Macht der braunen Tafel

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Das Luftbild von 1982 zeigt den Turm und die Anlage der Homberger Burg auf dem Schloßberg

Am 30. Januar 1933 begann die NSDAP-Herrschaft auch in Homberg

von Thomas Schattner

Die Nachricht sprach sich an diesem Montag, 30. Januar, wie ein Lauffeuer rum: Hitler hatte die Macht übernommen. Und noch bevor es dunkel wurde, versammelte sich die nationalsozialistische Prominenz mit vielen Hombergern auf dem Schlossberg. Dort wurde unter großem Jubel die Hakenkreuzfahne gehisst. Eine dunkle Zeit begann - auch in Homberg.

Die Schilderung von Liselotte Strube macht deutlich, wie verblendet die Menschen waren: „Am Tag der Machtübernahme [...] schlachteten wir. Es war bitter kalt, das Schweineblut floss zum Kanal und gefror. Meine Mutter sauste aus dem Haus, eine Hakenkreuzfahne unterm Arm, die auf dem Schlossberg gehisst werden sollte. Sie rutschte auf dem Gefrorenen aus und fiel der Länge nach hin, die Fahne unterm Arm. Die Fahne wurde dennoch auf dem Schlossberg aufgezogen, aber von der Polizei sofort wieder beschlagnahmt. Meine Mutter nähte eine neue Fahne. In dieser Nacht sickerte durch, dass die Roten unser Haus erstürmen wollten. Daraufhin rückten Männer der Schwarzen SS in unser Haus ein. [...] Geschehen ist nichts“.

Von dieser Spannung zeugt das Foto, das am 30. Januar auf dem Schlossberg aufgenommen wurde, nicht. Stattdessen sieht man nur viele freudig erregte Menschen unter der „Fahne der neuen Zeit“.

Schon einen Tag zuvor hatten in Homberg etwa 250 SA- und SS-Männer einen Propagandamarsch nach einer Kundgebung auf dem Marktplatz durch Holzhausen, Welferode, Dickershausen und Mörshausen veranstaltet. Am 2. Februar begrüßte Homberg den neuen Reichskanzler mit einem Fackelzug und mit einer Kundgebung auf dem Marktplatz. „Ich erwarte, dass sich alle Volksgenossen, alle Verbände und Vereine, die hinter der neuen Regierung stehen, beteiligen“, so Kreisleiter Exter. Die Veranstaltung stand unter dem Motto: „Zu Ehren des Generalfeldmarschalls, Reichspräsidenten von Hindenburg in Würdigung seiner großen geschichtlichen Tat und zu Ehren des Reichskanzlers Adolf Hitler“.

Am Abend ging es im Waltherschen Saal weiter, um den „Aufbruch der Nation“ zu feiern. Die SS-Standarte lud zu einer wehrpolitischen Kundgebung ein, der ein Manöverball folgte.

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Der Anfang: Mit dem Hissen von Fahnen auf dem Schlossberg und einer Versammlung im Walterschen Saal - der heutigen Stadthalle - begann in Homberg die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten.

Am Nachmittag des 30. Januars 1933, trafen sich auf dem Schlossberg die begeisterten Nationalsozialisten, um die „neue Zeit“ zu begrüßen.

Fast auf den Tag genau 75 Jahre später verfolgten dort fast 500 Menschen die demokratischen Landtags- und Bürgermeisterwahlen.