Matthäuskirche

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Matthäuskirche (Foto: Böhm)

Die Matthäuskirche in Niederzwehren (Kassel) ist ein evangelisches Gotteshaus.
Ihren Namen hat die Kirche seit dem ersten Adventssonntag 1956, benannt nach Matthäus , einem der vier Evangelisten.
Erbaut an der Stelle, an der zuvor zwei weitere Kirchen standen, deren Grundrisse noch durch Metallleisten im Boden der Matthäuskirche erkennbar sind.
In der heutigen Form besteht der Gesamtkomplex aus einem Wehrturm, dem Langhaus und einer Wehrmauer.




Kirchhaus im Wandel der Zeit

Zeichnung der Matthäuskirche von Friedrich Grede (1990)

Die Kirche in Niederzwehren (Kassel) wurde 1414 bis 1458 mit ihrem Wehrturm (Fertigstellung 1472) erbaut. Durch jüngste Ausgrabungen in der ab 1956 benannten Matthäuskirche fand man jedoch Überreste, die auf eine frühere Kapelle bzw. Vorgängerkirche aus dem Jahr 1235 schließen lassen. Mit Bestimmtheit lässt sich ausschließen, dass Bonifatius die Kirche in Niederzwehren gründete; denn er weihte alle Kirchen dem Apostel Petrus. So erscheint als Patronin der "Matthäuskirche" im ersten Drittel des 15. Jahrhunderts St. Agatha. Ein Steinaltar aus dieser Zeit befindet sich heute auf dem Kirchhof.

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erfolgte ein Neubau des in den Kriegen wiederholt beschädigten Gotteshauses unter dem hessischen Landgrafen "Ludwig dem Friedfertigen". Von diesem spätgotischen Bau blieb bis heute jedoch nur der Wehrturm erhalten. Der Turmhelm, mit 15,40 Metern Höhe, ist jedoch am 10.Januar 1552 durch einen Blitzschlag abgebrannt.

Nachdem 1788 in der alten baufälligen Kirche ein Teil der Bühne eingestürzt war, riss man den Rest völlig ab und errichtete, unter Berücksichtigung der alten Fundamente, 1789 ein neues Gotteshaus, welches in seiner Form bis 1913 bestand.

Im Jahr 1915 wurde die Kirche dann abermals grundlegend umgebaut und zu einer Garnisionskirche erweitert. Der Taufstein aus dieser Zeit befindet sich noch heute im Turmraum der Kirche. 1915 war der Turmraum allerdings noch geschlossen. Der Altar mit Taufstein und einem Gipsrelief mit dem Schriftzug "Kommt her ihr Mühseeligen und Beladenen" aus dem Matthäus-Evangelium befand sich vor dem Turmraum und war, wie es für viele Kirchen typisch ist, nach Osten ausgerichtet. Nach dem Ausbau der Kirche war nun Platz für 1000 Menschen. So wuchs auch die Gemeinde bis auf 10000 Mitglieder heran.

Niederzwehren, Frankfurter Straße mit dem Turm der Matthäuskirche aus dem Jahr 19 ??.
Zeichnung von "ERLiCH" aus dem Jahr 1987.

Zwar gab es bereits im Jahr 1956 Bestrebungen mehr Platz für Gemeinderäume zu schaffen, doch zuvor wurde die alte Kirche noch einmal renoviert und trägt seitdem den Namen "Matthäuskirche". Im selben Jahr wurde dann auch der (1552 abgebrannte) Turmhelm neu errichtet. Seine Höhe beträgt seither allerdings nur noch 14,40 Meter.

Im Jahr 1984 kam es dann zu einem weiteren Umbau, der die Kirche von Grund auf veränderte. Der Anbau von 1913 an der Südseite des alten Kirchenschiffs der Matthäuskirche sowie mehrere spätere im Kircheninneren vorgenommenen Veränderungen wurden beseitigt. Grundlage dazu gab ein aus einem Wettbewerb ausgewählter Vorschlag des Kasseler Architekten Haeseler. So wurde die Matthäuskirche wieder auf ihre Größe aus dem Jahr 1789 verkleinert. Seither bietet der von einer dreiseitigen Empore eingefasste Kirchraum Platz für 168 Besucher. Unter dem alten Wehrturm entstand ein Meditationszimmer für 20 Personen. Ebenso wurde an die Kirche ein Gemeindesaal in Flachdachbauweise angegliedert.

Zuletzt wurde die Matthäuskirche 2003 grundlegend renoviert und der Gottesdienstraum, in dem sich der Altar an der Nordseite befindet, neugestaltet.

Wehrturm

Der Wehrturm (Foto: Böhm)

Bei dem Wehrturm der Matthäuskirche handelt es sich um einen spätgotischen Bau aus dem Jahre 1472. Ursprünglich diente das Erdgeschoss des Turms sakralen Zwecken(Ostchorkirchturm), wurde jedoch zunächst zum Treppenhaus, später dann zum Altarraum umfunktioniert. 1967 gefährdeten herunterfallende Schieferplatten Passanten und machten eine Reparatur des Wehrturms unumgänglich. Mit 55 000 Mark wurde der älteste Bestandteil der Matthäuskirche ein weiteres Mal in Stand gesetzt. Heute gehört der Turm zu den bedeutendsten kirchlichen Wehrbauten Hessens.

Kirchenglocken

Die 11-Zentner Glocke aus dem Jahre 1573 bildet das Urgestein der vier Kirchturmglocken. Eine weitere Glocke aus Eisen wurde nach dem zweiten Weltkieg aus dem Nordturm der Martinskirche entfernt und dem Wehrturm der Matthäuskirche hinzugefügt.
"Den in Kriegszeiten Gefallenen und Vermißten - den in der Heimat und in der Ferne Geopferten zum Gedächtnis."
Sind die Worte die in die 20-Zentner schwere Gedächtnisglocke eingraviert sind. Da in den Tagen der Nachkriegszeit der Besitz einer Bronzeglocke fragwürdig schien, handelt es sich sowohl bei der Gedächtnisglocke als auch der Gebetsglocke (13 - Zentner) um Stahlglocken. Beide vervollständigen seit 1951 das Geleut des Wehrturms, welches auf das "Große Tedeum" gestimmt ist.

Noeske-Orgel

Die Noeske-Orgel (Foto: Böhm)

Bereits 1984 wurde eine neue Orgel für die Matthäuskirche bestellt, welche von der Kirchgemeinde aber erst im Mai 1987 eingeweiht werden konnte.

Das monumentale Instrument trägt den Namen ihres Erbauers, Dieter Noeske, und befindet sich im ersten Stockwerk des Gottesdienstraumes.

Die "Noeske-Orgel" verfügt über 24 Register und 1600 Pfeifen aus Holz oder Metall, die zwischen 4,50 Meter und acht Millimeter lang sind. Außerdem sorgen drei Blasebälge für einen gleichmäßigen Luftdruck.

Anfangs sollte die Orgel ein Gehäuse aus Fichtenholz bekommen, doch nun ziert massive Eiche mit kunstvollen, handgefertigten Prospekt-Schnitzereien (Schleierwerk) des Orgelbauers Peter Kozeluh das Instrument.

Evangelischer Kindergarten der Matthäuskirche

Niederzwehren, Am Grunnelbach mit der Matthäuskirche im Jahr 19??.
Zeichnung von "ERLiCH" aus dem Jahr 1987.

Am 23. Februar 1909 übernahm die evangelische Frauenhilfe der Gemeinde die Trägerschaft der Kleinkinderschule, aber es fehlten noch die geeigneten Räumlichkeiten. Nach langem Bemühen fand sie einen passenden Raum in der Karlstrasse und konnte mit dem Gastwirt Konrad Siebert einen Mietvertrag abschließen. Ein großer Saal wurde durch Spenden in eine Kleinkinderschule umgebaut.

Am 26. Juli 1909 wurde die Kleinkinderschule eröffnet und die Schulschwester Karoline Löffler bekam schon am ersten Tag 75 Kinder im Alter 3 bis 5 Jahren anvertraut.

1920, in der Inflationszeit musste die Kleinkinderschule ein ¼ Jahr geschlossen werden, weil es unmöglich war, Kohlen zu bekommen. 1930/31 wurde in der Amtszeit von Herr Metropolitan Ritter das Haus Am Fronhof 3 als Kindergarten eingerichtet.

Kindergarten- und Hortkinder berufstätiger Mütter evakuierte man nach dem großen Bombenangriff auf Kassel im Oktober 1943 nach Steinatal.

Im April 1945, nach Beendigung des 2. Weltkrieges, machte sich die Jugendleiterin Irma Saur mit einigen Kinderpflegerinnen an die Aufbauarbeit. Ende Mai wurden die ersten 10 Gemeindekinder betreut.

Erst seit 1955 standen wieder alle Räume im Haus zur Verfügung. 1962 wurde das Haus umgebaut. Heute hat die Kindertagesstätte 140 Plätze. Es gibt 5 Kindergartengruppen vom vollendeten 3. Lebensjahr bis zum Schuleintritt, Hort bis zum vollendeten 10. Lebensjahr, musikalische Früherziehung und Schulkindförderung.

"Am Frohnhof 1" und Dorothea Viehmann-Gedenkstein

Am Fronhof 1 (Foto: Böhm)


"Am Fronhof 1"

Auch das Fachwerkhaus "Am Fronhof 1" ist ein Stück Alt-Zwehren und gehört, wie auch die Matthäuskirche mit Wehrturm, Kirchhof und Wehrmauer zum Kirchberg dazu. Errichtet wurde das unter Denkmalschutz stehende Fachwerkhaus im Jahr 1836. Bis 1974 befand sich der Bau unter städtischem Besitz und diente als Bezirksstelle sowie als Polizeirevier.

Anschließend stand das Haus von 1974 bis 1987 leer. Doch bereits 1978 hatte die Kirche das alte Fachwerkhaus in die Planung des gesamten Gemeindezentrums der Matthäuskirche miteinbezogen, um den Kirchhügel am Fronhof zu einer Einheit abzurunden sowie weitere Räume für die Kinder- und Jugendarbeit zu schaffen. Die kirchlichen Pläne wurden zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht verwirklicht.
Gedenkstein (Foto: Böhm)


Im April 1986 nahm sich die Kirche dem Projekt schließlich doch an. "Am Fronhof 1" wurde vollständig restauriert und ausgebaut. Heute befindet sich der Hort der evangelischen Kirchgemeinde in dem einstigen Polizeirevier.

Dorothea Viehmann Gedenkstein

Ebenfalls am Fronhof zu finden, ist ein Gedenkstein für Dorothea Viehmann geb. Pierson, die in Niederzwehren lebte. Einige Märchen der Brüder Grimm stammen aus Erzählungen der Viehmännin. Zwar wurde die Märchenfrau einst auf dem alten Kirchfriedhof begraben, doch wo sich das Grab heute befindet, ist nicht bekannt.

Pfarrerliste

Die folgende Liste umfasst im Zeitraum eines dreiviertel Jahrtausends folgende 51 Priester/Pfarrer mit ihrer Zwehrener Dienstzeit:

1235 bis mindestens 1244: Conrad ; 1279: Pleban von Tweren ; 1283: Albertus, plebanus in Tweren ; 1283 bis 1284: Gerhardus de Tweren clericus ; 1293 bis 1296: Heinricus plebanus in Tuern/Tvern ; 1324 bis 1333: Sifridus, plebanus in Tuern ; 1351 bis 1357: Siegfried Henricus (Priester Sifrid von Twern); 1361 bis 1363: Conrad Wilmer ; 1422: Tilemann von Twern, Priester der Mainzer Diözese ; bis 1527: Johann Heß, pferner zu Twern ;


Evangelische Pfarrer:

1528 bis 1536: Johann Bender, genannt Johann von Grüneberg ; 1538 bis 1546: Johann Hesse ; 1546 bis 1554: Johannes Knust ; 1553 bis 1555: Georg Hachenbold ; 1555 bis 1569: Johannes Heller ; 1570 bis 1589: / ; 1589 bis 1598: Johann Streicher ; 1598 bis 1607: Nikolaus Jakobi ; 1607: Johannes Strack jun. ; 1608 bis 1610: Johannes Bröske ; 1610: Valentin Scheffer ; 1611 bis 1620: Magnus Gudenus ; 1620 bis ?: Hermann Koch ; 1629 bis 1646: Heinrich Schlierbach ; 1646 bis 1657: Paul Gudenus ; 1658 bis 1687: Johann Heinrich Stoeckenius ; 1689: Franz David Prescher ; 1690 bis 1706: Joducus Peter Stephani ; 1706 bis 1708: Johann Balthasar Kuchenbecker ; 1709 bis 1712: Karl Theodor Faucher ; 1725 bis 1734: Johann Conrad Kessler ; 1734: Johann Georg Bodenhausen ; 1734 bis 1747: Johann Heinrich Grau ; 1747 bis 1751: Jakob Maximilian Stirn ; 1751 bis 1759: Johann Wilhelm Sundheim ; 1759: Christian Geldmacher ; 1761 bis 1787: Johann Caspar Reusse ; 1787 bis 1806: Johann Georg Kohlhausen ; 1806 bis 1849: Karl Friedrich Hünersdorf ; 1849: Ludwig Werner ; 1849 bis 1868: Friedrich Theodor Waldschmidt ; 1868 bis 1870: Karl Ferdinand Collmann ; 1870 bis 1874: Karl August Adam ; 1874 bis 1880: Julius Emanuel Schafft ; 1880 bis 1892: Bernhard Beß ; 1892 bis 1904: Samuel Conrad ; 1904 bis 1923: Gottfried Ritter ; 1923 bis 1937: Heinrich Vial ; 1937 bis 1967: Gustav Gerlach ; 1967 bis 1976: Christian Hilmes ; 1977 bis - : Albert Imhof ; 1980 bis - : Heinrich von Both

Weblinks

Quellenverzeichnis

HNA-Archiv; Hessische Allgemeine "Für Uns" - Artikel 1979 bis 1985

Kirchenchronik der Matthäuskirche

Usbeck, Chronik von Niederzwehren

Kirchenvorstand der Matthäuskirche, Matthäuskirche zu Kassel-Niederzwehren, Festschrift zur Einweihung der umgebauten Kirche 1985

Kirchenarchiv der Matthäuskirche