hattendorf führte die alte Amtsstraße südwärts nach Alsfeld und in nordwestlicher Richtung über Hauptschwenda nach Schwarzenborn.

Am 31. Juli 1907 wird die Strecke der "Knüllwaldbahn" von Treysa über Niederaula nach Bad Hersfeld gebaut. Neukirchen erhält einen Bahnhof an dieser Strecke. Am 1. Juni 1984 wurde auf der "Knüllwaldbahn" zwischen Oberaula und Treysa der Personenverkehr eingestellt. Ende 1995 folgte der Güterverkehr. Danach folgte noch eine gelegentliche Nutzung durch eine Museumsbahn, bis schließlich 2007 der Abbau der Schienen erfolgte und die Bahntrasse in einen Radweg umgewandelt wurde.

Nachbargemeinden

Im Nordosten der Stadt Neukirchen liegt die Stadt Schwarzenborn, im Osten die Gemeinde Oberaula, im Südosten die Gemeinde Ottrau, im Südwesten die Gemeinde Schrecksbach, im Westen die Gemeinde Willingshausen und im Norden die Gemeinde Frielendorf.

Stadtteile

Geschichte

Neukirchen wird erstmals im Jahr 1142 als "Nuwenkirchun" in einer Urkunde des Klosters Hersfeld erwähnt.

1331 errichtet Graf Johann I. von Ziegenhain, im Zuge einer Neuorganisation seiner Ämter und Gerichte, eine Burg in Neukirchen. Im gleichen Jahr setzt er den Ritter Helwig von Rückershausen als Erbburgmann auf der neuen Burg ein und bildet das Amt Neukirchen, welches Neukirchen, Asterode, Nausis, Oberschrecksbach, Kesingen, Winderode , Immichenhain, Berf und Hattendorf umfasst, zuvor gehört Neukirchen zum Amt Ziegenhain. Ab 1340 bauen die Grafen von Ziegenhain den neuen Amtsmittelpunkt durch den Erwerb größerer Besitzungen in Neukirchen aus. Dadurch entwickelt sich Neukirchen innerhalb von zwei Jahrzehnten zur Stadt.

Bis 1360 ist Neukirchen Zubehör des Gerichts "Auf den Wasen", danach wird das Gericht Neukirchen eingerichtet. 1368 wurden Neukirchen die Stadtrechte verliehen, gleichzeitig erfolgt die Trennung von Stadt- und Landgericht Neukirchen. Zum "Landgericht" gehörten zwölf Ortschaften, die zuvor zum Gericht "Auf den Wasen" gehörten. Das "Landgericht" Neukirchen hatte die hohe und niedere Gerichtsbarkeit inne und war mit dem Amt Neukirchen nahezu identisch. Für die Stadt übten Rat, Stadt- und Landesherr zu gleichen Teilen die niedere Gerichtsbarkeit aus, während die hohe und peinliche Gerichtsbarkeit ebenfalls dem "Landgericht" übertragen war. 1368 sind Amt und "Landgericht" Neukirchen zum Teil an die von Gleimenhain und die von Urff verpfändet.

1369 verfügen die Grafen von Ziegenhain, dass die Einnahmen aus dem Zapfrecht der Stadt für die Errichtung von Bauten und Befestigungen von Neukirchen zu verwenden sind. Die Stadt hat alsbald eine kreisförmige Stadtmauer, die über drei Tore verfügt, das Treysaer Tor im Norden, das Burg- oder Hersfelder Tor im Süden und die Mühlpforte im Westen. Unter der Führung des Grafen von Ziegenhain vereinigen sich im Jahre 1370 bis 1373 Ritter und Adlige zum Sternerbund. Im anschließenden Sternerkrieg wird auch Neukirchen 1372 verwüstet und gebrandschatzt.

1388 wird in Neukirchen ein Amtmann genannt. 1406 löst Landgraf Hermann II. die Verpfändung mit Hilfe der Städte Alsfeld, Homberg und Kassel wieder auf. 1407 gibt Graf Johann II. von Ziegenhain seiner Gemahlin Elisabeth von Waldeck Burg und Stadt Neukirchen als Witwensitz. 1421 wird Neukirchen erneut an die von Urff versetzt, die Landgrafen verpfänden das Amt Neukirchen in den darauf folgenden Jahren noch oft an die jeweiligen Amtmänner. 1444 ist erstmals ein Stadtsiegel überliefert. Zum "Landgericht" Neukirchen gehören nach Rechnungen aus den Jahren 1475 und 1482 die Orte Asterode, Berf, Ellingerode, Hattendorf, Holzburg, Nausis, Riebelsdorf, Rückershausen und Schrecksbach. 1482 wird in Neukirchen ein Rentmeister genannt, der offenbar gleichzeitig das Schultheißenamt ausübte.

Die Nikolaikirche

1533 gab es in Neukirchen bereits über 200 Häuser. Die Stadt wird im gleichen Jahr von einem verheerenden Brand heimgesucht und brannte zu drei Vierteln (ca. 150 Häuser) ab. Dem Brand fiel auch das Rathaus am Markt zum Opfer, welches 1536 an gleicher Stelle neu errichtet wird. 1543 wird in Neukirchen erstmals ein Schultheiß erwähnt. Der Schultheiß führte den Vorsitz im Land- und Stadtgericht und wahrte die landgräflichen Rechte. 1548 gab es keinen Rentmeister mehr, sondern in Ziegenhain einen Rentschreiber. Ebenso werden ab 1570 die peinlichen Fälle nicht mehr im "Landgericht" Neukirchen verhandelt, sondern für Amt und Stadt Neukirchen in Ziegenhain. 1585 hat der Landgraf von Hessen-Kassel den Zehnten zu Neukirchen inne. Im 16. Jahrhundert durfte in Neukirchen zunächst zweimal im Jahr, später dreimal im Jahr Markt gehalten werden. Im gleichen Jahrhundert dehnte sich die Stadt über den Ring der Stadtmauer entlang der Messestraße aus. Vor dem Burgtor entstand die so genannte Vorstadt, vor dem Treysaer Tor die Siedlung "Im Franken".

Der Neukirchener Schultheiß führt ab 1606 auch am Gericht Röllshausen und ab 1609 am Gericht Ottrau den Vorsitz. Landgraf Moritz verleiht der Stadt das Recht viermal im Jahr Markt zu halten. Im Dreißigjährigen Krieg wurden viele Häuser beschädigt, so 1636 das Amtshaus. Es erfolgt ein Neubau an gleicher Stelle, unter Erweiterung auf das Grundstück des ehemaligen städtischen Tuchhauses.

Im 18. Jahrhundert dient der Turm beim Treysaer Tor als Stadtgefängnis. Die Stadt darf sechsmal jährlich einen Jahrmarkt abhalten.

Im Jahr 1777 gibt es in Neukirchen elf Metzger, 27 Schuhmacher und Lohgerber, acht Schneider, 19 Leineweber, zwanzig Bäcker, 16 Schreiner, Glaser, Zimmerleute und Wagner, zehn Schlosser, Schmiede und Zinngießer, sechs Scheuermacher, einen Zeugmacher, zwanzig Krämer, einen Hutmacher, fünf Sattler, zwei Weißgerber, vier Bänderer, drei Drechsler, fünf Seifensieder, fünf Schutzjuden, sechs Maurer, zwei Töpfer und Ziegler, einen Seiler, vier Färber, vier Braumeister und Knechte, drei Chirurgen, einen Bader, einen Apotheker, einen Gärtner, einen Perruquier, vier Musiker, zwei Gastwirte, fünf Wein- und Branntweinschenker, vier Lohnschäfer, dreißig Tagelöhner, 65 ledige Weibspersonen und vier Müller.

Im Königreich Westphalen bilden die Franzosen von 1807 bis 1813 das Kanton Neukirchen, das zum Distrikt Hersfeld zählt. Nach der Wiedererrichtung des Kurfürstentums wurde 1814 das Amt Neukirchen wieder eingerichtet. 1821 wird im Rahmen der Kurhessischen Verwaltungsreform in Neukirchen ein Justizamt eingerichtet und die Stadt dem neuen Kreis Ziegenhain zugeordnet. 1822 werden das Treysaer und das Hersfelder Tor abgebrochen und ebenfalls in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Mühlpforte. 1854 wird ein Viertel der Stadt erneut ein Raub der Flammen. Der Gefängnisturm wird bei dem Brand beschädigt und später mit einem Teil der Stadtmauer abgebrochen. Ab 1867 wird aus dem Justizamt das Amtsgericht Neukirchen.

1928 werden die aufgelösten Gutsbezirke "Forst Neukirchen" und "Forst Immichenhain" nach Neukirchen eingemeindet.

Am 31. Dezember 1971 schlossen sich die Gemeinden Asterode, Christerode, Hauptschwenda, Nausis, Riebelsdorf und Rückershausen an die Stadt Neukirchen an. Am 1. Januar 1974 folgte die Gemeinde Seigertshausen und die Stadt Neukirchen wird in den neugegründeten Schwalm-Eder-Kreis eingegliedert.

Flugzeugabsturz

Am 11. September 2014 stürzte ein Ultraleichtflugzeug im Neukirchener Stadtteil Nausis ab. Zwei Männer starben bei dem Absturz.[1]

Kirchen

Evangelische Kirche

Das Wahrzeichen von Neukirchen ist die historische Nikolaikirche, die mit ihrem mächtigen Turm von weither sichtbar ist.

Im Zusammenhang mit der Kirche steht die lange Tradition der "Türmer von Neukirchen".

Katholische Kirche

Politik

Bürgermeister und Magistrat

WappenNeukirchen.jpg

Der Magistrat der Stadt Neukirchen besteht zur Zeit aus acht ehrenamtlichen Stadträten und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Den Vorsitz im Magistrat führt der Bürgermeister. Die ehrenamtlichen Stadträte werden auf die Dauer von fünf Jahren gewählt. Die Sitzungen des Magistrates finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Dem Magistrat obliegt als Verwaltungsbehörde die laufende Verwaltung der Stadt. Er führt die Entscheidungen der Stadtverordnetenversammlung und die ihm von ihr übertragenen Aufgaben aus.

Die CDU und SPD stellen seit der Kommunalwahl 2006 je drei Stadträte und FWG und FDP je einen Stadtrat. Erster Stadtrat ist Jürgen Lepper (CDU).

Der Bürgermeister wird von der Bevölkerung der Stadt Neukirchen für die Dauer von sechs Jahren gewählt. Die Bürgermeister der Stadt Neukirchen seit 1891:

1891 bis 1902 Johannes Konrad Krommes
1903 bis 1933 Friedrich Weber
1933 bis 1936 Ludwig Lauer
1936 bis 1945 Justus Ritter
1945 bis 1949 Wilhelm Hipka
1949 bis 1960 Heinz Kimmel
1960 bis 1990 Friedhelm Walper

Seit 1990 ist Klemens Olbrich (CDU) Bürgermeister der Stadt Neukirchen.

Stadtparlament

Ergebnis der Kommunalwahl 2006 % Sitze
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 38,4 12
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 38,0 12
FDP Freie Demokratische Partei Deutschlands 9,9 3
UBL Unabhängige Bürgerliste 7,7 2
FWG Freie Wählergemeinschaft 6,0 2

Die Stadtverordnetenversammlung ist das höchste Organ der Stadt Neukirchen. Sie trifft alle wichtigen Entscheidungen und erlässt die Satzungen ("Gesetze") der Stadt. Zur Vorbereitung dieser Entscheidungen bildet die Stadtverordnetenversammlung verschiedene Ausschüsse in denen einzelne Themen vorbereitet werden, um sie dann in der Stadtverordnetenversammlung zur Abstimmung vorlegen zu können.

Die Neukirchener Stadtverordnetenversammlung hat 31 Mitglieder.

Partnerstadt

Die Stadt Neukirchen unterhält seit 1991 eine Städtepartnerschaft mit der französischen Stadt Longpont-sur-Orge.

- Offizielle Internetseite von Longpont-sur-Orge -

Wahlkreise

Bundestag

Landtag

Sehenswürdigkeiten

Kirche in Asterode

siehe auch

Vereine

Steno- und Maschinenschreibverein (StMV) Neukirchen 1980 e. V.

Der Verein wurde im Jahr 1980 gegründet. Seinerzeit lag die Haupttätigkeit des Vereins in der Vermittlung der Stenografie und des Maschineschreibens. Dies hat sich mit dem Fortschreiten der Technologie natürlich geändert. So hat der Verein heute eine große Nachfrage nach Kursen zum Erlernen der 10-Finger-Technik.

In den zurückliegenden Jahren hat der Verein zahlreiche Erfolge bei Meisterschaften erzielen können. Über 200 Meistertitel sprechen eine eindeutige Sprache.

Weitere Informationen gibt es unter:

Wussten Sie schon, dass ... ?

Weblinks und Quellen

  1. Aus HNA.de vom 12. September 2014: Nach Absturz im Schwalm-Eder-Kreis: Männer waren von der Insel Juist gestartet
Stadtteile der Stadt Neukirchen
WappenNeukirchen.jpg

Asterode | Christerode | Hauptschwenda | Nausis | Neukirchen | Riebelsdorf | Rückershausen | Seigertshausen | Wincherode


Städte und Gemeinden im Schwalm-Eder-Kreis
WappenSchwalmEderKreis.jpg

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