Lindenberg

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Das Gebiet zwischen Forstbachweg, Eibenweg, Autobahn und Waldkappeler Bahn (mit den Lindenberg-Siedlungen) gehört nach einer Volksbefragung im Jahr 1997 zum Kasseler Stadtteil Forstfeld, es hatte davor zu Bettenhausen gehört.

Geschichte

Am Lindenberg 1929

Siedlung Lindenberg I

Auszug aus dem Bericht von Erich Bing Siedlergemeinschaft Lindenberg 1

Im August/September 1933 erfolgte ein Aufruf zum "Siedeln" auf dem Lindenberg, um aus der Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit herauszukommen und auf eigener Scholle mit Nebenerwerb aus Obst und Gemüseanbau, sowie Kleintierhaltung den Familienunterhalt zu sichern. Es waren zunächst 50 Siedlerstellen mit einer Grundstücksgröße von je ca. 1000 qm vorgesehen. Die Grundstücke wurden nach dem Reichsheimstättengesetz ausgegeben und von der Hessischen Heimstätte, die an der Verwirklichung des Vorhabens tatkräftig mitarbeitete, verwaltet.

Es fanden sich zunächst nicht die erhofften 50 kinderreichen Familien, so dass auch andere Familien bei Vergabe der Plätze zum Zug kamen. Nach den damaligen Richtlinien mussten die Bewerber vor der Kommission unter anderem weiter folgende Voraussetzungen erfüllen: Eignung des Mannes: Arbeitswilligkeit, Bescheidenheit, Verträglichkeit und Befähigung zu den für die Siedlerstelle wichtigen Arbeiten. Die Frau musste die Fähigkeit besitzen, einen Haushalt ordentlich zu führen und vor allem musste sie Mut und Liebe zum Siedeln haben.

Am 05. Mai 1934 beginnen die Bauarbeiten für den ersten Bauabschnitt Eschenweg – Kastanienweg - Birkenweg durch eine Firma aber auch gleichzeitig unter eigener Mitarbeit und Eigen- wie Nachbarschaftshilfe. Am 01. Oktober 1934 waren die ersten Siedlerhäuser fertiggestellt und konnten bezogen werden.

Nach Überlieferungen wurden in den damaligen Jahren auf dem Gebiet der ehemaligen Kernsiedlung 67 Schweine, 38 Ziegen, bzw. Milchschafe, nahezu 300 Kaninchen und ungezähltes Federvieh gehalten.

Wegen der einheitlichen Bauweise und vor allem den einheitlich kalkweißen Fassaden wurde die Siedlung damals spöttisch als "Mehldörfchen" bezeichnet und ist unter diesem Namen auch heute noch bei der älteren Generation in Forstfeld und in Bettenhausen bekannt.

Vom Juli 1940 bis Dezember 1944 erfolgten mehrere Luftangriffe auf das Gebiet von Bettenhausen, wobei auch einige Brandbomben hier niedergingen. Z. T. wurde diese von den Siedlern aus dem Dachstuhl geworfen und vergraben.

Die Straßen im Siedlungsgebiet, bis dahin nur Schotterwege mit Straßengräben, wurden ebenfalls auf Druck der Siedlergemeinschaft voll ausgebaut und kanalisiert.

Der Lindenberg gehörte zum Ortsteil Bettenhausen, die Bürgerinnen und Bürger sahen ihren Lebensmittelpunkt aber in Forstfeld. Nachdem frühere Bemühungen gescheitert waren, verhandelte Erich Bing wegen einer möglichen Änderung der Ortsteilsgrenzen bereits seit 1993 mit den Ortsvorstehern von Bettenhausen und Forstfeld. Der Vorstand der Siedlergemeinschaft Lindenberg 2 schloss sich schon damals diesen Bestrebungen an. Gestützt auf eine Resolution zur Jahreshauptversammlung vom 11. März 1995 und einen gleichlautenden Antrag der SGM Lindenberg II wurde unter gleichem Datum dem Oberbürgermeister ein Antrag auf Änderung der Satzung zu den Ortsbereichsgrenzen persönlich übergeben. Nach einer von beiden Siedlergemeinschaften organisierten und getragenen Bürgerbefragung ergab sich eine eindeutige Aussage für den geforderten Anschluss des Wohngebietes Lindenberg an den Bereich des Ortsbeirates Forstfeld. Unterstützung fanden die damaligen Bestrebungen von allen im Ortsbeirat Forstfeld vertretenen Parteien. Dem wurde vom Stadtparlament und den zuständigen Gremien mit Wirkung zu den nächsten anstehenden Wahlen entsprochen.

Somit gehören Lindenberg und Forstfeld seit dem 01.04.1997 zu einem gemeinsamen großen Stadtteil.

Siedlung Lindenberg II

Siedlergemeinschaft Lindenberg 2

Am 13. September 1958 schrieb eine Kasseler Zeitung: "Neues Siedlerglück am Lindenberg - ein Stück Heimat wieder gefunden.“ Gemeint war die zu diesem Zeitpunkt feierliche Freigabe einer Nebenerwerbssiedlung auf dem Lindenberg.

Für dieses Objekt stellte die Landesregierung 2,5 Millionen DM bereit. 10 % dieser Kreditmittel mussten die Siedler aufbringen, was für die meisten in der damaligen Zeit, nur wenige Jahre nach der Vertreibung aus der Heimat, finanziell nur unter erheblicher Entbehrung zu bewältigen war. Dennoch waren sie glücklich, am Lindenberg eine neue Heimat zu finden, zumal sie die Möglichkeit hatten, durch Eigenleistung ihren Anteil abzuarbeiten. Damit die Siedler auch landwirtschaftlich - wenn auch im kleinen Maßstab - ihr Gelände nutzen konnten, erhielt jedes Haus ein Stallgebäude. 56 Siedlerstellen sollten es werden mit je etwas über 1000 qm Eigentumsfläche. Bauträger war die Hessische Heimat, die Bauausführung oblag der Hessischen Heimstätte. Die Siedlerstellen wurden ausgeschrieben.

Nachdem u. a. die Vertriebenenverbände den in Frage kommenden Personenkreis verständigt hatten, setzte eine derart rege Nachfrage von Bewerbern ein, dass eine Auswahl nach bestimmten Kriterien getroffen werden musste. Dieses geschah von den kommunalen Stellen unter Mitwirkung der verschiedenen Organisationen bzw. den Vertriebenenverbänden. Berücksichtigt wurden schließlich solche Bewerber, die heimatvertriebene Landwirte waren, bzw. in den Ostgebieten landwirtschaftliche Anwesen ihr eigen nannten. Die Grundstücke wurden anlässlich einer Feierstunde im Theater des Ostens ausgelost. Am 28.08.57 war Grundsteinlegung. 56 Häuser mit Ställen wurden danach in der Rekordzeit von 12 Monaten errichtet, 8 davon als Doppelhäuser.

Der große Tag der feierlichen Übergabe war der 12. September 1958. Da jedes Haus noch über eine voll ausgebaute Einliegerwohnung verfügte, erhielten nach Zuweisung des Wohnungsamtes weitere 56 Familien ebenfalls eine Bleibe. Zu jeder Nebenerwerbssiedlung gehört ein Stallgebäude und so kann positiv vermerkt werden, dass einige Siedler nicht nur Kleintiere mitbrachten, sondern darüber hinaus die Mehrzahl der Stelleninhaber nach und nach Geflügel, Kaninchen usw. anschafften. Selbst Schweine wurden vereinzelt gehalten. Erwähnt sei auch noch die seit den Anfängen der Siedlung bestehende Wellensittichzucht.

siehe auch