Lyceum Fridericianum

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Friedrichsgymnasium.jpg
Durch das Säulenportal betraten Generationen von Schülern das städtische Lyceum Fridericianum. Die prominentesten unter ihnen waren in den Jahren 1798–1802/03 die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm. Landgraf Friedrich II. hatte die Schule im Jahre 1779 der Stadt gestiftet.

Vorläufer des Lyceums war die alte städtische Lateinschule, die nach der Reformation im Kreuzgang der Martinskirche eingerichtet worden war. Wegen unzureichender Bauunterhaltung drohte zuletzt der Einsturz und das Gebäude musste 1776/77 abgebrochen werden; man kam notdürftig in angemieteten Räumlichkeiten unter, doch weder Stadt noch Kirche waren zu einem Neubau in der Lage. Daher nahm sich Friedrich II. der Schule an und modernisierte sie zugleich grundlegend.

Als Schulgebäude erwarb der Landgraf das Wohnhaus des Kriegs- und Domänenrats von Zanthier, das um 1769 erbaut worden war. Im Erdgeschoss lagen die Schulräume, darüber befanden sich der Festsaal und die Direktorenwohnung, während 2. Obergeschoss und Dachgeschoss weitere Lehrerwohnungen enthielten. Einige der Schulräume waren durch große Bögen miteinander verbunden, so dass faktisch zwei Klassen im selben Raum unterrichtet wurden. Über den Säulen des Portals symbolisierten zwei sitzende Figuren das Motto „ora et labora“, bete und arbeite.

Während des Königreichs Westphalen (1807–1813) wurden die Wohnungen schrittweise für das benachbarte Finanzministerium beschlagnahmt, und das Lyceum musste 1812 in das Wohnhaus Untere Karlsstraße 1 ausweichen. Zugleich wurden die unteren Klassen als „Bürgerschule“ abgetrennt und in der Zweiten Halle am Königsplatz untergebracht (vgl. Station 4). 1814–1816 ließ Kurfürst Wilhelm I. das Stammhaus wieder für Schule und Lehrer instand setzen, die räumliche Abtrennung der Bürgerschule blieb jedoch bestehen und wurde 1814 auch organisatorisch vollzogen.

Nach langwierigen Auseinandersetzungen zwischen dem Staat und der Stadt Kassel ging das städtische Lyceum 1840 in einem 1835 gegründeten Landesgymnasium auf. Das neue „Gymnasium zu Kassel, genannt Lyceum Fridericianum“ bezog 1842 einen Neubau auf dem rückwärtigen Grundstücksteil an der Wolfsschlucht (vgl. Rundgang 1, Station 9).

Der Altbau an der Königsstraße enthielt nun allein Lehrerwohnungen, doch wurden von 1867 bis zur Eröffnung des Wilhelmsgymnasiums 1886 wieder einige Klassen im Erdgeschoss untergebracht. 1886 ging das Gebäude zugleich in Staatsbesitz über und wurde vermietet, 1905 brach man im Erdgeschoss große Ladenfronten ein. Beim Großangriff 1943 brannte es aus und wurde anschließend weitgehend abgebrochen. Das Portal wurde erst in den 1950er Jahren als „Verkehrshindernis“ abgebaut und eingelagert. Nachbildungen der beschädigten Portalfiguren stehen seit einigen Jahren vor der Altstädter Kirche in Hofgeismar.

siehe auch

Verlorene Stadt

Ausstellung: Verlorene Stadt

Rundgang 7: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 1: Haus Königsstraße 45 | Station 2: Lyceum Fridericianum, Am Friedrichsplatz 19-20 | Station 3: Das Palais der Landgrafen von Hessen Rotenburg um 1910 | Station 4: Der Königsplatz nach Nordosten 1820, ehem. Kaskade | Station 5: Brühlsches Haus um 1890 | Station 6: Obere Königsstraße und Kölnische Straße, um 1898–1905 | Station 7: Königsplatz 34 und Königsstraße 32, um 1905–1911 | Station 8: Die Baugruppe Nr. 38–46, um 1888–1890 | Station 9: Die Baugruppe Königsplatz 57–59, vor 1898 | Station 10: Das Posthaus am Königsplatz vor 1878