Lederhaus Schumann

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Schuhmacher und Lederhändler: Eduard Schumann (im Eingang) eröffnete 1923 sein Geschäft nahe der Martinskirche. HNA-Repro: Dilling
Leder ist etwas Dauerhaftes. Vielleicht liegt es an dieser besonderen Eigenschaft, dass die Familie Schumann eine Wirtschaftskrise, einen Weltkrieg und auch das große Sterben der inhabergeführten Einzelhandelsgeschäfte in der Kasseler Innenstadt überlebt hat. Antje-Gudrun und Michel Russo führen das Lederhaus Schumann am Königsplatz schon in der vierten Generation.

Eine Krisenzeit biete die Chance zur „Rückbesinnung auf Qualität“, sagt Antje-Gudrun Russo. Sie ist optimistisch, dass die derzeitigen Turbulenzen der Weltwirtschaft gut geführte Fachgeschäfte stärker in den Blickpunkt der Kundschaft rücken.

Vielleicht hat auch ihr Großvater Eduard Schumann so gedacht, als er 1923, in der schwierigen Zeit nach dem ersten Weltkrieg, an der damaligen Mittelgasse/ Ecke Druselgasse sein Ledergeschäft eröffnete.

Er war schon die zweite Generation der Leder-Schumanns. Denn Antje-Gudruns Urgroßmutter hatte zuvor mit ihrem Mann, dem Kasseler Gewerbefachlehrer Karl Flentje, an der Obersten Gasse ein Ledergeschäft eröffnet. Er stellte mit vier bis fünf Mitarbeitern Lederschäfte , also Schuhoberteile für maßgefertigte und für orthopädische Schuhe her. Die Firma handelte außerdem mit Lederhäuten.

Im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs brannte das Geschäft an der Druselgasse völlig nieder. Doch die Schumanns dachten nicht ans Aufgeben, sondern an den Neuanfang. Sie kauften ein Grundstück am Königsplatz, unweit des früheren Geschäfts, und setzten in den Nachkriegsjahren, immer wenn gerade ausreichend Geld da war, Stockwerk auf Stockwerk. Das ist eine Aufbauleistung, die Antje-Gudruns Vater, Dr. Karl Schumann, bewältigt hat. Der heute 89-Jährige war lange Jahre Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer. Die oberen drei Etagen des fünfgeschossigen Hauses sind vermietet.

Antje-Gudrun Russo, die heute 53 Jahre alte Betriebswirtschaftlerin, die eigentlich Balletttänzerin werden wollte, hat das Lederhaus vor 31 Jahren übernommen. Seitdem sind Pariser Chic und italienische Eleganz in das Lederhaus eingezogen. Das liegt auch an ihrem Ehemann Michel (58). Der gebürtige Südfranzose und Mitgeschäftsführer hat die Kontakte zu französischen und italienischen Modemachern ausgebaut. Man lege Wert auf die dauerhafte Zusammenarbeit mit den Lieferanten und auf Exklusivität, sagt er.

Die Russos haben auch das Sortiment zusammengestrichen. Schuhe und Lederbekleidung gibt es nicht mehr, dafür aber hochwertige Lederaccessoires, Taschen und alles fürs moderne Reisegepäck. Als Gemischtwarenladen sieht Antje-Gudrun Russo für das Fachgeschäft keine Zukunft. Man müsse sich auf die Stärken konzentrieren, sagt sie. Dazu gehöre die Beratungskompetenz der 15 Mitarbeiter. Diese würden ständig geschult. Zudem sei man auf allen wichtigen Ledermessen präsent, sagt die Inhaberin.


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