Mittelzentrum Allendorf-Eder/Battenberg

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Inhaltsverzeichnis

Es begann im Trauzimmer

Fünf Jahre Mittelzentrum Allendorf-Eder/Battenberg - HNA-Serie beleuchtet Entwicklung (November 2005)

von Klaus Jungheim

Allendorf und Battenberg liegen eng beieinander, haben eine verzahnte Geschichte. Nun können sie auch ein kleines gemeinsames Jubiläum feiern: Fünf Jahre Mittelzentrum Allendorf-Eder/Battenberg. Dies nimmt die HNA zum Anlass, eine erste Bilanz dieser ungewöhnlichen kommunalen Zusammenarbeit zu ziehen. In einer Serie beleuchten wir unterschiedliche Gesichtspunkte dieser Kombination. Einen breiten Raum wird dabei natürlich die Politik einnehmen. Denn dort werden für die Ausgestaltung des Mittelzentrums die Rahmenbedingungen geschaffen und die Weichen gestellt. Wir wollen von den Verantwortlichen wissen, ob sich ihrer Meinung nach die mit der Aufstufung verbundenen Erwartungen erfüllten, was nicht geschafft wurde und warum nicht. Außerdem fragen wir nach den Perspektiven des Mittelzentrums Allendorf-Eder/Battenberg.

Die Gesamtschule Battenberg. Foto: Klaus Jungheim (Copyright: HNA)

Es geht in unserer Serie aber auch um gesellschaftliche Aspekte, um die Entwicklung im Sport, in der Wirtschaft und in den Schulen.

Wir beginnen heute mit einem gerafften Blick auf die Vorgeschichte des Mittelzentrums Allendorf-Eder/Battenberg. Und wir legen dar, warum die hessische Landesregierung die beiden Nachbarkommunen im Landesentwicklungsplan überhaupt gemeinsam aufwertete.

Ein Blick zurück: 16. April 1997, Trauzimmer des Battenberger Rathauses: Der SPD-Landtagsabgeordnete Reinhard Kahl verkündete vor Kommunalpolitikern aus Allendorf und Battenberg den Beschluss der hessischen Landesregierung aus SPD und Grünen, diese beiden Orte als gemeinsames Mittelzentrum ausweisen zu wollen. Große Freude kam auf. In der Folgezeit begann an der Eder eifrige Betriebsamkeit: Zum Beispiel wurden Arbeitsgruppen gebildet sowie schonungslose Ist-Analysen erarbeitet und öffentlich präsentiert.

Dreieinhalb Jahre später war es dann endlich soweit. Mitte November 2000 verkündete die Landesregierung offiziell den Status „Gemeinsames Mittelzentrum Allendorf-Eder/Battenberg“. Regiert wurde das Land inzwischen von einer CDU/FDP-Koalition.

Den neuen Status legte der Landesentwicklungsplan 2000 fest, den die Landesregierung durch eine Rechtsverordnung seinerzeit feststellte. Der damalige Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) sagte im November 2000 bei der Vorstellung des Papiers in der Landeshauptstadt Wiesbaden: „Dies ist ein Landesentwicklungsplan, der die Chancen auf zukunftsträchtige Entwicklung mit der Freiheit bei der Gestaltung des Wachstums vereint.“

Die Aufwertung zum Mittelzentrum sollte als „Vorschuss“ oder „Kredit“ verstanden und von den Gemeinden mit Leben erfüllt werden. Denn damals hatten Allendorf-Eder und Battenberg noch nicht die „üblichen Ausstattungsmerkmale eines Mittelzentrums“, wie es hieß. Sprich: Sie genügten noch nicht den Anforderungen.

Aber besonders wegen der Bedeutung als Wirtschaftsstandort für den Raum im Oberen Edertal und die Erwartung, dass die so genannte „zentralörtliche Funktionsbelegung“ im Verlauf der weiteren Entwicklung beider Kommunen diese Einstufung rechtfertige, habe sich das Ministerium zu der Aufwertung entschlossen, wurde betont.

Nun war eine engere Zusammenarbeit möglich, beispielsweise bei der Bauleitplanung oder Ansiedlung von Gewerbe. Die Finanzausstattung sollte besser werden. Zudem erschien es möglich, neue Einrichtungen in das Obere Edertal zu bekommen.

Zahlen und Fakten

In dem seit fünf Jahren bestehenden gemeinsamen Mittelzentrum Allendorf-Eder/Battenberg leben insgesamt 11 375,0 Menschen auf zusammen 106,53 Quadratkilometern. Hier eine Übersicht über die beiden Partnerkommunen:

Allendorf hat 5.718 Einwohner. Davon sind 49,44 Prozent männlich und 50,56 Prozent weiblich.

Seit der Gebietsreform im Jahr 1971 bildet die Kerngemeinde Allendorf mit den Ortsteilen Battenfeld, Rennertehausen und Haine eine Gemeinde in der weiten Ederaue. 1999 erhielt die Wohnsiedlung Osterfeld den Status eines Ortsteiles.

Der Ausländeranteil beträgt 9,5 Prozent. 62 Prozent davon sind Türken. In der Gemeinde gibt es 64 Vereine und Verbände. Drei Kindertagesstätten (Allendorf, Battenfeld, Rennertehausen) bieten unter kirchlicher Leitung Betreuungsplätze an. Sie werden von der Kommune finanziell unterstützt.

Das Allendorfer Gemeindegebiet umfasst 41,8 Quadratkilometer.

Battenberg hat insgesamt 5.657 Einwohner und besteht aus der Kernstadt Battenberg mit dem Weiler Kröge und den Stadtteilen Berghofen, Dodenau, Frohnhausen und Laisa. Prozentualer Anteil der beiden Geschlechter: 49,5 Prozent Männer, 50,5 Prozent Frauen. Ausländeranteil: 4,8 Prozent - davon sind die meisten italienische Staatsangehörige.

Die Anzahl der Vereine und Verbände beträgt 85. Die fünf Kindertagesstätten in Battenberg befinden sich in der Trägerschaft der Kirche, des Chrischona- Gemeinschaftswerks und des Deutschen Roten Kreuzes, Kreisverband Frankenberg. Die Kosten der Einrichtungen werden zum größten Teil von der Stadt bezuschusst.

Battenberg hat eine Gesamtfläche von 64,73 Quadratkilometern.

Ein Logo für den Gemeinschaftsgeist

Die engere Verbundenheit der beiden Kommunen Allendorf und Battenberg in einem gemeinsamen Mittelzentrum sollte von Beginn an auch gleich nach außen hin sichtbar gemacht werden. Daher wurde von den beiden Partnern ein Wettbewerb gestartet. Professionelle Grafiker und auch Hobby-Künstler aus Waldeck-Frankenberg und darüber hinaus waren aufgerufen, ein Logo für das neue Mittelzentrum Allendorf-Eder/Battenberg zu entwerfen. Hans-Joachim Feisel aus Dodenau machte seinerzeit das Rennen. Er gestaltete den besten Entwurf eines Logos für das gemeinsame Mittelzentrum (Bild).

Gewinner Feisel erklärte bei der Preisverleihung Ende September 2001, er habe mit einfachsten Formen die Schwerpunkte beider Gemeinden darstellen wollen. So wählte er für die Battenberger Geschichte den Zinnenturm, für die Industriegemeinde Allendorf das Symbol einer Fabrik. Beide Orte bewegen sich optisch aufeinander zu, auf einen gemeinsamen Mittelpunkt hin. Ein grüner Bogen soll die Berge der Mittelgebirgslandschaft, ein blauer Bogen die Eder symbolisieren. Der gebürtige Allendorfer schaffte sogar einen Doppelerfolg - sein zweiter Entwurf wurde mit dem zweiten Preis belohnt. Damit gab es für Feisel ein Preisgeld in Höhe von damals zusammen 800 Mark.

Den dritten Preis - 200 Mark - gewann Walter Sellmann aus Allendorf. Insgesamt hatten sieben Teilnehmer 20 Entwürfe eingereicht. Das neue Logo war zum Beispiel für Präsentationszwecke im Internet und für gemeinsame Briefköpfe gedacht. Es sollte den modernen und bürgerfreundlichen Wirtschaftsstandort im Oberen Edertal dokumentieren.

Starke Wirtschaft, schöne Landschaft

Das Mittelzentrum Allendorf-Eder/Battenberg verfügt über eine breit gefächerte Struktur

Die hessische Landesregierung wies Mitte November 2000 die Nachbargemeinden Allendorf und Battenberg als gemeinsames Mittelzentrum aus. Der stetigen Aufwärtsentwicklung der beiden Kommunen wurde seinerzeit damit von der Politik Rechnung getragen.

Das heute fünf Jahre alte Mittelzentrum Allendorf-Eder/Battenberg besitzt eine herausragende wirtschaftliche Stärke mit mehr als 6500 Arbeitsplätzen, überwiegend im produzierenden Gewerbe. Mit dem zu Battenberg gehörenden Luftkurort Dodenau und dem Einkaufszentrum im Allendorfer Ortsteil Battenfeld sind aber auch andere Wirtschaftszweige gut vertreten.

So präsentiert sich das junge Mittelzentrum auf seiner gemeinsamen Homepage. Im Zusammenhang mit unserer täglichen Serie über diese außergewöhnliche kommunale Zusammenarbeit wollen wir heute neben der Veröffentlichung des gemeinsamen Logos einige Vorzüge beider Kommunen darstellen.

Das Mittelzentrum Allendorf-Eder/Battenberg ist einer der Industrie- und Gewerbeschwerpunkte des Landkreises Waldeck-Frankenberg. Von den insgesamt 6.500 Beschäftigten kommen 3000 Menschen als Einpendler täglich aus dem gesamten Kreisgebiet und aus den benachbarten Landkreisen in die Mittelzentrumsgemeinden.

Der mit Abstand größte Arbeitgeber ist die Firma Viessmann, deren Heiztechnik in der ganzen Welt ein Begriff ist. Zur Erhaltung ihrer Wettbewerbsfähigkeit hat Viessmann einvernehmlich mit der Gemeinde Allendorf einen öffentlichen Verkehrslandeplatz errichtet. Der Flugbetrieb begann Anfang Juli 1966. Der Flugplatz verkürzt die Wege zum Kunden und Lieferanten erheblich. Er wurde bereits mehrmals erweitert und erfüllt hohe Ansprüche.

Die traditionsreiche Gießerei Eisenwerk Hasenclever & Sohn auf dem „Auhammer“ in Battenberg ist mit mehr als 600 Beschäftigten ebenfalls ein hoch technisierter und innovativer Industriebetrieb. Hier werden insbesondere Kurbelwellen und Turboladergehäuse für Pkw, Zylinderköpfe für Großmotoren und gewichtige Gusserzeugnisse für den Maschinenbau hergestellt.

Weitere Schwerpunkte sind die Holz verarbeitende Industrie und der Einzelhandel. Das Gewerbegebiet/Einkaufszentrum Battenfeld im Kreuzungsbereich der Bundesstraßen 236 und 253 umfasst rund zwanzig Hektar. Hier haben sich bis heute etwa 70 Betriebe und Geschäfte niedergelassen, die mehr als 350 zusätzliche Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt haben.

Ein weiteres Pfund, mit dem das Mittelzentrum wuchern kann, ist die Umgebung. Allendorf und Battenberg sind im Ederbergland eingebettet in eine reizvolle Naturlandschaft. Die Ederaue und unberührte Wälder laden zum Erholen, zum Wandern, zum Fahrrad fahren oder auch zum Fischen ein. Hotellerie und Gastronomie sind familiär. Allein im anerkannten Luftkurort Dodenau stehen 250 Gästebetten zur Verfügung.

Mit einem Rundflug können sich die Touristen die Landschaft des Ederberglands von oben ansehen. Auf dem Verkehrslandeplatz in Allendorf stehen hierfür Segel- und Motorflugzeuge zur Verfügung.

Drachenfliegen, Angeln, Reiten, Planwagenfahrten, Skilanglauf, markierte Wander- und Radwege sowie Nordic-Walking-Strecken vervollständigen das Angebot.

Außerdem ist Battenberg für Wohnmobilisten attraktives und empfohlenes Ziel.

Der Battenfelder Kram- und Viehmarkt am ersten Wochenende im Oktober und das traditionelle Rückersfest in Laisa sind überregional bekannte Veranstaltungen.

Im Battenberger Rathaus ist inzwischen eine Kfz-Zulassungsstelle eingerichtet.

Auffällige Schüler nicht ausschließen

Schulleiter fordern Schulsozialarbeiter mit spezieller Kompetenz - Bislang erfolgloses Bemühen

Schüler der Goldberg-Schule. Foto: Klaus Jungheim (Copyright: HNA)

Die Zusammenarbeit der beiden weiterführenden Schulen im Mittelzentrum Allendorf-Eder/Battenberg beurteilen die beiden Schulleiter grundsätzlich positiv.

Nach Angaben von Helmut Frenzl (Gesamtschule Battenberg) und seinem Allendorfer Kollegen Thomas Jentzsch (Grund- und Hauptschule am Goldberg) konzentriert sich die Zusammenarbeit beider Schulen auf die pädagogische Arbeit einerseits zum Beispiel auf das Schreiben von Vergleichsarbeiten, auf die Beratung bei Übergängen in die weiterführenden Schulen und demnächst auch auf die gemeinsame Entwicklung von Unterrichtsmodellen zur Erreichung von strategischen Zielen. Andererseits geht es zwischen den Schulen auch um die gegenseitige Unterstützung bei längerfristigem Ausfall von Bediensteten.

Den Schulterschluss beider Schulen dokumentieren außerdem die gemeinsamen, vielfältigen Bemühungen der beiden Schulleiter um die Einrichtung von Schulsozialarbeit. Im Ausschuss des Mittelzentrums „Schule, Jugend und Sozialarbeit“ haben Frenzl und Jentzsch sich bereits um eine solche neue Stelle bemüht.

Allerdings seien die Bemühungen trotz wiederum gemeinsamer, aktiver Unterstützung der beiden Bürgermeister Claus Junghenn (Allendorf) und Heinfried Horsel (Battenberg) bisher nicht erfolgreich gewesen, schilderte Thomas Jentzsch. Gerade vor dem Hintergrund sozialer Spannungen in der Gesellschaft dürften extrem auffällige Schüler nicht automatisch ausgeschlossen werden.

Wohin dies im äußersten Fall führen kann, zeigen die aktuellen Krawalle in Frankreich. Dort haben randalierende Jugendliche jetzt mit Schrotgewehren auf Polizisten geschossen. Die Gewaltwelle forderte bereits ein erstes Todesopfer.

Auch wenn eine derartige Eskalation für den hiesigen Raum im Detail schwer vorstellbar ist, so ist eine verschärfte Situation zwischen den Generationen im Ederbergland im Prinzip durchaus möglich. Erste Anzeichen dafür sind vorhanden.

„Die Schule allein kann extrem auffällige Schüler aber nicht wieder auf den richtigen Weg bringen. Dazu bedarf es in unserer Region einer professionellen Kraft von außen mit spezieller Kompetenz“, unterstrich Frenzl. Er versteht eine solche Tätigkeit als Scharnier. Die bis in die Freizeit hinein reicht, bis in die Vereine: Denn gerade dort können die jungen Menschen Erfahrungen mit Erfolgen, aber auch mit Misserfolgen machen. Dies sei ebenso eine gute Schule.

Der Allendorfer Schulleiter Thomas Jentzsch betonte wie sein Battenberger Kollege Helmut Frenzl, dass die Einrichtung einer solchen Stelle für Schulsozialarbeit nur im Verbund zu verwirklichen wäre. Beide sind sich bewusst, dass dies auch zusätzliches Geld kostet: Geld, das gesellschaftspolitisch betrachtet Gewinn bringend angelegt wäre.

Auch wenn die Einstellung eines Schulsozialarbeiters zumindest derzeit bei den verantwortlichen Stellen nicht das nötige Gewicht besitzt, wollen Frenzl und Jentzsch ihr Bemühen nicht als vergeblichen Einsatz eingestuft wissen: „Die Auseinandersetzung mit diesem Thema ist in soweit positiv zu beurteilen, weil es ein gemeinsames Bewusstsein für die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung im Oberen Edertal geschaffen hat. Dies wird auch durch die erneute Forderung nach Schulsozialarbeit durch die beiden Schulen und Gemeinden im veränderten Schulentwicklungsplan deutlich“.

In Allendorf wie in Battenberg wurde und wird die äußere Schulentwicklung durch die Fortschreibung des Schulentwicklungsplanes bestimmt. Von beiden Schulen wurde keine Änderung gegenüber dem bisherigen Stand und aktuellen Entwurf beantragt. Frenzl und Jentzsch: „Eine Neubelebung der Diskussion um die Schulstandorte halten wir nicht für produktiv und hilfreich.“

Vielmehr legen die beiden Schulleiter viel mehr Wert auf andere Themen: „Die sich ändernden gesetzlichen Vorgaben wie die Einführung der landesweiten Abschlussprüfungen und die Setzung der strategischen Ziele zur Verbesserung der Lesekompetenz, die Fortschreibung des eigenen Schulprogramms und die dazugehörige Bewertung sowie die qualifizierte Fortbildung erfordern die Konzentration aller Kräfte auf die pädagogische Weiterentwicklung unserer Schulen.“

Innovationen anerkannt

An der Gesamtschule Battenberg sind laut Schulleiter Helmut Frenzl die durch das Hessische Kultusministerium besonders anerkannten Innovationen

- Offenes Ganztagsangebot in der Form „Pädagogische Mittagsbetreuung“

- Bilingualer (zweisprachiger) Zweig

- Schule mit Schwerpunkt Musik

sehr erfolgreich. Dies wird nach seinen Worten durch die erfreulichen Teilnehmerzahlen bestätigt. Dies sei auch der Anlass dafür, dass „wir zur Erweiterung des Ganztagsangebotes die nächste Stufe ,Kooperative Ganztagsschule in offener Form‘ beantragt haben“.

Der bilinguale Zweig mit Englisch sei in diesem Schuljahr in der 9. Jahrgangsstufe des Gymnasialen Zweiges angekommen. Helmut Frenzl: „Die Teilnehmerzahlen in den Jahrgängen 7und 8 führen dazu, dass zwei parallele Kurse in jedem Jahrgang eingerichtet wurden.“

Die Battenberger Gesamtschule mit Haupt- und Realschule sowie Gymnasialem Zweig besuchen rund 1000 Schülerinnen und Schüler.

Einen Antrag auf Einrichtung einer Pädagogischen Mittagsbetreuung hat inzwischen auch die Allendorfer Schule am Goldberg gestellt, informierte Schulleiter Thomas Jentzsch. Dies soll ein Angebot für alle Schülerinnen und Schüler sein. Insgesamt 410 besuchen derzeit diese Einrichtung. Vorgesehen in dem Konzept ist auch das Mittagessen.

Diese Form unterscheidet sich von der bisherigen Art der Betreuung. Bislang gibt es an der Allendorfer Grund- und Hauptschule die so genannte Betreuende Grundschule in der angrenzenden Villa Kunterbunt.

Dr. Martin Viessmann. Foto: Thomas Rosenthal (Copyright: HNA)

Weg vom Kirchturmdenken

Wirtschaftskapitän Dr. Viessmann würdigt Mittelzentrum - „Begonnene Arbeit konsequent weiterführen“

Für Dr. Martin Viessmann steht fest: „Das Modell Mittelzentrum Allendorf-Eder/Battenberg unter Beibehaltung der politischen Selbstständigkeit beider Gemeinden hat sich als zielführend erwiesen. Mit der Ausweisung als Mittelzentrum hat sich die Perspektive des Standortes deutlich verbessert. Das betrifft unter anderem das schulische Angebot, die Ausweisung von Gewerbeflächen sowie die Höhe von Schlüsselzuweisungen.“

Für den Chef des gleichnamigen, weltweit operierenden Heiztechnik-Herstellers hat dieses seit fünf Jahren bestehende kommunale Gebilde auch folgenden Effekt: „Vor allem führt das Zusammenwachsen der Gemeinden weg von dem Kirchturmdenken vergangener Zeiten und richtet den Blick aller Beteiligten in eine gemeinsame, positive Zukunft.“

Der industrielle Schwerpunkt des Landkreises Waldeck-Frankenberg liege im Oberen Edertal. Deshalb sei es nur folgerichtig, dass Allendorf und Battenberg sich zu einem gemeinsamen Mittelzentrum zusammengeschlossen haben. Dr. Viessmann: „Dieses bildet zusammen mit Frankenberg ein angemessenes Gegengewicht zu den Mittelzentren Korbach, Bad Wildungen und Bad Arolsen im Norden des Landkreises.“

Besonders erfreulich sei es, dass beide Bürgermeister sich für die Weiterentwicklung des Mittelzentrums engagieren, konstruktiv zusammenarbeiten und sich bemühen, vorhandene Ressourcen zu bündeln. Um mögliche Synergiepotenziale auszuloten und Maßnahmen zur Ausschöpfung auf den Weg zu bringen, seien für verschiedene Sachgebiete Arbeitsgruppen gebildet worden. Dr. Viessmann: „Ich hoffe, dass diese Arbeit konsequent weitergeführt wird, auch wenn nicht alle ins Auge gefassten Ziele auf Anhieb erreicht werden können.“

Der Firmenchef verlangt aber nicht nur etwas von anderen, sondern leistet mit seinem Unternehmen auch etwas für die Region. Jüngstes Beispiel: 71 Millionen Euro investiert der Heiztechnik-Hersteller in das Hauptwerk in Allendorf. Den Löwenanteil, 61 Millionen, steckt das Unternehmen in die Modernisierung fast aller Werkshallen, zehn Millionen in den firmeneigenen Flugplatz oberhalb des Industriekomplexes.

Innerhalb von zweieinhalb Jahren werden fast alle - zum Teil sehr alten - Hallen auf Vordermann gebracht. So sollen die Fertigungsabläufe den modernsten Stand der Technik bekommen. Und die Gebäude erhalten neue Ausrüstung für Strom, Lüftung, Wasser und Technische Gase.

Auf dem nahe gelegenen Flugplatz wurde die Start- und Landebahn um 200 Meter verlängert und zehn Meter verbreitert, nach Norden versetzt und um anderthalb Grad geschwenkt. Sie ist nun 1400 Meter lang und 30 Meter breit. Zudem wurde moderne Funkleit-Technik installiert, damit der Platz auch bei schlechtem Wetter sicher genutzt werden kann. Dr. Viessmann: „Der Flugplatz-Ausbau ist ein Beitrag zur Verbesserung der schlechten Verkehrsinfrastruktur in unserer Region.“

Größter Arbeitgeber

Die Viessmann-Unternehmensgruppe mit Stammsitz in Allendorf ist einer der international führenden Hersteller von Heiztechnik-Systemen. Das von Dr. Martin Viessmann in dritter Generation geleitete Unternehmen wurde 1917 gegründet. Mit zehn Werken in Deutschland, Frankreich, Kanada, Polen und China, mit Vertriebsorganisationen in Deutschland und 34 weiteren Ländern sowie weltweit 111 Verkaufsniederlassungen ist Viessmann international ausgerichtet. In Allendorf sowie im benachbarten Battenberg werden 3.500 Menschen beschäftigt. Somit ist Viessmann größter Arbeitgeber im Landkreis Waldeck-Frankenberg. Beschäftigt werden weltweit insgesamt 6.800 Mitarbeiter. Der Gruppenumsatz 2004 betrug 1,15 Milliarden Euro. 43 Prozent des Umsatzes entfallen auf den Export.

Tanja Schiemann, Vorsitzende des Gewerbevereins Einkaufszentrum Battenfeld. Foto: Klaus Jungheim (Copyright: HNA)

Schulterschluss gegen die Konkurrenz

Battenberger und Battenfelder Kaufleute arbeiten zusammen - Unterschiedliche Philosophien erschweren Kooperation

Die Zusammenarbeit zwischen den Kaufleuten in Battenberg und in Battenfeld beschreibt der Vorsitzende der Werbegemeinschaft Battenberg, Rainer Balz, als angenehm und produktiv. Dies sieht die Vorsitzende des Gewerbevereins Battenfeld, Tanja Schiemann, genauso.

Im Zuge der aufkommenden Mittelzentrums-Euphorie waren sich seinerzeit auch beide Vorstände näher gekommen. Im Jahr 1998 verabredeten die Führungsgremien, künftig eng zusammenarbeiten zu wollen.

Nun, regelmäßige Treffen gibt es heute nicht mehr. Ein kurzer Draht ist allerdings vorhanden, „wenn Bedarf besteht“. Dies bezieht Balz auf Themen, „bei denen beide Seiten Berührungspunkte haben“. Beispiel: Neubau eines Herkules-Lebensmittelmarktes und eines weiteren Einkaufscenters in Frankenberg.

Die Kaufleute in Battenberg und in Battenfeld lehnen die Ansiedlung solcher Großmärkte ab. Dies könnte gravierende Folgen für den Einzelhandel im Oberen Edertal haben, bis hin zu Geschäftsaufgaben - so die Befürchtung. Einen derartigen Schulterschluss demonstrierten sie auch bei der 1999 geplanten Ansiedlung eines Kaufland-Marktes in Frankenberg.

Schwerer tun sich die Kaufleute des Oberen Edertals, wenn es um gemeinsame Veranstaltungen geht. Einen Versuch hat es gegeben. Das war am Wochenende 24. und 25. April 1999: die erste gemeinsame Ederberglandschau. Sie fand seinerzeit an zwei Standorten statt, zog bei schönstem Frühlingswetter Massen in das Einkaufszentrum Battenfeld und in die Festhalle Battenberg. Ein kostenloser Pendelbus-Verkehr sorgte dafür, dass die Besucher beide Veranstaltungen mühelos an einem Tag besuchen konnten. Dieses „Schaufenster der Region“ wurde von allen Beteiligten als großer Erfolg gewertet.

In der späteren Aufarbeitung wurde dann folgerichtig der Wille bekundet, eine zweite Ederberglandschau folgen zu lassen. Es traten aber gleich Probleme auf. Da war die Terminfrage, die es zu klären galt. Schließlich handelte es sich bei der ersten Ederberglandschau um eine Verbindung zweier eigenständiger Schauen, nämlich der Battenfelder Frühjahrsausstellung und der Battenberger Gewerbeschau in der Festhalle.

Die Battenberger Gewerbeausstellung findet aber nur alle drei Jahre statt, die Frühjahrsausstellung im Einkaufszentrum Battenfeld hingegen jedes Jahr.

Allerdings war dies nicht das eigentliche Hauptproblem, vergleichsweise eher nebensächlich. Als eigentlicher Knackpunkt entpuppte sich die Vorstellung, dass dieses Spektakel an einem gemeinsamen Standort über die Bühne gehen sollte. Also nicht mehr im Einkaufszentrum und in der Festhalle gleichermaßen. Dies entwickelte sich in der Diskussion schnell zum Hindernis. Denn zu unterschiedlich sind dann doch die jeweiligen Anlagen und Philosophien beider Kaufleute-Vereinigungen.

So sind die Battenfelder Firmen fast allesamt im Einkaufszentrum quasi Tür an Tür konzentriert. Dies führt zu einer ganz speziellen Sichtweise. Entsprechend groß ist denn auch deren Interesse, bei einer Schau nicht nur sich selbst, sondern den Besuchern den gesamten Battenfelder Geschäfts-Komplex als „Kaufhaus des Oberen Edertals“ darzustellen.

In Battenberg wiederum findet der Kunde eine völlig andere Situation vor. Dort befinden sich die Geschäfte im Stadtgebiet in weitläufigeren Abständen. Sie bilden keine optische Einheit wie Battenfeld. Dennoch - oder vielleicht gerade deswegen - hängen die Battenberger Mitgliedsbetriebe der Werbegemeinschaft an ihrem gewohnten Umfeld. Sie möchten bei einer Schau lieber in der heimischen Gemarkung bleiben. Also in der örtlichen Festhalle.

Diese unterschiedlichen Positionen führen zwangsläufig zu der Frage: Wenn eine zweite Ederberglandschau bislang an einem gemeinsamen Standort scheiterte, warum greifen die Kaufleute dann nicht auf das erfolgreiche Konzept von 1999 zurück?

Tanja Schiemann will sich einer solchen Fragestellung nicht verschließen: „Im Prinzip wäre eine zweite Ederberglandschau durchaus möglich. Es ist denkbar, dass wir uns mit den Battenberger Kollegen dazu einmal an einen Tisch setzen und alle Varianten diskutieren. Dazu würde dann sicher auch die Überlegung eines gemeinsamen Fest-Standortes gehören. Aber auch die Neuauflage des Konzeptes aus dem Jahr 1999 mit aktueller Überarbeitung könnte diskutiert werden.“

Ihr Battenberger Kollege Rainer Balz äußerte sich dazu zwar im Detail zurückhaltend. Er betonte aber: „Gespräche über eine zweite Ederberglandschau sind grundsätzlich kein Problem.“

Auch wenn die Battenberger und Battenfelder Kaufleute das gemeinsame Mittelzentrum weiter voranbringen wollen, so ist doch jede Seite darauf bedacht, die eigene Position zu stärken. Logisch.

Einfacher haben es da schon die Battenfelder, denn die Entwicklungskonzeption für das Mittelzentrum sieht den Schwerpunkt für die Weiterentwicklung des großflächigen Einzelhandels im Einkaufszentrum des Allendorfer Ortsteils).

Der Battenberger Balz sieht das professionell: „Wir sind nicht neidisch, denn wir haben auch unsere Stärken. Wir können in Battenberg mit Fug und Recht von einem sehr guten Serviceangebot unserer 80 Mitgliedsbetriebe sprechen. Darüber gibt es ein ausgezeichnetes Dienstleistungsangebot der Stadt, aber auch der Zahnärzte, Allgemein-Mediziner, Rechtsanwälte und Architekten.“

In der künftigen Mittelzentrums-Planung wünschen sich die beiden Kaufleute-Vorsitzenden, dass die Politiker die Interessen und Anliegen des jeweiligen Einzelhandels nicht aus den Augen verlieren.

Schwerpunkt Einkaufszentrum

Der Schwerpunkt für die Weiterentwicklung des großflächigen Einzelhandels im Mittelzentrum Allendorf-Eder/Battenberg liegt im Einkaufszentrum des Allendorfer Ortsteils Battenfeld.

Im Einkaufszentrum, besonders in der Otto-Wickenhöfer-Straße, sind in den vergangenen Jahren große Einzelhandelsflächen entstanden. Der eigentliche Kern des Einkaufszentrums, die Ringstraße, ist mit der hierdurch entstandenen Verkehrssituation zweigeteilt worden, eine Umverteilung hat stattgefunden. Dieser Entwicklung entgegen zu wirken, sind die Battenfelder Kaufleute seitens der Gemeinde Allendorf mit in die Planungen einbezogen worden. Erste Verbesserungen - wie die Rechtsabbiegespur aus der Ringstraße - sind umgesetzt worden. Weitere sind in Planung.

Die Vorteile des Einkaufszentrums Battenfeld liegen bei den zahlreichen Fachgeschäften und Handwerksbetrieben, die zum großen Teil von den Inhabern selbst geführt werden. Das kostenlose Parken direkt vor den Geschäften ermöglicht den Kunden ein bequemes Einkaufen.

Es gibt Bereiche, die verbessert oder verändert werden müssen. Hierzu zählt unter anderem der Gebäudekomplex Ringstraße 3 (ehemals Aldi), der fast leer steht. Gemeinsam soll an diesen kurz- und langfristigen Projekten gearbeitet werden, um sie zum Positiven zu wenden.

Wir brechen nichts übers Knie

Entwicklung des Mittelzentrums - Interview mit den Bürgermeistern Horsel und Junghenn - Teil 1

Fünf Jahre besteht das Mittelzentrum Allendorf-Eder/Battenberg. Warum gibt es keine Feier?

Junghenn: Am 11. Januar 2006 werden wir zum dritten Mal in Folge den gemeinsamen Neujahrsempfang veranstalten, diesmal wieder im Allendorfer Bürgerhaus. In diesem Rahmen wird es ausreichend Gelegenheit geben, auf dieses „kleine“ Jubiläum einzugehen und anzustoßen!


Die Aufstufung zum Mittelzentrum durch das Land Hessen wurde einst als „Vorschuss“ oder „Kredit“ verstanden. Haben beide Kommunen damit begonnen, ihre „Schulden“ durch Eigeninitiative zurückzubezahlen - sprich, hat sich die für ein Mittelzentrum vorgeschriebene Infrastruktur verbessert?

Horsel: „Vorschuss“, „Kredit“ und „Schulden“ sind Begriffe, die man im Bankenwesen verwendet, aber für die Zusammenarbeit zwischen der Stadt Battenberg und der Gemeinde Allendorf ungeeignet sind. Wir sehen hier keinen Druck, etwas über das Knie brechen zu müssen, nur um irgendjemandem Rechenschaft abzulegen. Eine enge Kooperation gibt es bei allen Aufgaben, die es sich lohnt, gemeinsam anzupacken. Als Beispiel sei hier die gemeinsame Beauftragung der Kanal-TV- Untersuchung im gesamten Stadt- und Gemeindegebiet genannt. Die gemeinsame Ausschreibung und Beauftragung hatte erhebliche Einsparungen für beide Kommunen zur Folge.


Die direkten positiven Auswirkungen waren für Battenberg die Einrichtung der Kfz-Zulassungsstelle und für Allendorf die zusätzliche Ausweisung von Einzelhandelsflächen. Was gibt es noch, was das Mittelzentrum für die Bürger unmittelbar in ihrem Lebensumfeld praktisch erlebbar macht?

Junghenn: Zunächst einmal muss man die Erwartungen etwas zurückschrauben und noch einmal verdeutlichen, was bedeutet eigentlich die Aufstufung im Regionalplan zum gemeinsamen Mittelzentrum. Allendorf-Eder/Battenberg erhielt damit, vereinfacht gesagt, die Erlaubnis, nicht nur die eigene Grundversorgung zu gewährleisten, sondern darüber hinaus auch Angebote für einen definierten „Mittelbereich“ vorhalten zu können. Dazu gehören, wie in der Frage erwähnt, mehr Einzelhandelsflächen oder ein umfassenderes Dienstleistungsangebot, wie die Kfz-Zulassungsstelle. Aber auch hier sind Grenzen gesetzt, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass mit der Stadt Frankenberg ein schon entwickeltes und lange existierendes Mittelzentrum unmittelbar vor der Haustüre liegt. In dessen ursprünglichen „Mittelbereich“ ist nun Allendorf-Eder/Battenberg quasi eingedrungen, was einen zusätzlichen, unmittelbar im Lebensumfeld spürbaren Strukturaufbau sehr schwierig gestaltet.


Es hieß damals, als Mittelzentrum wäre es möglich, einen Augenarzt oder Gynäkologen ins Obere Edertal zu bekommen. Daraus ist ja bislang nichts geworden.

Horsel: Es wurde seinerzeit dargestellt, welche Funktionen ein Mittelzentrum hat. Dazu gehört auch, eine möglichst umfassende ärztliche Versorgung anzubieten. Wenn Sie in die vier anderen Mittelzentren unseres Landkreises schauen, werden Sie die von Ihnen angesprochenen Fachärzte finden. Vielleicht gäbe es auch den einen oder anderen, der sich bei uns eine Existenz aufbauen wollte. Solange hier jedoch von den kassenärztlichen Vereinigungen sozusagen die „Claims“ abgesteckt werden und bürokratisch, wie es hier nun einmal zugeht, festgelegt wird, ob ein Arzt sich niederlassen darf oder nicht, haben wir keine Chance auf zusätzliche Ärzte. Unsere intensiven Bemühungen waren daher erfolglos.


Gibt es regelmäßige Kontakte zwischen den Bürgermeistern speziell zum Thema Mittelzentrum? Und was ist mit Magistrat und Gemeindevorstand?

Junghenn: Der persönliche und dienstliche Kontakt zwischen den Bürgermeistern ist sehr gut und das Thema „Mittelzentrum“ nimmt breiten Raum ein. Der Magistrat der Stadt Battenberg und der Gemeindevorstand von Allendorf treffen sich zweimal jährlich, um gemeinsame Themen zu erörtern.


Die Gebietsreform vor rund 35 Jahren beeinflusst auch heute noch das Handeln mancher Menschen in Allendorf und Battenberg negativ. Kommunale Egoismen und Konkurrenzdenken in einigen Köpfen lassen Schritte auf neuen Wegen mancherorts nicht zu. Wie begegnen Sie ausgeprägtem Kirchturmdenken?

Horsel: Von „negativ“ sollte hier keine Rede sein! Es liegt in der Natur des Menschen, sich zunächst einmal auf das persönliche Umfeld und auf einen überschaubaren Bereich zu konzentrieren. Wir bewerten es durchaus positiv, wenn man sich zuerst einmal für seinen Wohnort einsetzt. Trotzdem verhindert diese Einstellung in der Regel nicht den Blick auf die übergeordnete Einheit und die hier anstehenden Entscheidungen zum Wohle der Allgemeinheit. Und damit sind wir in der Politik: Es muss argumentiert und gestritten werden, um zur besten Lösung zu kommen. Manchmal ist dann auch das „Kirchturmdenken“ mehrheitsfähig!


Es gibt für Battenberg und Allendorf inzwischen gemeinsame Stadtpläne, sehr gut aufeinander abgestimmte Internetdarstellungen, amtliche Briefköpfe mit einem gemeinsamen Logo und eine gemeinsame Broschüre für Baugebiete. Eine gemeinsame Sitzung beider Kommunalparlamente aber hat es bislang nicht gegeben, obwohl vollmundig angekündigt. Besteht daran kein Interesse mehr?

Junghenn: Die gemeinsame Parlamentssitzung ist nach wie vor ein Thema in den Sitzungen von Magistrat und Gemeindevorstand und auch in den Ältestenräten. Allerdings sollen in dieser Sitzung auch echte Beschlusspunkte auf der Tagesordnung stehen. Vereinbart haben wir ein informelles Treffen der Kommunalpolitiker aus beiden Kommunen.


Seinerzeit war eine Entwicklungskonzeption in Auftrag gegeben worden. War und ist dieses Papier, angefertigt durch die damalige Hessische Landestreuhand (Gesellschaft für Forschung, Planung, Entwicklung) brauchbar?

Horsel: Im Anfangsstadium war dieses Entwicklungskonzept eine wertvolle Hilfe. Auf der Basis einer Stärken- und Schwächenanalyse aufbauend wurde aufgezeigt, welche Handlungsfelder prioritär zu bearbeiten sind.

Gemeinsamkeiten sparen viel Geld

Entwicklung des Mittelzentrums - Interview mit den Bürgermeistern Horsel und Junghenn - Teil 2

Fünf Jahre gemeinsames Mittelzentrum Allendorf-Eder/Battenberg: Die Bürgermeister Claus Junghenn (Allendorf) und Heinfried Horsel (Battenberg) ziehen im HNA-Interview eine Bilanz: Was wurde im jungen Mittelzentrum bereits umgesetzt, was wurde versäumt, was gibt es noch zu tun?

Arbeitsgruppen für die Bereiche Kommunale/Regionale Eigenbetriebe, Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing, Schule und Jugendarbeit sowie Tourismus wurden vor mehr als fünf Jahren bereits vor der offiziellen Aufstufung gebildet. Wurden die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt?

Junghenn: Die Arbeitsgruppen haben hervorragende Arbeit geleistet und vieles Umsetzenswertes herausgearbeitet. Aus finanziellen Erwägungen heraus konnte jedoch nicht alles 1:1 in die Tat umgesetzt werden. Wir denken hier zum Beispiel an den empfohlenen „Wirtschaftsförderer“ für Allendorf-Eder/Battenberg. Im Bereich „Tourismus“ konnte hingegen in der Kooperation mit den anderen Kommunen im „Oberen Edertal“ der Aufbau eines Tourismus-Büros umgesetzt werden.


Sind die Arbeitsgruppen noch aktiv?

Horsel: Die Gruppen werden immer dann aktiv, wenn entsprechende Themen anliegen. Zuletzt bei der Erarbeitung einer Konzeption zur Umsetzung der Schulsozialarbeit in der AG Schule/Jugend.


Wie sieht aktuell die Zusammenarbeit beider Verwaltungen in den Bereichen Wasserversorgung, Abwasserbeseitigung, Müllabfuhr und Bauhöfe aus? Welche Zusammenarbeit gibt es noch?

Junghenn: Im Abwasserverband „Oberes Edertal“ wird schon seit mehr als drei Jahrzehnten erfolgreich unter Einbeziehung Burgwalds zusammengearbeitet. Die Klärschlamm-Entsorgung ist bereits kreisweit über den Eigenbetrieb Abfallwirtschaft geregelt. Auf dem Gebiet der Abfallentsorgung wäre ein effizienteres Arbeiten im Verbund mehrerer Gemeinden dann sinnvoll, wenn sich dadurch Kosten reduzieren ließen und der Service nicht leidet.

Horsel: Wasserversorgung und Bauhof werden eigenständig von Allendorf und Battenberg betrieben. Bei der Nutzung und der Anschaffung von Geräten erfolgt jeweils ein Austausch darüber, ob man im Hinblick auf die Nutzungsintensität Geräte gemeinsam beschaffen und nutzen kann. Insbesondere im Wasser- und Abwasserbereich stehen die Bürgermeister des Ederberglands im engen Kontakt. Wir erörtern gemeinsame Strukturen bis hin zum Verbund in diesem Bereich. Auf dem Gebiet des Brandschutzes wird ebenfalls eng zusammengearbeitet.


Die Ältestenräte aus Battenberg und Allendorf haben vereinbart, ein gemeindeübergreifendes Planungsrecht zu schaffen, einen gemeinsamen Flächennutzungsplan aufzustellen. Blieb es bislang nur bei einer Ankündigung?

Junghenn: Der neue Flächennutzungsplan der Gemeinde Allendorf ist erst in diesem Frühjahr zur Rechtskraft gelangt. Demnächst stehen Gespräche mit dem Planungsbüro und Vertretern der Regionalplanung an, in denen die Vor- und Nachteile eines gemeinsamen Flächennutzungsplans erörtert werden sollen.


Ist ein gemeinsames Bauamt denkbar?

Horsel: Denkbar ist vieles, jedoch sind mit Zusammenlegungen nicht nur Vorteile verbunden. In der öffentlichen Verwaltung wird aufgrund der Finanznot der Kommunen die interkommunale Zusammenarbeit aus Einsparungsgründen und zur Nutzung der Synergieeffekte von höchster Stelle als das Allheilmittel empfohlen. In der freien Wirtschaft wird fusioniert, um konkurrenzfähig zu bleiben. Nicht immer werden die gesetzten Ziele auch tatsächlich erreicht. Die Zusammenlegung von Ämtern führt nicht zwangsläufig zu Einsparungen, sondern kann auch neue kostenintensivere Führungs- und Verwaltungsstrukturen bedingen.

Junghenn: Mit einer Zusammenlegung von Verwaltungen geht auch Service vor Ort verloren. Tatsache ist, dass Verwaltungen in unserer Größenordnung sehr flexibel ohne großen Behördenapparat funktionieren. Verwaltungen, die für Gemeinden zuständig sind, die die Einwohnerzahlen unseres Mittelzentrums haben, sind in der Regel wesentlich größer als die Addition unserer beiden Verwaltungen.


Hat es bei gemeinsamen Ausschreibungen und Beschaffungen praktisch feststellbare Kostenersparnisse für Battenberg und Allendorf gegeben?

Horsel: Wir haben bereits die gemeinsam ausgeschriebene und mittlerweile fast abgeschlossene TV-Untersuchung der Kanalnetze erwähnt. Dadurch konnte eine Einsparung im fünfstelligen Bereich erzielt werden. Bei gemeinsamen Ausschreibungen für die Feuerwehren sind ebenfalls Einspareffekte zu erzielen.


Welche Einsparpotenziale sind ferner möglich?

Junghenn: Jede extern zu beauftragende kommunale Maßnahme ist daraufhin zu überprüfen, ob sie sowohl für Allendorf als auch für Battenberg ansteht. Bei einem größeren Ausschreibungsvolumen sind immer Einsparungen zu erzielen. Zum Beispiel könnte dies bei der Straßenunterhaltung greifen. Jede Kommune hat dafür im Verwaltungshaushalt einen Ausgabeansatz gebildet. Eine gemeinsame Ausschreibung dieser Unterhaltungsarbeiten in Allendorf und Battenberg führte sicherlich zu besseren Preisen. Konkret in Zahlen kann ich dies nicht belegen, da wir gerade diese Maßnahme nicht nur auf Allendorf-Eder/Battenberg beschränken wollen. Je mehr mitmachen, umso besser. Allerdings muss die auftragnehmende Firma entsprechend leistungsfähig sein, um alle anstehenden Arbeiten auch zeitnah durchführen zu können. Diese Vergabe wäre sicherlich problemlos umzusetzen, während andere Vergaben, wie beispielsweise eine Zentralisierung der Wasserversorgung, unter externer Federführung politisch wohl intensiver diskutiert würden.


Eine Ausweisung als Mittelzentrum kann vom Land Hessen auch wieder zurückgenommen werden. Was müsste passieren, damit dies passiert?

Horsel: An dieser Spekulation beteiligen wir uns nicht!

Da wir davon ausgehen, dass Allendorf und Battenberg eine gemeinsame Zukunft haben: Welche Maßnahmen müssen im Mittelzentrum in den nächsten Jahren unbedingt in Angriff genommen werden?


Junghenn: Für uns gibt es in dieser Frage keinen zeitlichen Druck. Wir stehen in einer Entwicklung, die man nicht erzwingen kann und die sich aufgrund des nur wenige Kilometer entfernten Mittelzentrums Frankenberg weiterhin schwierig gestalten wird.


Wo steht Ihrer Meinung das Mittelzentrum im Jahr 2025 zum 25-jährigen Bestehen?

Horsel: Weiterhin im Oberen Edertal dies- und jenseits der Eder! Der zentralörtliche Versorgungsauftrag wird sich weiter entwickeln - wobei heute niemand sagen kann, in welchen konkreten Projekten sich dies äußern wird.

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