Ludolf Wurbs

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Stets der Mann für alle Fälle

In der Öffentlichkeit wirkte Ludolf Wurbs eher spröde. Vielleicht brachte es der lang gediente hauptamtliche Stadtrat deshalb nie zu der Popularität seines Bürgermeister-Vorgängers Heinz Hille. Aber er galt Zeit seiner Arbeit als exzellenter Verwaltungsfachmann und hatte seine wechselnden Dezernate stets im Griff.

Der 1937 im thüringischen Sondershausen geborene Wurbs stellte seine Arbeitskraft über ein Vierteljahrhundert in den Dienst der Stadt Kassel. Im Jahre 1955 nach dem Abitur in die Bundesrepublik übergesiedelt, studierte er ab 1956 an der Marburger Philipps-Universität zunächst Naturwissenschaften, danach Rechtswissenschaften und setzte sein Jura-Studium in Hamburg fort. Tätigkeiten als Assessor in einem Kasseler Anwaltsbüro und beim Regierungspräsidenten sowie bei der Amtsanwaltschaft in Kassel waren weitere Stationen seiner beruflichen Laufbahn.

1968 trat Wurbs als Justiziar im Rechtsamt in städtische Dienste und wurde 1971 mit der Leitung des Hauptamtes betraut. Noch viel wichtiger für den aufstrebenden SPD-Kommunalpolitiker war, dass er das Vertrauen des damaligen Oberbürgermeisters Dr. Karl Branner erwarb. Als persönlicher Referent wurde er rasch zur rechten Hand des beliebten Stadtoberhaupts.

1972 wurde Wurbs von der SPD-Mehrheitsfraktion in der Stadtverordnetenversammlung - bei einem klaren Nein der Oppositionsfraktionen von CDU und FDP - in den hauptamtlichen Magistrat gewählt. Als Stadtrat für Organisation und Personalwesen zuständig, wurde der auffällig unauffällige Dezernent und stellvertretende Chef des SPD-Unterbezirks Kassel bereits 1973 als ein möglicher Nachfolger für Dr. Branner gehandelt, der 1975 die Altersgrenze erreichte. Neuer OB wurde allerdings Hans Eichel, und der übernahm selbst die wichtigen Ämter für Organisation, Verwaltung und Personal. Eichel sicherte sich damit mehr Macht im Rathaus, und das Organisationstalent Wurbs, dem nicht nur in der Verwaltung Verstand und viel Durchsetzungsvermögen nachgesagt wurden, fand sich nach der Magistratsumbildung im Herbst 1975 überraschend auf dem Sessel des Kulturdezernenten wieder.

Trotz dieses Zuständigkeitswechsels oder der zusätzlichen Übernahme des städtischen Hoch- und Tiefbauamtes im Jahre 1979 durch den Kulturdezernenten (!) - der treue Parteisoldat, dem manche Genossen Allüren wie eine Diva bescheinigten, weil er sich lange vergeblich bitten ließ, für ein Bundestagsmandat zur Verfügung zu stehen, blieb im Rathaus stets auf Posten.

Offener Schlagabtausch

Das änderte sich auch nicht, als es 1980 zum offenen Schlagabtausch mit Hans Eichel kam, der den seit 1975 amtierenden Wurbs als Kasseler SPD-Chef ablöste. Mit Eichel und Horst Peter als Bundestagskandidat waren zwei Sozialdemokraten aus dem linken Lager auf die einflussreichsten Posten gerückt. Wie schnell und oft sich das Magistratskarussell auch drehte, Wurbs blieb der Mann für alle Fälle. Ob als Umweltdezernent oder seit 1987 auch als Bürgermeister - Wurbs hielt sein Versprechen, stets mit vollem Engagement zum Wohle unserer Stadt und ihrer Bürgerinnen und Bürger zu arbeiten.

Doch dem fleißigen Arbeiter fehlte es an Ausstrahlung und dem nötigen Quäntchen Politikerglück. Das bekam Wurbs 1990 erneut zu spüren, als es wiederum um die OB-Nachfolge ging. Der SPD-Parteitag schickte mit deutlicher Mehrheit den Kandidaten Wolfram Bremeier ins Rennen, der neuer Kasseler Oberbürgermeister wurde. Dem oft auf seine Leidensfähigkeit geprüften Bürgermeister Wurbs bescherten dessen Genossen Anfang 1993 eine Wiederwahl auf sechs Jahre - mit gerade mal einer Stimme Mehrheit im Stadtparlament. 40 Tage vor der Kommunalwahl und bei schlechten Prognosen für die angeschlagenen Sozialdemokraten entstand bei vielen Bürgern der Eindruck, dass hier wieder mal ein Parteigänger versorgt werden sollte. Was Wurbs mit seinen 20 Stadtrat-Dienstjahren gar nicht nötig gehabt hätte. So geriet die Wiederwahl zum Anfang vom Ende. Noch im April 1993, gleich nach dem historischen Wahldebakel der Kasseler Sozialdemokratie, schickte die bei den Kommunalwahlen siegreiche bürgerliche Koalition den SPD-Mann Wurbs in die Wüste. Für diese Abwahl war zum Verdruss vieler Sozialdemokraten nicht die geleistete Arbeit des Bürgermeisters, sondern wohl allein das Parteibuch entscheidend.

Nach 25 Rathaus-Dienstjahren nahm Wurbs Abschied, wurde ein Jahr später vom neuen CDU-Oberbürgermeister Georg Lewandowski mit der höchsten Auszeichnung geehrt, die Kassel zu vergeben hat - mit der Ehrenbezeichnung Stadtältester. Wurbs, der bis zum Ende seiner Wahlzeit bis Anfang 1999 weiter auf der städtischen Gehaltsliste stand, besann sich auf seine Profession als Jurist und arbeitete in den vergangenen Jahren als Rechtsanwalt in einer Kanzlei im thüringischen Erfurt mit.

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