Netze

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Am Ortschild von Netze (Foto: Heike Saure), von links Arno Döhring, Karl Gerland, Uwe Bremmer

Netze ist ein Stadtteil von Waldeck am Edersee im Landkreis Waldeck-Frankenberg.

Der Ort hat etwa 700 Einwohner.

Geografie

Der gleichnamige Zufluß der Eder, die Netze entspringt nördlich des Ortes Netze und im Westen des Langen Waldes.

Das Dorf liegt in einer Höhe von 320 m an der B 485 ziemlich zentral zwischen Korbach und Bad Wildungen.

Geschichte

Aus der Ortsgeschichte

Netze ist eine sehr alte Siedlung. Wegen seiner günstigen Lage in einem geschützten Tal mit genügend Wasserläufen (die Netze, die bei Mehlen in die Eder mündet, desweiteren die Fombach und die Meierbach) ist anzunehmen, dass hier schon in vorgeschichtlicher Zeit Menschen lebten. Diese These können auch einige, wenn auch wenige praehistorische Funde in Netze belegen. Im Jahre 1932 wurde von dem damaligen Metzgermeister bei der Rodung eines Apfelbaumes in der Naumburgerstrasse ein stattliches Steinbeil gefunden. Leider ging dieser erste Fund im Krieg verloren. Es dauerte bis 1985, bis ein zweites Steinbeil aus der frühen Steinzeit (6000 - 7000 Jahre alt) gefunden wurde. Dieses Beil fand man beim “Eggen” auf dem Feld “Im Wiesenfleck” nördlich des Netzer Bahnhofs. Auf dem gleichen Acker wurden von einem frühgeschichtlichen Kenner noch zwei weitere Steinklingen gefunden.

Netze war während der Sachsenkriege der fränkischen Herrscher im 7. und 8. Jahrhundert der nördlichste fränkische Operationspunkt gegen das südliche Sachsenland. Dadurch finden wir noch heute in der Mundart und Bauweise der Wohn- und Bauernhäuser die Zugehörigkeit zum fränkischen Volksstamm. Die nördliche Nachbarstadt Freienhagen ist bereits sächsischer Art.

Die ehemalige Klosterkirche in Netze

Das ehemalige Kloster in Netze - als Kloster Marienthal von den Grafen von Schwalenberg gestiftet - wurde 1128 vom Orden der Zisterzienserinnen bezogen. Sichtbares Zeugnis der langen Klostertradition ist die Klosterkirche St. Maria und die "Vier Gekrönten" auf einer Anhöhe über dem Netzebach.

Die Kirche entstand an Stelle eines romanischen Vorgängerbaus aus dem 12. Jahrhundert und um 1280 geweiht. Ältester Gebäudeteil der Kirche ist der begehbare romanische Westturm der Kirche (1100 - 1150 erbaut). Im Zuge der Reformation wurde das Kloster im Jahre 1527 aufgelöst.

Im 14. Jahrhundert gab es in Netze sogar (als es einige Jahrhzehnte mildes Klima gab) Weinbau. So wurde zwischen 1350 - 1400 südlich von Netze wie auch in Bad Wildungen Weinberge angelegt. Später wurden diese Anlagen wieder aufgeforstet, doch bis heute hat sich die Bezeichnung Weinberge gehalten.

Netze ist ein Haufendorf und war bis 1914 größer als die Stadt Waldeck. In Netze selber gibt es nur wenige alte Häuser, denn im 30-jährigen Krieg, sowie im 7-jährigen Krieg hat Netze sehr gelitten. 1618 gab es in Netze 72 Wohnstätten. Nach Ende des 30-jährigen Krieges konnten nur noch 22 Häuser bewohnt werden. Die restlichen waren abgebrannt oder eingestürzt. Es lebten nur noch 13 Männer in Netze. Im 7-jährigen Krieg war es noch schlimmer, als Franzosen und Schweden kamen. 1763 fand ein großes Scharmützel bei den Schanzen am Tiergarten statt. Hierbei starb der berühmte englische General “von Apfelbaum”. Er wurde am Netzer Gottesacker begraben. 2000 Franzosen mit Pferden schlugen im Dorf alles entzwei. Danach waren nur noch 7 Wohnstätten bewohnbar.

Das im Jahre 1701 von Graf Christian Ludwig am Netzer Tiergarten errichtete Jagdschloss Friedrichsthal wurde zwischen 1759 und 1762 zerstört.

Hospitalhaus in Netze

Das Hospitalhaus in Netze

Das Hospitalhaus in Netze (gegenüber der Kirche) ist ein Fachwerkbau, der ursprünglich im Jahre 1540 als Stiftung von dem ersten evangelischen Pfarrer in Netze für Arme und Bedürftige aus der Gemeinde erbaut wurde und 1810 erneut errichtet worden ist.

Auf der Inschrift über dem Hauseingang heißt es: „Hospitalhaus von Pfarrer Stephan Rullen und seiner Ehefrau Katharina für arme unbescholdene Netzer Leute am 25. Februar anno domini 1540 gestiftet. Zeuge Pfarrer Johann Hefentreger.“

Das Geschlecht derer von Netze

Der Name Netze wurde erstmals 1216 urkundlich erwähnt und zwar wurde hier das Geschlecht der Ministerialenfamilie “derer v. Netze” genannt. Damit ist zugleich erstmalig der Name NETZE genannt. Andreas von Netze ist Zeuge in dieser Urkunde.

Zwischen 1230 - 1290 wird des öfteren, als Zeuge in Kaufbriefen der Grafen von Waldeck ein Andreas von Netze oder Eckehardus von Netze gefunden. In späteren Erwähnungen finden wir einen Udo, Conradus oder Heinrich von Netze. Diese Ministerialen aus der zehntfreie Familie von Netze stand in den Diensten des Grafen von Waldeck und war dadurch dem Landesherren zu besonderer Treue verpflichtet.

Über die Familie von Netze ist bekannt, dass Sie über Jahrhunderte hier in Netze wohnte und reichlich begütert war. Die Vermutungen gehen so weit, dass die Familie von Netze schon vor der Klostergründung (1228) hier ansässig war und in der Zeit der ersten romanischen Netzer Kirche Dienstmannen des alten Grafengeschlechts von Schwalenberg waren. Die letzte Erwähnung über die “von Netze” finden wir 1577 als Graf Daniel aus einem Krieg von Frankreich heimkehrte und der Knappe Heinrich von Netze ihn begleitete. Danach verschwand das Geschlecht “von Netze” wieder aus den Urkunden und es ist anzunehmen, dass es im Mannesstamm ausgestorben ist.

Klosterkirche im "Thal der Maria"

Bauwerk

Blick vom Friedhof in Netze zum Turm der ehemaligen Klosterkirche.

Der ganze Stolz von Netze ist die Zisterzienserinnen - Klosterkirche im "Thal der Hl. Maria". Die Kirche entstand an Stelle eines romanischen Vorgängerbaus aus dem 12. Jahrhundert. Die heutige Kirche wurde als zweischiffige chorlose Hallenkirche mit westlicher Nonnenempore errichtet, die um 1280 geweiht wurde.

Die Waldecksche Grabkapelle St. Nikolaus an der Südwand der Klosterkirche wurde im 13. Jahrhundert von Graf Adolf I. von Waldeck gestiftet.

Ältester Gebäudeteil ist der begehbare romanische Westturm der Kirche (1100 - 1150 erbaut), der Ende des 16. Jahrhunderts eine mit Schiefern belegte „Welsche Haube“ erhielt. Eine der drei Bronzeglocken zählt zu den ältesten in Deutschland. Unmittelbar neben der Kirche liegt der Friedhof. Im Jahre 1978 wurde das Untergeschoss des Kirchturms zur Friedhofskapelle umgestaltet.

Geschichte

Das Zisterzienserinnen - Kloster in Netze wurde im Jahre 1228 von den Schwalenberger - Waldecker Grafenbrüdern Volkwin und Adolf, als einziges Zisterzienser - Kloster im Waldecker Land gegründet.

Vor der Gründung des Klosters gab es in Netze schon eine Kirche bzw. einen Turm und eine Kapelle. Diese waren für eine Ordenskirche aber zu klein. Deshalb wurde diese erste Kirche umgebaut und 1280 als Gebetsstätte und somit als Herz und Mittelpunktes eines jeden Klosters geweiht.

Nach der Reformation war es ab 1529 den Nonnen freigestellt, aus dem Kloster auszutreten. Die Äbtissin Katharina von Rhene verblieb mit den letzten 36 Nonnen bis an ihr Lebensende im Kloster und hatte nach dem Vertrag mit dem Landesherrn Philipp IV. (1553) "freien Tisch nach des Hauses Vermögen" auf ihrem Klosterhofe, der in eine gräfliche Meierei umgewandelt wurde. 1565 starb die letzte Äbtissin, 1577 dann die letzte Nonne. Marienthal hatte aufgehört, als Kloster zu existieren.

Netzer Altar

Der Netzer Flügelaltar gilt als ein bedeutendes Zeugnis westfälischen Tafelmalerei aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Er wurde vermutlich bereits im Jahre 1357 von Graf Heinrich von Waldeck gestiftet und ist um 1360/ 70 entstanden.

Das Altargemälde zeigt in dreizehn Einzelbildern die neutestamentliche Heilsgeschichte.

Literatur

  • Karl Kann, Die ehemalige Zisterzienserinnen-Klosterkirche im “Thal der Heiligen Maria zu Netze”, Waldeck-Netze 1989

Sehenswürdigkeiten

  • Die herausragenden Sehenswürdigkeiten in der ehemaligen Klosterkirche sind der Netzer Altar, ein dreiteiliger gotischer Flügelaltar, den ein unbekannter Meister um 1370 geschaffen hat, eine der ältesten Bronzeglocken Deutschlands, die im 11. Jahrhundert an Ort und Stelle von durchziehenden Mönchen gegossen wurde und die Grabkapelle "St. Nikolaus", in der mehrere Angehörige des Waldeckischen Grafenhauses beigesetzt sind.

siehe auch

ehem. Schulhaus

Tradition

Vereine

TSV 1910 Netze

Der TSV 1910 Netze feierte vom 3. Juli bis 11. Juli 2010 sein 100-jähriges Bestehen. | Link

Weblinks




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