Museum Währungsreform 1948

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Eine im Jahre 1993 eingerichtete Ausstellung im Gebäude der ehemaligen Fritz-Erler-Kaserne („Haus Posen“) in Rothwesten - heute ein Ortsteil von Fuldatal - informiert über die Währungsreform von 1948.

Im Februar 2013 wurde das Museum vom Museumsverein Währungsreform für einen symbolischen Euro von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) übernommen. Im April 2011 hatte der neu gegründete Verein einen Nutzungsvertrag über das Haus Posen mit der Bundesanstalt geschlossen. Seitdem bemühte man sich darum, das Haus zu übernehmen. Zuletzt hatte eine Vertragsklausel für Verzögerungen gesorgt. Es ging um eine Zweckbindung als Museum über 15 Jahre und Zahlungen an die Bima, sollte der Verein aufgelöst werden beziehungsweise das Gebäude verkaufen. Man einigte sich schließlich auf Formulierungen, die die Interessen beider Seiten berücksichtigen.[1]

1948: das Geburtsjahr der Deutschen Mark

Vorbereitet wurde die Währungsreform nahe Kassel - in der heutigen Fritz-Erler-Kaserne in Fuldatal-Rothwesten

Vor dem Tag X im Juni des Jahres 1948 herrscht in der Kasseler Bevölkerung Unsicherheit und Angst. Zwar hat sich Anfang des Monats herumgesprochen, daß die Vorbereitungen für die Geldumstellung angelaufen sind. Doch der genaue Zeitpunkt der Währungsreform ist noch immer ungewiß. Als am 16. Juni, einem Mittwoch, die Spitzen von Behörden und Verwaltungen über den immer noch geheimen Termin unterrichtet werden und bekannt wird, daß das neue Geld bis zum Samstag in der Stadt ankommen soll, ist klar: Am Wochenende wird der Reichsmark die letzte Stunde schlagen.

Viele Menschen starten Angstkäufe, raffen an sich, was auch immer noch für altes Geld zu bekommen ist. Die Situation verschärft sich durch Händler, die Lebensmittel und Waren zurückhalten, weil sie sich Vorteile vom Verkauf gegen das neue Geld versprechen. Sparkassen und Banken leiden unter der Panik, die viele Sparer ergriffen hat, die sinnlos Geld abheben und am nächsten Tag wieder einzahlen.

Am Vortag des 19. Juni, an dem das "Erste Gesetz zur Neuordnung des Geldwesens" in Kraft treten soll, starten Oberbürgermeister Seidel und die Spitzen der Kammern und Wirtschaftsverbände einen Zeitungsaufruf an die Bürger und Geschäftsleute. "Wer in solchen Zeiten nur an sich denkt und seine eigennützigen Interessen zu wahren versucht, versündigt sich an der Allgemeinheit", lautet der Appell.

Sondernummer

Am 19. Juni, einem Sonnabend, druckt die "Kasseler Zeitung" dann in einer Sondernummer zur Währungsreform einen "Wegweiser zur D-Mark". Die Militärregierungen von Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Frankreich haben das Währungsgesetz verkündet. Ab Montag tritt das Altgeld außer Kraft; Reichsmark, Rentenmark und Alliierte Militärmark sind dann ungültig. Nur Münzen und Banknoten bis zu einer Mark bleiben im Umlauf, sind aber nur noch eines Zehntel ihres Nennwertes wert.

Sonntag ist Tauschtag. Jeder Bewohner erhält ein "Kopfgeld" von 60 Deutschen Mark im Umtausch gegen 60 Reichsmark. 40 DM gibt es sofort bar auf die Hand, die weiteren 20 DM werden einen Monat später ausgezahlt. Vor den 227 Lebensmittelkartenstellen, die in Kassel den Geldumtausch vornehmen und am Sonntag ab 8 Uhr geöffnet sind, bilden sich lange Schlangen. Wer seine 40 DM erhalten hat, dem wird die Kennkarte gelocht, um Betrügereien zu verhindern. Abends haben so gut wie alle Kasseler die neuen Scheine in der Börse. Rund 5,6 Millionen Deutsche Mark werden insgesamt in der Stadt ausgezahlt.

Eine original Geldtransportkiste , mit der 20 DM-Scheine von Amerika nach Deutschland gebracht wurden
Zwar wurde mit der Währungsreform der Grundstein für einen imponierenden Wirtschaftsaufschwung gelegt, aber in der Startphase des neuen Geldes war davon wenig zu spüren. Die Kasseler Schaufenster waren von einem auf den anderen Tag zum Bersten gefüllt, aber die meisten Menschen konnten die Preise für die Waren nicht zahlen. "Vorher gab es jede Menge Geld, aber keine Ware, nachher alle Waren, aber kein Geld", erinnert sich Alfons Kössinger, Initiator und Leiter des Museums "Währungsreform 1948" in der Fritz-Erler-Kaserne in Fuldatal-Rothwesten.

In der Kaserne hatten die Alliierten vom 21. April bis zum 8. Juni den geballten deutschen Währungs-Sachverstand zusammengezogen, um in einer streng geheimen Mission die Geldumstellung vorzubereiten. Rothwesten war zwar kein amerikanischer Luftwaffenstützpunkt mehr, galt aber als bestbewachter US-Stützpunkt in Europa. Die Amerikaner hatten auf dem Gelände hochgeheime Abhöreinrichtungen aufgebaut; mit Hilfe von bis zu 2000 Antennenanlagen auf dem Gelände wurde in Richtung Osten gelauscht.

Strenge Geheimhaltung

Nachdem die Sachverständigen-Kommission ihre Arbeit in Rothwesten am 8. Juni abgeschlossen hatte, ging alles ganz schnell. Das neue Geld war bereits 1947 in den USA gedruckt und im Frühjahr 1948 unter strengster Geheimhaltung nach Deutschland gebracht worden.

Der Wohlstand ließ allerdings noch eine Weile auf sich warten. Nachdem Ludwig Erhard, zu jener Zeit Direktor der Wirtschaftsverwaltung der Bizone, wenige Tage nach der Währungsreform die Preise für fast alle gewerblichen Fertigwaren freigegeben und die Bewirtschaftung außer Kraft gesetzt hatte, war zwar die Marktwirtschaft eingeführt. Die erhöhte Nachfrage trieb aber die Preise hoch, während gleichzeitig noch ein Lohnstopp galt. Die Lebenshaltungskosten stiegen in der zweiten Jahreshälfte um 14 Prozent, die Zahl der Arbeitslosen schnellte um über 60 Prozent in die Höhe. Unmut brach sich Bahn: Marktfrauen wurden mit ihrer Ware beworfen, weil Hausfrauen die Preise nicht mehr zahlen konnten. Im November legten die Gewerkschaften das Wirtschaftsleben für einen Tag mit einem Generalstreik lahm. In Kassel und dem Umland hielt sich die Streiklust aber in Grenzen. "Im allgemeinen beteiligten sich die Belegschaften der großen Betriebe am Streik, während die kleinen und mittleren Betriebe zum großen Teil arbeiteten. Die Ladengeschäfte hatten überwiegend geöffnet, ebenso arbeiteten die Handwerksbetriebe", berichteten die Hessischen Nachrichten.

Wenn auch die positiven Auswirkungen der Währungsreform für die meisten Menschen erst ab 1949 zu spüren waren, hatte die Geldumstellung als Sofortwirkung zumindest eines bewirkt: Der Schwarzmarkt brach nach einem hektischen Wochenende mit astronomischen Preisen schnell zusammen. "Der Schwarze Markt liegt in seinen letzten Zügen", meldete die Kasseler Zeitung bereits am Mittwoch nach der Währungsumstellung: "Lediglich an der Jägerkaserne und beim ,Schwarzen Peter’ am Altmarkt fanden einige Händelchen statt."

Stichwort: Währungsreform

Schon 1946 hatten die Amerikaner Pläne für eine Währungsreform in Deutschland ausgearbeitet. Das Geld hatte seine Funktion verloren, weil es zuviel davon gab – die Nazis hatten den Krieg mit der Notenpresse finanziert. Nach Kriegsende kursierten 300 Milliarden Reichsmark, für die es legal kaum etwas zu kaufen gab. Ein Paar Damenschuhe kostete offiziell zwölf Mark, war aber im Laden kaum zu bekommen. Auf dem Schwarzmarkt gab es Damenschuhe – für bis zu 600 Mark das Paar.

Mit einem normalen Verdienst ließen sich solche Preise nicht bezahlen. Viele Menschen mußten hart arbeiten und litten trotzdem weiterhin Hunger. Die Geldmenge mußte verringert werden, um Anreize für Arbeit und Produktion zu schaffen und die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Der kurz nach der Reform festgelegte Umtauschkurs brachte viele Menschen um ihre Ersparnisse: Für zehn Reichsmark gab es eine D-Mark. Ein Teil des Tauschguthabens mußte auf sogenannten "Festgeldkonten" bleiben und wurde im Oktober größtenteils gestrichen. Von 1000 RM auf dem Sparbuch blieben nur noch 100 DM übrig. Das auf den Festgeldkonten angelegte Geld wurde nach der Freigabe in den frühen 50er Jahren von 100,- RM auf 6,50 DM umgerechnet.

siehe auch

Weblinks

  1. Aus HNA.de vom 18. Februar 2013: Verein übernimmt D-Mark-Museum