Molini-Rumann-Straße (Northeim)

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Stifterin ersetzte Dänen-König

Das Straßenschild
Auf den letzten Willen von Margarethe Molinus geht die älteste von der Stadt Northeim verwaltete Stiftung zurück. An die Stifterin erinnert die Molini-Rumann-Straße in Northeim.

Versteckt, klein und unscheinbar

Versteckt, klein und unscheinbar liegt die Mulini-Rumann-Straße im Winkel zwischen Einbecker Landstraße und Westtangente in Northeim. Ursprünglich als Seitenstraße der Einbecker angelegt, ist sie heute nur noch über die Ernst-August-Straße zu erreichen. Mit ihr erinnert die Kreisstadt an Margarethe Molinus, 1580 als Margarethe Rumann geboren, die sich als Stifterin um ihre Heimatstadt verdient gemacht hat. Ursprünglich war die kleine Straße in den 30er Jahren wie ihre Nachbarstraßen nach einer Persönlichkeit des Dreißigjährigen Krieges benannt worden: Dänenkönig Christian IV.

Keine Änderung des Namens im Jahr 1945

Blick in die Molini-Rumann-Straße in Northeim
Nachdem Northeim von amerikanischen Truppen besetzt worden war, gab der damalige Northeimer Bürgermeister Curth Thiele am 27. April 1945 die Anweisung, den Namen in Molini-Rumann-Straße zu ändern. Warum, ist nach den Worten von Dr. Tilo Rumann nicht mehr ohne weiteres nachzuvollziehen.

Dr. Rumann entstammt wie Margarethe der seit Mitte des 14. Jahrhunderts in Northeim nachweisbaren Familie Rumann. Margarethe Rumann war das zweite Kind des Wollhändlers und Gildemeisters Heinrich Rumann und seiner Frau Margarethe. Mit 25 Jahren heiratete sie 1605 den fürstlichen Rat Dr. Johann Albrecht Molinus, der 1615 Rat der Grafschaft Hohnstein im Harz wurde. Vier Jahre (1619) später starb Albrecht Molinus und wurde in der St.-Sixti-Kirche beigesetzt. Testament Margarethe war durch die Erbschaft der Hälfte des Besitzes ihres Vaters und der Hinterlassenschaft ihres Mannes vermögend.

Testament

In ihrem 1642 abgefassten Testament verfügte sie unter anderem,

  • daß die Zinseinnahmen von je 250 Reichstalern an den Pastor der St.-Sixti-Pfarrgemeinde und an den Schuldiener gehen sollten;
  • dass von den jährlichen Einkünften einer Hufe Land vor dem Dorf Langenholtensen Brot, Getränke und eventuell auch Kleidung an die Armen der St.-Sixti-Kirche zu verteilen sind;
  • sowie dass von den Einkünften einer weiteren Hufe Land vor Northeim ein ewig währendes Stipendium zugunsten Studierender aus den Familien Molinus, Rauschenplat (Familie ihrer Schwägerin, bei der sie nach dem Tod ihres Mannes in Göttingen lebte) und Rumann eingerichtet werden soll. Falls aus diesen Familien kein entsprechender Anwärter vorhanden war, konnten Theologiestudenten aus Einbeck, Göttingen oder Northeim bedacht werden, längstens für fünf Jahre. Bei Kandidaten aus den genannten Familien spielte das Studienfach keine Rolle.

Stifterin starb 1655

Noch heute, über 360 Jahre nach der letztwilligen Verfügung von Margarethe Molinus, werden aus dieser ältesten von der Stadt Northeim verwalteten Stiftung noch Zuwendungen an Studenten gezahlt. Die Stifterin starb 1655. Gemäß ihres letzten Willens wurde sie an der Seite ihres Mannes in der St.-Sixti-Kirche bestattet.

Von Olaf Weiß aus der HNA-Serie Straßen und ihre Paten