Max Mayr

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Engagiert für seine Überzeugungen: Max Mayr, im Jahr 1944, gezeichnet von einem sowjetischen Mithäftling. Repro: HNA
Geboren wurde Max Mayr 1896 in Schwaben, doch politisch und gesellschaftlich tätig war er überwiegend in Kassel und Nordhessen. 1910 kam er mit seinen Eltern nach Kassel und begann eine Lehre bei der Firma Henschel, bei der er bis zu seiner Verhaftung 1936 tätig war.

Mayr fühlte sich als überzeugter Linker und gehörte zum Kreis um den Göttinger Philosophen Leonard Nelson, der im "internationalen sozialistischen Kampfbund" eine entschiedene Form des Sozialismus vertrat.

Unter den Anhängern Nelsons waren auch Nora Platiel und Erich Lewinski aus Kassel. 1933 flohen beide nach Frankreich, nach ihrer Rückkehr wurde Nora Platiel Landtagsabgeordnete, Erich Lewinski, Präsident des Landgerichts in Kassel.

Mayr warnte früh vor den Nazis und nach deren Machtübernahme beteiligte er sich an Protestaktionen, die unter schwerer Strafe standen. 1936 wurde er verhaftet, und in das Zuchthaus Wehlheiden eingeliefert. Nach Verbüßung einer zweijährigen Gefängnisstrafe kam er in das Konzentrationslager Buchenwald.

Da er über eine klare Handschrift verfügte, ließen die Nazis ihn das Lagerbuch führen. Die SS-Bewacher überschauten bei über 80000 Häftlingen nicht mehr, wen sie in Buchenwald unter unmenschlichen Bedingungen eingesperrt hatten. Der Ruf "Mayr ans Tor" half ihnen bei den morgendlichen Apellen und unter diesem Titel hat Mayr später seine Erinnerungen an das Lager verfasst.

Seine Übersicht über das Lager ermöglichte es Mayr, Fluchten aus dem KZ zu verbergen. So hat er vielen Menschen das Leben gerettet und ist nach dem Krieg in vielen West- und Osteuropäischen Ländern dafür ausgezeichnet worden.

Obwohl auch im anderen deutschen Staat hoch geehrt, weigerte er sich in seinen letzten Lebensjahren, zu offiziellen Feiern nach Buchenwald zu fahren. Die Geschichtsklitterung, die die Machthaber in der damaligen DDR mit der so genannten "Selbstbefreiung" durch kommunistische Häftlinge betrieben, empörte ihn.

"Befreit wurde das Lager erst, als die ersten amerikanischen Panzer vor den Lagertoren auftauchten", so Max Mayr.

Nach der Befreiung aus dem Lager trat Max Mayr in die Dienste des Landes und auch nach seiner Pensionierung widmete er einen großen Teil seiner Zeit der Aufgabe, in Schulen Vorträge über die Herrschaft der Nazis und deren Lagersystem zu halten. Zugleich war Max Mayr Vorsitzender der "Vereinigung verfolgter Sozialdemokraten". 1985 starb der Mann, der sich Zeit seines Lebens als überzeugungsstarker und seinen Ideen fest verbundener Mensch gezeigt hatte. Nahe seines letzten Wohnsitzes, der Häßler Siedlung in Kassel Rothenditmold ist ein Platz zu seinen Ehren benannt.


Quelle

  • HNA vom 29.11.2008, Autor: Klaus Becker