Martin Ernst von Schlieffen

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Martin Ernst von Schlieffen (* 30. Oktober 1732 in Pudenzig (Pommern) † 15. Februar 1825 auf Gut Windhausen bei Heiligenrode) war ein deutscher General, Politiker, Schriftsteller und Gartenarchitekt.

Leben und Wirken

Der militärisch-politische Werdegang des Martin Ernst von Schlieffen

Im Jahre 1745, schon mit 13 Jahren, beginnt die militärische Laufbahn des jungen von Schlieffen in preußischen Diensten als „Gefreiterkorporal“ im Garnisonregiment von Bredow. 1751 wird er Fähnrich, muss aber 1756 wegen Krankheit das preußische Militär verlassen. Auch als 1756 der siebenjährige Krieg beginnt, wird er nicht wieder im preußischen Militär eingestellt. So wechselt er 1757 in die Dienste des Landgrafen von Hessen über und tritt als Fähnrich wieder ins Militär ein.1757 wird er zum Leutnant befördert und nimmt dann als Adjutant beim Herzog Ferdinand von Braunschweig, der in britischem Dienst Preußen unterstützte, bis 1762 am siebenjährigen Krieg teil (Gefechte in Witzenhausen, Belagerung des von Franzosen besetzten Kassels). In dieser Zeit wird er befördert: im Mai 1758 zum Kapitän, im Oktober 1759 zum Major, im März 1760 zum Major in der Garde im Rang des Oberstlieutenant in der Armee, im November 1760 Kommandant der Garde und Generaladjutant des Landgrafen, im Juni 1762 Oberst und Kommandeur der Garde du Corps, Juni 1763 Generalmajor und 1. Generaladjutant des Landgrafen.

Nach Beendigung des siebenjährigen Krieges, während dem er eigenen Angaben zufolge seine erste Äffin geschenkt bekommt, also im Jahre 1763, nach manchen Angaben aber auch erst 1767, kauft von Schlieffen das Gut Windhausen zusammen mit dem Vorwerk Sensenstein und baut es danach in etwa 25 Jahren aus. 1773 gibt er den Hof Sensenstein wieder an Landgraf Friedrich II. zurück.

Im Oktober 1772 wird er Hessischer Staatsminister (für Äußeres und Kultur) und Generallieutenant. Damit wechselt er aus dem militärischen in den politischen Dienst. Er ist in dieser Funktion einer der einflussreichsten und wichtigsten Berater der hessischen Landgrafen Friedrich II. und begleitet diesen auf diversen Reisen. Im hessischen Dienst erhält er auch zwei Orden, 1769 den hessischen Orden „Pour la vertu militaire“ und 1773 den hessischen Orden „Vom goldenen Löwen“.1) Im Januar 1776 geht er als Gesandter des Hessischen Landgrafen nach London und unterzeichnet dort den Subsidienvertrag, der den Verkauf hessischer Soldaten an England für den Krieg in Nordamerika organisiert. Schon im März werden die ersten der insgesamt 12.500 Soldaten aus Hessen-Kassel in Bremerlehe eingeschifft. Gerne hätte von Schlieffen die Soldaten nach Amerika begleitet, aber sein Landgraf hält ihn in Kassel zurück. Über 10 Millionen Taler erhält der Landgraf für die Vermietung seiner Landeskinder und fremder Söldner, die letzten kehren erst 1784 zurück.2) Von Schlieffen muss ein guter Unterhändler gewesen sein, denn der Herzog von Braunschweig bekam für seine nach England vermieteten Soldaten nur die Hälfte der Bezahlung, die der hessische Landgraf erhielt. Kein Wunder, dass Schlieffen diesen Subsidienvertrag für den vorteilhaftesten Vertrag in der Geschichte Hessens hält. Zum Dank für seine Dienste erhält Schlieffen eine englische Pension. (bis wann? Wie hoch?)

In dieser Zeit (seit wann?) ist von Schlieffen auch Direktor des 1709 gegründeten Collegium Carolinum in Kassel, das um 1767 nach dem Vorbild einer Universität umgestaltet worden war und 1787 von Landgraf Wilhelm IX. geschlossen wurde. Im März 1786 verlässt von Schlieffen den Dienst beim Landgrafen von Hessen-Kassel, möglicherweise, weil Wilhelm IX. Schlieffens Gehalt von 6000 auf 4500 Taler pro Jahr kürzte.

1787 arbeitet von Schlieffen im diplomatischen Dienst für Preußen. Im Streit zwischen dem Landgrafen Wilhelm IX. und Fürstin Caroline von Schaumburg-Lippe, einer Cousine des Landgrafen, ist er am Zustandekommen des sog. Schaumburger Vergleichs 3) beteiligt, der zu Ungunsten Hessens ausgeht. In diesem Streit um Schaumburg ist Schlieffen also gegen den Landgrafen von Hessen tätig, in dessen Diensten er noch im Jahr vorher stand.

Im April 1789 wechselt von Schlieffen wieder von der Politik zurück ins Militär und tritt in preußische Dienste ein als Generallieutenant von der Armee und Gouverneur der Festung Wesel mit einem Jahresgehalt von 4000 Talern. Noch im Jahre 1789 wird er in diplomatischer Mission nach Holland und England geschickt, um angesichts der ernsten Lage in Frankreich (Beginn der Französischen Revolution) die Verteidigung Hollands und die Unruhen in Brabant zu besprechen. Man vereinbart ein britisch-preußisches Hilfsbündnis für Holland für den Fall eines französischen Einmarschs. Ende 1789 geht er auf Befehl des preußischen Königs nach Belgien und marschiert als Oberbefehlshaber der preußischen Truppen im Bistum Lüttich ein, wobei er einen schweren Reitunfall erlitt. In diesem Jahr soll er auch den Preußischen Adlerorden verliehen bekommen haben.1)

Im April 1790 kehrt er mit den Truppen wieder ins Clevische zurück. 1791 fährt er mit diplomatischen Aufträgen nach Kassel. Ein Angebot, die Statthalterschaft der belgischen Provinzen zu ü-bernehmen, nimmt er aus Rücksicht auf Preußen, das sich gerade um eine Aussöhnung mit Österreich bemühte, nicht an. Im April 1791 wird er Chef des Füsilierregiments Eichmann Nr. 48 in Wesel und erhält eine Zulage von 2000 Talern. Dieses Regiment führte 1756/57 der Erbprinz von Hessen, der spätere Landgraf Friedrich II.. Im selben Jahr wird von Schlieffen auch Mitglied der preußischen Königlichen Akademie der Wissenschaften in Berlin.1792 gründet er in Wesel eine „Gesellschaft von Verehren der Kriegskunst“, die sich um die Allgemeinbildung der Offiziere und Offiziersanwärter kümmerte, daraufhin wird er auch Mitglied in der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin.

Im April 1792 reicht Schlieffen wegen Krankheit und vor allem wohl wegen Unstimmigkeiten mit dem preußischen König seinen Rücktritt aus dem Dienst ein. Schlieffen hatte wiederholt um die Führung eines Regiments im Felde gebeten, was ihm aber nicht gewährt wurde.

Am 4.7.1792 scheidet er kurz vor dem 60. Geburtstag aus dem Dienst aus. Seiner Bitte, die Uniform seines Regiments weiter tragen zu dürfen, wurde stattgegeben. Wiederholt wies er den preußischen König auf die Problematik des Feldzugs gegen Frankreich hin, so dass er von französischer Seite angeblich den Marschallstab angeboten bekam, den er aber aus Vaterlandsliebe ablehn-te. Bis 1808 setzt sich von Schlieffen nun auf seinem Gut in Windhausen zur Ruhe, nahm aber regen Anteil an den politischen und militärischen Ereignissen. So bot er dem preußischen König 1794 erneut und wieder vergeblich seine militärischen Dienste an, da er unter den Mängeln der Kriegführung im Kampf gegen Frankreich litt. Etwas kurios wirkt es heute, wenn Schlieffen 1797 beim preußischen König anfragt, ob er nach Veränderung der preußischen Uniformen seine bisher getragene Uniform beibehalten dürfe oder die neue tragen solle, wobei der preußische König ihm die Entscheidung frei stellt.

Als Napoleon 1807 das Königreich Westphalen mit der Hauptstadt Kassel schuf, wurde dem inzwischen 75jährigen Schlieffen eine hohe Stellung bei Hofe angeboten, die er aber ablehnte. Nicht ablehnen konnte er die Mitgliedschaft in den Reichsständen des neuen Königreichs.4) So erschien er in seiner preußischen Uniform als Vertreter der Grundeigentümer des Fuldadepartements, dessen ältestes Mitglied er war. Während der Sitzungen der westfälischen Reichsstände wohnte von Schlieffen in Kassel am Königsplatz. 1813 bekommt von Schlieffen den Titel „Großkommandeur des Ordens der westphälischen Krone“.5)

Nach der Wiederherstellung des Kurfürstentums Hessen 1813 war Schlieffen beim Kurfürsten in Ungnade gefallen, weil er angeblich König Jérôme seine militärischen Dienste im Kampf gegen die Kosaken Czernitschews zur Verfügung gestellt hatte. Daraufhin entzog ihm der Kurfürst die Gunst und sein jährliches Gehalt von 1000 Talern. (Seit wann hatte er dieses Gehalt?)

Am 15.9.1825 starb von Schlieffen im Alter von 92 Jahren auf seinem Gut Windhausen. ___________________________________________________________________________

1) Die Angaben über die Ordensverleihungen unterscheiden sich bei Süßmann und Lengemann erheblich: nach Süßmann wird Schlieffen 1773 der hessische Löwenorden verliehen, nach Lengemann erfolgt die Verleihung des Kurhessischen Löwenordens erst 1813. Der Hessische „Hausorden vom goldenen Löwen“ wurde 1770 durch Landgraf Friedrich II. gestiftet, Patronin des Ordens war die Heilige Elisabeth, Vorfahrin der hessischen Kurfürsten, verliehen wurde er für besondere Dienste. Auch für den Preußischen Schwarzen Adler Orden bestehen bei beiden Autoren unterschiedliche Angaben: nach Süßmann erhielt Schlieffen diesen höchsten preußischen Orden im Mai 1789, nach den Angaben Lengemanns auch erst 1813. Für die Angabe von Lengemann spricht, dass von Schlieffen auch 1813 in den erblichen Adelsstand (Baron) erhoben wurde, was eine Voraussetzung für die Verleihung des Schwarzen Adlerordens war. Andererseits gibt es ein Tischbein-Gemälde von 1805 von ihm, in dem er, den Schwarzen Adler Orden auf der Brust, den 1792 von einem Franzosen auf einem Kissen dargebotenen Marschallsstab mit der einen Hand zurückweist und mit der anderen auf seine an einem Baum hängende Uniform zeigt, was für die frühere Ordensverleihung gemäß Süßmann spricht. In den verschiedenen Aufstellungen, wer Träger dieses Ordens gewesen ist, taucht Martin Ernst von Schlieffen allerdings nicht auf, sondern nur der General-feldmarschall Alfred von Schlieffen vom Ersten Weltkrieg (Schlieffen-Plan).

2) Die Angaben über das Ausmaß der hessischen Truppenvermietung schwanken zwischen 12.000 und 17.000 Soldaten, ebenso sind die Angaben über die daraus resultierenden Einnahmen des hessischen Landgrafen unterschiedlich: von ca. 10 Mill. Taler bis über 21 Mill. Taler.

3) Das Schaumburger Grafengeschlecht starb 1640 aus. Nun meldete das Bistum Paderborn Ansprüche auf die Burg an. Der Prozess zwischen Lippe und Paderborn und später mit der Landgrafschaft Hessen endete 1788 in einem Vergleich zugunsten Lippes. Nach dem Tod des Grafen Philipp Ernst von Schaumburg-Lippe 1787 besetzte Landgraf Wilhelm IX. von Hessen-Kassel das Land, um hessische Ansprüche an Schaumburg-Lippe mit Gewalt durchzusetzen, nur der Wilhelmstein blieb unbesetzt. Der Protest von Fürstin Juliane von Schaumburg-Lippe vor dem Reichshofrat in Wien und nicht zuletzt die Interventionen der Nachbarstaaten Hannover und Preußen zwangen den Landgrafen Wilhelm IX., Schaumburg-Lippe wieder zu verlassen. Die tatsächlich auf dem Wilhelmstein ausharrende schaumburg-lippische Besatzung dürfte dabei kaum eine Rolle gespielt haben.

4) Die Verfassung des Königreichs Westfalen vom 15.11.1807 sah für die 8 Departements, die alle bis auf das Harz-Departement nach Flüssen benannt waren, jeweils 5-12 Grundeigentümer, 1-2 Kaufleute und 1-2 Personen aus der Gruppe der „Gelehrten, Künstler und um den Staat verdienten Personen“ vor, insgesamt 100 Personen. Diese Abgeordneten wurden indirekt durch die Departements-Wahlkollegien gewählt, deren Mitglieder wiederum vom Monarchen auf Lebenszeit ernannt wurden. Grundlage dafür waren Listen, die von den Präfekten der Departements zusammengestellt wurden. Das Wahlkollegium des Fulda-Departements tagte ab dem 26.4.1808 in der Kasseler Martinskirche. Die Sitzungen fanden in der Regel in der Orangerie in der Karlsaue statt. Die erste Session umfasste in der Zeit vom 2.7. bis zum 22.8.1808 14 Plenarsitzungen. Die zweite Session vom 28.1. bis zum 12.3.1810 umfasste 10 Plenarsitzungen, sie fanden im eigens dafür zum „Palast der Stände“ umgebauten Museum Fridericianum statt, mitunter als Privatsitzungen im Haus des Präsidenten des Reichstags in der Königstraße. Die Abgeordneten erhielten keine Diäten, sondern nur Reise- und Aufenthaltskosten. In den Plenarsitzungen wurde nicht diskutiert, sondern – meist mit sehr großen Mehrheiten – nur über die vom Staatsrat vorgelegten und in den Kommissionen (=Ausschüssen) beratenen Gesetzesvorschläge abgestimmt. Nach 1810 wurden die Reichsstände nicht mehr einberufen, weil die Gefahr bestand, dass sie die notwendigen finanziellen Einbußen nicht bewilligen würden.

5) Dieser Orden wurde von Jérôme im Jahre 1809 gestiftet. Die Ritter und Kommandeure des Ordens hatten folgenden Eid zu leisten: „Ich schwöre, als redlicher und aufrichtiger Ritter, treu zu seyn, der Ehre und dem Könige“. Das jährliche Gehalt eines Großkommandeurs und eines Kommandeurs beträgt 2000 Franken. Die Großkommandeure führen den Titel Exzellenz.

Haus am Kasseler Königsplatz

Blick aus dem Haus Königsplatz 36 auf die Baugruppe Königsplatz 57–59, vor 1898
Die beiden Häuser zwischen Kölnischer Straße und Poststraße wurden um 1770 für den Major Consens (Nr. 57) und den Staatsminister und Generallieutenant Martin Ernst von Schlieffen (Nr. 59) errichtet.

Von Schlieffen war 1732 in Pommern geboren worden und zunächst in preußische, 1757 in hessische Militärdienste getreten, wo er bis zum General aufstieg. Von Landgraf Friedrich II. 1772 zum Generallieutenant und Staatsminister ernannt, war er einer der einflussreichsten Berater und Diplomaten Friedrichs und seines Nachfolgers Wilhelms IX. 1789 kehrte er nach Preußen zurück, behielt aber seine hessischen Besitzungen und zog sich nach seinem Abschied 1792 auf das Gut Windhausen bei Kassel zurück. Dort starb er 1825 im hohen Alter von 93 Jahren. Das Palais am Königsplatz hatte er bereits1810 verkauft. Populär wurden die Affen in Windhausen, fast unbekannt ist jedoch sein Einfluss auf die deutsche Sprache: So versuchte er zahlreiche Fremdwörter durch deutsche Neubildungen zu ersetzen; während „Zerplatzung“ (Explosion), „Feldhandbieter“ (Adjutant) und „Scharen-Nachrück“ (Reserve) eher kurios anmuten, werden „Gepäck“ (für Bagage), „Ichsucht“ (für Egoismus) und „Befehlsausgabe“ (für Parole) noch heute benutzt. Sein Palais am Königsplatz zeichnete sich im Inneren durch zurückhaltendes Rokoko-Dekor aus. Hinter dem Haupteingang befand sich ein schlichtes, dennoch repräsentatives Treppenhaus, und ein vergleichbares Treppengeländer ist heute noch in Windhausen erhalten. Das Gebäude umfasste auch die drei mittleren Fensterachsen des Häuserblockes, mit dem kleinen Giebel als Abschluss; über einer Tordurchfahrt im Erdgeschoss befand sich dort im 1. Obergeschoss hinter einem Balkon der Festsaal des Palais.

Die Häuser Nr. 57–59 fassten gemeinsam mit Nr. 53–55 die Kölnische Straße ein. Von der Königsstraße aus gesehen bildeten sie aber auch genau die Mitte der nordwestlichen Platzhälfte; daher war eine zusätzliche, kleinere Mittelbetonung eingefügt, und dieses Schema verhielt sich genau gegensätzlich zu dem großen Hauptgiebel und den beiden kleinen Seitengiebeln an der ursprünglichen Fassade des Posthauses. So leitete der Häuserblock geschickt zwischen Nr. 53–55 und dem Posthaus über. Der reiche Schmuck des Brühlschen Hauses (Nr. 55) diente dabei als Gegengewicht zum Posthaus und lenkte den Blick zugleich wieder zur Achse der Kölnischen Straße.

Nr. 57 musste im Jahre 1907 einem überdimensionalen Bankhaus weichen. Nr. 59 wurde 1819 durch den Gastwirt Johann Georg Heinrich erworben, der den Gasthof „Zum König von Preußen“ vom Martinsplatz hierher verlegte. Namensgebend war ein Porträt Friedrichs des Großen, das in den Gasträumen hing. Als im Revolutionsjahr 1848 in Berlin mehrere hundert Menschen durch das Militär erschossen worden waren, versammelte sich in Kassel eine wütende Menge auf dem Königsplatz und wandte sich bald auch gegen das Hotel. Heinrich holte umgehend das Porträt des „Alten Fritz“ hervor, hängte es an das Balkongitter und besänftigte damit die Menge, die bald sogar Hochrufe auf den beliebten Friedrich anstimmte. In der Folge erwählten die Demokraten das Hotel sogar zu ihrem Hauptquartier, und der Balkon diente mehrfach als Rednertribüne bei Massenversammlungen.

1920 schloss die Witwe des letzten Gastwirts während der Wirtschaftskrise das Hotel. Das Gebäude wurde vermietet und enthielt zeitweise auch die Büros der Volkshochschule. 1938 eröffnete der Kommunalverband das Palais als Kulturhaus. Beim Großangriff 1943 brannte es aus und wurde in der Folgezeit abgebrochen.

Auf dem Platz erkennt im Markttreiben einen Zug der Dampfstraßenbahn, die seit 1877 zwischen Königsplatz und Wilhelmshöhe verkehrte. Ihr Initiator war Georg Wigand gewesen, der eine Buchhandlung im Haus Königsplatz 55 betrieb. Bereits während der großen Industrie- und Gewerbeausstellung, die 1870 in Kassel stattfand, hatte er zwischen Königsplatz und Wilhelmshöhe einen Pferde-Omnibus organisiert, ebenso zwischen Königsplatz und Ausstellungsgelände (Orangerie und heutige Hessenkampfbahn). Er regte zudem den Bau eines Pensionshauses an der heutigen Wigandstraße an (1873 eröffnet) und gewann schließlich englische Förderer und Planer für die Einrichtung der Dampfstraßenbahn, die 1877 ihren Betrieb aufnahm und den Wilhelmshöher Park samt Villenkolonie und Pensionshaus an die Stadt Kassel anband. In seiner Verlagsbuchhandlung gab Wigand ein „Casseler Tramway-Spiel“ und 1878 auch ein „Spaziergänger-Spiel“ heraus.

Gut Windhausen

Das im schlichten barocken Stil gehaltene Schloss Windhausen östlich von Niestetal-Heiligenrode - mit englischem Landschaftsgarten - entstand ab 1769 (wahrscheinlich) nach Plänen von Simon Louis du Ry für den hessischen General und Staatsminister Martin Ernst von Schlieffen. Das Gut in der Mittelgebirgslandschaft am Rande des Kaufunger Waldes ist seit drei Jahrunderten ein landwirtschaftlicher Betrieb. Das Herrenhaus wurde 1770 umgebaut.

Der im englischen Gartenstil angelegte Garten wurde ab 1781 von Schlieffen als gartenarchitektonische Ergänzung und Abrundung von Schloss Windhausen angelegt.

In der Gartenanlage befanden sich eine Vielzahl gartenarchitektonischer Bauwerke, die sich in die natürlich belassene Gartenanlage eingefügt hatten. Zum Garten gehörten ein Altar, ein Freundschaftsdenkmal, eine Teufelsbrücke und das so genannte Arminiusgrab, das dem Garten seinen Namen Germanischer Garten verlieh. Die Bauwerke im Garten wurden durch natürlich verwundene Wege verbunden.

In einer Menagerie wurde eine Horde Affen gehalten, bis diese bösartig wurden, Menschen anfielen und erschossen wurden. Wie es heißt, war einer der Affen von einem tollwütigen Hund gebissen worden. General von Schlieffen setzte zur Erinnerung an seine Affen am kleinen Teich eine Säule. Die Darstellungen auf der Affensäule inspirierte später Wilhelm Busch zu seiner bekannten Humoreske Fips der Affe.

In einer mit Schilf bedeckten Einsiedelei verbrachte der wissenschaftlich interessierte und zurückgezogen lebende General von Schlieffen seine Pensionszeit. Im hiesigen Mausoleum, das einer künstliche Ruine aus dem Mittelalter nachempfunden wurde und das er sich schon vor seinem Tod errichten ließ, wurde er begraben.

Der Germanische Garten vom Schloss Windhausen ist heute in seiner Gesamtheit nicht mehr erhalten, sondern als natürlich belassener, verwilderter Park vorhanden. Es erinnern nur noch das Mausoleum, das Arminiusgrab und die Affensäule an seine Existenz.

Zu erreichen ist die heutige Parkanlage über die von Heiligenrode in Richtung Osten verlaufende Kreisstraße K 4, die im Ort von der zum Beispiel nach Nieste führenden Landesstraße L 3237 abzweigt und unter anderen zum Sensenstein führt.

Soldatenhandel

Wie oben schon dargestellt wurde, ist Schlieffens Name ist eng verbunden mit der Geschichte der "verkauften" hessischen Soldaten, die auf der Seite der englischen Truppen gegen die nach Unabhängigkeit strebenden Amerikaner unter Georg Washington kämpfen mussten. Erst im Jahr 1884 kehren die letzten von ihnen in die Heimat zurück, zahlreiche weitere waren auf den Schlachtfeldern gefallen oder in der "Neuen Welt" geblieben. Einer der Rückkehrer (im Jahr 1784) war der Dichter Johann Gotthold Seume, der als Student hessischen Werbern in die Hände gefallen war und in seiner Autobiographie „Mein Leben" von seinen Erfahrungen berichtete. Sehr viel später hat auch die Schriftstellerin Sandra Paretti die historischen Ereignissen zur Grundlage ihres Romans "Der Winter, der ein Sommer war" gemacht, der 1976 als Fernsehfilm an nordhessischen Schauplätzen verfilmt wurde.

siehe auch

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. Allgemeine Deutsche Biographie Band 31, S.516-517
  2. Erdel, Eike: Hessen-Kassel and the contract of 1776 (http://home.ica.net/~claus/hessen.htm)
  3. Friesdorff, Kurt von [Hrsg]: Soldatisches Führertum, Hanseatische Verlagsanstalt, Band 2, Nummer 776, S. 281-283
  4. Journal von und für Deutschland, 1784-1892, 6. Jahrgang 5. Stück 1789, S. 452-462
  5. Krünitz, J. G.: Oekonomische Encyklopädie (Internet)
  6. Lengemann, Jochen: Parlamente in Hessen 1808-1813. Biographisches Handbuch der Reichsstände des Königreichs Westphalen und der Ständeversammlung des Großherzogtums Frankfurt. Die Hessen-Bibliothek im Insel-Verlag, Frankfurt 1991
  7. Meyer, Stefan: Georg Wilhelm, Fürst zu Schaumburg Lippe (1784-1869) Absolutistischer Monarch und Großunternehmer an der Schwelle zum Industriezeitalter , Diss. Hannover 2005 (aus dem Internet)
  8. Süßmann, Gustav: Die Affen des Herrn von Schlieffen, Legende oder Wirklichkeit? Beiträge zur Geschichte des Obergerichts Heft 4, Eigenverlag Staufenberg, 1983

Weblinks