Lippoldshäuser Kirche

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Bodenfunde aus dem 10. Jahrhundert belegen eine lange Siedlungsgeschichte der bäuerlichen Siedlung Lippoldshausen am Ilksbach. Reste der ehemaligen Fluchtburg Lippoldsburg finden sich westlich des Ortes.Die erste urkundliche Erwähnung findet der Ort im Jahre 1263 in einer Schenkungsurkunde über 3 Hufen Land an das Kloster Pöhlde.

Der Wehrturm der Kirche in Lippoldshausen stammt aus dem 12. Jahrhundert mit Wandmalereien aus dem Jahr 1444. Das im Jahre 1753 errichtete Kirchenschiff wurde im Jahr 2000 saniert.

Bilderbibel an der Wand

Die Wand als Leinwand: Biblische Szenen schmücken den alten Chorraum der evangelisch-lutherischen Kirche in Lippoldshausen.

Ein Raum als einziges großes Gemälde: Wer zum ersten Mal den alten Chorraum der Kirche in Lippoldshausen betritt, kommt eine gute Weile aus dem Staunen nicht heraus: Das alte Gemäuer in dem Turm, der bereits im 12 Jahrhundert erbaut wurde, ist über und über mit farbigen Wandmalereien ausgeschmückt.

Angefertigt wurden sie 1494, wiederentdeckt bei der Restaurierung der Kirche im Jahr 1911. Zutritt zu dem einzigartigen Kunstwerk bekommt der Besucher durch zwei Durchgänge im ebenfalls sehenswerten Barockaltar des Gotteshauses.

Komplett bemalt ist die Nordwand des Raumes, links des Eingangs. In dreizehn Bildern werden biblische Szenen von Jesu Einzug in Jerusalem über das Abendmahl bis zur Gefangennahme und Geißelung Jesu Christi dargestellt. Fortgesetzt wird die Leidensgeschichte an der Seitenwand des Durchgangs: Dort zeigen Bilder die biblischen Geschehnisse Kreuzigung und bis zur Auferstehung. Auf der Südwand (Foto oben) ist über dem Fenster die Verkündigung an Maria durch den Engel dargestellt. An der Wand sind noch einige der ehemals kompletten zwölf Apostelgestalten erkennbar: Petrus mit dem Schlüssel, Johannes mit dem Kelch, Bartholomäus mit dem Messer und Jacobus mit der Keule. Zwei weitere Apostelbilder sind an der Ostwand erhalten. Dort ist auch die Enthauptung Johannes, der Täufers, bildlich festgehalten, außerdem ein vom Teufel Besessener, möglicher Weise vor einem Richter.

Sterne wie am Himmelszelt

Die Decke ist mit Medaillonbildern geschmückt. Sie zeigen das Lamm Gottes und die Evangelistensymbole Stier (Lukas), Engel (Matthäus) und Adler (Johannes). Der Löwe als Attribut des Evangelisten Markus ist offenbar schon in früherer Zeit weggefallen, als der Durchbruch zur Kanzel geschaffen wurde.

Ungezählte bunte Sterne zieren im Gewölbe des Raums das Himmelszelt und füllen an den Seitenwänden die Zwischenräume zwischen den einzelnen Motiven. (rud)

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