Moersstraße

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Moersstraße in Korbach

Der Kartograf schuf kleine Kunstwerke

Die Moersstraße trägt den Namen eines berühmten Korbacher Kartografen. Schon im 16. Jahrhundert schuf er eine kunstvolle Ansicht des Fürstentums Waldeck. Gerade wird sie in Korbach ausgestellt. Am 21. August 1986 beschloss die Korbacher Stadtverordnetenversammlung, eine der Straßen im Neubaugebiet am Südring nach dem bekannten Kartografen Jost Moers zu benennen.

Jost (Joist) oder Justus Moers wurde in Korbach geboren. Sein Geburtsjahr lässt sich allerdings nicht mehr feststellen. Die Familie Moers kommt nach Angaben von Albert Leiß, dem Waldecker Geschichtsforscher, zuerst 1443 in den Korbacher Akten vor. Ob es sich bei jenem Jost Moers, der 1544 in Korbach das Bürgerrecht erwarb und der 1555 bis 1580 viermal Mitglied des Rates der Stadt war, um den Landmesser und Kartografen Jost Moers handelt, wie Leiß und später auch Medding, der Korbacher Geschichtsschreiber, meinen, wird von Wilhelm Hellwig, dem kürzlich verstorbenen Korbacher Stadtarchivar, bezweifelt. Möglicherweise handelt es sich um dessen Vater, der in Korbach Gastwirt und Brauer war. Über die Jugendzeit des Landmessers in Korbach wissen wir nichts. Wilhelm Hellwig vermutet, dass Jost Moers 1625 in hohem Alter in Kassel verstorben ist. In einem Häuserverzeichnis der Stadt Kassel ist Uff der Freiheit Nr. 1 ein Jost Mörsch, Landtmesser eingetragen, dessen Tod im Kirchbuch der Freiheiter Gemeinde in Kassel im August 1625 beurkundet wird. Jost Moers stand als Landmesser im Dienst der Waldecker Grafen. Für diese fertigte er unter anderem 1572 eine waldeckisch-kölnische Grenzkarte der Region Volkmarsen-Arolsen an. Etwa zur gleichen Zeit entstand eine Karte des nordwestlichen Teils von Waldeck (Upland).

Eine Kartierung des Astinghäuser Grundes stammt aus dem Jahr 1577. Eine Vermessung und Zeichnung des Gutes Selbach nahm er 1583 vor. Ab 1583 stand er jedoch bereits im Dienst der hessischen Landgrafen. Der Landmesser war vereidigter Beamter. Er zeichnete auch die von ihm vermessene Landschaft, wobei es damals nicht auf wissenschaftliche Exaktheit und maßstabsgetreue Darstellung ankam. Moers Technik entsprach den Gepflogenheiten seiner Zeit, doch entwickelte er durchaus auch einen eigenen Zeichenstil. Seine Karten sind eine Aneinanderreihung kleiner Landschaftsbilder, wobei die Landschaft aus der Vogelperspektive gesehen wird. Wald wird durch Bäumchen, Dörfer durch kleine Häuschen mit einem Kirchturm in der Mitte, Städte mit Mauerring, Häusern und Türmen dargestellt. Dörfern, Städten, Bächen, Flüssen, Bergen und Schlössern werden Namen beigefügt. Von seinem Hauptwerk, einer Karte von Waldeck (96 cm mal 81 cm), gibt es nur noch ein Exemplar, das sich im Besitz der Stadt Korbach befindet. Die Karte ist koloriert. In den beiden oberen Ecken befinden sich die Wappen von Waldeck und Lippe.

Auf den rechten und linken Vertikalleisten sind die Wappen der waldeckischen und benachbarten Ritterschaft dargestellt. Schließlich finden wir in der unteren linken Ecke ein Selbstbildnis des Jost Moers. Es zeigt ihn in der Tracht eines Gelehrten mit umgehängtem Mantel, mit Degen und einem Barett mit Feder auf dem Kopf. Die beschädigte Überschrift weist darauf hin, dass es sich um die Wahrhaftige Abkontrafaktur und eigentliche Beschreibung der löblichen Graffschafft Waldeck handelt. Viele nachfolgende Landmesser und Kartografen benutzten für später erschienene Waldeckkarten die Moerssche Karte als Vorlage.


Klingt es Mors, Mörs oder gar Murs?

Nicht nur Bewohnern der Moersstraße bewegt die Frage, wie man den Namen eigentlich ausspricht. Sagt man Mörs (oe = ö) oder Mors (oe = o)? Die Befürworter von Mors weisen auf die westfälische Stadt Soest hin, bei deren Namen man ja auch das oe wie o ausspricht. Fest steht, dass man in der niederrheinischen Stadt gleichen Namens Mörs sagt (Auskunft der Stadtverwaltung). Auch gleichnamige Familien in der dortigen Region nennen sich Mörs. Die benachbarten Flamen sprechen das oe gar als u aus. Ohne die Streitfrage entscheiden zu wollen, weist Serien-Autor Hans Osterhold darauf hin, dass der Korbacher Moers in Kassel unter dem Namen Jost Mörsch bekannt war. Er bleibt deshalb bei Mörs.

Die Serie

Straßennamen sind wichtig. Nicht nur, weil durch sie dem Ortsunkundigen, der Post, dem Paketzusteller, dem Arzt, dem Rettungsdienst und Lieferanten das Auffinden bestimmter Personen erleichtert wird. Sie ermöglichen den Anwohnern auch eine gewisse Identifikation. Mögen sich Nachbarn noch so sehr von einander unterscheiden, eins verbindet sie: Sie alle sind Bewohner der gleichen Straße. Straßennamen hat es nicht immer gegeben. Offiziell wurden sie in Korbach erst Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt. Bis dahin gab es viele namenlose Straßen. Natürlich hatte man Standortbezeichnungen schon früher. Sie waren aber recht allgemeiner Art: An der Neustädter Kirche etwa, oder Am Markt. Andere bezeichneten ein ganzes Stadtviertel. Flurname oder Zielort Bei der Namengebung griff man zurück auf Flurbezeichnungen (Am Waldecker Berg) oder auf die Lage der Straße (Oberstraße). Die Ausfallstraßen bezeichnete man nach ihren Zielorten (Wildunger Landstraße). Viele Straßen tragen aber auch den Namen einer bekannten oder bedeutenden Persönlichkeit, von Stadtältesten oder Ehrenbürgern. Bei Vergabe von Namen aus Politik und Regierung ist man heute in Korbach vorsichtig geworden, um späteren Umbenennungen aus dem Weg zu gehen. So wurde aus dem Adolf-Hitler-Platz nach 1945 wieder der Berndorfer Torplatz, aus der Litzmannstraße die Friedrichstraße, aus der Hindenburgstraße wieder wie früher die Bahnhofstraße. Zur Diskussion standen nach 1945 auch die an Kriegsschauplätze des Ersten Weltkrieges erinnernden Skagerrakstraße, Langemarckweg und Flandernweg. Neue Namen mussten her Die enorme Entwicklung der Stadtbebauung nach dem Zweiten. Weltkrieg brachte es mit sich, dass zahlreiche neue Straßen entstanden. Sie alle brauchten neue Namen. So entstand ein Blumenviertel, in jüngster Zeit auch ein Dichterviertel. Zahlreiche westdeutsche Städte, in die es einst Korbacher verschlagen hatte, standen Pate, aber auch mitteldeutsche Städte. Auch ehemalige ostdeutsche Städte und Gebiete, aus denen viele Korbacher Neubürger vertrieben worden waren, gaben neuen Straßen ihre Namen.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer eine Serie über die Namen Korbacher Straßen verfasst. diese ist ab April 2001 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen.