Martinsplatz

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Der Platz vor der Martinskirche, begrenzt im Süden von der Hedwig Straße und im Osten von der Mittelgasse sowie im Norden von der Kurt-Schumacher-Straße, die im Osten dann in den Altmarkt einmündet; die geradlinige "Verlängerung" führt über die Fuldabrücke in die Leipziger Straße und zum Platz der Deutschen Einheit, auch Großer Kreisel genannt; um dann nach Bettenhausen zu führen.

Geschichte

Blick über den Martinsplatz nach Osten auf die Einmündung der Marktgasse (Bildmitte), nach 1900; links im Bild das Denkmal für Landgraf Philipp den Großmütigen (enthüllt 1899)

Die Ansicht (rechts) zeigt den Martinsplatz nach dem Abbruch des Tuchhauses 1833/34. Die Nutzung als Tuchhaus war nicht mehr zeitgemäß, der Weinkeller mit dem Fall des städtischen Schankmonopols 1830 geschlossen worden, und vor allem wollte man die Martinskirche freistellen. Denn jene Zeit besaß kein Verständnis mehr für die Feinfühligkeit mittelalterlicher Stadtplanung: So hatte das Tuchhaus, das genau die Nordfront der Marktgasse fortsetzte, nicht nur eine geschickte Überleitung zwischen Gasse, Marktplatz und Kirchhof gebildet; das niedrigere Gebäude steigerte auch die Wirkung der dahinter aufragenden Martinskirche und verdeckte sie teilweise – ihre ganze Größe erschloss sich dem überraschten Besucher erst beim Betreten des Kirchenraums.

Der Platz hieß im Mittelalter Rossmarkt, später Ledermarkt. Nach Abbruch des Tuchhauses und Planierung des früheren Kirchhofs erhielt die Gesamtfläche ihren heutigen Namen. Der Kirchhof hatte zunächst tatsächlich als Begräbnisstätte gedient, bis die innerstädtischen Friedhöfe nach der Reformation aufgelöst wurden; 1533 eröffnete man einen neuen Begräbnisplatz für Altstadt und Freiheit, auf dem heutigen Lutherplatz.

Die Marktgasse verband die Marktplätze der Freiheit und der Altstadt miteinander. Bis 1943 war sie neben der Obersten Gasse eine der Hauptgeschäftsstraßen der Freiheit. Als Verkehrsverbindung war sie indessen schon im späten 19. Jh. unzureichend geworden: In den oberen Abschnitten rund 8m breit, maß sie unweit des Altmarkts sogar nur ca. 5-6m. Die Straßenbahn fuhr deshalb nur eingleisig in die Marktgasse und nahm dann einen großen Umweg durch Graben, Schlossplatz und Brüderstraße.

Namensgeber

Namenssgeber des Martinsplatzes ist Martin von Tours (316-397), Bischof von Tours und Heiliger der katholischen Kirche.

Säulenportal am Martinsplatz

Bedeutende Wissenschaftler gingen im 19. Jh. durch das Säulenportal am Martinsplatz: die Chemiker Wöhler und Bunsen, der Naturforscher Philippi, außerdem die Architekten Ungewitter und Schäfer. Auf den Podesten des gewölbten Treppenhauses führten Bunsens Schüler chemische Experimente durch; und während der napoleonischen Fremdherrschaft waren hessische Widerstandskämpfer über die Stufen zu ihrer Gerichtsverhandlung hinaufgeführt worden.

Bauherr des Hauses war um 1600 der landgräfliche Pfennigmeister Conrad Heinrich Henkel. 1666 erwarb es der Rentkammerpräsident Johann Caspar von Dörnberg, und dessen gleichnamiger Enkel (1689-1734) scheint um 1711 einen durchgreifenden Umbau veranlasst zu haben; diesem entstammen fast alle Fensteröffnungen, das Portal und das Treppenhaus.

1767 erwarb der Staat das Anwesen, zu dem noch drei vermietete Hinterhäuser gehörten; fortan diente es als Gouvernement, also als Sitz des Kasseler Stadtkommandanten. 1832 wurde hier die Höhere Gewerbeschule eröffnet, mit naturwissenschaftlichen und technischen Fächern, Handelskunde, Buchhaltung, Sprachen, Zeichnen und Drehkunst sowie Bauwesen/Architektur. Die Anstalt litt allerdings schon frühzeitig unter Raumnot; so war auch die Nutzung des Treppenhauses durch Bunsens Schüler nur eine Notlösung. Und Bunsen selbst richtete sich unter freiem Himmel ein Labor auf dem Altan des Treppenhauses ein.

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen 1866 wurde die Anstalt zur Gewerbeschule herabgestuft; 1873 bezog sie noch einen Neubau in der Kölnischen Straße 22 und wurde 1880 um einen Handelszweig erweitert, 1888 aber endgültig geschlossen.

Das Haus am Martinsplatz gelangte 1883 in Privatbesitz, das Erdgeschoss wurde nun für Ladennutzungen umgebaut. Beim Großangriff 1943 brannte das Gebäude aus, die Außenmauern wurden in der Folgezeit weitgehend abgebrochen. Erhalten blieben die Kellergewölbe, das Erdgeschoss mit Portal und Tordurchfahrt sowie das barocke Treppenhaus bis zum 1. Obergeschoss.

siehe auch

Verlorene Stadt

Ausstellung: Verlorene Stadt

Rundgang 3: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 1: Karl Bernhardi Straße | Station 2: Dock 4 auf der Seite Oberste Gasse | Station 3: Porzellanhaus Hornschu in der Obersten Gasse 5 - Teil 1 | Station 4: Porzellanhaus Hornschu in der Obersten Gasse 5 - Teil 2 | Station 5: Fingerz Kleidung & Accessoires Entenanger 2 | Station 6: Jugendbücherei Oberste Gasse 24 - Teil 1 | Station 7: Jugendbücherei Oberste Gasse 24 - Teil 2 | Station 8: Hochzeitsatelier Oberste Gasse 30 | Station 9: Druselplatz 3 | Station 10: Reformhaus Kräuterhilde Martinsplatz 1
Rundgang 4: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 1: Martinsplatz | Station 2: Martinsplatz nach dem Abbruch des Tuchhauses | Station 3: Das Säulenportal am Martinsplatz | Station 4: Mittelgasse | Station 5: Das Grimmsche Märchenhaus | Station 6: Barockhaus von Oberst Georg du Mont | Station 7: Der Freiheiter Durchbruch | Station 8: Laubengänge am Freiheiter Durchbruch | Station 9: Kassels erste Fußgängerzone | Station 10: Der untere Abschnitt der Marktgasse