Maler- und Lackierer-Innung

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1899 wurde die Zwangsinnung für das Malerhandwerk im Stadt- und Landkreis gegründet. Heute heißt sie Maler- und Lackierer-Innung Kassel und hat eine bewegte hinter sich.

Kleider machen Leute, Fassaden prägen ein Stadtbild. Wer die gut zu gestalten versteht, kommt sogar in die Zeitung. "Kassel hat die farbigsten Fassaden im Bundesgebiet" - das verkündeten am 4. März 1955 die Hessischen Nachrichten, wie sie damals hießen. Zu verdanken war dies den Kasseler Malern und Lackierern, die gleich nach dem Kriege dafür sorgten, dass mit neuen Farben neues Leben in die zerstörte Stadt kam. Bevor es jedoch soweit war, hatte die Innung der Kasseler Maler und Lackierer bereits eine 50-jährige bewegte Geschichte hinter sich.

Deren frühste Anfänge liegen im 19. Jahrhundert, als einige Maurermeister den Bau-Gewerken-Verein gründeten. Ihm gehörten, freiwillig, bereits 1883 auch die Maler- und Weißbindergewerke an. Im 19. Jahrhundert gab es immer wieder zünftige Auseinandersetzungen um die Frage, welche Aufgaben die Weißbinder und welche die Lackierer ausüben durften. So wollten Erstere etwa die Lackierer von Arbeiten innerhalb der Gebäude ausschließen. Ernst wurde es 1897, als mit der Handwerkernovelle die Zwangsinnung eingeführt wurde. Anders als die freiwillige Innung durfte sie keine Preisempfehlungen an ihre Mitglieder herausgeben.

In Kassel wurde 1899 auf Antrag des Decorationsmalers und Hofmalermeisters Carl Hochapfel die Zwangsinnung der Maler und Weißbindermeister im Stadt- und Landkreis Cassel gegründet. Eine Änderung der Statuten band ab 1907 ausdrücklich auch die Lackierer mit ein, außerdem jene, die weder Gesellen noch Lehrlinge beschäftigten.

Weitere wichtige Kapitel der Innungsgeschichte betreffen die Regelung der Lehrzeiten, der Lohnverhältnisse und die Fortbildung, für die 1902 in Kassel die Fortbildungsschule gegründet wurde. Das Submissionswesen stellte ein großes Problem nicht nur für die Maler dar. Den Unterbietungen wollte man durch Erstellen eines Preisverzeichnisses entgegenwirken, was aber in der Zwangsinnung verboten war. Auch mit dem 1911 gegründeten Kalkulationsbüro ließen sich Ausreißer bei den Submissionen nicht verhindern.

Im Dritten Reich gab es die Pflichtinnung, die Innungsversammlungen waren kein Beschlussgremium mehr, und der Obermeister wurde nicht gewählt, sondern ernannt. Ab 1945 nahm die Innung ihre Arbeit wieder auf. Es gab viel zu tun, 150 Maler waren im Stadtgebiet im Einsatz. Fortschreitende Technik und verbesserte Materialien führten in den folgenden Jahrzehnten dazu, dass immer mehr Menschen selbst zu Pinsel und Farbe griffen.

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