Magazinhof

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Der Magazinhof ist eine ehemalige Kaserne an der Leuschnerstraße in Kassel. Das Gebäude ist in Bundesbesitz, wird seit einigen Jahren allerdings nicht mehr benutzt. Im Volksmund wird er als "Nazikaserne" bezeichnet.

Magazinhof an der Leuschnerstraße


Magazinhof an der Leuschnerstraße

Geschichte

Innenhof der Kaserne

Konkrete Überlieferungen zur Entstehung des Magazinhofes gibt es kaum. Fest steht, dass der Magazin-Bau zwischen 1939 und 1940 errichtet worden ist. Ursprünglich wurde er - wie der Name bereits verrät - von der Wehrmacht als Lager genutzt. das "Ersatzverpflegungsmagazin", so der ehemalige Name des Gebäudes, wurden in den drei großen Silos Getreide und Lebensmittel für die Wehrmacht gelagert. Geplant war von den Nazis, dass in der Kasseler Südstadt ein militärisches Zentrum entsteht. Im Krieg wurde das Areal massiv zerstört. Nach dem Einmarsch der Alliierten war der Magazinhof eine der wenigen Kasernen, die Kassel und Umgebung erhalten blieben. Er wurde Ende der 40er-Jahre wieder aufgebaut. Während die Lüttich-, Wittich-, Hindenburg-, Graf Haesler-Kaserne und die Jägerkaserne sowie die Kaserne am Loh abgerissen beziehungsweise anderweitig genutzt wurden, blieb der Magazinhof zunächst ein Bundeswehrstandort. Er diente vor allem als Bekleidungskammer.

1994 wurde auch der Magazinhof von der Bundeswehr aufgegeben. Inhaber ist weiterhin die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). 2010 sollte die auf "Problem-Immobilien" spezialisierte Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten (Gesa) den Magazinhof veräußern - ohne Erfolg. Auch anderweitige Verkaufs- und Übernahmeanträge scheiterten.

Nach mehreren Bränden ist der Magazinhof zerfallen und kaum noch nutzbar. Diskussionen um die Zukunft des Magazinhofes führten lange zu keiner einvernehmlichen Lösung. Jetzt ist der Abriss des geschichtsträchtigen Gebäudes, das sich über eine Fläche von 37.000 Quadratmetern erstreckt, geplant.

Ende August 2012 wurde der Gebäudekomplex unter Denkmalschutz gestellt. Das Ensemble erhielt aus "aus architektonischen, militär- und lokalgeschichtlichen Gründen" den Status eines Einzeldenkmals. Die Stadt möchte ein Nachnutzungskonzept erarbeiten. [1] Als Vorbild könne die Speicherstadt in Münster dienen (Projektseite). Hier wurde in einem ähnlichen Komplex mit identischen Speichergebäuden Wohnraum und ein Angebot an Gewerbeimmobilien geschaffen.

Brandstiftung

Brandruine nach einem Feuer im Jahr 2011

Der Magazinhof fiel immer wieder Brandstiftung zum Opfer. Da das Gelände weder überwacht noch genutzt wird, nutzten Kleinkriminelle die Gelegenheit, um Brandsätze in der ehemaligen Kaserne zu legen. Allein bei einem Dachstuhlbrand im Jahr 2009 entstand ein Schaden von 15.000 Euro an. Auch 2011 wurde Feuer im Dachstuhl des Gebäudes gelegt. Für die ohnehin nicht gerade attraktive Immobilie lag somit ein konstanter Wertverlust vor.


Geplanter Abriss

Löscheinsatz der Feuerwehr beim Brand des Magazinhofs

Im Dezember 2011 musste die BImA erneut in das ungeliebte Eigentum investieren, um die Verkehrssicherungspflicht zu erfüllen. 70.000 Euro kostete der Bau eines 500 Meter langen Zauns. Darauf entschloss man sich, die Brandruine abzureißen. Das Problem: Die Kosten würden in die Hunderttausend-, wenn nicht gar in Millionen-Höhe schießen.

Nach einem Abriss, der vor allem durch die dicken Wände sehr teuer wäre, muss die BImA das Areal dennoch vermarkten. Allerdings ist die gängige Meinung, dass sich eine Brache leichter vermarkten lässt, als der abrissbedürftige Magazinhof.

Diskussion um den Denkmalschutz

Maßgeblich an den Plänen zum Abriss arbeitete der Vorstandsvorsitzende der BIma und ehemalige Kasseler Bürgermeister, Jürgen Gehb. Seine Pläne stießen bei der Bevölkerung auf eine positive Resonanz, da der Magazinhof allgemein als "Schandfleck" angesehen wurde. Ende Juni 2012 verweigerte die Stadt Kassel eine Abrissgenehmigung aus Denkmalschutzgründen. Auf Anfrage eines Privatmannes, ob die Wandmalerei der Silos schützenswert sei, wurde die Denkmalpflege in Wiesbaden informiert. Diese entschied, dass das Gebäude aus architektur-, militär- und lokalgeschichtlichen Gründen unter Denkmalschutz gestellt werden könnte. Zudem sei die Militärarchitektur des Dritten Reiches nur noch selten vollständig erhalten. Eine Entscheidung wurde daher vertagt.

Zukünftige Nutzung

Konkrete Vorstellungen für eine zukünftige Nutzung gibt es noch nicht. Allerdings machten sich die Kommunalpolitiker von Niederzwehren bereits im Anfang 2012 ihre Gedanken. So sei ein Kauf des Areals zum Bau von Einfamilienhäusern eine denkbare Option. Auch ein Gewerbegebiet könnte angesiedelt werden.

siehe auch

Quellen und Weblinks

  1. laut HNA-Artikel "Denkmalschutz für Kasseler Magazinhof" vom 29. August 2012 (abgerufen am 29.08.2012).