Museum Uslar

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Das Museum Uslar ist ein heimatkundliches Museum in der Kleinstadt Uslar.

Ausstellung

Auf etwa 1000 Quadratmetern vermittelt das Museum Einblicke in die Regionalgeschichte der Sollingregion und in die Geschichte der Kleinstadt Uslar.

In der Museumsausstellung begegnen den Besuchern Pfeifenmacher und Zigarrendreher, Spinnerinnen und Marktfrauen, Köhler und Glasmacher, Tischler und Gießer, ebenso aber die Auseinandersetzung mit zeitgeschichtlichen Themen wie dem jüdischen Leben im Solling, der Geschichte des Nationalsozialismus und den Erfahrungen der Vertriebenen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in den Solling kamen.

Das Museum Uslar verfügt weiterhin über eine einzigartige Sammlung von Totenkronen aus der Uslarer Ortschaft Vahle.

Dem "Ilse-Möbelwerk" ist eine besondere Abteilung gewidmet.

Das Museum zeigt regelmäßig Sonderausstellungen zur Alltagsgeschichte der Sollingregion, etwa in der Zeit vom 14.März bis 30. Mai 2010 die Sonderausstellung „Die Arbeit nahm kein Ende. Frauenleben im Solling“.

Geschichte

Aus der Wirtschaftsgeschichte

Neben der seit dem 16. Jahrhundert existierenden Kupferhütte und der 1715 gegründeten königliche Eisenhütte, der heutigen Sollinger Hütte, war Uslar seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts für die Fabrikation von Tonpfeifen bekannt, die bis nach Nordamerika exportiert wurden. Erst 1918 starb dieser Beruf in Uslar endgültig aus. Auch Zigarren wurden im 19. Jahrhundert in Tabakfabriken gefertigt, woran in der Innenstadt noch die Zigarrenmacherstraße erinnert.

Der Bau der Sollingbahn brachte im 19. Jahrhundert die wirtschaftliche Entwicklung voran. 1883 wurde eine Zuckerfabrik in Uslar gegründet und seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein war Uslar weltbekannt für seine Möbelindustrie, der damals wichtigste Wirtschaftszweig (siehe dazu: Ilse Möbelwerk Uslar).

In der Umgebung von Uslar wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts (bis 1932) ein Stein- und Kalisalzbergwerk in Volpriehausen betrieben. Das im Jahre 1985 begründete Kali-Bergbaumuseum in Volpriehausen (Wahlbergstr. 1) zeigt Exponate aus dem Stein- und Kalisalzbergbau und verfügt über eine umfangreiche Salzmineraliensammlung.

Von 1885 bis 1952 wurde bei Delliehausen im Tagebau in den Gruben „Sollinger Zeche“ und „Elsaß“ Braunkohle abgebaut. Die „Grube Elsaß“ befand sich etwa 2 km nördlich vom Ort entfernt. Größer war die „Sollinger Zeche“ in der Nähe des Ortsteils Haje mit einer Strecke von etwa 800 m.

Die der Gewerkschaft "Consolidierte Sollinger Braunkohlenwerke" in Uslar gehörige Braunkohlengrube in Delliehausen wurde im Jahre 1884 durch eine 3000 Meter lange Luftdrahtseilbahn mit der neuen Eisenbahnstation bei Volpriehausen verbunden.

Nach dem Bahnanschluss (an die Eisenbahnlinie Ottbergen - Nordhausen) gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand in Volpriehausen eine Brikettfabrik, die Braunkohle aus dem Delliehausener Tagebau verarbeitete [siehe auch: Braunkohlewerk Solling).

Handwerkerkultur im Uslarer Land

Im 19. Jahrhundert prägten Handwerker und Kaufleute das wirtschaftliche, soziale und politische Leben in Uslar. Die meisten Handwerksmeister besaßen eigene Häuser in der Innenstadt. Sie beschäftigten mehrere Lehrjungen und oft auch Gesellen, die als „Kostgänger“ mit im Hause wohnten.

Für ihren bescheidenen Wohlstand mussten die Meister hart arbeiten. Wie seine Lehrjungen und Gesellen stand August Schefft Tag für Tag neun bis zehn Stunden an den Kesseln und Küpen. Nur der Sonntag war arbeitsfrei. Für den obligatorischen Besuch des Gottesdienstes besaßen Bürgerfamilien wie die Scheffts besondere Plätze in der Johannis-Kirche, die mit ihrem Namen gekennzeichnet waren und für die sie eine jährliche „Stuhlmiete“ entrichten mussten.

Die Meister verfügten über einen guten sozialen Zusammenhalt und unterstützten sich manchmal gegenseitig bei finanziellen Engpässen. Sie trafen sich abends zum gemeinsamen Singen und Turnen oder am Stammtisch in der Kneipe. Während seines vierjährigen Aufenthalts in Eschwege war August Schefft Mitglied des Turnvereins. Von der Idee des Turnens begeistert, gründete er 1863 nach seiner Rückkehr den "Uslarer Männer-Turnverein".

Bis ins 20. Jahrhundert hinein betrieben fast alle Uslarer Handwerkerfamilien eine Landwirtschaft und stellten ihre Grundnahrungsmittel selbst her. Dieser Nebenberuf gab ihnen eine gewisse soziale Sicherheit und war insofern notwendig, als sich viele Kunden Monate Zeit ließen, um ihre Rechnungen zu bezahlen. Familie Schefft bewirtschafteten immerhin bis zu 16 Morgen und hielt Kühe und Schweine.

Die meisten Handwerker gingen früher nach der Lehre für einige Jahre auf die Wanderschaft. So lernten sie Deutschland und manchmal auch Nachbarländer kennen und brachten neben beruflichen Kenntnissen auch neue Ideen mit in die abgelegene Randregion Uslar-Solling.

Die Tischlermeister Carl Hugo und August Eicke sowie Drechslermeister Georg Ilse bauten um 1900 ihre Werkstätten zu kleinen Fabriken aus. Schneidermeister Rüggeberg und Pfeifenmacher Meseke bewährten sich als verantwortungsbewusste Bürgermeister.

Aus der Färberei Schefft entwickelte sich im 20. Jahrhundert ein Textilhaus mit überregionaler Bedeutung, das vom 1. bis 11. November 2006 sein 175-jähriges Bestehen feierte.

Dr. Wolfgang Schäfer

Das harte Leben der Dienstmägde

Mädchen für fast alles

aus: www.hna.de - 20.05.10

Arenborn / Lippoldsberg / Uslar. Sie waren Mädchen für fast alles: Junge Frauen aus dem Weserbergland und Solling, die mit dreizehn oder vierzehn Jahren ihr Elternhaus verließen, um als Dienstmägde in den Bürgerhaushalten von Kassel, Göttingen, Hannover oder Hamburg in „Stellung“ zu gehen. Einige von ihnen arbeiteten auch auf den größeren Bauernhöfen, in Mühlen oder anderen Gewerbebetrieben der näheren oder weiteren Umgebung.

Dienstmädchen hatten kaum Rechte, aber zahllose Pflichten. „Gehorsam, Treue und Ehrerbietung“ verlangte die Dienstbotenordnung von 1844 von ihnen, die bis 1918 in Kraft blieb. Allein in fremden Städten wurden nicht wenige von ihnen Opfer gewissenloser Männer.

Freiwild für Studenten
In der vornehmen Universitätsstadt Göttingen zum Beispiel waren sie oft Freiwild der Herren Studiosi, denen sie „aufzuwarten“ hatten. Wurden die Mädchen schwanger, konnten sie zwar kostenlos in der „Königlichen Entbindungsanstalt“ am Geismarer Tor ihr Kind zur Welt bringen - allerdings unter den Augen der Medizinstudenten.

Viele Mädchen aus dem Solling machten von diesem Angebot Gebrauch. So gebar die unverheiratete Elise Rölke aus Lippoldsberg 1864 einen Sohn und zwei Jahre später ein Zwillingspärchen im so genannten Accouchierhaus. Ein paar Wochen nach der Geburt schickte die Göttinger Polizei die junge Mutter mit einem „Laufpass“ in ihren Heimatort zurück.

Die Arbeit der Dienstmägde begann meist in aller Herrgottsfrühe und ging bis in den späten Abend. Zu ihren Aufgaben gehörten alle Koch-, Abwasch-, Putz-, und Gartenarbeiten. Außerdem mussten sie ihrer „Herrschaft“ mit weißer Schürze die Mahlzeiten servieren. „Die Arbeitstage waren lang“, erinnerte sich die 1909 geborene Hermine Körner (geborene Krenzer) vor ein paar Jahren im Gespräch. „Unter der Woche musste ich von morgens sechs bis abends acht Uhr arbeiten. Sonntags konnte ich nach dem Mittagsaufwasch gehen. Dann hatte ich frei bis zum Abendbrot, wusch wieder ab und konnte noch ein oder zwei Stunden ausgehen. Im ersten Jahr verdiente ich 15 Mark im Monat, zum Schluss 35. Allerdings bekam ich relativ wertvolle Weihnachtsgeschenke, zum Beispiel einen Kleiderschrank und eine Kommode.“

Nur ein Viertel Lohn
In der Regel arbeiteten Dienstmädchen doppelt so lange wie die gleichaltrigen Männer in der Fabrik. Sie verdienten allerdings meist nur halb so viel wie diese.

Tarifverträge oder Mindestlöhne für die „Stützen“ gab es nicht. Trotz ihrer kargen Löhne sparten die Mädchen fleißig für ihre Aussteuer, denn die war Voraussetzung für eine Ehe. Einige Mädchen wechselten oft ihre Arbeitgeber, um ein paar Pfennige mehr zu verdienen. So arbeitete die 1896 geborene Hermine Klinge aus Allershausen in vier Jahren in sieben Haushalten. Johanne Klemme aus Schoningen war zwischen 1902 und 1913 in vier Familien tätig. „Verlässt den Dienst, um sich zu verheiraten. Sie war fleißig und ehrlich“, schrieb Hermine Klinges letzter Dienstherr, der Uslarer Kaufmann Lutz, in ihr Gesindebuch.

Öffnungszeiten

Öffnungszeiten des Museums (Uslar, Mühlentor 4) sind dienstags bis sonntags ind er Zeit von 15 bis 17 Uhr, 05571/307142.

siehe auch

Weblinks