MGV Liedertafel Frankenberg

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Das Konzert der Liedertafel mit dem Operetten-Star Anneliese Rothenberger unter Leitung von Otto Schwieder war im April 1975 ein herausragendes Ereignis.

Die Liedertafel Frankenberg (Eder) ist ein Männerchor dem aktuell rund 30 aktive Sänger angehören. Der Verein aus Frankenberg ist Mitglied im Mitteldeutschen Sängerbund und im Deutschen Chorverband.

Geschichte

Im Gasthof Zur Krone in der Geismarer Straße 9 in Frankenberg versammelte sich am 15. November 1902 eine Gruppe sangesfreudiger Frankenberger Männer. Sie gründeten die "Liedertafel".

Es waren 1902 zunächst nur 20 Mitglieder, die den Verein gründeten und als Vorsitzenden den Zimmermeister Hermann Scholl wählten. Erster Dirigent war Lehrer Böhnert aus Ederbringhausen. Im Juli 1907 erhielt der junge Chor beim 7. Edertal-Sänger-Bundesfest in Frankenberg feierlich in der Festhalle auf der Bleiche seine Fahne überreicht, und ein Jahr später hatte er schon 35 Aktive.

Erster und Zweiter Weltkrieg

Im Ersten Weltkrieg fanden sieben der Sänger den Tod. Mühsam wurde danach wieder mit der Arbeit begonnen. 1921 hatte die Liedertafel wieder 60 Sänger. Ende der 1930er-Jahre waren es 80, bis dann der Zweite Weltkrieg seine Opfer forderte.

Nach dem dem Zusammenbruch des Hitler-Reiches 1945 nahm der Männerchor neue Mitglieder auf, Rektor Heinrich Eckhardt dirigierte ihn bis 1949 und führte zusammen mit den Marburger Philharmonikern ein erstes großes Nachkriegskonzert auf. Dann prägte Otto Schwieder, der von 1932 bis Kriegsausbruch die Liedertafel geleitet hatte, die Entwicklung des Chores mit vielen großen Konzerterfolgen bis zu seinem Tod im Mai 1977.

Liedertafel im Nationalsozialismus

Während sich in den Reihen des ältesten Frankenberger Gesangvereins von 1840 keine jüdischen Mitglieder finden, gehörten dem Männergesangverein Liedertafel mehrere Juden an. In den Vereinsprotokollen tauchen ihre Namen nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland am 30. Januar 1933 aber plötzlich nicht mehr auf.

Unter den Gründungsmitgliedern waren mindestens zwei: Samson Dilloff und Albert Katten. Dilloff war viele Jahre lang Schriftführer, auch kurze Zeit zweiter Vorsitzender, der Name Albert Katten (I. Bass) taucht in früheren Protokollen mehrmals auf. Ein weiteres jüdisches Mitglied war seit 1914 Josef Kaiser.

Im Januar 1922 erfolgte die Aufnahme von Gustav Bachenheimer. Auf der Generalversammlung 1923 wurde Leo Stern aus dem Verein ausgestoßen - warum, ist unbekannt. In derselben Versammlung wurde Samson Dilloff von den Aktiven zu den Passiven "übergeschrieben".

Anlässlich des 25-jährigen Stiftungsfestes am 26. November 1927 ernannte man die noch lebenden Gründungsmitglieder, darunter Samson Dilloff und Albert Katten, zu Ehrenmitgliedern.

Weitere jüdische Mitglieder der Liedertafel waren der Lehrer Ferdinand Stern - 1932 vom aktiven zum passiven Mitglied übergeschrieben - und Siegfried Bartnitzki, der auf der Generalversammlung 1932 neben Gustav Bachenheimer zum Kassenprüfer gewählt wurde.

Über den Umgang des Vereins mit seinen jüdischen Mitgliedern nach dem 30. Januar 1933 liegen keine gesicherten Informationen vor. Die erste Jahreshauptversammlung nach der NS-Machtübernahme fand am 4. Februar 1933 statt, die folgende am 3. März 1934. Für den Zeitraum dazwischen enthält das Protokollbuch keine Eintragungen. Und auch aus dem Protokoll der Generalversammlung vom 3. März 1934 verlautbart nichts über den Ausschluss der jüdischen Vereinsmitglieder.

Dass sie ausgeschlossen wurden, wenn sie ihrem Ausschluss nicht durch Austritt zuvorkamen, steht indes fest. Schließlich wurde, wie in sämtlichen Vereinen in Deutschland, auch in der Liedertafel der "Arierparagraph" eingeführt.

Auffällig ist der starke Mitgliederschwund zwischen 1933 und 1934. Für die Generalversammlung 1933 vermerkt das Protokoll 18 Ehrenmitglieder, 54 Passive und 76 Aktive. 1934 waren es dann nur noch 13 Ehrenmitglieder, 50 Passive und 51 Aktive.

Während bis 1933 in den Protokollen die zwischenzeitlich verstorbenen Mitglieder namentlich genannt werden, ist dies 1934 nicht mehr der Fall. Der "lieben Toten" wurde stattdessen vom "Vereinsführer" pauschal gedacht. Andernfalls hätte man nämlich den Namen des Ehrenmitglieds Albert Katten aufführen müssen, der am 8. April 1933 verstorben war. Das wollte man offensichtlich vermeiden. Bei dessen Beerdigung soll dem Verein zwar erlaubt worden sein teilzunehmen, allerdings ohne Mitführung der Fahne.

Fest zum 110. Geburtstag

Der Männergesangsverein feierte am 12. Mai 2012 sein 110-jähriges Bestehen in der Ederberglandhalle mit vielen Gastchöre aus der Region. Unter den Ehrengästen des Abends begrüßte Liedertafel Chorleiter Gerhard Cloodt auch drei ehemalige Chorleiter: Volkhardt Heimann, Willfried Jerrentrup und Wili Hof.

siehe auch

Weblinks und Quellen