Messinghof

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Der historische Messinghof liegt in Bettenhausen, einem Stadtteil von Kassel, an der Leipziger Strasse. Der Messinghof gilt als Wiege der Herkules-Statue. Der Messinghof als ehemals landgräfliche Gießerei hat eine besondere Bedeutung als frühes Zeugnis der Industriegeschichte. Es handelt sich um eine der ältesten in Deutschland noch erhaltenen Produktionsanlagen in Gestalt einer schlossähnlichen Anlage.

Geschichte

Der 1679 erbaute Messinghof ist er eine der ältesten Manufakturen Hessens. Das Hammerwerk mit Gießerei wurde im Jahr 1679 im Auftrag von Landgraf Karl südwestlich der Losse errichtet und ist das älteste Industriedenkmal der Region. Es ist aus einem Mühlenstandort, der Faustmühle, hervorgegangen.

Im Messinghof wurde Heeresausrüstung gefertigt. Der Augsburger Goldschmied Johann Jacob Anthoni vollendete hier aber auch im Jahr 1717 die Statue des Herkules für den Bergpark Wilhelmshöhe, die erste Großstatue in Leichtbauweise - ein Beweis für die Leistungsfähigkeit der hessischen Metallindustrie.

Nach der Annexion des Kurfürstentums Hessen durch Preußen im Jahre 1866 wurden 1869 die bis dahin staatlichen Mühlen an der Losse privatisiert. Den Messinghof und den Kupferhammer erwarb die Firma Lieberg & Co.; im 19. Jahrhundert war die Manufaktur insbesondere Zulieferbetrieb für die Maschinenbauindustrie und die Eisenbahn.

Nach 1933 wurde die jüdische Familie Lieberg von den Nationalsozialisten enteignet und der Messinghof ging an die Firma Imfeld & Co. über, wurde aber zunächst noch unter dem Namen Lieberg & Co. weitergeführt. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage teilweise zerstört.

Mit dem Unternehmenskonkurs der Hessischen Metallfabrik Imfeld & Co. im Jahre 1975 endete eine fast 300-jährige Geschichte der Metallverarbeitung im Messinghof.

Die Gießerei mit einer ca. 14 Meter hohen Esse, drei Schmelzöfen, das Torhaus und die Remise können noch besichtigt werden. Der ehemalige Hammerflügel wurde 1965 abgerissen, da der Dachstuhl ausgebrannt war.

In den 1980er-Jahren gab es hier ein alternatives Wohn- und Kulturprojekt. Hier war auch das Punk-Label "Iron Curtain Records" angesiedelt. Viele ehemalige Mitglieder sind bis heute als Musiker, Künstler oder in den Medien tätig.

Im Jahr 2012 wurde der Kasseler Autohändler Peter Glinicke zum Eigentümer des Messinghofes.

Im Januar 2016 wurde das Dach, samt Gauben des ehemaligen Gießereiflügels des hochrangigen Industriedenkmals erneuert. Weil für die historische Dachkonstruktion alte Bauteile wiederverwendet wurden, dauerten die aufwendigen Arbeiten länger als geplant. Von den vier Torbögen waren drei nachträglich zugemauert worden und mussten rekonstruiert werden. Zudem wurden etliche Steine ausgetauscht, da Löcher in der Nachkriegszeit provisorisch nur mit Backsteinen zugemauert worden waren. Die Außenarbeiten sollen Mitte November fertig gestellt werden. Daraufhin beginnt die Restauration des Inneren. Vor allem das barocke Treppenhaus soll erhalten und saniert werden. Aus eigener Tasche hatte Glinicke bereits 1,4 Millionen Euro in das Baudenkmal investiert. Damit wurden bis Mitte 2013 bereits das Torhaus, das Kutscherhaus und die historische Hofanlage komplett wiederhergestellt. Insgesamt fünf Millionen Euro wird die Sanierung am Ende gekostet haben, für die der Unternehmer von Land und Bund unterstützt wird. Bis Juni 2017 sollen alle Arbeiten abgeschlossen werden. Ein Laser von dem Gießereiflügel hoch zum Herkules ist geplant, so soll die Verbindung zwischen der Herkulesfigur und seiner Wiege deutlich gemacht werden. Ebenfalls soll der Messinghof für die Öffentlichkeit geöffnet werden. [1]

Bürger für das Welterbe

Der Kasseler Verein Bürger für das Welterbe e. V. hat sich die Erhaltung des ehemaligen Industriedenkmals zum Ziel gesetzt.

siehe auch

Weblinks

  • Artikel aus HNA.de vom 2. Januar 2016: Glinicke lässt weiter an der Sanierung des Messinghofes arbeiten