Meta Frank

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

In dem Buch "Schalom, meine Heimat - Lebenserinnerungen einer nordhessischen Jüdin" hat Meta Frank, geb. Königsthal die lange Geschichte ihrer jüdischen Familie in Bad Karlshafen und die Flucht nach Palästina im Jahre 1934 dargestellt. Die Hofgeismarer Ausgabe der HNA berichtete am 22.8.2007 von einer Lesung aus der Biografie der Karlshafenerin in der Aula der Hofgeismarer Albert Schweitzer – Schule.

In der Biografie von Meta Frank spielt die dramatische Wandlung der geliebten nordhessischen Heimat in das gefürchtete und todbringende Nazi-Deutschland eine wesentliche Rolle. Glücklichen Jahren in der Karlshafener Familie Königsthal folgten die menschenverachtende Politik in der Zeit des Nationalsozialismus und schließlich die Emigration nach Israel mit ihrem Ehemann, dem Arzt Kurt Frank. Auch ihren Eltern Gustav Königsthal (1880-1960) und Helene Königsthal, geb. Kessler (1894-1954) gelang die Flucht nach Palästina.

Bis zu ihrem Tode am 15.12.2004, so heißt es, hat für Meta Frank die Erinnerung an Bad Karlshafen nicht aufgehört.

Bereits zu ihren Lebzeiten wurde in Hofgeismar die Meta-Frank-Straße nach ihr benannt.

Geschichte

Mitte des 19. Jahrhunderts entstand in Helmarshausen eine Synagoge der kleinen jüdischen Gemeinde in einem Fachwerkhaus. Daneben bestanden an Einrichtungen in Helmarshausen eine Schule (zeitweise als Israelitische Elementarschule, dann als Religionsschule), ein rituelles Bad und ein Friedhof. Der jüdische Friedhof in Helmarshausen wurde um 1870 angelegt; auf dem Gelände befinden sich heute ca. 60 Gräber.

Der Synagogengemeinde angeschlossen waren auch die jüdischen Familien aus Karlshafen. Um 1924 war Emil Wertheim der Gemeindevorsteher der "Synagogengemeinde Helmarshausen - Karlshafen", zu der 15 jüdische Personen aus Helmarshause gehörten (1,2 % von insgesamt etwa 1.300 Einwohnern) hinzu kamen 16 jüdische Einwohner aus Karlshafen.

In den Erinnerungen von Meta Frank [1] aus Karlshafen heißt es zur Synagoge:

„ ... Die Synagoge „stand in Helmarshausen in einer schmalen Seitenstraße an einem stillen Platz. ... Sie war nur noch an den hohen Feiertagen geöffnet. Am Schabbat gab es dort schon lange keinen Gottesdienst mehr. Zu allen Festen kam ein Vorbeter von außerhalb, ich weiß noch seinen Namen, Isi Israel aus Beverungen. Er war kaum älter als wir jungen Leute, aber im Unterschied zu uns hatte er eine Talmud-Thora-Schule besucht. ... Das Innere der Synagoge habe ich noch genau vor Augen. Einige der Glasfenster waren bunt, an anderen hingen weiße Gardinen aus Stoff. Unten saßen nur die Männer. Sie trugen an Rosch-Ha-Schana und auch am Jom Kippur ihr weißes Totengewand, den Kittel. Uns als Kinder erschien das ausgesprochen seltsam, aber meine Mutter stand auf dem Standpunkt, so lange wir nicht erwachsen wären, hätte es keinen Zweck, uns den Sinn dieser Kleider zu erklären. Wenn wir ankamen, dann durften wir nur einmal zu den Männern gehen, um unserem Vater, unserem Onkel und auch den übrigen 'Frohes Fest' zu wünschen. Der Anblick der heiligen Lade mit dem Samtvorhang davor war für mich immer ein besonderes Ereignis. Wenn man sie öffnete und die Thorarolle herausnahm, um sie auf das breite, abgeschrägte Lesepult inmitten des Gottesdienstraumes zu legen, war ich immer wieder aufs neue beeindruckt. Ich verstand damals noch nicht, warum jede Thorarolle mit einem anderen Samtmantel eingehüllt war; aber die Gold- und Silberstickerei auf ihm ist mir im Gedächtnis geblieben. Derjenige, der die Rolle herausnehmen durfte, übergab sie einem anderen, der sie bis zur Bima, einem Podest in der Mitte des Raumes, tragen durfte. Dort legte er sie auf die schräge Platte und nahm den Thoramantel mit einer gewissen Feierlichkeit und sehr vorsichtig ab. Die nun entblößte Rolle war noch mit einer langen weißen Binde umwickelt, die ebenfalls sehr vorsichtig abgenommen und ordentlich aufgewickelt wurde. ... Die Frauen saßen oben auf der Empore allein für sich. Auch wir Kinder mußten dort sein. ...“

Literatur

  • Meta Frank, "Vergiß niemals, daß Du eine Jüdin bist!" - Erinnerungen an Karlshafen, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 1988, S. 97 ff.
  • Meta Frank, Schalom, meine Heimat. Lebenserinnerungen einer hessischen Jüdin 1914 - 1994, 3.Aufl., Hofgeismar 1997
  • Meta Frank, „Gut Purim, ihr lieben Leut'...“. Die Helmarshäuser Synagoge und ihre Feste, in: H. Burmeister/ M. Dorhs, Vertraut werden mit Fremdem - Zeugnisse jüdischer Kultur im Stadtmuseum Hofgeismar, Hofgeismar 2000
  • Meta Frank, "Kaddisch" - oder: Mein letztes Konzert, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 2001, S. 13
  • Michael Dohrs, Ein Leben zwischen zwei Welten: Zum Tode von Meta Frank (1914 - 2004), in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 2006, S. 61 ff.
  • Magda Thierling, Vergessene Geschichte. Jüdisches Leben in Helmarshausen und Karlshafen, Bad Karlshafen 2011 (Die Autorin hat nach umfangreichen Recherchen in öffentlichen und privaten Archiven eine 150 Seiten umfassende Schrift über die Geschichte jüdischer Familien der Synagogengemeinde Helmarshausen/Bad Karlshafen verfasst, die schon vor dem Beginn der NS-Gewaltherrschaft eine Jahrhunderte währende gesellschaftliche Ausgrenzung, oft Entrechtung und Schikanierung erfahren haben und hat dies durch Dokumente aus verschiedenen Epochen belegt. Die Häuser und ehemaligen Geschäfte der jüdischen Mitbürger werden auf Plänen und alten Fotos dokumentiert. Weiterhin beschäftigt sie sich ausführlich mit der Auslöschung der jüdischen Gemeinde im Weser-Diemel-Dreieck während der Zeit des Nationalsozialismus - beginnend mit Diskriminierung, endend in Verfolgung, Vertreibung und Ermordung ihrer Mitglieder. [2])
  • Klaus-Peter Lange, Die Straßennamen der Stadt Hofgeismar, Hofgeismar 2009

siehe auch

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. Meta Frank, Schalom, meine Heimat. Lebenserinnerungen einer hessischen Jüdin 1914 - 1994
  2. Informationen auf www.dtoday.de

Weblinks