Louis Peter

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Vom Knecht zum Millionär

Louis Peter (1841 bis 1921) war Begründer der Korbacher Gummi-Industrie

Gründer der Korbacher Gummi-Industrie: Louis Peter
Eigentlich hieß er Friedrich Ludwig Peter, aber er nannte sich nur Louis. Am 21. Februar 1841 wurde der Begründer der Korbacher Gummi-Industrie, Louis Peter, in Alleringhausen geboren. Er war das fünfte von sieben Kindern einer bäuerlichen Familie, deren Geschichte sich in Alleringhausen bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen lässt.

Sein ältester Bruder Heinrich übernahm den elterlichen Hof. Louis arbeitete als Ochsenknecht auf dem Hof Jäger in Lengefeld ebenfalls in der Landwirtschaft. Seinen Militärdienst leistete er im Waldeckischen Bataillon, bei den 83ern, in Arolsen ab. 1863 zog er, wie so viele Menschen, in die Großstadt Frankfurt. Im Gummiwarengeschäft Roller fand er schnell eine Anstellung als Kassenbote und Zulieferer. Aus dieser Zeit stammt auch sein Name Louis, wie es damals Mode war.

Nur kurze Zeit später - 1866 - brach der Preußisch-Österreichische Krieg aus. Peter wurde als Angehöriger des waldeckischen Kontingents auf Seiten der Preußen eingezogen. Frankfurt, als freie Reichsstadt, hielt zu Österreich. Was seine Eingliederung nach dem Sieg Preußens in Frankfurt nicht erleichterte. So bekam er seine Anstellung nicht wieder und gründete kurzerhand ein eigenes Gummiwarengeschäft.

Am 28. Januar 1870 heiratete er die aus Langenlonsheim stammende Margarethe Claus. Sie kam wie ihr Mann aus der Landwirtschaft, brachte aber ein beachtliches Vermögen mit in die Ehe, die vom Tod vier ihrer sieben Kinder überschattet wurde. Einzig drei Töchter überlebten das Kindsalter. Nach Ende des Deutsch-Französischen Krieges (1871) und der Reichsgründung kam es in Deutschland zu einer wirtschaftlichen Aufschwung und zahlreichen Unternehmensgründungen. Auch Louis Peter wagte den Schritt, sich mit einer Gummiwarenfabrik selbstständig zu machen.

In den folgenden Jahren entwickelte sich eine regelrechte wirtschaftliche Achterbahnfahrt für den jungen Unternehmer. Am 1. März 1872 gründete er die Gummiwarenfabrik Louis Peter. Mit sechs Mitarbeitern produzierte er in Frankfurt-Sachsenhausen Wasser- und Bierschläuche. Als er Fahrradschläuche mit ins Programm nahm, florierte das Geschäft. Als die Fabrik zu klein wurde, baute er in Frankfurt neu und zog mit seinem Unternehmen 1893 um.

Louis Peter, Korbach

In all den Jahren in der südhessischen Ferne hielt Louis Peter stets engen Kontakt zu seiner Heimatstadt Korbach. Um seine Verbundenheit auszudrücken, baute er in der Medebacher Landstraße 1905 die Villa Peterhof. Etwa zeitgleich wandelte er das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft mit einem Kapital von drei Millionen Mark um. Die Aktien waren alle in seinem Besitz und er übernahm auch den Vorsitz im Aufsichtsrat.

Peters Heimatliebe zeigte sich in vielen Bereichen. Sei es, dass er seinem Geburtsort eine Kirche spendete oder verschiedene Einrichtungen wie das Arolser Krankenhaus unterstützte. Anlässlich der Einweihung der Alleringhäuser Kirche ernannte ihn der Fürst zum Waldeckischen Kommerzienrat. In den Folgejahren trafen Louis Peter allerdings finanzielle Rückschläge: Der Bau einer Brauerei in Korbach kostete weit mehr als veranschlagt. 1911 musste er das Waldecker Brauhaus unter Wert verkaufen. Parallel dazu baute er seit 1907 eine Zweigstelle seiner Fabrik auf dem Grundstück hinter dem Bahnhof. Der Bau verzögerte sich und wurde erst 1910 mit der Fertigstellung des Verwaltungsgebäudes beendet.

Nur ein Jahr später begann eine Krise in der Gummi-Industrie. Die Krise spitzte sich zu, und Louis Peter überwarf sich mit dem Aufsichtsrat, so dass er 1912 aus seinem eigenen Unternehmen ausscheiden musste. Da er die Korbacher Fabrik weitgehend mit eigenem Geld finanziert hatte, kam er in massive Geldnöte. Zwei seiner Neffen, die er im eigenen Unternehmen ausgebildet hatte, gründeten nach dem Ersten Weltkrieg ihrerseits eine Gummifabrik in Frankfurt. Sie machten sich daran, die Aktien ihres Onkels zurückzukaufen. 1920 gelang ihnen dies, und bei der Generalversammlung am 28. Januar 1921 wurde Louis Peter wieder in den Aufsichtsrat seines alten Unternehmens gewählt. Eine Genugtuung für den mittlerweile 79-Jährigen. Aber nur eine kurze, denn am 26. Februar 1921 starb Louis Peter - fünf Tage nach seinem 80. Geburtstag.


Artikel aus der HNA Waldeckische Allgemeine vom 27. April 2004 aus der Serie Die besten Waldecker

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