Marienbasilika Wilhelmshausen

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Klosterkirche St Maria in Wilhelmshausen

Keimzelle des Ortes Wilhelmshausen, heute ein Ortsteil von Fuldatal, ist das ehemalige Kloster Wahlshausen, ein ehemaliges Nonnenkloster, das ab 1310 in ein Zisterzienser-Männerkloster umgewandelt wurde.

Das einzige von den Klostergebäuden noch erhaltene Bauwerk ist die ehemalige Klosterkirche „St. Maria“.

Die heute evangelische Kirche gehört zur Evangelischen Kirchengemeinde Holzhausen-Wilhelmshausen-Knickhagen.

Geschichte

Kloster Wahlshausen

Um das Jahr 1140 gründeten Kaiser Konrad III. und der Erzbischof von Mainz das Kloster Wahlshausen, das im Zuge der Reformation im Jahre 1527 (nach anderer Darstellung erst 1554) aufgehoben wurde. Bei der Klostergründung unterstand das Kloster dem Erzbistum Mainz, ab 1293 dann dem Erzbistum Paderborn von dem ein Zisterzienserkloster für Mönche eingerichtet wurde.

Mitte des 12. Jahrhunderts wurde das Kloster Wahlshausen als Nonnenkloster erbaut und wurde ab 1310 als Zisterzienser-Mönchskloster genutzt. Nicht bekannt ist, ob die ursprünglich hier lebenden Nonnen das Kloster gegründet haben und welchem Orden sie angehörten. Die Mönche bewirtschafteten das Kloster bis zu dessen Auflassung im Zuge der Reformation. Überliefert ist, dass der ehemalige Zisterzienser-Mönch Konrad Satte aus dem Kloster Wahlshausen nach dessen Aufgabe zunächst evangelischer Pfarrer in Holzhausen wurde, dann in Hohenkirchen, vorübergehend auch in Helmarshausen.

Landgraf Wilhelm IV. verwendete das Klostergut dann zur Anlage des im Jahre 1572 nach ihm benannten Dorfes. Er siedelte Bauern und Kötner an und es entstand der heutige Ort Wilhelmshausen.

Marienbasilika

Besonders die Marienbasilika in Wilhelmshausen (Holzhäuser Straße) erinnert bis heute an die ehemalige klösterliche Tradition. Sie wurde ursprünglich in den Jahren 1142 - 50 als Klosterkirche im romanischen Baustil ohne Kirchturm errichtet.

Marienbasilika - rückwärtige Ansicht

Erhalten geblieben ist der Taufstein mit Reliefs aus dem 12. Jahrhundert.

1239 wurde in der Kirche Graf Bardo von Sichelnstein beigesetzt.

Im Verlaufe des Dreißigjährigen Kriegs wurde die Kirche wiederholt zerstört (1626 durch Soldaten des Feldherrn Tilly und 1637 durch kroatische Söldner), ebenso durch zwei Brände in 1769 und 1891 (Blitzschlag), aber immer wieder erneut aufgebaut.

Eine aus dem 18. Jahrhundert stammende Rokoko-Orgel nebst Emporenbrüstung, ein Geschenk von Jérôme Bonaparte zur Zeit der französischen Besatzung und des Königreichs Westphalen, überstand ein weiteres Feuer von 1891.

Während des folgenden Wiederaufbaus in den Jahren 1891 und 1892 wurde die Kirche durch Seitenschiffe und den Turm ergänzt und nach erneutem Blitzeinschlag am 26. Februar 1957 in den Jahren 1957 bis 1963 grundlegend renoviert.

Eine vollständige Innenrenovierung erfolgte in den Jahren 2002 - 2007 und seit Ostern 2008 ist eine neue Orgel in ihrem alten Gewand zu hören.

Sehenswert im Innern der schlicht gehaltenen Kirche ist im südlichen Querschiff ein Tympanon, das das "Agnus Dei" darstellt. Hinter der Kirche schließt sich ein Kirchgarten an.

Klosterkirche St. Maria

Das Herzstück des Fuldataler Ortsteils Wilhelmshausen ist die Kirche St. Maria

Sie stimmt den Spaziergänger auf das Dörfchen an der Grenze zu Niedersachsen ein

Das war kein gutes Zeichen: Einen Tag, bevor der Turm eingeweiht werden sollte, schlug der Blitz ein, und es brannte lichterloh. Sollten die Wilhelmshäuser sich Ende des 19. Jahrhunderts damit abfinden, daß ihre Kirche weitere 700 Jahre ohne weithin sichtbares Wahrzeichen bleiben sollte? Seit der Grundsteinlegung Mitte des zwölften Jahrhunderts war die ehemalige Klosterkirche ohne Turm, weil das bei den Zisterzienser-Mönchen so üblich war. Steht man heute vor den Türen von St. Maria und blickt nach oben, fehlt es einem an nichts: Das im romanischen Stil erbaute Kirchlein hat einen Glockenturm wie andere Gotteshäuser auch.

Die Vergangenheit ist nicht nur in dem als dreischiffige Basilika erbauten Andachtsraum noch spürbar. Auch wenn man außen ein wenig herumspaziert, ist beispielsweise bei einem Blick zum Nachbargrundstück noch zu erkennen, daß sich hier die Küchentrakte befunden haben müssen. Und könnte die Anordnung der Birken im Kirchgarten gar der Kreuzgang gewesen sein?

St. Maria ist nicht nur das Wahrzeichen des 650-Einwohner zählenden nördlichsten Ortsteils von Fuldatal, sie ist auch die Keimzelle des Dörfchens, das sich nach und nach um die Klosteranlage herumgruppierte. Bei der 850-Jahr-Feier im Jahr 2000 wurde der hübsche, von Birken gesäumte Kirchgarten zum Treffpunkt.

Ein paar Schritte weiter sind die Spuren der klösterlichen Tradition von dem einst Walierissun, später Walehusen und schließlich Wilhelmshausen genannten Flecken noch zu spüren. An der Ecke der Kötnerei/Holzhauser Straße stand einst das Tor zum Kloster. Und an der Kötnerei selbst lebten die Kötner, die Holzkohle aus dem Wald holten - noch heute führt die Straße bis hinauf zum Reinhardswald.

Innenansicht
Taufstein
Orgelempore
Ansicht
Blick zur Orgelempore
Innenansicht

Als 1994 mit der Dorferneuerung begonnen wurde, hat sich die Gemeinde auch des Mühlbachs angenommen. Ein rotes Geländer säumt den Hang von der Straße zum Bach, der Bürgersteig wurde neu gepflastert - die Wilhelmshäuser Vereine und Verbände hatten sich bei der Gestaltung stark eingebracht.

Rechts und links der Kötnerei lohnt der Blick auf liebevoll renovierte alte Fachwerkhäuser, inmitten eines verwilderten Wiesengrundstücks steht sogar noch ein alter Ofen zum Brotbacken, behütet in einem Hexenhäuschen.

Doch Wilhelmshausen ist nicht nur Fachwerk mit viel Garten und Grün. Symbol für das Neue ist auch das per Solarthermik beheizte Dorfgemeinschaftshaus an der Schlesierstraße.

Steht man hinter dem Dorfgemeinschaftshaus und blickt in Richtung Reinhardswald, hat man die allerneuesten Bauten Wilhelmshausens vor Augen: das Neubaugebiet Am Rehwinkel. Bauland ist dort jedoch kaum zu bekommen, denn Wohnen in Wilhelmshausen ist beliebt. Nicht zuletzt bei Menschen, die im benachbarten Bundesland Niedersachsen arbeiten. Denn Hann. Münden ist von Wilhelmshausen fünf Kilometer entfernt. Nach Kassel sind es 17 Kilometer.

Literatur

  • Region Kassel Land e.V. (Hrsg.), Unterwegs im Reinhardswald - 52 Wege und Ziele, Wolfhagen 2011

siehe auch

Am Eco-Pfad Knickhagen-Wilhelmshausen
Innenansicht der Marienbasilika

Wandern

Eco-Pfad Knickhagen - Wilhelmshausen

Der Eco-Pfad Kulturgeschichte Knickhagen – Wilhelmshausen führt den Wanderer am Osterbach vorbei auch nach Wilhelmshausen zur Marienbasilika.

An der Obermühle in Wilhelmshausen vorbei führt der Weg weiter zu bronzezeitlichen Grabhügeln und über eine mittelalterliche Burganlage zurück nach Knickhagen.

Der Eco-Pfad mit rund 2 Stunden reiner Gehzeit gibt dabei Einblicke in eine 3 000-jährige Kultur- und Regionalgeschichte im Gebiet zwischen Fulda und Reinhardswald.

Informationstafeln erleichtern diese Zeitreise und erläutern auch das kulturgeschichtliche Umfeld.

Weblinks