Nassenerfurth

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Nassenerfurth
Kirche-Nassenerfurth.jpg
Kirche zu Nassenerfurth
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Schwalm-Eder-Kreis
Stadt: Borken (Hessen)
Einwohner: 627
Postleitzahl: 34582
Vorwahl: 05682
Kfz-Kennzeichen: HR + FZ
Stadtverwaltung: Am Rathaus 7
34582 Borken
Bürgermeister: Marcel Pritsch-Rehm (FWG)
Ortsvorsteher: Florian Wolf (FWG)

Nassenerfurth ist ein Stadtteil der nordhessischen Kleinstadt Borken im Schwalm-Eder-Kreis.

Gemarkung und Lage

Die Gemarkung Nassenerfurth hat eine Größe von 513 Hektar. Das Dorf liegt im Olmesgrund an den Borkener Seen, die zu gut siebzig Prozent in der Gemarkung liegen.

Geschichte

Nassenerfurth wurde erstmals im Jahr 1040 in einer Urkunde als "Erffrede" erwähnt.

Im Osten der Dorfanlage befindet sich eine Wasserburg. Es ist nicht bekannt, wann diese erbaut wurde. Erstmals erwähnt wurde sie im Jahr 1338 durch die Burgmannenfamilie Holzsadel. Diese besaß zwischen 1338 und 1350 das Homberger Burglehen in Nassenerfurth. 1356 wurde Johann von Falkenberg vom Erzbischof in Mainz mit der Burg oder einem Teil davon belehnt. Schon ein Jahr darauf geriet Johann von Falkenberg offenbar mit dem Erzbischof in Streit, so dass dieser die Burg angriff und eroberte. Darauf überließ der Erzbischof die Burg den Herren von Schrendeisen ab 1357 zu Lehen. Im Jahr 1365 legten Erzbischof Gerlach und Johann von Falkenberg ihren Streit bei und der Erzbischof bestimmte, dass Johann von Falkenberg ein Teil von Nassenerfurth wieder gehören sollte.

Mit dem Sieg von Landgraf Ludwig I. über Kurmainz im Jahr 1427 kam Nassenerfurth zur Landgrafschaft Hessen. 1437 belehnt Landgraf Ludwig I. mit Ritter Werner Holzsadel erneut die Familie Holzsadel mit dem Burgsitz sowie mit einem Haus und drei Huben zu "Nassen Erffort", die Familie Holzsadel wird sodann bis 1491 mit Nassenerfurth belehnt.

1516 belehnt Landgraf Philipp I., der Großmütige die Familie von dem Berge mit dem Zehnten zu Nassenerfurth, gleichzeitig wird die Familie von Wildungen mit Burg und Dorf belehnt. Schon 1538 wird das Lehen der Wildunger eingezogen und Burg und Dorf Nassenerfurth Hiob Schrendeisen von Landgraf Philipp I. zu Lehen gegeben. Im Jahr 1569 gehört Nassenerfurth zum Untergericht von Grifte. In den Jahren 1575 und 1585 gehört der Ort zum Amt Borken und zum niederen und peinlichen Gericht Hessen. 1590 kauft Philipp Werner von Cornberg den Herren von Schrendeisen die Burg ab. Schon 1594 verkauft von Cornberg die Burg "Nassen Erffurdt" an Landgraf Moritz, welcher 1598 die Familie von Baumbach mit dem Dorf "Nassen Erffurdt" belehnt. Es folgen Belehnungen an die von Baumbach bis in das Jahr 1822. Noch heute ist die Burg Privatbesitz der Familie von Baumbach.

1742 gehört Nassenerfurth zum Amt Borken und zum Gericht von Baumbach.

Während des Königreichs Westphalen gehört Nassenerfurth zum Kanton und Friedensgericht von Borken. Nach Wiederherstellung des Kurfürstentums Hessen im Jahr 1814 erneut Zugehörigkeit zum Amt Borken. Nach der Kurhessischen Verwaltungsreform von 1821 gehört Nassenerfurth dann zum Kreis und Justizamt Homberg, ab 1836 zum Justizamt Borken. Nach der Angliederung an Preußen ab 1867 zum Kreis Homberg und zum Amtsgericht Borken.

Mit der Zusammenlegung der Kreise Homberg und Fritzlar im Jahre 1932 wurde die Gemeinde Nassenerfurth Bestandteil des neuen Kreises Fritzlar-Homberg.

Ab 1954 wurde nördlich von Nassenerfurth im größten Borkener Tagebau "Altenburg IV" Braunkohle abgebaut. Der Tagebau hatte eine Länge von ca. 2 km und eine Breite von etwa 1,5 km. Mit Ende des Abbaus in den 1980er Jahren wurde durch Grundwassereinspeisung hieraus der "Borkener See" mit einer Wasserfläche von 139 Hektar. Der See und seine direkte Umgebung bilden heute ein Naturschutzgebiet mit einer Gesamtfläche von rund 350 Hektar und dürfen nur über die ausgewiesenen Wege betreten werden.

Seit dem 1. Januar 1974 ist der Ort im Zuge der Gebietsreform ein Stadtteil von Borken und gehört somit zum Schwalm-Eder-Kreis.

Namensgebung

Der Wortteil -furth im Ortsnamen wird auf eine Furt, also eine weniger tiefe Stelle in einem Fluss, die sich zur Durchfahrt eignet, zurückgeführt. Eine Furt war oft auch ein Ort für Siedlungen - wie im Fall von Nassenerfurth. Im Ort gab es eine Furt durch die Olmes. Wer im Mittelalter mit einem Wagen in der Region von Norden nach Süden reiste – oder umgekehrt – der machte besonders um Nassenerfurth eine großen Bogen. In Nassenerfurth war es für Gespanne einfach zu feucht. Es bestand die Gefahr, dass der Wagen im schlimmsten Fall einfach stecken blieb.[1]

Kirche

Bauwerk

Die Ortskirche wurde im Jahre 1512 errichtet. Dies lässt sich durch eine Inschrift auf einem der Pfosten der Kirche ersehen. Bis zum 500-jährigen Jubiläum im Jahr 2012, sind umfangreiche Arbeiten an der Kirche vorgesehen.

Glocken

Der Turm beherbergt ein vierstimmiges Bronzeglockengeläut:

Nr. Schlagton Gussjahr Gießer Durchmesser Anschläge pro Minute
1 as' 1964 Rincker, Sinn/Hessen 0,94 m 60
2 b' 1715 Johann Geyrich Ulrich, Hersfeld 0,78 m 62
3 des" 1921 Rincker, Sinn/Hessen 0,70 m 64
4 es" 1964 Rincker, Sinn/Hessen 0,63 m 70

An Glocke 3 befindet sich ein Uhrschlagwerk für die vollen Stunden.

Vereine

In Nassenerfurth gibt es zehn Vereine:

  • Burschenschaft Nassenerfurth (siehe Weblinks)
  • CDU Nassenerfurth
  • Diakoniewerk Schwalm e.V.
  • Freiwillige Feuerwehr Nassenerfurth
  • Interessenvertretung Klärwerk e. V.
  • RAC Borken Sportvereine Borken Nassenerfurth
  • SPD-Ortsverein Nassenerfurth
  • Sport-Schützenverein Nassenerfurth e.V. (siehe Weblinks)
  • SV Blau-Weiß Nassenerfurth
  • Tennisverein Blau-Weiß Nassenerfurth

Wirtschaft

Wie in anderen umliegenden Dörfern gibt es in Nassenerfurth leider nur noch wenige Einkaufsmöglichkeiten, darunter eine über die Orts- und Stadtgrenzen hinaus bekannte Metzgerei. Dieser unbefriedigende Zustand macht es besonders für die älteren Bürger nicht einfach, sich mit dem Notwendigsten zu versorgen.

Wussten Sie schon ...

  • ... dass in den Gemarkungen Nassenerfurth / Haarhausen im 18. und 19. Jahrhundert Torf gestochen wurde? (Friedrich Döring, Kleinenglis)

Weblinks


Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Artikel aus der Melsunger Allgemeinen vom 14. Januar 2015: "Bloß nicht stecken bleiben"

Quellen

Internet


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WappenBorken.jpg

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