Napoléon Bonaparte

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Napoléon Bonaparte (1769 - 1821) errichtete zu Beginn des 19. Jahrhunderts das Königreich Westphalen, das sich über den mitteldeutschen Raum ohne alle historischen Bezüge erstreckte und Kassel als Hauptstadt erhielt. Napoleons jüngerer Bruder Jérôme war gerade 23 Jahre alt, als er am 15. Dezember 1807 in Kassel zum König von Westphalen proklamiert wurde.

Grafik: Das Königreich Westphalen 1807

Napoléon hatte das revolutionäre Frankreich aus der militärischen Defensive befreit. Als siegreicher Feldherr hatte er sich 1804 zum Kaiser krönen lassen. Nun steuerte er auf den Höhepunkt seiner Macht zu, nachdem er halb Europa unter seine Herrschaft gebracht und auch Preußen bei Jena und Auerstedt besiegt hatte. Europa wollte er neu ordnen und vor allem das in viele Kleinstaaten zersplitterte Deutschland. Freie Hand dazu gab ihm der Vertrag von Tilsit im Sommer 1807, in dem seine Vormachtstellung in Europa bestätigt und mit Russland Frieden geschlossen wurde. Eine völlige Neuschöpfung war dabei das Königreich Westphalen.

Es war Napoléons Idee, das neue Königreich zu einem Reform- und Modellstaat zu machen. In der Tat war das von Jérôme regierte Land für einige Jahre das politisch fortschrittlichste in Deutschland. Denn noch bevor sich der König in Kassel feiern ließ, wurde eine Verfassung verkündet, die den Bürgern Freiheitsrechte versprach: Der Gleichheitsgrundsatz wurde eingeführt und die Leibeigenschaft aufgehoben. Die Religionsfreiheit war für die Juden die größte Errungenschaft. Auch gab es mit der Ständeversammlung einen ersten Ansatz zu einer parlamentarischen Mitsprache. Nicht weniger wichtig war der Aufbau einer neuen, unabhängigen Gerichtsbarkeit.

Ein mit diesen Bürgerrechten ausgestattetes Königreich hätte als Modell gelingen können. Doch die Umstände sprachen dagegen. Das Misstrauen gegenüber der Fremdherrschaft war groß. Vor allem litt das Land darunter, dass Napoleon das Königreich Westphalen finanziell systematisch ausplünderte und aufgrund seiner Feldzüge immer mehr Soldaten und Geldmittel brauchte. Was für die Ewigkeit gedacht war, ging nach sechs Jahren zu Ende: Nach Napoleons Niederlagen in Russland und in der Völkerschlacht von Leipzig stürzten 1813 mit dem Kaiser auch seine Vasallen.

Am 26. Oktober 1813 musste Jérôme Kassel verlassen. Der Traum vom Königreich war vorbei und die alte feudalistische Ordnung wurde wieder hergestellt.

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