Michaeliskirche

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Der Ort Hedemünden ist geprägt durch zahlreiche Fachwerkbauten und die gotische St. Michaelis-Kirche.

Die ursprüngliche Kirche aus dem frühen 11. Jahrhundert wurde zu Beginn des 13. Jahrhunderts in eine gotische Hallenkirche umgestaltet, die heutige Form und Ausstattung der Kirche ist während der Barockzeit entstanden.

Im Chor wurden in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts Reste mittelalterlicher Wandmalereien entdeckt.

Zur Ausstattung der Hedemünder Kirche gehört der Katharinen-Wallfahrtsaltar und ein frühgotisches Kruzifix.

Mit Engeln und Totenkopf

Ein grüner Kranz rahmt den Text ein, darüber flattern zwei Engelchen, die ein Wappen mit einem Löwen halten - durch seine Farbigkeit wirkt dieser Grabstein ausgesprochen freundlich. Er ist in der Michaeliskirche Hedemünden aufgestellt, gleich neben dem Eingang.

Zusammen mit anderen Grabsteinen wurde er 1980 bei Restaurierungsarbeiten unter dem Holzfußboden entdeckt. Das Besondere an diesem Stein ist, dass die Bemalung so gut erhalten blieb, erläutert Pastor Henning Dobers. Die Inschrift in Deutsch ist gut zu entziffern. Sie erinnert an Catharina Maria Magdalena Mengershausen, die Tochter des Pastors Johann Mengershausen, der von 1713 bis 1744 die Pfarrstelle in Hedemünden bekleidete. Damals war Hedemünden noch eine eigenständige Stadt.

Die „wollgerahtene Tochter“

Das Mädchen starb noch vor dem 14. Geburtstag. Über die Todesursache gibt die Inschrift keine Auskunft, wohl aber über das Wesen der 13-Jährigen. Sie scheint so fromm gewesen zu sein wie ihre Vornamen.

Dort steht: Die „wollgerahtene Tochter, geboren anno 1710, den 9. May, erreichte nur das 14. Jahre und erfuelte doch viel Jahre, den sie dem Hern Jesu zu Ehren und Gefallen, drum eilte er mit der reinen Seele aus dieser bösen Welt, das sie im Hern selig starb.“ Der Todestag ist mit dem 9. Oktober 1723 angegeben. Ihre Ruhestätte fand sie in der Kirche, wo sie noch immer begraben liegt.

Im Altarraum befanden sich mehrere Gewölbegräber, die aus der Zeit um 1700 stammen, außerdem ein mittelalterlicher Steinsarg, der einst außerhalb der Kirche gelegen habe, heißt es im Info-Blatt über die Michaeliskirche. Diese Gräber blieben bei den Restaurierungsarbeiten unberührt, nur die Steine stellte man an den Wänden im Kircheninnern auf.

Am linken Fuß des Steins ist ein Totenschädel eingemeißelt, das Symbol für den Tod schlechthin. Eine Schlange windet sich durch dessen leere Augenhöhlen. Rechts dagegen das Gegenteil: Eine Pflanze wächst empor und lässt den Betrachter unwillkürlich an das Leben denken. Die Michaeliskirche ist ursprünglich ein romanischer Bau, was man ihr von außen nicht mehr ansieht. Die ältesten Fundamente datieren aus dem Jahr 900. Nach mehreren Erweiterungen wurde die Kirche 1725 in barockem Stil umgebaut.

Eine Verteidigungsanlage bot dort, wo gerade die Gemeindemitglieder den Michaelispark angelegt haben, Schutz vor Feinden. Der um 1400 errichtete Kirchturm bildete dabei den Mittelpunkt. Als das Mädchen Catharina Maria Magdalena starb hatte er noch seine gotische Spitze. Ein Sturm im Jahr 1779 fegte diese hinunter. Danach erhielt der Turm seine barocke Haube, die er heute noch trägt. (tns)

In Original-Bemalung: Der Grabstein für die wohlgeratene Tochter steht in der Michaeliskirche in Hedemünden. Links unten grinst ein Totenkopf, rechts wächst eine Pflanze empor.
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