Ludwig Georg Braun

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Prof. Dr. h. c. Ludwig Georg Braun erhält für sein Lebenswerk den Deutschen Gründerpreis
Bericht der HNA am 15. September von Barbara Will

Prof. Dr. h. c. Ludwig Georg Braun (* 21. September 1943 in Kassel) war langjähriger Vorstandsvorsitzender der B. Braun Melsungen AG. Seit 2001 ist er ehemaliger Präsident des Deutschen Industrie und Handelskammertages (DIHK).

Ludwig Georg Braun ist der Sohn des Pharmafabrikanten Otto Braun. Er ist nach eigenen Angaben praktizierender Christ. Braun ist verheiratet und hat fünf Kinder, zwei Töchter und drei Söhne. Er lebt in Melsungen und ist ein begeisterter Sportler, der regelmäßig joggt und gelegentlich an einem Marathon teilnimmt, aber auch Skifahren, Leichtathletik und Schwimmen reizt ihn. Daneben betätigt er sich in seiner Freizeit als Briefmarkensammler und Naturfilmer.

Ausbildung

Braun legte 1963 an der Geschwister-Scholl-Schule in seiner Heimatstadt Melsungen das Abitur ab. Anschließend machte er von 1963 bis 1965 eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Deutschen Bank in Kassel. Von 1965 bis 1966 war er zu praktischen betriebswirtschaftlichen Studien in England und den USA.

Beruflicher Werdegang

Nachdem er 1967 seinen Wehrdienst absolviert hatte, übernahm Braun von 1968 bis 1971 die Geschäftsleitung der Laboratorios Americano S.A. in Brasilien. Die Gesellschaft hatte ca. 1.600 Mitarbeiter. Braun baute das Exportgeschäft innerhalb Lateinamerikas auf.

1972 kehrte er zurück nach Europa und trat in die B. Braun Melsungen AG ein. Zunächst war er Mitglied des Vorstandes. Seit 1977 hat er die kaufmännische Gesamtverantwortung inne und wird zum Vorstandssprecher, später zum Vorstandsvorsitzenden bestellt. [1]

Am 26. März 2008 kündigte Braun an, dass er nach Auslaufen seines Vertrages die Konzernspitze der B. Braun Melsungen AG im Jahr 2011 verlassen will.

Am 1. April 2011 trat Ludwig Georg Braun nach 34 Jahren als Konzernchef ab. Seine Nachfolge übernahm Heinz-Walter Große. [2]

Ehrenamtliches Engagement

Braun ist seit Jahren in der Industrie- und Handelskammer tätig. Seit 1975 ist er Mitglied der Vollversammlung und seit 1983 Mitglied des Präsidiums. Von 1991 bis 2004 Präsident der Industrie- und Handelskammer Kassel und Mitglied der Vollversammlung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Am 13. Februar 2001 wurde er zum Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages gewählt. Seit 2004 ist er Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Kassel.

Von 1974 bis 1994 war er kommunalpolitisch in seiner Heimatstadt Melsungen tätig. Unter anderem war Stadverordneter und Vorsitzender der FDP-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung. Seit 2001 gehört er erneut der Stadtverordnetenversammlung für die FDP an.

Seit 1979 ist Braun Mitglied des Vorstandes des Arbeitgeberverbandes Chemie und verwandten Industrien für das Land Hessen e.V. in Wiesbaden. Von 1988 bis 1997 auch Mitglied des Bundesvorstandes und von 1996 bis 1997 Präsident des Bundesarbeitgeberverbandes.

Seit 1986 Mitglied der Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.

Weitere Tätigkeiten:

  • Mitglied des Kuratoriums des Hessischen Kulturpreises
  • Mitglied des Vorstandes des Förderkreises "Pro Nordhessen e.V.", Kassel
  • Mitglied verschiedener Aufsichtsräte namhafter deutscher Gesellschaften, zum Beispiel
    • Stihl AG, Waiblingen
    • HSBC Trinkaus & Burkhardt AG - Bankhaus, Düsseldorf
    • IHK Gesellschaft für Informationsverarbeitung mbH, Dortmund (Vorsitzender)
  • Vorsitzender des Vorstandes des Fördervereins Kloster Haydau

Auszeichnungen

  • 8. November 1991 - Ehrensenator der Universität Kassel
  • 5. Dezember 2005 - Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Freiburg
  • 6. September 2006 - Ehrenprofessor des Landes Hessen
  • 14. September 2010 - in Berlin wurde Ludwig Georg Braun mit dem Deutschen Gründerpreis für sein Lebenwerk geehrt.
  • 11. Mai 2011 - Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg

Gründerpreis für sein Lebenswerk

Prof. Dr. h. c. Ludwig Georg Braun
B.Braun Melsungen AG
Die nicht börsennotierte B. Braun Melsungen AG stellt Produkte für Kliniken, Arztpraxen, Chirurgie und Pflege her. Hinzu kommen Dienstleistungen, etwa Geräte und Stationen für die Dialyse.
Wachstum: Ludwig Georg Braun wurde 1977 Vorstandssprecher, 1991 Vorstandsvorsitzender. Seit 1977 stieg der Umsatz von 517 Millionen Mark (264 Mio. Büro) auf 4,03 Milliarden Büro. Die Zahl der Beschäftigten hat sich weltweit mehr als verzehnfacht.
Weltweit: Neue Werke entstanden unter anderem in den USA, in Malaysia, Indien, Russland und Vietnam. Der Kauf des US Infusionsspezialisten McGaw 1997 für 550 Millionen Mark (281 Mio. Büro) war die größte Übernahme.
Beschäftigung: In zwei Standortsicherungsverträgen verpflichteten sich die Melsunger Beschäftigten in je fünf Jahren 520 und 546 unentgeltlich zusätzliche Arbeitsstunden zu leisten und trugen damit zu hohen Investitionen bei. So entstanden etwa in Melsungen Werke für Infüsions- und Nährlösungen.
Investitionen: 2008 startete ein Investitionsprogramm von 1,4 Millliarden Büro. Die Hälfte davon floss nach Deutschland. 2011 soll ein zweites Programm mit einem Volumen von 1,6 Mrd. Euro folgen.
Auszug HNA-Bericht von Redakteurin Barbara Will
  • HNA Bericht am 15. September 2010 von Barbara Will

Melsungen. Ludwig Georg Braun hütet eine alte Ein­trittskarte. Sein Urgroßvater Bernhard hat sie 1889 für die Weltausstellung in Paris ge­löst. Der Apotheker aus der Provinz war offen für die Welt. Und das, sagt sein Uren­kel, zeichnet einen Unterneh­mer aus: „Man muss die Neu­gier wie eine Art Kulturgut bewahren."

Gestern abend ist Ludwig Georg Braun (66), Vorstands­vorsitzender des Medizin­technik- und Pharmaherstellers B. Braun Melsungen AG, in Berlin mit dem Deutschen Gründerpreis für sein Lebens­werk geehrt worden. Hinter dem undotierten Preis stehen das Magazin „Stern", das ZDF, die Sparkassen und der Auto­bauer Porsche.

Der Konzern ist heute vier­facher Umsatzmilliardär. Die Märkte seien stark gewach­sen, sagt Braun. Ein Unterneh­mer müsse diese Chancen wahrnehmen: „Ich darf mich nicht zufriedengeben. Ich habe für die Produkte von morgen und den Umsatz von morgen zu sorgen."

  • Offener Denker

Der 66-Jährige ist schmal, unprätentiös in seinem Anzug aus gutem Stoff, der Krawat­tennadel mit der Perle. Der konservativ wirkende Kon­zernherr ist ein offener, gänz­lich unorthodoxer Denker und deshalb immer für eine Provokation gut. Etwa als er als Präsident des Deutschen Industrie- und Handelkam­mertags für Nullrunden bei Tarifabschlüssen plädierte.

Seine Beschäftigten in der hessischen Zentrale, einem kühnen Bau der britischen Stararchitektenjames Stirling und Michael Wilford, machte er zu Wanderarbeitern. Feste Schreibtische gibt es nicht mehr, der Braunianer sucht sich einen freien Platz.

Offen sein, hinaus gehen in die Welt, das prägt die Familie Braun. Eine Familie, die für den Konzernchef ein „Eck­pfeiler des erfolgreichen Wirt-schaftens" ist, mit aller Konse­quenz: „Das Unternehmen geht im Grunde den persönli­chen Ausgaben vor." Dass die Brauns mitunter auf den Milli­ardärslisten des amerikani­schen Forbes-Magazins auf­tauchen, ändert nichts am Maßhalten. Was man ausgibt, muss man vorher verdient ha­ben, damit ist er aufgewach­sen. Als Kind hat er in den Fe­rien gearbeitet, hat Erbsen ge­pflückt, beim Großvater.

  • Geheimnis

Im März 2011 will Braun, der engagierte Protestant, der seinen Mitarbeitern zur Mit­tagszeit ein „Stundengebet" per Email schicken lässt, den Vorstandsvorsitz aufgeben. Leid tue es ihm nicht, sagt er, und: „Ich gehe davon aus, dass ich an bestimmten Stel­len im Unternehmen noch ge­fragt bin." Im übrigen gelte die Regel: „Stehe zur Seite und nicht im Weg." Der Nach­folger wird aus der Familie kommen, der Name ist ein gut gehütetes Geheimnis. Zwei Töchter und drei Söhne hat Braun, zwei seiner Kinder sind im Unternehmen tätig.

  • Leidenschaft Laufen

Langweilig wird dem Ruhe­ständler Braun nicht werden. Er ist vernetzt in Förderverei­nen, der Landessynode der Evangelischen Kirche von Kur-hessen-Waldeck. Für die FDP sitzt er im Melsunger Stadtpar­lament. Und dann ist da noch der Marathon. Fünf Langstre­ckenläufe hat er dieses Jahr schon absolviert. Der nächste Lauf steht fest: 2011 in Tokio.

siehe auch

Weblinks und Quellen

Einzelnachweise

  1. Ulrich Viehöver, Die EinflussReichen, Frankfurt am Main 2006, Seite 145 (Google books)
  2. HNA, 24. März 2011: Konsequenter Querdenker

Weblinks