Märchenlandweg

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Tafel am Märchenlandweg vor Schloss Wilhelmsthal

Auf dem Märchenland-Wanderweg werden Geschichte und Geschichten der Region lebendig

Theaterstücke, lebende Märchenfiguren und Märchenspeisen erfreuen das Herz des Wanderers

Am 17. September 2000 wurde der Märchenlandweg offiziell eröffnet. Das Projekt Märchenlandweg soll die Vielfalt örtlicher Sagen und Märchen der Brüder Grimm für Besucher und Einheimische sinnlich erfahrbar machen. Dazu gehörten zum Beispiel Theaterstücke, lebende Märchenfiguren vom Ritter Dittrich und der Reinhardswaldkönigin in Hofgeismar, zahlreiche Schaukästen, zum Beispiel zum Sterntaler in Breuna und Informationstafeln.

Skulpturen, Märchenerzähler, eine Märchenspeisekarte, eine Märchentöpferei und das Brüder-Grimm-Museum in Kassel sind weitere Streckenpunkte.

Inhaltsverzeichnis

Das Wegenetz des Märchenlandwegs

Das Wegenetz reicht von Bad Karlshafen im Norden über Wahlsburg, Trendelburg, Reinhardshagen, Immenhausen, Ahnatal bis nach Fuldabrück im Süden und verbindet 26 Gemeinden des Landkreises und der Stadt Kassel sowie Hannoversch Münden. Ein charakteristisches weißes M mit Schlenker weist den Wanderern den Weg.

Das Streckennetz des 2000 neu eingerichteten Märchenlandwegs wurde vom Verein für Regionalentwicklung im Landkreis Kassel e.V. und dem Hessisch-Waldeckischen Gebirgs- und Heimatverein (HWGHV) gemeinsam erarbeitet.

Rund 300 Kilometer umfasst der neue Märchenlandweg im Gebiet des Habichts- und Reinhardswaldes, der Söhre und des Kaufunger Waldes.

Geschichte und Geschichten

Geschichten von Ehebruch und Steinschiffern

Hinweisschild in Oedelsheim zur Märchenlandfähre

Er ist 350 Kilometer lang, führt von Wahlsburg bis Guxhagen und zeigt dem Wanderer, wo der Gestiefelte Kater zu Hause war und Rapunzel ihr Haar herunterließ. Die Stationen des Märchenlandwegs erinnern an die Märchen der Brüder Grimm. In Fuldabrück (Etappe 13) indessen wollte man es damit nicht bewenden lassen. Hier wurden auf Betreiben des Heimat- und Geschichtsvereins Dennhausen/ Dittershausen wahre Begebenheiten für die Wanderer dokumentiert.

Etwa die von der standhaften Elisabeth. Die Dittershäuser Bäuerin Elisabeth Eskuche war 1574 wegen Ehebruchs, Zauberei und Mordes an ihrem Ehemann angeklagt worden. Obwohl sie schwere Folterungen über sich ergehen lassen musste, weigerte sie sich, ein Geständnis abzulegen. Die Schöffen lehnten deshalb einen Schuldspruch ab.

Da der Fall großes Aufsehen erregte, schaltete sich Landgraf Wilhelm IV. ein. In einem Schreiben an den Schultheiß und den Rat zu Cassel zeigte er sich erbost über die Schöffen und forderte, die Beklagte noch einmal ins Wasser zu werfen und ein scharfes Urteil zu fällen. Zumal die eingekerkerte Bäuerin den Fluch ausgestoßen haben soll: Alldieweil ich hier gefangen sitze, soll es kein schönes Wetter am Himmel geben.

Rengershausen: Dorothea Viehmann-Brunnen am Brauhaus Knallhütte
(Foto: Hütt-Brauerei)

Der Landgraf hatte bereits 1572 eine neue Ordnung erlassen, wonach auf Ehebruch die Todesstrafe stand. Folglich verlangte er, die Dittershäuser Bäuerin zumindest wegen ihrer Treulosigkeit zu verurteilen.

Der Schultheiß zog sich aus der Affäre, indem er die Akten an die juristische Fakultät der Universität Marburg schickte, um den Rat der Rechtsexperten einzuholen. Diese kamen zur Einsicht, wegen Mordes könne die Frau nach Aktenlage nicht belangt werden. Der Ehebruch sei zwar nach In-Kraft-Treten des neuen Erlasses begangen worden, aber für den Prozess nicht bedeutsam genug. Doch der Landgraf ließ nicht locker. Die Bäuerin wurde schließlich wegen Ehebruchs zum Tode verurteilt.

Dramen wie dieses sind zum Glück selten in der Geschichte der Gemeinde Fuldabrück. Nicht ungefährlich war indes der Fährbetrieb über die Fulda, von dem eine Tafel den Wanderern berichtet. Andere erinnern zum Beispiel an die Steinschiffer, die Furten durch die Fulda oder die Flussfischerei. Zusammengetragen wurden die Informationen vom Heimat- und Geschichtsverein, dessen Vorsitzender Heinz Gerlach nicht ruhte, bis alle Details am Tageslicht waren. So musste eine alte Akte über das Schicksal der treulosen Bäuerin erst in unser heutiges Deutsch übersetzt werden.

Die Märchen der Grimms kennt doch jeder, sagt Gerlach über seine Idee, an historische Begebenheiten zu erinnern. Aber die wahre Geschichte? Die ist zuweilen eng mit den Märchenschreibern verbunden. So soll die Mutter der Grimms ihren Umzug von Bad Hersfeld nach Kassel mit einem Marktschiff bewältigt haben, das auf der Fulda verkehrte. Und die Brüder Grimm pflegten offenbar beste Verbindungen zum Gut Freienhagen. Zwei der neun Tafeln in Fuldabrück sind denn auch Grimmschen Märchen gewidmet - dem Teufel mit den drei goldenen Haaren und dem Eisenhans. 3800 Mark hat die Gemeinde nach Angaben von Ordnungsamtsleiter Achim Mihr für die Tafeln und die hölzernen Wegweiser ausgegeben, die auf den Märchenlandweg verweisen.

In Fuldabrück führt er von Rengershausen über Dennhausen/ Dittershausen an der Fulda entlang nach Bergshausen. Von dort gehts über die neue Fuldabrücke über die Söhre zurück nach Dennhausen und von dort nach Dörnhagen. Die märchenhafte Route ist vor allem am Wochenende auch bei Radfahrern ein beliebtes Ausflugsziel.

Tambour von Wilhelmsthal

Etappe Nr. 23 des Märchenlandwegs verläuft von Schloss Wilhelmsthal nach Grebenstein. Eine Informationstafel am Schloss erinnert an den Tambour von Wilhelmsthal:

In der "Schlacht bei Wilhelmsthal" wurde die französische Armee im Siebenjährigen Krieg hier am 24. Juni 1762 geschlagen - ebenso bei der späteren Schlacht bei Lutternberg am 23. Juli 1762 - und zog sich aus Hessen zurück.

Im Küchenflügel des Schlosses kann man in einer Ausstellung von Dioramen mit Zinnsoldaten sehr anschaulich einige Schlachtsituationen nachvollziehen.

Die Geschichte des Tambours von Wilhelmsthal ist auf einer Tafel vor dem Haupteingang nachzulesen. Nach der Überlieferung stammte er aus Burguffeln, heute ein Stadtteil von Grebenstein.

In der Schlacht bei Wilhelmsthal trommelte der junge, unerfahrene Tambour nicht das Kommando „zum Sammeln“ sondern „zum Sturm“, was letztlich zum Sieg über die französischen Truppen geführt haben soll.

Literatur und Quelle: Die Sage zum Tambour von Wilhelmsthal findet sich auch bei Heinrich Rohde, Weserwellen und Diemelgrand - Geschichten und Sagen aus dem Gebiete der oberen Weser, der Diemel und der Esse, 5. Auflage aus Anlaß seines 50. Todestages, herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Micha Röhring, Hofgeismar 1995, S. 45 ff.

Etappen in der Region

Wegzeichen am Waldensermuseum in Gottstreu: oben das Zeichen für den Märchenlandweg

Etappe 1

von Bad Karlshafen nach Lippoldsberg (etwa 3 h) | Link

Etappe 2

von Lippoldsberg nach Gottstreu (etwa 4 h) | Link

Etappe 3

von Gottstreu nach Veckerhagen (etwa 5 h) | Link

Etappe 3 der Wanderungen auf dem Märchenlandweg verläuft von Gottstreu nach Veckerhagen und beginnt am Waldensermuseum in Gottstreu.

Etappe 4

von Veckerhagen nach Hann. Münden (etwa 4 h) | Link

Etappe 5

von Hann. Münden nach Knickhagen (etwa 3 h) | Link

Etappe 6

von Knickhagen nach Immenhausen (etwa 3 h) | Link

Etappe 7

von Immenhausen nach Schäferberg (Dauer: etwa 3 h) | Link

Im Bereich von Immenhausen und Espenau verläuft ein Streckenabschnitt des Märchenlandwegs von Immenhausen über Hohenkirchen nach Schäferberg. In Espenau wird der Wanderer von einer Tafel mit dem ersten Teil des Grimm´schen Märchens „Doktor Allwissend“ empfangen, das ihn durch Espenau hindurch begleitet.

Etappe 8

von Schäferberg nach Kassel (etwa 4 h) | Link

Der Dorfplatz in Schäferberg ist mit einem Brunnen, dem „Jägersborn“, ausgestattet. Hier gibt es Informationen darüber, wie das Märchen um "Doktor Allwissend" ausging.

Etappe 9

In Kassel führt der Weg auch zum nördlichen Torhaus der Torwache (im Bild rechts), von 1814 bis 1822 Wohnhaus der Brüder Grimm

von Kassel nach Niederkaufungen (etwa 4 Stunden) | Link

Etappe 10

von Niederkaufungen nach Nieste (Dauer: etwa 4 h) | Link

Die Etappe Nr. 10 verläuft von der Gänserammel in Niederkaufungen bis Nieste.

Etappe 11

von Nieste nach Helsa (etwa 5 h) | Link

Etappe 12

von Helsa nach Wattenbach (etwa 4 h) | Link

Etappe 13

von Wattenbach nach Rengershausen (etwa 5 h) | Link

Etappe 14

von Rengershausen nach Breitenbach (etwa 4,5 h) | Link

Etappe 15

vom Herkules nach Elgershausen (etwa 2 h) | Link

Etappe 16

von Breitenbach nach Naumburg (etwa 5 h) | Link

Etappe 17

Altes Rathaus in Wolfhagen mit Märchenbrunnen: Die von der Künstlerin Karin Bohrmann-Roth im Jahre 2002 geschaffenen Bronzefiguren - der Wolf mit dem Geisslein - symbolisieren das Wolfhager Stadtmärchen und die enge Verbundenheit mit den Gebrüdern Grimm.

von Naumburg nach Wolfhagen (Dauer: etwa 4,5 h) | Link

Etappe 17 des Märchenlandwegs verläuft von Naumburg über Ippinghausen und das Hugenottendorf Leckringhausen nach Wolfhagen.

Am Symbol für das von Wolfhagen ausgewählte Märchen „Der Wolf und die sieben Geißlein“, dem neugestalteten Brunnen auf dem historischen Marktplatz der Fachwerkstadt, beginnt die "Etappe 18", die von Wolfhagen über den Ofenberg (mit Aussichtsturm und "Wolfsschänke") nach Niederelsungen (bis zur Waldbühne Erich Oberlist) führt.

Etappe 18

von Wolfhagen nach Niederelsungen (etwa 5 h) | Link

Etappe 19

von Niederelsungen nach Niederlistingen (etwa 6 h) | Link

Etappe 20

von Niederlistingen nach Lamerden (etwa 5 h) | Link

Etappe 21

Vermutet wird der Rapunzel-Turm auf Burg Trendelburg

von Lamerden nach Trendelburg (etwa 5 h) | Link

Etappe 22

von Trendelburg nach Bad Karlshafen (etwa 5 h) | Link

Etappe 23

von Schloss Wilhelmsthal nach Grebenstein (etwa 4.5 h) | Link

Etappe 24

von Grebenstein nach Hofgeismar (etwa 3 h) | Link

Etappe 25

von Hofgeismar zur Sababurg (etwa 6 h) | Link

Etappe 26

von der Sababurg nach Bad Karlshafen (Dauer: etwa 4,5 h) | Link

Dornröschenschloss Sababurg im Reinhardswald

Die Etappe Nr. 26 des Märchenlandwegs führt von der Sababurg nach Bad Karlshafen (Länge: 17 km).

Etappe 27

von Calden nach Ahnatal (etwa 3,5 h) | Link

Etappe 28

von Ahnatal nach Zierenberg (etwa 3 h) | Link

Etappe 29

von Zierenberg zum Herkules (etwa 5 h) | Link

Etappe 30

von Niederkaufungen nach Spiekershausen (etwa 4 h) | Link

Etappe 31

von Spiekershausen nach Hann. Münden (etwa 5 h) | Link

siehe auch

Historisches Rathaus in Immenhausen

Weblinks

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