Lippoldsberg

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Die Klosterkirche in Lippoldsberg
Rathaus in Lippoldsberg

Lippoldsberg ist eine ehemals selbständige Gemeinde im ehemaligen Kreis Hofgeismar und heute ein Ortsteil der Gemeinde Wahlsburg im Landkreis Kassel.

Am 31.7.2006 hatte der Ort 1.658 Einwohner.

Im Jahre 2009 feierte Lippoldsberg sein 950-jähriges Jubiläum.

Geografie

Der Ort am rechten Ufer der Weser liegt im Norden von Nordhessen im Weserbergland zwischen dem Solling (im Norden), dem Kiffing (Höhenzug im Südosten), hinter dem sich der Bramwald (im Südosten) befindet, und dem Reinhardswald (im Südwesten).

Geschichte

Fähre

Aus dem Jahre 1981 stammt die Gierseilfähre „Märchenfähre“, die Lippoldsberg mit dem Vorwerk verbindet. Bereits im Jahre 1300 wurde hier erstmals eine Fähre erwähnt.

Kloster und Klosterkirche

In Lippoldsberg befindet sich das ehemalige Kloster Lippoldsberg mit der Klosterkirche St. Georg und Maria, einer der bedeutensten romanischen Basiliken in Deutschland.

Die romanische Klosterkirche "St. Georg und Maria" wurde Mitte des 12. Jahrhunderts (1138 - 1151) als dreischiffige Basilika mit einem Grundriß errichtet, der auf einem strengen Quadratsystem beruht.

Den schlichten Buntsandsteinbau betritt man durch den Westeingang in dem ehemals doppeltürmigen Westwerk.

Die Kirche gilt als eine der ältesten vollständig eingewölbten Kirchen in Deutschland und verfügt über ein Gewölbe aus beeindruckenden Gurtbögen. Durch Doppelarkaden mit runden Bögen sind die Seitenschiffe vom Mittelschiff abgetrennt. Alle drei Chöre werden von halbrunden Apsiden abgeschlossen.

Im Chorraum der kreuzförmig angelegten Pfeilerbasilika ist ein sehenswerter Taufstein aus dem Ende des 12. Jahrhunderts erhalten geblieben.

Informationszentrum Klosterpforte

Im Jahre 2009 wurde in der Klosterpforte in Lippoldsberg das Informationszentrum und das romanische Museum eröffnet. Spuren mittelalterlicher und klösterlicher Lebensweise zeigt eine thematische Ausstellung mit Fundstücken aus der Lippoldsberger Klosteranlage ergänzt durch Informationen zur romanischen Baukunst.

Ortsgeschichte

Erzbischof Lippold (auch: Luitpold) von Mainz, der im 11. Jahrhundert lebte, gab dem Ort seinen Namen. Er errichtete hier zwischen Weser und Schwülme eine erste Holzkirche. Über die nahe Weserfurt führte ein alter Weg vom Rhein über Geismar, dem heutigen Hofgeismar bis nach Thüringen.

Sein Nachfolger, Erzbischof Siegfried von Mainz, vergrößerte den Besitz an der Weserfurt und errichtete hier Mitte des 11. Jahrhunderts eine Steinkirche. Die Klostergründung erfolgte um das Jahr 1093 durch Erzbischof Ruthard von Mainz. Ab dem Jahre 1100 wurde das Frauenstift als Benediktinerinnen-Kloster fortgeführt. Die größere Klosterkirche entstand um das Jahr 1150 mit der romanischen Klosterkirche "St. Georg und Maria".

Klosterhof-Eingang
Museum in Lippoldsberg
Die katholische Kirche St. Maria Goretti in Lippoldsberg

Der Ausgang der Mainzer Stiftsfehde brachte auch Lippoldsberg im Jahre 1462 in hessischen Besitz. Unter dem protestantischen Hessen endete allmählich die Geschichte des Klosters. Der Klosterhof wurde zu einem Gutshof umgewandelt und bis 1913 genutzt. Ein Teil der Klostergüter wurde aber auch zur Ausstattung des im Jahre 1564 gegründeten Armen- und Sichenhauses in Lippoldsberg verwendet.

Im Jahre 1555 erteilte der hessische Landgraf Philipp I. die Erlaubnis zur Errichtung einer Eisenhütte in Lippoldsberg. Über Jahrhunderte wurde hier das Roheisen verarbeitet, das von den umliegenden Hüttenwerken (später auch von Vaake und Veckerhagen) auf der Weser herbeigebracht wurde, bis zur Stillegung des Betriebs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Im frühen 17. Jahrhundert lebte Stoffel Winkel, der eigentlich Stoffel Schildknecht hieß, in Lippoldsberg. Er war mit Trina Heistermann verheiratet. Als sich im Dreißigjährigen Krieg auch im Solling Überfälle unterschiedlicher Söldnerheere häuften, griffen die Bauern in den 1620-er Jahren wie im Harz oder in der Heide zur Selbsthilfe. Mehrere hundert Männer aus den Sollingdörfern sowie einige „verlaufene Knechte“ bewaffneten sich und legten im Wald Verstecke an. Einer ihrer Anführer wurde Stoffel Winkel, Anführer über 600 Bauern und verlaufene Knechte, mit denen er bis vor die Tore Einbecks streifte.

Als Rache dafür, dass ein Lippoldsberger einen Kaiserlichen erschlagen hatte, zündeten Truppen des Generals Tilly 1628 eine Scheune in dem Weserdorf an. Stoffel Winkel selbst wurde bei einer Auseinandersetzung mit einem „Mitgesellen“ in Bodenfelde erschossen. Seine „Mitconsorten“ begruben ihn am 14. Juli 1627 in seinem Heimatdorf.

Das "Museum im Schäferhaus" in Lippoldsberg (Schäferhof 22) zeigt anhand von Beispielen (Kaufmannsladen, Küche, Wohn- und Schlafzimmer, einem altes Backhaus, Bienenhaus und einer alte Schmiede), wie die Dorfbevölkerung in früherer Zeit ihren Alltag verbracht hat.

Zwischen Hessen und Braunschweig

Ein Graben zwischen Lippoldsberg und Bodenfelde liegt seit Jahrhunderten an der Grenze zwischen zwei Ländern, heute Hessen und Niedersachsen, früher die Landgrafschaft Hessen-Kassel und das Herzogtum Braunschweig. Bis Anfang des 18. Jahrhunderts trafen sich hier junge und alte Männer der beiden Orte vor Ostern und es fanden regelrechte Steinigungskämpfe statt, bevor diese nach einem tödlichen Zwischenfall verboten wurden.

Literatur

  • Kreis Hofgeismar, Handbuch des Heimatbundes für Kurhessen, Waldeck und Oberhessen III, Marburg/ Lahn 1966, S. 169 ff.
  • Jochen Desel, Lippoldsberg vor der Klostergründung, in: Heimatjahrbuch für den Kreis Hofgeismar 1968, S. 33 ff.
  • Thorsten Quest und Uta Schäfer-Richter, Dorfleben - Die Geschichte der Dörfer Lippoldsberg und Vernawahlshausen, herausgegeben von der Gemeinde Wahlsburg 1989

Jubiläumsjahr 2009

Im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten "950 Jahre Lippoldsberg" im Jahre 2009 wurde am ersten August-Wochenende das Informationszentrum Klosterpforte eröffnet.

Eine große Besucherresonanz verzeichnete auch das zeitgleich stattfindende "Markttreiben uppen Dörpe". Rund um die Klosterkirche waren zahlreiche Marktstände aufgebaut worden und Jahrhunderte alte Handwerke, wie das Schmieden, Weben, Salzsieden oder Töpfern wurden anschaulich vorgeführt.

Als am Samstagabend gegen 19 Uhr das Marktgeschehen endete, war das Fest nach einem Presseartikel in HNA-online vom 2.8.2009 noch lange nicht zu Ende und die Gäste genossen die laue Sommernacht bei Evergreens, Oldies und aktuellen Partyhits bis weit nach Mitternacht vor der historischen Klosterbasilika.

Märchen und Sagen

Der Lippoldsberger Fährmann

Lippoldsberg liegt am Märchenlandweg. Um das alte Fährhaus rankt sich die Legende, dass der Landgraf, nachdem er zwei Jahre im Wiener Gefängnis verbracht hatte, eines abends am Lippoldsberger Fährhaus landete, vom Fährmann aber nicht erkannt wurde. Dieser gab ihm zu essen, verweigerte ihm aber das Nachtlager in seinem Haus, da dies vom Landgrafen verboten worden war. Doch der Sohn des Fährmanns hatte Mitleid und ließ den Fremden heimlich auf dem Dachboden schlafen. Der Fährmann fürchtete Strafe, wurde jedoch belohnt und musste seitdem angeblich keine Pacht mehr bezahlen.

Die Riesentochter Lippolda

Zur Entstehung von Lippoldsberg

Die Sage zur Entstehung von Lippoldsberg findet sich bei Heinrich Rohde, Weserwellen und Diemelgrand - Geschichten und Sagen aus dem Gebiete der oberen Weser, der Diemel und der Esse, 5. Auflage aus Anlaß seines 50. Todestages, herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Micha Röhring, Hofgeismar 1995, S. 55.

Radwandern und Wandern

Radwandern

Hinweisschilder an der Märchenfähre
"Märchenfähre" in Richtung Gewissenruh

Der Weser-Radweg verläuft aus Richtung Hann. Münden (Start) entlang der Weser bis nach Oberweser (25,0 km) und von dort weiter nach Lippoldsberg (Fahrradservice Lippoldsberg)(30,0 km), Bodenfelde-Wahmbeck (35,0 km) und Bad Karlshafen (45,0 km). Hier schliesst sich eine mehr als 400 km lange Strecke bis nach Bremen, Bremerhaven und Cuxhaven an.

Wandern

Eco-Pfad

Märchenlandweg

Die Etappe 1 des Märchenlandwegs führt von Bad Karlshafen nach Lippoldsberg.

Pilgerweg

Unter dem Titel Zwischen Loccum und Volkenroda erschien im Jahre 2005 ein Pilgerbuch von Jens Gundlach, das die Pilger-Wanderstrecke vom Kloster Loccum, nordwestlich von Hannover zum Kloster Volkenroda, bei Mühlhausen in Thüringen beschreibt.

An der Pilgerstrecke liegen etwa das Kloster Bursfelde oder in Nordhessen die Kirchen in den Orten Arenborn, Heisebeck und Vernawahlshausen, die zu stiller Einkehr einladen. Ein Exkurs führt zur romanischen Kirche des einstigen Benediktinerinnenklosters Lippoldsberg.

Weserberglandweg

Der Weserberglandweg führt als Wanderweg zum Beispiel durch das romantische, teils an eine Klamm erinnernde Lumbachtal bei Gieselwerder und folgt zickzackförmig dem Waldrand bei Reinhardshagen mit vielfältigen Ausblicken ins Wesertal. Nebenrouten für Tagesausflüge erschließen das Holzape- und Diemeltal, die Klosterkirche Lippoldsberg und das Donnebachtal wo auch ein Abstecher nach Beberbeck diskutiert wird.

siehe auch

Übernachtungsmöglichkeiten

Hotels/ Gasthäuser

Jugendherbergen

Wandern

siehe: Radwandern und Wandern

Weserdampfschifffahrt

Aus dem „Begleiter auf dem Weser-Dampfschiffe von Münden bis Bremen“:

Im Frühjahr 1844 gab der Lehrer für Geschichte und Erdkunde am Rintelner Gymnasium, Dr. Ludwig Boclo, seinen „Begleiter auf dem Weser-Dampfschiffe von Münden bis Bremen“ heraus. Boclo war schon verschiedentlich als Reiseschriftsteller hervorgetreten. Das kleinformatige Büchlein sollte ein kundiger Mitreisender für alle fremden Passagiere sein.

Weserabwärts rühmte er neben vielem anderen den lieblichen Blick von Hilwartshausen auf Münden, der den dortigen Stiftsdamen ein Ausgleich für ihr entsagungsvolles Leben gewesen sein mochte. Auch die Eisengießerei in Veckerhagen sowie das Eisenhammerwerk in Lippoldsberg vergaß Boclo ebenso wenig wie den vom Fluss noch weithin sichtbaren Turm der Bramburg und die mit ihr verknüpften Sagen. Zudem warnte er vor den leicht reizbaren Bewohnern von Gewissenruh, die mit Prügel, Steinwürfen und Schimpfworten sehr freigiebig gewesen sein sollen.

Weblinks